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 Springplatz

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BeitragThema: Re: Springplatz   Mi 11 Jun 2014 - 9:36

>> Abreiteplatz

Sie sah wie Bastian ein Handzeichen machte und Sie zu sich rief. Sie war dran, und ein kurzes Kribbeln kitzelte unter ihrer Bauchdecke. Es war ein komisches Gefühl, so lange war sie nicht mehr selber am Springen, hat keine Turniere mehr bestritten, und nie das passende Pferd dazu gehabt. Und ausgerechnet heute würde sie noch einmal Springen, und zwar mit Sir Samuel. Ein Schulpferd und auch ihr Pflegepferd. Und dann hatte sie um 17 Uhr nochmal einen Start bei der Dressur. Sie hatte sich vieles vorgenommen, und ob Ethalon das packen würde, wusste sie nicht, aber ein L Springen war jetzt nicht das schwerste. Aufmunternde Worte drangen an ihr Ohr, und ein feines Lächeln zog über ihre Lippen. Ja sie liebte ihn, den Jockey. Sie wusste, sie könnte auch andere haben, vielleicht sogar "bessere" aber das würde sie nicht machen. Niemand war Besser, in ihren Augen, als Bastian. Bei ihm fühlte sie sich das erste mal nach Jahren wieder Wohl und Geborgen.
Kurz schloss sie die Augen, sie hatte keine zeit. Sanft drückte sie die Schenkel ans Pferd und machte sich auf den Weg zum Springplatz. Das Klackern der Hufeisen auf dem Steinigen Boden, löste ihn ihr etwas nervöses aus. Sie liebte das Geräusch, wenn sie auf dem Weg zum Turnierplatz war, das Atmen des Pferdes während es lauschend seine Ohren spitzte und mit strahlenden Augen alles erblickte. Juli Ritt ein, ein leises Raunen ging durch die Menge, viele schienen sie zu erkennen, aus früheren Zeiten. Ruhig ließ sie den Hengst traben, bevor sie vor den Richtern durchparierte. Ethalon erstarrte zu einer Statue, den Kopf erhoben, die Nüstern gebläht, und ein leicht aufgerollter Hals zeigten seine ganze Eleganz. Ein Nicken folgte, und die Startglocke ertönte.

Sofort sprang Ethalon in einen leichten, lockeren Galopp. Seine Ohren spielten aufmerksam hin und her, immer darauf gespannt was als nächstes kam. Juli visierte den ersten Sprung an, Leicht nahm sie die Zügel an, Ethalon spitzte die Ohren und sein Kopf erreichte etwas an höhe, es dauerte nicht lange, und sie merkte die Kraft die durch seinen Körper ging, als er sich abdrückte und über das Hindernis flog. Ein leises Schnauben ertönte, als er den Boden wieder berührte. Ein Lächeln lag auf den Lippen der 29 Jährigen. Souverän nahmen sie auch die anderen Sprünge, nicht ein einziger Fehler zog sich den beiden Zu, und nach jedem Hindernis war das Gejubel auf den Tribünen und am Rande groß. Viele ließen sich von dem Albinofarbenen fesseln, staunten über Pferd und Reiter. Die letzten Sprünge wurden angeritten, es war eine Kombination aus Steilsprung,Oxer und Steilsprung. Hier musste sie ihn etwas zügeln, er konnte nicht zu weit Reinspringen da er sonst keinen Platz mehr hätte, um den Oxer ordentlich zu treffen. Sie merkte wie er sich dagegen wehrte. Immer wieder schnappte er mit dem Kopf, hatte ein paar Aussetzer im Galopp, kam jedoch locker über den Sprung. Was sich auf der anderen Seite jedoch sofort Quittierte. Ethalon Stolperte, fing sich, machte einen kleinen Galoppsprung und versuchte zu Retten was zu Retten war. Juli versuchte ihn zu Bremsen, dies leider Vergebens. Sie merkte wie sich der Körper anspannte, wie er seinen Weg nach oben suchte, Ethalon streckte sich, er versuchte alles, um Juli hier wegzubringen, aber es half alles nichts, Er landete mit den Vorderbeinen direkt im Oxer, und unter lautem Krachen und knacken, landeten Juli und ihr Hengst auf dem Boden. Durch den Schwung, flog Juli nach vorne, und als sie landete überschlug sie sich einmal und blieb liegen.Es war still, nirgendwo hörte man ein Raunen, keiner Sprach. Alle starrten sie auf das was geschehen war. Sie hörte wie sich Ethalon in den Stangen abquälte, sie hörte wie er Atmete und sie konnte seine Angst spüren. Es schien als würden Sekunden zu Stunden werden. Nur kurz lag sie am Boden, ehe man merkte das sich der zierliche Körper bewegte, Schnell war Juli wieder auf den Beinen, auch Ethalon, hatte sich mittlerweile aus den Stangen befreit. Als Juli die Zügel ergriff und der Weiße seinen Kopf an ihren Bauch drückte, ging ein erleichtertes Jubeln durch die Menge. Es ging beiden gut, keiner hatte sich verletzt. Langsam führte sie den Weißen, unter Applaus des Publikums, vom Turnierplatz zum Stall.

<< Hengststall

(Auftritt| Durchlauf| Unfall| Abgang)
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Lawrence McKinley
Admin


BEITRÄGE : 924
ALTER : Die Zeit ist das Kostbarste, was wir haben, deswegen achte ich auch nach 52 Jahren noch sehr genau auf sie.
HERKUNFT : Als Heimatliebhaber habe ich Kalifornien immer die Treue gehalten.
BERUF : Der Verantwortung als Hofleiter und Dressurlehrer kann und sollte man sich nicht entziehen.

BeitragThema: Re: Springplatz   Do 12 Jun 2014 - 14:15

Nachdenklich nickte Lawrence als Patrick einwarf, dass viele Bewohner des Hofes eine Ranchvergangenheit hatten. In der Tat war es so, wenn man sich einmal umso. Die meisten hier hatten seit ihrer frühesten Kindheit an mit Pferden zu tun gehabt. Dieser Gedanke ließ den Hofleiter leicht lächeln, zeugte es doch eigentlich nur davon, dass diese Menschen genau die richtigen waren, um künftige Generationen für den Umgang mit den wundervollen Tieren zu mobilisieren. Egal, ob angehender Lehrer oder Profireiter, sie alle würden ihren Weg an der Seite der Pferde finden, dessen war sich Lawrence sicher. Einige hatten es ja sogar schon geschafft und wollten sich hier nur noch weiterbilden, oder ihre Fähigkeiten vollends perfektionieren. Wie beispielsweise Shana und Lillian, die beide begnadete Reiterinnen waren und schon so einige Trophäen mit den unterschiedlichsten Pferden eingefahren hatten.
Von seiner Erzählung offenbar ermutigt, fiel dann auch Patrick ein und begann ein wenig etwas über seine "Pferde"-Vergangenheit zu erzählen. Interessiert lauschte der Dunkelhaarige dem gebürtigen Iren, der so in seiner Erzählung über das Reitschulpferd, das ihn einst durch die Prüfung getragen hatte, aufging. Ebenso wie bei dem Azubi zeichnete sich auch bei dem nun schon 50-Jährigen ein warmes Lächeln auf den Zügen ab. Er verstand Patrick nur zu gut, Nicki musste für ihn die Art von Pferd gewesen sein, die Fly für ihn gewesen war. Schlichtweg ein Tier, mit dem alles begann, dem man so viel verdankte, das man einfach nicht mehr vergaß.
"Das glaube ich dir. Offenbar hatte die Stute ein sehr tiefes Vertrauen in dich, worauf du defintiv stolz sein kannst."
Mit diesen Worten wandte sich Lawrence wieder dem Geschehen auf dem Platz zu, wo sich gerade Samuel Lecster mit zwei Abwürfen und damit insgesamt 8 Strafpunkten verabschiedete. Augenblick trat Juliena auf den Platz und zusammen mit ihrem Albinohengst gab sie ein so eigenartiges Bild ab, dass der größte Teil des Publikums ersteinmal andächtig und innehaltend verstummte. Lewis musste wegen dieser Reaktion grinsen, auch er hatte an dem ersten Tag, als er Ethalon mit Juli gesehen hatte ein wenig verdutzt drein geschaut, dass so eine zierliche Frau einen derartigen Koloss unter Kontrolle halten konnte. Aber auch hier lautete der Schlüssel nun mal Vertrauen - und das besaßen die beiden wohl ineinander.
Als einer der wenigen wusste der Brünette um die Hintergrundgeschichte der Kollegin Bescheid, weshalb er ihr umso mehr die Daumen für einen erfolgreichen Ritt drückte. Schon ertönte die Startglocke und Ethalon galloppierte flüssig an, schon hier sah Lewis, dass der Weiße sicherlich auch ein ernst zunehmender Konkurrent in der Dressur sein würde, so fließend und raumgreifend seine Gänge waren. Der erste Sprung schien ziemlich perfekt zu sein, was ja schon mal ein guter Anfang war. Auch die nächsten Sprünge schienen für die beiden keine großen Schwierigkeiten darzustellen, sodass irgendwann nur noch die Dreierkombination ausstand, die dann doch ein wenig Probleme zu bereiten schien. Mit zusammengekniffenen Augen verfolgte der Hofleiter das Geschehen, es war zu erkennen, dass die Harmonie zwischen Juli und ihrem Pferd ein wenig zerstört war und das zeigte sich auch beim Sprung über den Oxer, wo der Abstand einfach nicht mehr passte und Ethalon geradewegs in das Hindernis hineinflog. Mit ihm seine Reiterin. Erschrocken richtete sich Lewis auf, sah jedoch im selben Moment, dass sich Juliena bewegte, wieder aufstand und auch Ethalon wieder auf die Beine kam. Keiner von beiden schien ersthaft verletzt, doch der Schock war ihnen anzusehen. Kurz überlegte der Dunkelhaarige, ob er zu dem Reiterpaar hinuntergehen sollte, doch dann sah er Bastian schon Juli folgen und blieb sitzen. Auch wenn die beiden sich Mühe gaben, ihre Zuneigung füreinander war kaum zu übersehen. Schon früh hatte McKinley gemerkt, dass die beiden sich offensichtlich zu einander hingezogen fühlten, so wie sich verhielten und beinahe immer wieder wie zufällig in der Nähe des jeweils anderen auftauchten. Der Hofleiter hatte einen großen Erfahrungsreichtum und war zudem sehr sensibel für Verhalten von Mensch und Tier, weshalb er derartige Verhältnisse meist rasch durchschaute. Hier glaubte er, dass die beiden wohl ersteinmal allein sein wollten und sollte es Juli oder Ethalon doch schlechter gehen, so würde auf Bastian Verlass sein, dass er Hilfe holte. So speziell der Jockey auch sein musste, er war ein loyaler Kollege, der stets hilfsbereit und zuverlässig war.

Erleichtert atmete Lawrence einmal durch, als Pferd und Reiterin scheinbar unversehrt den Platz verließen und wandte sich dann an Patrick. Juli würde von diesem Springen disqualifiziert sein, aber in der nächsten Runde ging sie ja erneut an den Start, vielleicht hatte sie da mehr Glück.
"Bleibt zu hoffen, dass die beiden mit einem Schreck davon kommen..."
Er würde Patrick nicht mit trüben Gedanken belasten, was wäre, wenn Juli ihr psychisches Trauma nicht überstehen würde. Es ging den Azubi schlichtweg nichts an und außerdem war es nicht seine Aufgabe, sich darum Gedanken zu machen, weshalb der Hofleiter einfach mal hoffte, der Ire würde nicht zu sehr auf den Sturz eingehen.


{Patricks Erzählung | Antwort | Juli's Durchlauf | Sturz | Schreck | Patrick}
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Patrick Murray
2. Lehrjahr


BEITRÄGE : 325
ALTER : 25 und trotzdem noch ein Azubi.
HERKUNFT : Geboren in Irland, aufgewachsen im irgendwie irischen Teil von Bosten, USA, fühle ich mich der irischen Nation doch ziemlich zugetan, auch wenn auf meinem Pass "Amerikaner" steht.
AUSBILDUNG : Westernreitlehrer werde ich in rund einem Jahr sein. Falls mich O'Donneil nicht vorher doch erschlagen hat.

BeitragThema: Re: Springplatz   Fr 13 Jun 2014 - 21:05

Wiederum wurde die Antwort des Reitlehrers mit einem Nicken kommentiert. Eigentlich war Patrick nicht auf den Mund gefallen, absolut nicht, aber irgendwann gerieten Gespräche mit Lehrpersonen, Betreuern, Trainern und Chefs zu diesem Punkt, an dem man einfach nicht mehr locker flockig weiterquatschen konnte, ohne dass es entweder seltsam wurde, was hier noch nicht der Fall war, obwohl ihn McKinleys leicht großväterliche Art ein wenig amüsierte, oder man an diesen berühmten Punkt kam, an dem man zu viel von sich preisgeben musste, wenn man nicht lügend improvisieren wollte.
Auch das war nichts, das Patrick regelmäßig vermied. Wenn die Ausbildung hier auch nicht klappen sollte, dann könnte er wohl problemlos drei Memoiren von sich schreiben und keine würde wie die andere klingen. Vielleicht sollte er das wirklich mal angehen, um sich ein bisschen Geld zu verdienen. Er war kreativ, einigermaßen belesen und wenn Menschen wie diese Vampirromanautorin, deren Namen er sich nicht hatte merken können und auf die Mira, seine Kollegin bei McDonalds, wo er gearbeitet hatte, bevor er zur Ranch gekommen war, gestanden hatte, Bücher schreiben konnten, dann konnte er das ja wohl auch. Ha. Nein, Selbstüberschätzung war ebenfalls kein seltener Gast im Hause Murray.
Trotz seiner abschweifenden Gedanken bemerkte auch er den Albino samt ausgesprochen hübscher Reiterin, ebenso wie das Raunen, das durch die Menge ging. Der Azubi wusste, dass die Frau zum Lehrpersonal des Hofs gehörte, und glaubte sich daran zu erinnern, dass sie Springlehrerin war. Dann sollte sie den Parcours ja auch meistern können. Entspannt lehnte er sich zurück, als das Team angaloppierte. Während die Reiterin über den ersten Sprung hinweg segelten, wie ein Flugzeug durch Wolken glitt – oder so ähnlich... vielleicht war die Schriftstellerkarriere doch in etwas weiterer Ferne, als er sich eingestehen wollte – schweiften seine Gedanken weiter ab, glitten zur Nachmittagsplanung und streiften dabei die morgigen Reiterspiele, über die er sich bislang gar keine Gedanken gemacht hatte. Immerhin war Amy, wie McKinley vorher schon so passend bemerkt hatte, ein Trailprofi und sollte damit mit diesen Spielen auch gar kein Problem haben. Solange sie Cowboy in ihrer Nähe wusste.
Bevor der Ire die brenzlige Situation auf dem Platz wahrnahm, spürte er, wie sich McKinleys kollegiales Schweigen in eine Anspannung verwandelte, die Menschen annahmen, wenn sie ein Unglück auf sich zukommen sahen. Augenblicklich wurde Patrick aus seiner Gedankenwelt gerissen, praktisch in die Realität geschleudert, wie der Albino ins Hindernis.
„Scheiße“, entfuhr es Patrick tonlos, als sich McKinley schon aufrichtete und das ganze Publikum den Atem anhielt. Sein Herz hämmerte ein bisschen zu schnell in seiner Brust und unwillkürlich fragte er sich, wie groß die Chance war, dass das hier wirklich gut gegangen war. Kommt schon, steht auf!, rief er ihnen stumm zu. Verdammt nochmal, so konnte dieser Vormittag doch wirklich nicht ausgehen!
Als würden seine Rufe erhört werden, rappelten sich Pferd und Reiter langsam wieder auf. Ein Ruck ging durch das gesamte Publikum und auch Paddy ertappte sich dabei, dass er die Luft, die er unbewusst angehalten hatte, ausatmete. Dem Hofleiter neben ihm war es zweifelsohne nicht anders ergangen, was seine Worte bezeugten, als Pferd und Reiterin unter dem Applaus der restlichen Zuschauer den Platz verließen.
„Ich dachte im ersten Moment... ach, auch egal. Sie scheinen ja wenigstens nicht körperlich verletzt zu sein...“, antwortete der Westernreiter, dem dennoch voll bewusst war, dass psychische Verletzungen mindestens genauso schlimm waren.


[Gedanken & Julienas Ritt & Sturz & McKinley]
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Sophie Ferall
2. Lehrjahr


BEITRÄGE : 249

BeitragThema: Re: Springplatz   Fr 13 Jun 2014 - 21:19

Sophie hatte auf einmal die Welt um sich herum vergessen. Sie lehnte an dem Zaun und beobachtete die Durchläufe der anderen. Der Sprinsport hatte sie schon oftmals zum Schweigen gebracht. Sie verglich es wie mit dem Rennsport, wenn das Pferd absprang fühlte es sich an, für einen kurzen Moment das man fliegen könnte, wenn alle vier Beine sich der Schwerkraft entziehen konnten und so war es auf der Rennbahn. Man hatte die ganze Zeit das Gefühl nicht in einer realen Welt zu sein. Man schwebte beinahe über den Boden und hörte das Hifgetrappel der Anderen nur noch als ein Rauschen irgendwo weit entfernt, bis man dann auf die Ziellinie kam und man die Linie überquerte, dann war alles perfekt. Der Moment war vorbei und man hatte den Sieg errungen. Man hatte es geschafft.
Immernoch folgte ihr Blick dem Rapphengst der gerade an der Reihe war und sie musste an morgen denken. Es führte kein Weg daran vorbei das sie morgen einer Prüfung gestellt wurde. All das was sie so liebte und sie immer wollte wurde plötzlich eine Blockade in ihrem Kopf. Es war ein dauerhafter Druck gegen ihren Schädel, der jederzeit platzen konnte. Der Blondine wurde etwas schummrig und sie hielt sich an dem Zaun fest, der den Platz umschloss. Sie durfte nicht daran denken, weil sie wollte doch reiten, sie wollte diesen Druck. Diesen Nervenkitzel wenn es in die Startbox ging und sie ihre Stute zügeln musste beim Startschuss. Sie liebte die Menschen die sie anstarrten und sie liebte die Erwartungen in ihren Blicken.
Lillian verließ gerade mit ihrem Pferd Gunshot den Parcours und dann riss sie Aléjandro sie aus ihren irren Gedanken.
"Verflucht, entschuldige. Ich war gerade völlig weg. Ja ja mir geht es gut, denke ich zumindest. Ich musste gerade an morgen denken. Das wird mein erstes Rennen hier sein. Das erste richtige Rennen.", plapperte sie einfach drauf los. Dann seufzte sie und beobachtete den Ritt von Juliena. Sie sah Aléjandro an und bemerkte nur aus den Augenwinkeln, wie die Leite plötzlich in Aufruhr gerieten und den Schock der durch die Menge rauschte. Sophie sah zum Platz. Juliane war gestürzt. Sie riss die Augen auf und starrte auf die Beiden. "Oh mein Gott!", war das einzige was sie sagen konnte, sie blieb starr neben Aléjandro stehen und atmete dann aber erleichtert auf, als die Beiden aufstanden und den Platz verließen. "Hoffentlich ist nichts passiert.", meinte sie und musste wieder an die Rennbahn denken. Wenn es dort einen Sturz gab endetet er meistens mit dem Tod, oder schlimmen Verletzungen. Das Renngeschäfft war riskant, gefährlich und unberechenbar. Man ritt immer auf Risiko und ein Fehler konnte das Ende bedeuten, was ihr den Druck im Moment auch nicht leichter nahm. Sophie schnaufte und fasste sich an den Kopf, ihre Finger waren eiskalt.


(Gedankenverloren/ Druck/ widmet sich Aléjandro zu/ sieht Julienas Sturz)
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Lawrence McKinley
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BeitragThema: Re: Springplatz   So 15 Jun 2014 - 17:09


Angespannt verfolgte Lawrence das, was sich seinen Augen dort unten auf dem Platz bot. Krampfhaft hatte der Hofleiter die Hände zu Fäusten geballt, als wollte er sich selbst irgendwie festhalten, in diesem Moment, als die Erde für eine Sekunde still zu stehen schien. Zumindest so lange, bis wieder Bewegung in die beiden gestürzten Körper kam, sie sich beide aufrappelten und allen Zuschauern zeigten, dass sie Wohlauf waren. Das angespannte Gefühl blieb jedoch auch dann, als Juliena mit ihrem hensgt den Platz schon längst verlassen und damit nur ungeklärte Fragen zurückgelassen hatte. Lawrence zweifelte keine Sekunde daran, dass sie in der nächsten Klasse mit Sam wieder antreten würde, in diesem Fall war die Kollegin sicherlich hartnäckig. Allerdings stellte sich ihm die Frage, ob sie dem Achal Tekkiner wirklich die nötige Sicherheit und Führung geben konnte, die er brauchte. Für die erfolgreiche Absolvierung brauchte es höchste Konzentration in jeder Sekunde, das hatte Lewis mittlerweile gelernt. Das Pferd sprang zwar von selbst, doch der Reiter gab die Impulse.
Neben ihm hatte sich auch Patrick angespannt aufgerichtet, um zu sehen, was dort genau vor sich ging und auch der Azubi wirkte ernsthaft betroffen, als er den Sturz sah. Ebenso wie der ganze Rest auf und neben der Tribüne. Allerdings viel von dem meisten die Anspannung auch in dem Moment wieder ab, als Juli aufstand und davon ging - ohne zu humpeln, oder sonstige Anzeichen, die eine Verletzung vermuten ließen.

Die dunklen, tiefen Augen richteten sich auf den jungen Iren, als dieser aufgelöst zu sprechen begann. Lawrence nickte verständnisvoll, konnte er die Aufgewühltheit des Jüngeren nur zu gut verstehen.
"Ich glaube, wir alle dachten im ersten Moment, dass dies ein schwarzer Tag werden könnte."
Nachdenklich sah er auf den Platz, wo das nächste Paar seine Runde drehte. Fehlerfrei und vollkommen unbeeindruckt von dem vorangegangenen Geschehen. Offenbar waren einige hier Profi genug, um sich von nichts aus der Bahn werfen zu lassen...
"Ja, zumindest auf den ersten Blick. Trotzdem sollte nochmal jemand einen Blick auf Ethalon werfen, bevor er in der Dressur startet. Man sollte nichts riskieren."
Egal, ob sein eigenes Pferd oder nicht, Lawrence war immer besorgt um das Wohl der Tiere, da spielte es für ihn keine Rolle, wer der Besitzer war. In einem Seufzen ausatmend lehnte er sich wieder zurück, fuhr sich einmal durch die Haare und schloss für einige Millisekunden die Augen. Einmal kurz durchatmen um den Schreck wegzustecken und dann zu gewohnter Ruhe zurückzufinden.
Der vorletzte Starter ritt ein auf einem hellen Fuchs, der nicht so wirklich motiviert schien, an einem Springen teilzunehmen. Mit acht Fehlerpunkten gingen sie schließlich vom Platz und machten damit die Bahn frei für das letzte Pärchen in dieser Klasse, bevor die Hindenrisse höher gebaut wurden.
Mr. Monelli war Italiener und er war in Europa schon sehr erfolgreich gewesen. Sein schwarzer Hengst war in den besten Jahren und legte eine überaus schnelle und fehlerfreie Runde hin, die dann sogar für die Führung reichte. Das Publikum stand am Ende des Ritts auf und applaudierte dem Paar, dass eine kleine Ehrenrunde drehte, ehe sie aus dem Parcour ritten und die Hilfskräfte auf den Platz strömten, um den Parcour umzubauen.


{Nachwirkungen des Sturzes | Patrick | angespannt | Antwort | letzte Starter}
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Lawrence McKinley
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BeitragThema: Re: Springplatz   So 15 Jun 2014 - 17:15

12:30 AM - M-SPRINGEN
__________________________________________________________________

1# Camilla Swan (auswärtig)
2# Juliena Grossworth (HMS)
3# Nico Dumont (auswärtig)
4# Jim Johnson (auswärtig)
5# Daniel McHale (HMS)
6# David Smith (auswärtig)
7# Sylvie Untelaar (auswärtig)
8# Maria Kerraia (auswärtig)
9# Marshall Brown (auswärtig)
10# Antonio Pondelli (auswärtig)
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Patrick Murray
2. Lehrjahr


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BeitragThema: Re: Springplatz   So 15 Jun 2014 - 20:26

So angespannt hatte Patrick den Hofleiter noch nie gesehen. Wie er mit geballten Fäusten da saß, sorgte er auch nicht gerade dafür, dass sich der Ire in irgendeiner Art entspannen konnte. Eher das Gegenteil war der Fall, obwohl er sich stets darum bemühte, seine Emotionen unter Kontrolle zu behalten, sofern sie sich in Richtung Zorn und Hilflosigkeit wandelten. Vermutlich war er es auch nur der jahrelangen Übung geschuldet, dass er sich jetzt perplex und ein wenig geschockt fühlte, aber immerhin den Impuls zurückhalten konnte, gegen den nächsten Mülleimer zu treten, der es wagte seinen Weg zu kreuzen.
Aber McKinley war ein Mensch, dem er eigentlich zugetraut hätte, dass er sich auch vom Unfall einer Kollegin nicht so aus der Bahn bringen ließ. Übersah Patrick eine gewisse Komponente? Hatte es ihn überhaupt zu interessieren? Abgesehen natürlich davon, dass er generell gern über die Menschen in seinem Umfeld informiert war, um unangenehmen Überraschungen aus dem Weg zu gehen. Wobei man sich ja auch in den scheinbar wohlbekanntesten Menschen täuschen kann..., dachte er und war mit einem Mal froh darüber, dass man ihm in diesem Moment immer noch nur die Bestürzung über das Geschehen auf dem Platz ansehen konnte und nicht den mühsam unterdrückten Zorn.
Seine Finger spielten kurz mit dem Saum seiner Weste, bevor er den Kopf schüttelte, bereit, auf den anderen einzugehen. „Wird wohl auch gleich gemacht werden. Also, dass sich jemand um die beiden kümmert.“ Zumindest hoffte er das. „Es sind ja doch etliche Tierärzte... Moment! Die beiden treten gleich nochmal an? Mutig, mutig.“
Oder wahnsinnig, je nachdem, wie man es nennen wollte. Patrick wusste nicht, wie er sich in diesem Moment verhalten würde. Die Anzahl von Stürzen, die er mit den verschiedenen Pferden miterlebt hatte, ließ sich an einer Hand abzählen und darauf war er – nicht ganz zu Unrecht – stolz. Auch mit den etwas schwierigeren, jüngeren Tieren war er bislang immer gut klargekommen, von der Anfangszeit einmal abgesehen, und niemals hatte er mehr als einen Schock und einige blaue Flecke davongetragen. Seinem Dickschädel passierte so schnell schließlich nichts. Außer, dass er Kaffee brauchte.
Auf dem Platz lösten Helfer die Reiter ab, um den Parcours umzubauen. Wahrscheinlich war es jetzt gerade nicht die beste Gelegenheit, um Koffeinnachschub zu besorgen, doch der Ire liebte Gedränge und hatte kein Problem damit, länger in einer Schlange zu stehen. Man konnte auch da vielleicht auf einen ganz netten Smalltalk hoffen. Zudem musste er einfach für einige Minuten von der Tribüne runter. „Ich werd' mich ins Gedränge stürzen, um noch 'nen Kaffee zu besorgen. Kann ich Ihnen einen mitbringen?“ An einem Becher Kaffee schleppte man sich schließlich nicht tot...


[Gedanken & Antwort & Erinnerung & Frage]
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BeitragThema: Re: Springplatz   Di 17 Jun 2014 - 17:53

Weitere Starter folgten, unter ihnen viele, deren Gesichter halbwegs bekannt waren, doch erkannte der Spanier Aléjandro ohnehin keinen von ihnen. Da er weder die Ambitionen, noch das passende Pferd für den Pferdesport besessen hatte - gelegentlich übten sich Jumper und A.J. in der Dressur oder der Fahrkunst - hatte sich der Hufschmied bisher auch eher wenig mit den dort amtierenden Champions auseinandergesetzt. Oder aber mit den jüngeren Aufholreitern.

Gähnend, das eindrucksvolle Gebiss präsentierend, ließ sich Castor neben seinen Herrn fallen, nieste einmal kurz und lenkte die Aufmerksamkeit eines kleinen Mädchens auf den hünenhaften Hund. Aléjandro, der solche Szenen bereits des Öfteren hatte durchstehen müssen, behielt Hund und Kind genau im Auge, während diese sich fasziniert anstarrten. Letztlich zog die Mutter das Kind mit sich fort und die Anspannung wich schlagartig aus dem Körper des beigefarbenen Hütehundes.
»Dios mío, Cástor« murmelte der Spanier, richtete seinen durchdringend blauen Blick auf Sophie, die wirkte, als erwache sie aus tiefen, ernsten Gedanken. Aufmerksam sah der Rüde zu Beiden auf, alarmiert durch den spanischen Klang seines Namens. Ein leises Lächeln stahl sich auf die Lippen des Hufschmieds, als ihm gewahr wurde, was er vorher nicht hatte erkennen können: Sophie hatte schlicht und ergreifend eine nervöse Unruhe ergriffen, allgemein bekannt als Aufregung. Morgen würde sie starten, das bedeutete, einen ganzen, qualvollen Tag Warterei und Nervosität. Ihre derben Worte allerdings, als sie lautstark fluchte, irritierten den Spanier, sodass er verspätet auf das Poltern und Krachen reagierte.
Juliena Grossworth war eine der Starter, unter ihr der prachtvolle Albinohengst Ethalon. Dieser allerdings hatte das gesamte Hindernis abgeräumt, inklusive Reiterin, was in Aléjandro eine nie gekannte Anspannung hervorrief. Mit angehaltenem Atem fixierte er die reglose Gestalt, ehe er erleichtert leise Luft holte, kaum, dass sie sich bewegte. Ihr Hengst schien ebenfalls unversehrt und unter der Erleichterung des Publikums verließ seine Kollegin den Springplatz. Noch immer spürte er den dumpfen Herzschlag in seiner breiten Brust, denn der Tod war etwas, was er schon einmal zu oft miterlebt hatte. Umso bitterer schmeckte jetzt die Erleichterung.

»Tómelo con calma brummte er mit dunkler, beruhigender Stimme, als er die helle Stimme der aufgewühlten Sophie Ferall vernahm. Auch der kräftige Kangalrüde, der sich in der allgemeinen Aufregung erhoben hatte und unruhig wurde, beruhigte sich bei der offensichtlichen Gelassenheit Aléjandros wieder. Es war ein Teil des Geschäfts, als Hufschmied jederzeit absolut herunterzufahren.
»Beide standen, konnten laufen, niemand hinkt. Todo está bien, alles ist gut.« Einer einer ungewohnt selteten Intuition folgend sah er in die Augen Sophies, versuchte zu ergründen, ob es noch immer der Schock über den Unfall war oder das morgige Rennen, an dem sie antrat.
»Dein erstes richtiges Rennen? Por qué?« Es wunderte den Spanier, dass sie offenbar als Tochter einer Rennerfamilie bisher kein größeres Rennen mitgelaufen war, zudem sie ambitioniert dafür schien. Während der letzte Reiter durch den Parcours ging und die allgemeine Betriebsamkeit wieder aufgenommen wurde, um den nächsten Parcours aufzubauen, wandte der Hufschmied sich der Blonden entgegen. »Machst du dir deshalb Sorgen?«
Sie war nüchtern, die Frage, lediglich eine Möglichkeit für die Zweiundzwanzigjährige, sich selbst zu orientieren. Aléjandro vermochte mit Menschen nicht allzu gut umzugehen, dennoch verspürte er Mitleid mit der jungen Jockette. Vermutlich war der Leistungsdruck und die Konkurrenz innerhalb der eigenen Reihen ebenfalls ein Teil des Problems. Dennoch, A.J. war kein Mensch, der viel zeit mit Reden vertat oder sich in anderer Menschen Privatleben einmischte. Sollte sie dieser Frage ausweichen, würde er es hinnehmen.
 


[Parcourdurchläufe # Unfall # Sophie]  
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Sophie Ferall
2. Lehrjahr


BEITRÄGE : 249

BeitragThema: Re: Springplatz   Mi 18 Jun 2014 - 19:44

Sophie wusste nicht so ganz wohin mit ihren Gedanken. Sie versuchte einen klaren Kopf zu bekommen und atmete tief ein und aus. So ein Unfall brachte sie zwar aus der Ruhe, jedoch nur von kurzer Dauer, denn es passierten in jedem Reitsport Unfälle, manche waren wie diese, harmlos nicht weiter schlimm. Doch andere wiederum führten zu ersten Verletzungen und in vielen auch zum Tode. Sie dachte an ihre kleine Ranch in Texas, den heißen Sommer, die Staubwolken auf der Rennbahn. Wie viele Pferde dort ihr Leben gelassen hatten, wie viele Unfälle es gegeben hatte, als sie gegangen war, als ihr Vater weg war. Sie hatte nicht einmal in die Augen ihrer Mutter gucken können, als sie bei der Beerdigung gewesen war. Jegliche Zeitungsartikel hatte sie weg geworfen. Sie konnte es sich nicht ansehen, weil sie wusste es würde sie kaputt machen.
Aber jetzt war sie hier, stand auf einem Springplatz, neben ihr ein Spanier der dauernd in spanisch vor sich hin murmelte und sie beide das Geschehen betrachteten. Das Springturnier war mit dem letzten Teilnehmer abgeschlossen und trotz der Versuche an etwas anderes zu denken, gelang es ihr nicht komplett die Nervosität für morgen abzuschütteln. Seufzend sah sie zu Castro hinab, der durch ihre Unruhen etwas angesteckt wurde und sie neugierig ansah.
"Ja du hast Recht. Da habe ich schon schlimmeres gesehen.", sie schmunzelte ein wenig und sah dabei den Spanier an. Er war deutlich älter als sie, was man ihm jedoch kaum ansehen konnte. Sophie registrierte seine Frage. Natürlich war sie Rennen gelaufen, jedoch waren es andere Zeiten gewesen, als sie damit angefangen hatte. Sie war gezwungenermaßen ins Renngeschäfft hinein gewachsen, doch waren es kleine Rennen gewesen, keine Gelder waren im Spiel, keine Wetten, kein Leistungsdruck.
"Ich bin ein paar kleine Rennen geritten, jedoch waren diese nicht annähernd in dem Ausmaß, was mich morgen erwarten wird.", sie hielt kurz inne und strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. "Dieser Druck macht mich wahnsinnig. Ich meine alle sehen mir zu. Bastian wird viel erwarten, weil wir hart trainiert haben und ich will nicht das alles umsonst gewesen ist. Vielleicht bin ich in diesem Sinne ein Perfektionist, aber ich kann einfach an nichts anderes denken." Kurz sah sie wieder auf den Platz, wo die nächste Klasse aufgebaut wurde, dann widmete sie sich wieder dem Hufschmied zu. "Du als Hufschmied kannst das wohl nicht einmal annähernd nachvollziehen, was? Wie auch?", sie lachte herzlich und grinste ihn an.


(Denkt nach/ Castro/ Antwortet)
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BeitragThema: Re: Springplatz   Do 19 Jun 2014 - 17:26



Das Leben schien trostlos und langweilig zu sein. Jedenfalls, wenn man es durch ihre Augen sah. Trostlos war es, weil es nichts gab, was ein Ziel darstellte. Eine Ausbildung war ja schon nicht schlecht, aber wofür denn bitte? Es gab niemanden, der mit ihr den Erfolg teilen würde, niemanden, der sich für sie freuen würde. Außer ihre Tante vielleicht. Aber sie war einfach nicht ihre Familie, nicht wirklich. Der größte Teil Familie, den sie hatte waren Jaro und Samir. Der eine stand in seiner Box, vermutlich mal wieder wild mit dem Kopf schlagend und nervös auf und ab laufend. Der andere trabte an einer losen Leine neben ihr her und schnupperte interessiert in die Luft und saugte die vielen unbekannten Gerüche auf. Naja, und langweilig war es einfach, weil hier wirklich absolut nichts interessantes passierte und niemand wirklich auf sie einging. Ok, eigentlich konnte man ihnen das kaum verübeln, dass sah ja sogar sie selbst ein. Aber vielleicht waren das auch einfach nicht die richtigen Leute. Wenn die richtigen Leute kommen würden, würde sie das ja wohl merken. Oder doch nicht? Vielleicht hatte sie ja tatsächlich kein Herz mehr – im Übertragenen Sinne. Rein biologisch ja schon, das hatte sie ja getestet, indem sie sich die Haut aufgeschnitten hatte und ihr Blut herausgequollen war. Wie verrückt hatte es einmal geblutet und dann hatte es auch ihre Tante bemerkt. Blöder neuer Psychiater, hatte doch tatsächlich gedacht, er könnte ihr helfen. Letztendlich war es doch besser, wenn man sich selbst half.
Ein Ruck ging durch ihren Körper als ihre Hand mit der Leine nach vorn gezogen wurde und dann drang auch wildes Gebell und Geknurre an ihre Ohren. Samir hatte doch tatsächlich eine Besuchertöle ausgemacht, die er zum Frühstück verspeisen wollte. “Samir! Aus!“, knurrte sie den Hund an, während die blonden welligen Haare ihre grauen Augen verdeckten und der hasserfüllte Blick, den sie dem anderen Hund zuwarf, nicht zu sehen war. Manchmal waren diese Haare ein Segen. Sie konnten sie von ihrer Umwelt abschirmen und man merkte, wenn sie nicht angesprochen werden wollte. Nun zog sie ihren Rüden wieder ein Stück zurück, versenkte ihre Hände in den Taschen ihrer Lederjacke und marschierte weiter zum Springplatz, wo das Turnier in vollem Gang war. Heute hatte sie lang geschlafen, viel Zeit mit ihrem dunklen Augenmakeup verbracht und dann den Tageslook kreiert. Dazu hatte sie natürlich laut Musik gehört. Heute war mal wieder Nickelback an der Reihe gewesen. Wie sie diese Band vergötterte. Der Grunge ging sofort ins Blut und sie waren eine der wenigen Bands, die überhaupt noch so spielten. Das, was massentauglich zu sein schien war zwar nicht gerade der Fall, aber der Rest war eine Massage für ihre geschundene Seele.
Am Platz angekommen suchte sie sich einen Platz an der Seite der Tribüne, lehnte sich gegen einen Pfeiler und winkelte ihr Bein so an, dass sie nun auch einen Fuß gegen den Pfeiler gestellt hatte. Ihr brauner Mischlingsrüde tapste kurz unschlüssig herum, bis er sich neben ihr auf den Boden setzte und bettelnd zu seiner Besitzerin hochsah.
“Oh, bitte, Jo, gib‘ mir ein Leckerlie.“, sprach sie seine Gedanken in genervtem Tonfall aus und blickte ihn tadelnd an. Dann kramte sie allerdings doch in ihrer Hosentasche und ließ einen Hundekeks einen halben Meter über seinem Kopf fallen, den er geschickt mit dem Maul auffing und zufrieden zerkaute. Dabei wischte seine Rute fröhlich über den Boden und nachdem er geschluckte hatte, drückte er seine Schnauze in die Kniekehle ihres angewinkelten Beines. Joana strich sich die blonden welligen Haare aus dem gesicht und ließ den Blick über den Platz schweifen. Springreiten war nicht schlecht, aber irgendwie war sie immer mehr die Dressurreiterin gewesen. Wäre sie das nicht, würden ihre Eltern vielleicht noch leben, aber das Schicksal fand immer einen Weg, einem das zu nehmen, was es wollte.
Samir xx geht zum Springplatz xx Hundeattacke xx neben Tribüne an Pfeiler der Tribüne gelehnt
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BeitragThema: Re: Springplatz   Do 19 Jun 2014 - 18:09

« cf. „Stuten- und Wallachweiden“

Mit langen, ausholenden Schritten näherte Abigail sich dem Springplatz, der kurzfristig zum Turnierplatz umfunktioniert worden war. Je näher sie kam, umso deutlicher vernahm sie das Stimmengewirr der Zuschauer, die gelegentlichen Durchsagen zu dem jeweiligen Starterpaar und natürlich auch die ganze eigenen Geräusche der Heaven Meadows.
Ein Grinsen legte sich auf die Züge der Brünetten, der Blick aus blauen Augen glitt suchend über die gut gefüllten Zuschauerränge, ob unter ihnen eventuell bekannte Gesichter auszumachen waren. Erstaunlicherweise sah die Reiterin mehrere bekannte Gesichter, unter anderem Lehrer und Ausbilder, aber auch andere Azubis. Sie sah sogar Patrick mit Mr McKinley gemeinsam in den Rängen sitzen, dem Geschehen aufmerksam folgend. Ihre Mienen wirkten noch ein wenig angespannt - nichts, was Abbie tatsächlich wahrnahm, die ihre Gedanken andernorts hingelenkt hatte - als sei vor Kurzem etwas geschehen.

Genüsslich atmete die Dunkelhaarige die staubige Luft ein, geschwängert vom Duft der Pferde, Getränke und Essensabfällen, die sich die ein oder andere haarige Schnauze zu Gemüte führte. Ein solches Exemplar wurde soeben von einer höchst mürrisch wirkenden jungen Frau gemaßregelt, doch entging der Neunzehnjährigen wie so oft der gereizte Tonfall der Anderen, sodass sie kurzerhand auf Joana Collins zusteuerte.
Bisher hatten die beiden Azubis nicht viel miteinander zu tun gehabt, Abbie hatte sich auf ihr Training konzentriert und besaß ohnehin die Namenskenntnis einer Tomate. Kurz, die Blonde schien ihr vertraut, aber nicht vertraut genug, um ihr sofort einen Namen zuordnen zu können. Den Blick kurz auf den Mischlingshund gerichtet, der jetzt neben seiner Besitzein saß, versuchte Abbie das Alter des Rüden abzuschätzen. Freundlich lächelnd blieb sie neben Joana und ihrem Hund stehen.
»Hallo. Irgendwie kommst du mir bekannt vor, kennen wir uns schon? Ich bin Abigail.« Ihrem eher schlicht gestricktem Gemüt folgend stellte sie sich höflich vor, ihrer offenen Art entsprechend knüpfte sie recht schnell Kontakt. Das sie dabei bisher lediglich eine Handvoll Menschen näher kennengelernt - und sich deren Namen, inklusive Fachrichtung gemerkt - hatte, lag vermutlich sogar darin begründet, dass die Brünette schlichtweg eine Träumerin war. Vermutlich vergaß sie gelegentlich sogar einmal das Essen über ihre Gedanken hinaus. Lächelnd wartete Abbie ab.



[von Weiden kommend # zu Joanna & Samir stoßend]
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Lawrence McKinley
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ALTER : Die Zeit ist das Kostbarste, was wir haben, deswegen achte ich auch nach 52 Jahren noch sehr genau auf sie.
HERKUNFT : Als Heimatliebhaber habe ich Kalifornien immer die Treue gehalten.
BERUF : Der Verantwortung als Hofleiter und Dressurlehrer kann und sollte man sich nicht entziehen.

BeitragThema: Re: Springplatz   Fr 20 Jun 2014 - 18:57


Die Umbauarbeiten waren mittlerweile so gut wie beendet und es würde nur noch Sekunden dauern, bis eine weitere Glocke den Beginn des M-Springens einläutete. So langsam wurden die Hindernis wirklich hoch, was Lawrence einmal mehr darin bestätigte, dass dies nicht seine Disziplin war, die sie ihm schlichtweg in zu luftiger Höhe ausgetragen wurde. Die Dressur, so schön am Boden, war da doch viel angenehmer. Die Vorfreude unter den Zuschauern auf die rasanten Durchläufe, die sich ihnen nun bieten würden, war schon zu spüren, als sich die Tribüne in der kurzen Pause ein wenig leerte und das Gewusel sich zu den Imbisständen verlagert. Lewis musste lächeln - wie verfressen die Menschheit doch war!
Er hatte sich gerade wieder weitesgehend entspannt und den Schock von Julis Sturz weggesteckt, das drangen Patricks Worte an sein Ohr und der nickte dem Jüngeren bestätigend zu, als der ein wenig fassungslos über einen zwieten Start Julienas schien.
"Ja, sie tritt mit Sir Samuel jetzt noch einmal in M an und heute Nachmittag noch einmal mit Ethalon in der Dressur."
Ein wenig amüsiert war er über Patricks Reaktion, die so entrüstet schien, dass man sich nach einem derartigen Sturz tatsächlich noch auf eine weitere Teilnahme einließ. Aber Lewis Meinung nach musste dies jeder selbst wissen, wieviel er sich und seinem Pferd zumuten konnte und Juli war in der Regel keine Person, die ihr Pferd überforderte. Deswegen würde er sich da auch raushalten, es war ihre Sache wann und wie oft sie antrat.

Nicht nur auf dem Platz, wo die letzten Hindernishöhen gemessen und Stangen poliert wurden, sondern auch auf der Tribüne herrschte reges Treiben. Viele nutzten die Gelegenheit für einen kleinen Rundgang über den Hof und kamen dann mit noch mehr Anhang wieder zurück. Das Turnier boomte schon jetzt, so viele Menschen wie kamen um die nächste Runde zu sehen. Je höher die Klassen, desto mehr Zuschauer und auch die internationalen Größen, die sich angekündigt hatten, lockten natürlich viele Besucher her, während in den unteren Klassen vor Allem versteckte Trainer, Pferdewirte und Talentscouts anwesend waren, die den Nachwuchs begutachteten.
Lawrence konnt enicht leugnen, dass auch er sich auf das S-Springen freute, in dem so viele hohe Namen antraten. Von den Heaven Meadows Stables gingen Isaac und Shana als Hofvertreter ins Rennen und beide mischten sicherlich unter den Favoriten mit. Beide waren hervorragende Reiter, mit erstklassigen, talentierten Pferden und Lawrence war sich sicher, dass beide eine Schleife und eine Platzierung erlangen würden. Allerdings wusste er auch um den Ehrgeiz der beiden und da Isaac hier doch als Favorit starten würde, fragte sich der Hofleiter wie der junge Bereiter wohl eine Niederlage in Form eines zweiten Platzes wegstecken würde. Er hatte Isaac einige Male springen sehen und im Gegensatz zu Shanas Stil, hielt man bei Isaac unwillkürlich die Luft an. Nicht, weil das Bild nicht stimmig war oder so, nein er und Cloud harmonierten perfekt, doch beide gingen so waghalsigen in den Parkour, feilschten um jede Milisekunde und sprangen nicht immer gerade über ein Hindernis.
Das freundliche Angebot des Azubis holte den Dunkelhaarigen zurück aus seinen Gedanken. Er lächelte den Jüngeren dankbar an, schüttelte dann aber verneinend den Kopf.
"Nein, sonst habe ich nachher keine ruhige Hand mehr, wenn ich mich aufs Pferd schwingen muss. Aber danke dir."
Egal, wie schwer es um Patricks Geschichte bestellt war, was er alles angestellt oder erlebt hatte, er war ein guter Kerl, das stand fest.


{Umbau | Antwort | Gedanken | Patricks Angebot | lehnt ab}
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Patrick Murray
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ALTER : 25 und trotzdem noch ein Azubi.
HERKUNFT : Geboren in Irland, aufgewachsen im irgendwie irischen Teil von Bosten, USA, fühle ich mich der irischen Nation doch ziemlich zugetan, auch wenn auf meinem Pass "Amerikaner" steht.
AUSBILDUNG : Westernreitlehrer werde ich in rund einem Jahr sein. Falls mich O'Donneil nicht vorher doch erschlagen hat.

BeitragThema: Re: Springplatz   Fr 20 Jun 2014 - 20:19

Die Bühne war inzwischen beträchtlich gefüllt, was kaum verwunderlich war. Die Hindernisse erreichten inzwischen eine beachtliche Höhe und würden wohl noch höher werden, sobald das S-Springen begann. Eindeutig zu hoch für Patrick. Er schüttelte sachte den Kopf, streckte sich und vernahm McKinleys Antwort auf seine Frage mit neutralem Gesichtsausdruck. Da wurde einer wohl doch alt, wenn er jetzt, Stunden vor dem eigenen Ritt, keinen Kaffee mehr vertrug. Auf Patricks Stirn runzelte es kurz, bevor er die Schultern zuckte.
„Okay. Dann wünsche ich Ihnen schon mal Glück für später. Vielleicht schau ich mal bei meinem Liebespaar vorbei, sobald ich den Kaffee hab.“ Die Idee kam ihm in dem Moment, da er sie aussprach. Vielleicht würde er es tatsächlich tun oder die Zeit für anderes nutzen. Abby schlich bestimmt auch irgendwo über den Hof und, ob Nalani bei der Dressur mitreiten würde, wusste er gar nicht. Irgendwem würde er sicherlich finden, das war das kleinste Problem. Mit einem entspannten Winken verabschiedete sich Paddy schließlich von McKinley und sprang die Tribünenstufen herab, wobei er geschickt den unschlüssigen Menschen auswich. Abby entdeckte er tatsächlich, aber sie unterhielt sich mit der blonden Dressurreiterin – Joanna oder so ähnlich hieß sie – sodass er sich in dieses Gespräch nicht einmischen würde. Trotzdem ging er an den beiden Frauen vorbei, tippte Abigail auf die eine Schulter, bevor er sich grinsend an ihr vorbeischlich. Wahrscheinlich würde sie es gar nicht richtig mitbekommen, dass er es gewesen war, der ihre Schulter berührt hatte, aber das würde es heute Abend umso lustiger machen, sie darauf anzusprechen. Ausgesprochen guter Laune schlenderte er weiter über den Hof, ließ sich einfach ziellos treiben.

Tbc IRGENDWO


[Beobachtung & verabschiedet sich & bemerkt Abbie und Jo & tippt Abbie auf die Schulter & geht an ihnen vorbei]
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BeitragThema: Re: Springplatz   Fr 20 Jun 2014 - 22:08

„Da habe ich schon Schlimmeres gesehen.“ Das konnte sich Aléjandro lebhaft vorstellen, wenngleich es vermutlich nicht mit dem bangen Warten zu vergleichen war, sobald es eine vertraute oder zumindest bekannte Person betraf. Wohlweislich enthielt sich der Spanier einer Erwiderung dazu, wollte sich nicht mehr als unbedingt notwendig in private Bereiche drängen, die ihm im Prinzip nichts angingen. Letztlich war es auch nicht viel mehr als Smalltalk, immerhin war Sophie weder seine Auszubildende, noch seine Schutzbefohlene. Doch die Geschehen in Spanien, Frankreich und Amerika hatten den Hufschmied geprägt, dem heute mehr denn je ein sorgenvolles, mitleidiges Wesen zueigen geworden war.
Welches jedoch besonders bei den Vierbeinern ausgeprägt zu sein schien.

Während die Hindernisse korrekt eingestellt wurden und Castor sich schnuppernd umsah, auf der Suche nach nächstgelegener Beute, erklärte sich die Blonde dem spanischen Hufschmied, der schweigend, mit leicht geneigtem Kopf lauschte.
Ohne Frage, jeder Azubi der Heaven Meadows war für die nächsten drei Tage hauptsächlich mit den Gedanken bei seinem eigenen Ritt, A.J. meinte zu glauben, dass die Reiterspiele dabei auch nicht unbedingt Ablenkung schaffen würden. Er konnte nur hoffen, dass dabei nichts Größeres geschah und es bei Prellungen und Schürfwunden blieb. Vorzugsweise bei dem Gedanken daran.
»Díos mio« murmelte er, seufzte lautlos und rügte sich selbst für seine trüben Gedanken. Auf das Lachen Sophies hin blickte er wieder zu ihr auf, Castor tat es ihm nach, doch das schwache Lächeln auf Aléjandros Zügen wirkte verzerrt. »Nein, nicht wirklich.« Er hatte stampfenden Stieren in die Augen gesehen, hatte ihnen mehr als einmal direkt gegenübergestanden und erinnerte sich an das bebende Gefühl der Machtlosigkeit. Für den Hufschmied ähnelte es dem Gefühl, bei einem Turnier anzutreten, aber wirklich nachvollziehen konnte er es trotzdem nicht. Er wollte es auch nicht. Der Zweiunddreißigjährige hatte für seinen Geschmack genügend Aufregung im Leben gehabt, noch heute schrak er zusammen, wenn heftig gegen seine Tür geschlagen wurde.
»Wenn du vertraust, wird das auch deine Stute. Por supuesto« gab er letztlich schulterzuckend von sich, sah zu Castor hinab, der seinen Blick kurz erwiderte und sich wieder dem Geschehen vor ihnen widmete. Es war seine Version von „Ihr schafft das schon“, wenn auch etwas dezenter. Aléjandro überlegte.
Sich Gedanken zu machen war nicht zwangsläufig schlecht, er überlegte auch immer wieder nebenbei, inwiefern er den Besuch beim Hufschmied für die Pferde noch erträglicher machen könnte, aber zu viel Gedanken waren manchmal auch nicht hilfreich. Allerdings gehörte dieser Druck vermutlich zum Galoppsport dazu. Sein Blick streifte Patrick und McKinley, welche sich vorerst voneinander zu verabschieden schienen. Der Hufschmied grübelte wieder einmal über die Eisen nach, die er noch benötigte, um einige der Pferde beschlagen zu können. Die Ein oder Anderen verlangten nach gesondert angefertigten Hufeisen, die das Gangbild unterstützten, die Muskeln stärkten oder einfach einzelne tragende Strukturen ein wenig entlasteten. Manchmal erschien Aléjandro sein Job wie der eines Physiotherapeuten. Die Ergebnisse waren vergleichbar; ein Fehler brachte schon sehr oft schlechte Ergebnisse. Nachdenklich blickte der Spanier auf den Springplatz und achtete für den Moment nicht auf Castor, Sophie und seine Umgebung.


[Sophie # Gespräch # Gedanken # Abgelenkt ]  
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BeitragThema: Re: Springplatz   Sa 21 Jun 2014 - 18:37



Während der Blick der 19-jährigen auf dem Springplatz lag, schweiften ihre Gedanken leicht ab. Sie dachte über das letzte Training nach, generell über die letzte Zeit. Angemeldet hatte sie sich dieses Mal nicht. Sie hatte nicht das Gefühl, dass die Form, in der Jaro und sie momentan waren, reichen würde, um hier irgendetwas zu reißen. Denn es gab genug Konkurrenz, die weitaus besser ausgebildete Pferde hatte. Und es war gar nicht so lang her, dass sie ihr Training überhaupt wieder aufgenommen hatten. Trainierten Leute wie Shana oder Mariza täglich und schon seit längerer Zeit mit ihren Pferden, so waren es bei Jaro gerade einmal Monate. Es hatte seine Zeit gebraucht, bis Jo überhaupt wieder fähig war, ihn zu reiten und dann hatte es lange Zeit gedauert bis sie ihn hatte unter Kontrolle bringen können. Dieser Hengst war eine größere Herausforderung als alles in ihrem Leben. Und doch würde es sich lohnen und irgendwie machte sie es auch gern. Naja, sie hatte vielleicht auch einfach einen Faible für bescheuerte Tiere. Da war ihr wilder Rapphengst, der dazu geführt hatte, dass sie ihre Eltern verloren hatte, und ihr zuweilen ziemlich aggressiver Hund, den sie aus dem Tierheim geholt hatte.
Gerade als sie den Blick wieder auf das hier und jetzt legte und sich umschaute, musste die Blonde feststellen, dass ein kleines Naivchen direkt auf sie zusteuerte. Ihren Namen hatte sie eiskalt vergessen, aber ihre Art – schon allein, wie sie auf sie zu kam – verriet doch einiges über sie. Vermutlich hatte sie ein dickes, liebes Pony und ritt unheimlich gern durch Sonnenblumenfelder in den Sonnenuntergang. Dann war da noch eine Vorliebe für Boygroups und für Bücher von Nicholas Sparks. Alles Dinge, die Joana zum Kotzen bringen konnten. Schlussfolgernd daraus konnte man wohl sagen, dass sie Abigail schon jetzt, ohne sie wirklich zu kennen, ziemlich abstoßend fand. Aber was blieb jetzt schon? Die Flucht? Nein, so bekloppt war sie dann doch nicht.
Netterweise ließ Samir sie ausreden, bevor er anfing zu knurren und die Lefzen minimal in die Höhe zog, um die Spitzen seiner weißen Fangzähne zu entblößen. So gut kannte sie ihren Hund jedoch, dass sie wusste, dass er das Mädchen nicht angreifen würde. Einerseits war sie ihm noch nicht so nahe gekommen, dass er überhaupt beißen konnte. Andererseits hatte er wahrscheinlich auch zu viel Respekt vor seiner Besitzerin. Diese verzog nur leicht gequält das Gesicht und tätschelte ihrem knurrenden Rüden den Kopf.
“Ja, Überraschung, wir sind uns schonmal begegnet. Keine Ahnung, wo, aber besonders groß ist der Hof ja nicht. Joana.“, stellte sie sich vor und ließ in einem Zug noch eine sarkastische Bemerkung fallen. Ihr Ton war jedoch eher trocken und wenn Abbie so naiv war, wie sie sie einschätze, konnte es durchaus sein, dass sie ihre Bemerkung nicht verstand.
Gedanken xx Abigail xx Samir knurrt xx antwortet sarkastisch
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Sophie Ferall
2. Lehrjahr


BEITRÄGE : 249

BeitragThema: Re: Springplatz   Sa 21 Jun 2014 - 20:51

Sophie versuchte sich nun voll und ganz auf den Spanier zu konzentrieren. Es fiel ihr nicht leicht ihre Gedanken für einen Moment bei Seite zu lassen, doch tatsächlich funktionierte es für einige Minuten. Sie blickte zu Castro hinunter, der interessierte das geschehen auf dem Platz verfolgte und die Ohren spitzte sobald man eine Stange hörte.
Aléjandro schien sich gedanklich abzuwenden, nachdem er Sophie in seiner Art und Weise versucht hatte ans Herz zu legen, dass sie sich keine Sorgen machen musste, wenn sie nur genügend Vertrauen in ihre Pferd setzte. Sie wusste seine Antwort zu schätzen und das tat sie auch. Sie vertraute diesem Pferd in manchen Situationen ihr Leben an, so viele Jahre die die Beiden schon miteinander verbracht hatten, da gab es nichts mehr was an ihrem Vertrauen zweifelhaft erschien. Falina hatte die Blondine noch nie enttäuscht, wenn sie an einem Rennen versagten, war es meist die Schuld von Sophie selbst, weil sie an dem Gegenteil gezweifelt hatte. Pferde spürten alles, sobald du an irgendetwas zweifeln würdest, würden sie es auch tun. Es gab also nichts was sie befürchten musste, eigentlich. Und trotzdem wünschte sie sich den morgigen Tag schon überstanden zu haben. Wenn alles nur so einfach wäre…
Es gab tatsächlich tage an denen sie an ihrer Karriere als Jackette zweifelte, zweifelte daran ob es wirklich der beste Job für sie gewesen war, den sie hätte wählen können. Der sie an so viele schlechte Dinge in ihrem Leben erinnerte, aber auch gute. Gerade jetzt, wo das große Turnier bevor stand und sie der Leistungsprobe stand halten musste, brauchte sie jemanden an ihrer Seite der ihr sagen könnte, das sie es schaffen würde. Obwohl sie sich sicher war, dass es wenn sie im Sattel sitzen würde und den Startschuss hörte, alles vergessen war und sie keinerlei Zweifel mehr hegte. Aber zu 100 % darauf vertrauen konnte sie auch nicht.
Aléjandro war genau wie sie abgeschweift und sie standen dusselig nebeneinander, als hätten sie niemals ein Wort miteinander gesprochen. Es gab noch vieles was sie an dem Spanier interessierte, zumal er nicht viel von sich erzählte.
"Seit wann arbeitest du eigentlich hier auf Heaven Meadows?", fragte sie schließlich um wieder ins Gespräch zu kommen, sie hasste dieses totschweigen, zumal sie sonst nicht wusste mit wem sie sich unterhalten hätte können. Natürlich waren viele Leute hier, auch Azubis, doch hatte sie bisher keine Kontakte knüpfen können und war eher fr sich geblieben, konzentriert auf Training, Pferd und Leistung. Sophie war klar, dass sie nicht so werden wollte, ein Jockey der nur auf Sieg aus war und den druck immer höher setzte. Dies erinnerte sie vil zu sehr an ihre Mutter und so wollte sie nicht werden.
Sie musste einfach einen Tag raus hier, sich mit Dingen beschäftigen die sie früher sonst auch immer getan hatte. Aber daran konnte sie im Moment nicht denken, wobei es vermutlich das Beste gewesen wäre um sich abzulenken.


(denkt über morgen nach/ spricht Aléjandro an)
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BeitragThema: Re: Springplatz   So 22 Jun 2014 - 0:54


Noch immer purzelten die Gedanken der Neunzehnjährigen wild durcheinander, suchten Verknüpfungen zu dem Gesicht, das sie vor sich sah und doch nicht einordnen konnte. Blondes Haar, das Abigail leise und sehnsüchtig aufseufzen ließ, graue Augen, um die Abbie die Andere ebenfalls beneiden würde, wenn sie zu derart heftigen Reaktionen fähig gewesen wäre. Kurzum, die vor ihr Stehende war beileibe kein Mensch, der sich leicht vergessen lassen sollte und doch vermochte die junge Frau Joana schlicht keinen Namen zuzuordnen. Leicht abgelenkt dachte die Reiterin somit über die weibliche Belegschaft der Heaven Meadows nach, welchen Berufen und Ausbildungsrichtungen diese nachgingen und wie sie zu diesen gekommen waren.
Was trieb eine mittellose Neunzehnjährige dazu, sich zum Westernreiter ausbilden zu lassen, um damit später womöglich einen Kindheitstraum zu finanzieren? Noch heute träumte Abbie sich in die Welt eines authentischen Wild-West-Films, in welchem sie für die Koordination der Westernpferde zuständig war. Vielleicht würde sie sogar Faun eine kleine Nebenrolle vermitteln können und Gee wäre ein einwandfreies Double für die Wildpferde, die kraftstrotzend durch die Canyons liefen und ...

Ein leises, aber dennoch im Lärm des Turniers vernehmliches Knurren riss Abbie aus ihren Tagträumen und irritiert blickte sie blinzelnd auf den Rüden, der so offensichtlich seine Besitzerin vor Abbie schützen wollte, dass diese erfreut lächelte. Ein derart tiefes Band bedeutete meist tiefes Vertrauen und eine langjährige Beziehung, für die Brünette ein Indiz dafür, dass das Tier gerecht behandelt wurde.
Als sie plötzlich sachte an der Schulter berührt wurde, sah sie sich verblüfft um, drehte sich einmal um sich selbst und haschte nur Blicke auf davoneilende Rückenansichten, die ihr nichts sagten. Verwirrt starrte sie in die Menge, verunsichert, ob da eventuell jemand ihre Hilfe angefordert hatte.
»Na, eine Überraschung ist es da vermutlich nicht, da hast du Recht. Ich bin Abigail.« erwiderte sie ebenso höflich wie noch leicht abwesend, den Blick jetzt wieder halb auf Samir gerichtet. Grinsend richtete sie ihre dunkelblauen Augen auf Joana, versuchte sich deren Gesicht - inklusive Namen - einzuprägen und wusste doch bereits im nächsten Augenblick, dass sie sich erst an Namen erinnerte, wenn sie diese mehrmals gehört hatte. Zu „Joana“ wollte ihr auch so recht keine Eselsbrücke einfallen, sodass sie wieder einmal, die Lippen leicht geschürzt, nachdenklich in die Welt hinaus träumte. Unterdessen nahm das Turnier seinen weiteren Lauf.    



[Joana & Samir # Träumereien # Vorstellung]


Zuletzt von Abigail Bridget am So 22 Jun 2014 - 17:39 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Rebecca McKinley



BEITRÄGE : 188
ALTER : Ich kann auf 45 Jahre Lebenserfahrung zurückblicken und eben die weitergeben.
HERKUNFT : Die Stadt, die niemals schläft hat mich geprägt, aber nicht zu einer typischen New Yorkerin gemacht.
BERUF : Zusammen mit Lawrence leite ich den Hof als Stellvertretende Hofleiterin, davon abgesehen lehre ich Springreiten.

BeitragThema: Re: Springplatz   So 22 Jun 2014 - 9:46

Rebecca konnte die Stunden, die sie in den letzten Wochen im Büro und am Telefon verbracht hatte, gar nicht mehr zählen. Ihre Zahl summierte sich inzwischen wohl zu einer managerartigen Höhe, was die Mittvierzigerin einerseits befremdete, ihr andererseits aber auch – neben etwa hundert anderen Dingen – zeigte, wie sehr sie auf dem Hof gebraucht wurde. Lewis hasste Büroarbeit, obwohl er sie zwar auch verrichtete, das allerdings immer mit einer Anspannung in den Schultern, die ihn im Dressurviereck jegliche Siegeschancen verpassen lassen würde. Zugegeben, sie konnte sich auch sehr viel Schöneres vorstellen, als Getränkebuden, Hotdog- und Hamburgerstände, fremde Tierärzte, Genehmigungen jeglicher Couleur zu besorgen und schließlich Anmeldungen auswärtiger Teilnehmer entgegenzunehmen, Preise zu verhandeln – auch wenn es dabei durchaus von Vorteil war, durchblitzen zu lassen, dass man diverse Gesetzbücher einst als Bettlektüre auf dem Nachttisch liegen hatte – und Sponsoren zu finden.

Dennoch war es eine vollkommene Befriedigung, nun zu sehen, dass ihre Mühen Früchte trugen. Das Turnier boomte, die Zuschauerreihen waren gefüllt, ihre Schüler, von denen sie bislang noch nicht einen regelmäßig selbst trainierte, hatten gut abgeschnitten und insgesamt gab es auch keinen Grund unzufrieden zu sein. Wäre da nicht Juliennas Sturz gewesen.
Auch jetzt, da dieser scheinbar bei den meisten in Vergessenheit geraten war, verdrängt durch die Vorfreude auf die höheren Klassen, saß er Becca noch gehörig in den Knochen. Er vertrieb sie von ihrem Stehplatz an der Bande des Parcours, ließ sie die Haare raufen, sodass sich aus dem tief sitzenden Knoten im Nacken etliche Strähnen gelöst hatten. Sie wäre ihrer Kollegin gern nachgegangen, hätte sich erkundigt, was denn geschehen war, aber sie kannte die Brünette inzwischen gut genug, um zu wissen, dass ein Übermaß an Fürsorge die Sache kein bisschen besser gemacht hätte. Zumal Bastian, der Jockey, ihr sofort nachgeeilt war.

Einfach am Rand stehen zu bleiben und den auswärtigen Reiter zuzusehen, kam für Rebecca aber auch nicht mehr in Frage. Eigentlich müsste sie in den Stall, über Wizard noch einmal drüber bürsten, obwohl sie ihn heute Morgen auf Hochglanz poliert und ihm dann den Schonbezug Stalldecke übergeworfen hatte, ihn satteln und langsam warmreiten. Aber sie wusste, dass sie ihr Pferd und alle umstehenden nur verrückt machen würde, wenn sie in ihrer aktuellen, nervösen Verfassung zu ihm ginge. Sich zwei Minuten mit irgendeiner ruhigen Person zu unterhalten, würde schon reichen, um sich anschließend entspannt auf den Wallach schwingen zu können.

Suchend glitt ihr Blick über die Tribüne und fand schließlich einen gerade frei werdenden Sitz neben jener Person, auf deren Geduld sie auf jeden Fall zählen konnte. Lawrence McKinley. Mit einigen langen Schritten schlängelte sie sich durch die von der Bühne strömenden Zuschauer hindurch, bis sie bei ihrem Cheff und Freund angekommen war. Anscheinend hatte dieser die letzten Ritte in Gesellschaft des Westernazubis, dessen Lebenslauf sich wie ein Reiseroman las, verbracht und wirkte recht entspannt und zufrieden. Gut so. Genau das brauchte sie jetzt.

Mit einem herzhaften Seufzen ließ sie sich auf den freigewordenen Sitz fallen, zupfte den schwarzen Blazer, dessen Taschen durch ihr Blutzuckermessgerät und einen Stapel Traubenzucker unschön ausgebeult waren, zurecht. Lawrence und sie kannten sich noch aus ihrer aktiven Turnierzeit und hatten sich stets in Fachsimpeleien über Pferde und deren Ausbildung verlieren können. Und obwohl sie damals noch in New York gelebt hatte, hatten sie es geschafft, eine mehr oder weniger rege Freundschaft aufrechtzuerhalten, die mehr auf Telefonaten und Weihnachtspostkarten als auf persönlichem Kontakt gefußt hatte. Seit sie aber praktisch im gleichen Haus wohnten und sich ein Büro, einen Stall und im Winter eine Reithalle teilten, war der Kontakt noch etwas besser geworden. Und somit dürfte McKinley jetzt der perfekte Stressabbaumensch sein, den sie auf der HMS treffen könnte.

„Meine Güte“, rief Rebecca statt einer konventionellen Begrüßung aus und ließ sich auf den Sitz fallen. „Ich dachte, ich bekomme einen Herzinfarkt! Also nicht nur bei Juli, nun gut, bei ihr ganz besonders, aber auch generell. Was für ein Turnier!“ Sie fuhr sich, wie um diese zu lockern, im Nacken durchs Haar, bis sie bemerkte, dass diese ja nicht wie sonst offen waren. Resigniert ließ sie die Hand wieder sinken. „Ich hab auch gar nicht viel Zeit, wenn ich den Jungspunden ein bisschen Konkurrenz machen will.“ Bei letzterem schlich sich das altbekannte Grinsen auf ihre Lippen. Wahrscheinlich sähe es genau umgekehrt aus. Isaac und Shana waren mehr als nur ein bisschen talentiert und dazu sehr viel ehrgeiziger als Becca. Diese nahm schließlich weniger am Turnier teil, um sich zu beweisen, als um eine kleine Zeitreise zu veranstalten und sich selbst zu zeigen, dass sie noch nicht ganz eingerostet war.


[Gedanken an Vorbereitung * Gedanken an Turnier * entdeckt Lawrence * gesellt sich zu ihm * beginnt Gespräch]


Zuletzt von Rebecca Lacroix am Di 8 Jul 2014 - 20:51 bearbeitet; insgesamt 4-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Springplatz   So 22 Jun 2014 - 17:26

Niemand, der es nicht selbst schmerzhaft hatte erleben müssen, würde die innere Ruhe verstehen können, die Aléjandro jedes Mal ergriff, wenn er über seine Zukunft nachdachte. Eine Zukunft, die - wie bei vielen Anderen auch - eng mit der Gegenwart, aber besonders mit der Vergangenheit verknüpft war. Während ein hübscher Fuchs über den aufgebauten Parcours galoppierte, erinnerte sich der Hufschmied an seine ersten eigenen Reitversuche auf einem eigensinnigen und alten Pony namens Arlequín. Dieser war vor einigen Jahren friedlich verstorben, wie es hieß, mit dem stolzen Alter von fast siebenundzwanzig Jahren, doch der Verlust hatte Aléjandro damals schwer getroffen.
Nachdenklich betrachtete er die gestreiften Stangen eines Sprungs, der in ihrer Nähe stand und gern gerissen wurde, allerdings rief das Muster fremde Erinnerungen in dem Spanier wach. Ein Turnier mit Arlequín, in dem er Letztplatzierter geworden war; ein junger Stier in Frankreich, der seiner schneeweißen Stute seelenruhig hinterher getrottet kam, ganz gleich, wohin Aléjandro auch ritt. Es hatte für einiges Aufsehen gesorgt, als A.J. unwissend mit seiner Stute Mirabelle einen kurzen Abstecher zur Bäckerei am Rande des Dorfes gemacht hatte und danach von Pferd und Stier begrüßt wurde. Es war eines der wenigen Erlebnisse, die ihn geprägt hatten, denn obgleich gefährlich und äußerst reizbar, hatte der Stier beinahe friedlich ausgesehen und in dem jungen Stiertreiber ein neues Empfinden für diese massigen Tiere erweckt. Noch heute gedachte er dieser eindrucksvollen Muskelprotze mit Ehrfurcht und Respekt.

Gelangweilt gähnte Castor, der nichts von den gedanklichen Ausflügen seines Herrn ahnte, legte sich nieder und schloss die dunklen Augen, für den einen Augenblick selbst in Traum und Erinnerung gefangen. Die urplötzliche Frage von Sophie gemahnte den Spanier wieder an seine Manieren, ließen ihn aber in einem kurzen Anflug von Sorge an den Grund für seinen Aufenthalt in América denken. Ob Veronique tatsächlich nicht länger von Gläubigern bedrängt wurde? Aléjandro rieb sich über die breite Brust, den Blick sorgenvoll verdunkelt.
»Seit Wann? Quizás ... seit die ersten Trainees ... hm, Azubis da sind.« Aus dem Augenwinkel heraus betrachtete er die blonde Jockette neben sich, die zerbrechlich und zierlich neben ihm wirkte, wo sie es doch vermutlich in ihrem Sport nicht sein durfte. Sein konnte. Unweigerlich fragte er sich, ob sie auch schon seit dem ersten Tag auf den Heaven Meadows gewesen war - und ob sie sich da eventuell schon einmal gesehen hatten. Das Geräusch, als der Huf des Starterpferdes über eine Stange strich, ließ Castor und Aléjandro gleichzeitig aufsehen, Reiter und Pferd für einen vergessenen Augenblick lang beobachten und sich dann wieder ein wenig entspannen. Die Geschehen der letzten Jahre lagen ihnen noch immer in den Knochen, die damalig tägliche Anspannung hatte sich zuweilen auch auf Castor übertragen, der es sich heute zur Aufgabe gemacht hatte, seinen spanischen Hufschmied vor Gläubigern aller Art zu schützen. Liebenswert, aber gelegentlich auch grenzwertig.
A.J. seufzte, verkreuzte die Arme auf dem Zaun und sah zu Sophie, überdachte deren Situation. Sie liebte ihr Pferd und den Rennsport, aber wie sie zu diesem Sport gekommen war, schien dem wenig empathisch veranlagten Mann noch ein kleines Rätsel. Sicher, das Gestüt ihrer Eltern war prädestiniert, seinen Nachwuchs - auch den menschlichen - in diese Richtung zu dirigieren, doch gelegentlich erschien es dem Schmied, als sei Sophie nicht immer zwangsläufig einverstanden gewesen mit der Entscheidung ihrer Eltern.
Da ihm diese Gedanken allmählich zu düster wurden, schlug er intuitiv ein anderes Thema ein. Kurz wies er mit dem Kinn auf den Reitplatz, wo das Paar von eben ausritt und einem neuen Starterpaar Platz machte. »Nach dem Springen, was kommt dann?« Er hatte die Liste nur kurz überflogen, sich dabei aber kaum eine der Disziplinen gemerkt - oder aber deren Reihenfolge. Das gräuliche Blau seiner Augen fand das etwas hellere Blau der Zweiundzwanzigjährigen. Fragend zogen sich die dunklen Augenbrauen ein wenig.


[Sophie # Gespräch # Gedanken ]  
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BeitragThema: Re: Springplatz   Di 24 Jun 2014 - 19:45

I said it once, I said it twice
I said it a thousand fucking times
That I'm okay, that I'm fine
That it's all just in my mind



Zu sagen, dass William nicht hier sein wollte, wäre wohl übertrieben. Er wollte hier sein; er wollte an den Heaven Meadows Stables studieren, um ein professioneller Dressurreiter zu werden. Er wollte in Amerika sein, seinen Dämonen entkommen, er wollte, dass es ihm endlich wieder besser ging. Er mochte es hier. Er mochte die Mentalität der Menschen, er mochte die Pferde hier, und mal ganz davon abgesehen konnte er ruhig zugeben, dass das Wetter hier besser war - obwohl er manchmal schon den kühlen, frischen Essexregen vermisste. Nein, es war wirklich nicht so, dass er nicht hier sein wollte - denn es war sein großer Traum gewesen, und er hatte ihn erfüllt.
Er wollte nur nicht unbedingt genau in diesem Moment in genau dieser Position hier sein. William war kein großer Fan von Menschenaufläufen: es war zu voll, er konnte nicht tief durchatmen, er wurde schief angeguckt, weil er mit Mütze rumlief, obwohl es nicht kalt war, und er hatte nicht genug Platz - überall um ihn herum waren andere Menschen, sie kamen ihm zu nah, berührten ihn. Damit konnte er nicht leben, und er war sich sehr sicher, dass er schon längst eine Panikattacke gehabt hätte, hätte sein Therapeut sich nicht dafür entschieden, seine Dosis vor seiner Abreise in die USA noch mal zu erhöhen, damit er etwas enspannter an seine Ausbildung herantreten konnte.
Nein, der vierundzwanzigjährige Brite wollte wirklich nicht hier sein. Er wünschte sich, er könnte sich zumindest in sein Zimmer verziehen, seine Gitarre im Schoß und seine Finger auf den Saiten. Wenn er Musik spielen könnte, würde er sich wesentlich sicherer fühlen. Musik war immer schon sein letzter Resort gewesen, wenn ihm nicht mal mehr im Stall bei seiner geliebten Stute mehr Ruhe gegönnt wurde. Er würde so gern jetzt allein sein - einfach nur allein sein. Er fühlte sich nicht wohl unter Menschen. Aber nein, wenn er sich endlich integrieren wollte, wenn er endlich reinpassen wollte, musste Will sich durch den heutigen Turniertag quälen. Er ritt heute nicht mal selbst, da die Dressur erst am morgigen Tag stattfinden würde. Aber das interessierte offensichtlich niemanden.
Also stand er nun da und trotzte seiner Einsamkeit und seiner Angst vor Menschenmengen in schwarzen Skinny-Jeans, einem Pierce The Veil-Bandshirt und seinem geliebten schwarzen Hoodie, eine schwarze Mütze über seine wuscheligen, unordentlich geglätteten braunen Haare gezogen und Armbänder - die meisten von verschiedenen Bands - unter den Ärmeln seiner Jacke, die die Hälfte seiner Unterarme verdeckten und so Narben versteckten, die niemand sonst jemals sehen sollte. Er stand etwas abseits von den meisten Zuschauern, die dunklen Augen auf den Platz gerichtet; den konnte er von seinem Platz, wo er gegen einen Pfosten lehnte, gut sehen.
Wills Meinung nach war es unglaublich, wie begabt die Reiter auf der Ranch alle waren: er würde es sich niemals trauen, mit seinem Pferd so durch den Parcours zu gehen. Mal ganz davon abgesehen, dass Stella kein springbegeistertes Pferd war und sich sogar schon über Cavaletti beschwerte; er würde mit dem ganzen Nervenkitzel nicht umgehen können. Selbst wenn er ein springfreudiges Pferd hätte, dem er hundertprozentig vertrauen konnte, so würde er es doch nicht wagen können - vermutlich würde er eher eine weitere Panikattacke erleiden, bevor er sich so etwas traute. Und deswegen faszinierte ihn das Springen auch etwas; es brauchte so viel Mut, Kraft und Konzentration, es war auf so eine andere Art und Weise so viel anspruchsvoller als die Dressur - er bewunderte jeden dieser Reiter, und ein Teil von ihm wünschte sich, gut genug dafür zu sein. Gut genug zu sein, dass die Leute zu ihm aufsahen, wenn er auf den Platz ritt, und so gut sein wollten wie er. Gut genug, um mit diesen Leuten mitreiten zu können.
Aber das würde er niemals sein.


{ am Springplatz | Gedanken }


Zuletzt von William Cavanaugh am Mi 25 Jun 2014 - 17:23 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Springplatz   Mi 25 Jun 2014 - 9:39

> cf. Wallach - und Stutenstall

Marizas schnelle Schritte trabten fast über das Hofgelände. Die Augen, welche sonst so viel Leidenschaft und Feuer in sich trugen, füllten sich mit kleinen Tränen. Ihr Blick war auf den steinigen Boden gerichtet und ihr lockiges Haar viel gleichgültig über ihre schmalen Schultern. Die Musik, welche durch ihre Kopfhörer schallte, beruhigte sie keineswegs.

Say something, I'm giving up on you.
I'll be the one, if you want me to.
Anywhere, I would've followed you.
Say something, I'm giving up on you.

And I am feeling so small.
It was over my head
I know nothing at all.



Selbstverständlich wäre ihr jetzt lieber danach Montesquieu um den starken Hals zu fallen. Aber die 20-jährige wusste, dass ihr Pferd Ruhe vor dem Turnier brauchte. Eine aufgelöste Reiterin wäre da nur unnötiger Stress gewesen. Die Worte von Isaac hallten im Kopf der Dressurreiterin immer noch nach. Heimweh zerreißt uns alle, hatte er auf Portugiesisch zu ihr gesagt. Und genau demnach fühlte sie sich auch. Sie vermisste Brasilien. Die wohlig, warme Sonne am Morgen und den lieblichen Duft von Guillén. Aber sie konnte nicht mehr zurück, jetzt nicht mehr. Ihre Schritte führten sie zum Springplatz, wo sie unter der Menge an Menschen einfach untertauchen konnte. Allerdings war ihr Ziel nicht die Tribüne, sondern eine kleine Baumgruppe in der Nähe des Platzes. An einer alten Linde lehnte sich die angehende Dressurreiterin an, ehe ihre Beine nachgaben und sie in das kühle Gras herabsank.  Vereinzelte Tränen rollten über ihre Wangen, als würden sie brennende Spuren auf ihrer weichen Haut hinterlassen. Ihr Blick war verschwommen, so dass sie nur einige unklare Silhouetten wahrnehmen konnte.

Nach wenigen Sekunden vergrub sie ihr Gesicht in die zarten Hände. Sie war nicht hier, um das Springen zu verfolgen oder neue Freundschaften zu schließen. Ebenso wie überall auf dem Hof fühlte sich Mariza fehl am Platz und fast unerwünscht. Ihre sonst so starke Mauer bröckelte und viel zusammen wie ein Kartenhaus. Die 20-jährige begann zu frieren. Die Luft im kalten Februar drang durch ihre lederne Jacke und erfasste Gesicht und Hände. Obwohl es für diese Jahreszeit noch recht mild war, fühlte sich ihr ganzer Körper ausgemergelt und abgekämpft an. Vorsichtig zog die Brasilianerin ein Taschentuch aus ihrer Reithose und wischte sich die kleinen Tränen aus dem Gesicht. Nach einigen Sekunden versiegten die Perlen der Einsamkeit und ihr Blick viel auf einen jungen Mann. Ihr war nicht klar, ob er sie bemerkt hatte, zumal ihr Auftritt wenn schon, ziemlich peinlich gewesen sein durfte. Der junge Mann erschien der Reiterin merkwürdig. Er passte nicht so recht in das Bild. Sein dunkler Hoodie und die schwarze Jeans ähnelten eher einem jungen, aufstrebenden Hipster, als einen der hiesigen Reiter. Aber warum begab er sich dann nicht unter die Menschenmassen? Mariza war unverkennbar als Reiterin zu identifizieren.

Sie trug seit dem Aufstehen ihre braune Reithose und einen legeren Pullover, der unter der cremefarbenen Jacke hervor blitze. Ihre schwarzen Boots waren kaum sichtbar im Gras verschwunden. Die 20-jährige vermochte nicht einzuschätzen, ob der junge Mann ein Besucher von Außerhalb oder ein Auszubildender war. Obwohl ihr in den letzten Wochen schon einige Gesichter bekannt vorgekommen sind, erkannte sie in Freizeitklamotten nur relativ wenige Menschen. Er stand nicht weit von ihr an einen Laternenmast, abseits vom Geschehen. Vielleicht hätte Mariza eine tröstende Schulter oder ein offenes Ohr gebraucht, doch sie wollte niemanden mit ihren Gefühlsduseleien bequatschen. Dennoch umspielte ein leicht wehmütiges und gequältes Lächeln ihre vollen Lippen. Die Brasilianerin wollte keine Aufmerksamkeit erregen, weshalb ihr Blick sich mittlerweile auf den Reitplatz gerichtet hatte. Das M-Springen war im vollen Gange. Leicht verträumt beobachtete die 20-jährige das Turnier, wobei sie die Knie dicht an ihren Körper heran zog und mit ihren Armen umfasste.  Sicherlich hätte Mariza auch aufstehen können, doch sie fühlte sich mental dazu noch nicht in der Lage. Nach wenigen Sekunden schloss die angehende Dressurreiterin die Augen, um die abermals aufsteigenden Tränen zu unterdrücken.

Say something, I'm giving up on you.
Say something...


[Auftritt | Musik | Tränen | Baumgruppe | Sitzt | Gedanken | Beobachtet William, Turnier]
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BeitragThema: Re: Springplatz   Mi 25 Jun 2014 - 17:46

Anders, als viele Leute glaubten, war William ein guter Beobachter. Er hatte es schon oft gehört - die Leute glaubten, dass er so in seinen Gedanken versunken war, dass er um sich herum nichts mehr mitbekam. Sie dachten, er würde in seiner eigenen Welt stecken. Vielleicht stimmte es ja auch. Oft genug strömten Emocore und Metalcore so laut aus seinen Kopfhörern, dass er nicht mehr hörte, was um sich herum geschah. Aber ein Mensch hatte mehr als nur einen Sinn, und deswegen hieß es noch lange nicht, dass er nicht sah, was um ihn herum passierte, nur, weil er es nicht hörte. Will war sogar ein noch besserer Beobachter, als er es jemals für möglich gehalten hatte. Er hatte immer schon die Blicke gesehen, die die anderen ihm zuwarfen. Guck mal, er hatte die Worte nicht hören müssen, um zu wissen, dass sie da gewesen waren, Da ist der Freak mit dem toten Bruder.
Diese Zeiten waren vorbei - seit er in Amerika angekommen war, hatte er tatsächlich noch keinen getroffen, der ihn wirklich verachtete. Vielleicht lag es daran, dass die meisten Menschen nicht sonderlich viel über den jungen Mann wussten - er blieb ja meistens für sich und hielt sich von den anderen Bewohnern und Auszubildenden fern. Aber das hatte er auch zu Hause in England getan; und dort hatten die Menschen geredet, gelästert, dort hatte er nie seine Ruhe gehabt. Er vermisste es nicht, ganz und gar nicht. Er war froh, dass sein Umzug bisher noch gehalten hatte, was er versprach: nämlich ein kompletter Neustart.
Aber das hieß noch lange nicht, dass Will nicht aufgehört hatte, zu beobachten. Das hatten diese "Mauerblümchen" so an sich - sie bemerkten, was andere nicht bemerkten. Und genau deswegen sah Will auch die junge Frau zwischen den Bäumen verschwinden. Er war sich sicher, dass er sie kannte - sie war doch auch eine Auszubildende? Ja, genau, die mit dem wunderschönen Rappen mit der breiten Blesse und dem lateinamerikanischen Akzent. Seine Augen folgten ihr unbemerkt, sogen kleine Details in sich hinein, die der Rest der Welt wohl übersehen würde - die harte Linie ihrer schmalen Schultern, die angestrengte Haltung ihrer Arme, die Härte ihrer schnellen Schritte. Sie war offensichtlich aufgewühlt.

William wusste nicht, was ihn dazu brachte, sich von seinem Pfosten zu verabschieden - er war ihm ein so guter Freund gewesen, hatte den Jungen so lange dort lehnen lassen - und sich auf den Weg zu ihr zu machen, wo sie sich ins hohe Gras hatte fallen lassen. Vielleicht waren es die Worte seiner Mutter, kurz, bevor er Essex verlassen hatte: Versuch zumindest, dich zu ändern. Oder waren es doch die Worte seines Therapeuten von einer ihrer unzähligen Sitzungen? Auch, wenn niemand für dich da ist, solltest du für die anderen da sein - du weißt, wie schlimm es ist, allein zu sein. Auf jeden Fall schossen ihm diese Sätze durch den Kopf, als er sich zu der Schwarzhaarigen gesellte.
Es war nicht sonderlich schwer zu erkennen, dass sich Will dabei nicht sonderlich wohl fühlte. Als er sich ihr gegenüber in den Schneidersitz setzte (Schneidersitz in Röhrenjeans, eine wirklich gute Idee, William), wirkte es irgendwie ungelenk, wie er seine langen, dürren Glieder faltete, und ein wenig Röte stieg ihm in die schmalen, blassen Wangen, als er die andere Reiterin für einige kurze Sekunden ansah. Und als er den Blick von ihrem außergewöhnlich hübschen Gesicht abwandte, stattdessen auf seinen Schoß richtete, wo er seine Hände wegen fehlender anderer Möglichkeiten so rumdümpeln hatte, fiel ihm auch ihr Name wieder ein. Mariza.

"Ist alles okay?", fragte William leise. Seine Stimme war weich, ruhig und geprägt von einem nicht zu verkennenden englischen Akzent. Man würde nicht hören, dass er sie kaum benutzte; denn wenn er redete, klang er immer so, als benutzte er sie kaum, also machte es für diejenigen, die ihn nicht noch als den vielplappernden Jungen kannten, sowieso keinen Unterschied. Wieder blickte er auf, sah die verdächtigen Spuren auf ihrem Gesicht; sie hatte geweint. Es war eine Schande - Mädchen, die so hübsch waren wie sie, sollten keinen Grund haben zu weinen. "Du siehst - sehr traurig aus."
Und natürlich fehlten Will die Worte. Aber was sollte er tun? Er konnte sie nicht hier so sitzen lassen. Er wusste, wie schrecklich es sich anfühlte - die Welt war einfach mal extra unfair zu einem und man wollte nur noch schreien, heulen, toben, und niemand bemerkte es. Es war nicht etwas, dass er auch nur irgendeiner Person gönnen würde. Er konnte sich nicht daran erinnern, Mariza jemals so gesehen zu haben. Für gewöhnlich war sie eine typische Latina, voller Feuer und Charme. Und auch, wenn es nicht sein Recht war, weil sie kaum zwei Worte miteinander gewechselt hatten in dem halben Jahr, dass sie nun schon hier waren, war es ihm lieber, sie so zu sehen - und nicht wie dieses traurige Mädchen, dass dort gerade vor ihm kauerte.


{ Gedanken | bemerkt MARIZA | gesellt sich zu ihr }
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BeitragThema: Re: Springplatz   Mi 25 Jun 2014 - 21:12

Schleifende Schritte die durch das hohe Gras rauschten, ließen die 20-jährige aufblicken. Der junge Mann, der sich eben noch so authentisch gegen einen Laternenpfahl gelehnt hatte, setzte sich zu ihr. Auf den zweiten Blick kam ihr das Gesicht bekannt vor. Braune, kurze Strähnen lugten unter seiner Mütze hervor und seine ausdrucksstarken, braunen Augen strahlten eine angenehme Ruhe aus. Mariza konnte ein kurzes Schmunzeln nicht unterdrucken. Ihre Mundwinkel wehrten sich jedoch krampfhaft dagegen nach oben gezogen zu werden, was wohl einen sehr merkwürdigen Gesichtsausdruck ergeben hat. Er wirkte jedoch ebenso tollpatschig, als er krampfhaft versuchte sich mit einem Schneidersitz ins hohe Gras zu setzen. Obwohl seine Haut eher blass wirkte, war seine Stimme von einer tiefen Wärme erfüllt, die zugleich tröstend auf Mariza einwirkte. Selbstverständlich war nicht alles okay. Die 20-jährige war selten so bedrückt und eingeschüchtert. Die Latina lebte eigentlich nach außen. Alle ihre Emotionen, ob pure Euphorie oder tiefe Trauer, war ihr allzeit ins Gesicht geschrieben. Ungewollt passierte es daher oft, dass sie darauf angesprochen wurde, wie auch in diesem Fall. Allerdings kamen ihr die Worte des jungen Mannes sehr entgegen.

Im Moment als sie darüber nachdachte, ob sie ihn nun wirklich die Wahrheit erzählen sollte, viel ihr ein, dass er Dressurreiter war. Auch wenn Mariza sein Name nicht mehr einfiel, konnte sie sich wage an eine braune Stute mit besagter Silhouette erinnern. Vorsichtig nahm sie ihre Kopfhörer aus den Ohren und verstaute sie schnell in einer ihrer Jackentaschen. Immerhin ein wenig Anstand hatte sie sich noch bewahrt. Abermals huschte ein feines Lächeln über ihre zarten Lippen und ein leises „Ach es ist nichts.“ Schob sie nach. Gleichzeitig wischte sie sich mit dem rechten Handrücken vorsichtig die feuchten Rückstände auf der Wange weg. Selbstverständlich wusste die Brasilianerin, dass ihr Gemütszustand kaum zu verbergen ist, so dass die sonst so starke Stimme einem hauchzarten Flüstern gleichkam. Mariza, war eben anders als ihre Bekanntschaft Shana, mehr als dekadent und eingebildet … so viel mehr. Oft wünschte sie sich an die Steilhänge von Preia de Pipa zurück, wo sie Stunden damit verbracht hätte den endlosen Wellen zu lauschen und die wärmende Sonne auf ihre Haut niederprasseln zu lassen. Hier in den USA vermisste sie den Zusammenhalt ihrer Familie und einen Rückzugsort. Sicherlich hatte sie ihren großen, schönen Hengst. Aber auch ein Pferd kann menschliche Zuneigung und Anerkennung nicht ersetzen.

Der junge Mann trat in Mariza einen innerlichen Kampf los. Wie gerne hätte sie sich jemanden anvertraut und ihre Worte wie ein Wasserfall hinter sich gelassen – doch wer würde ihre Lage schon verstehen? Ihr Gewissenskonflikt gegenüber Guillén gepaart mit der unendlichen Sehnsucht nach Berührung und der nicht zu vergessenen Begierde nach einem zu Hause. Etwas verlegen fuhr sich die Brasilianerin durch ihr lockiges Haar, ehe ihre Hände abermals fest die bereits angezogenen Knie umschlossen. Bei dem Gedanken an ihre verlorene Heimat, rollte abermals eine kleine Träne ihre Wange hinunter „Ich, ich…“ begann Mariza hastig zu stottern. Was musste sie nur für einen Eindruck machen? So verweichlicht und kaputt würde sie nie die Kraft dazu aufbringen können, eine Dressurreiterin zu werden. „Ich kann es niemandem erzählen. Alle würden mich auslachen. Ich muss doch stark sein, sonst…“ unterbrach eine erneute Träne ihren Satz. Im Hintergrund schallte die Musik des Turnieres. Mariza konnte jedoch momentan keinen klaren Gedanken mehr fassen. Die zierliche Brünette war völlig aufgelöst und begann etwas zu zittern. Die Kälte ergriff ihre Finger, so dass sie diese kaum noch spürte. „Ich habe doch keinen mehr.“ Beendete sie schließlich ihre Aussage.

Wie gerne würde sie toben, den Menschen alles zurückzahlen, was sie ihr gesagt haben. Hure, Miststück und andere, mehr als unpassende Ausdrücke, wurden der Brasilianerin schon zugeordnet. Hier in den USA zog sie sich weitaus mehr zurück und verkroch sich hinter einer Fassade aus Dekadenz und Missgunst. Aber das war sie bei weitem nicht. Während sie darüber nachdachte, sank ihr Blick zu Boden. Auch wenn die braunen Augen ihres Gegenübers vertrauenserweckend hinüber sahen, konnte sie dem Blick nicht standhalten. Mariza fühlte sich in jeglicher Hinsicht zu schwach.


[Bemerkt Will | Erinnert | Verneint | Gesteht]
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BeitragThema: Re: Springplatz   Do 26 Jun 2014 - 21:18


Als die junge Frau vor ihr, erneut ihren Namen nannte, seufzte Jo innerlich äußerst genervt auf, konnte ihre Abneigung äußerlich noch ganz gut verbergen. Trotzdem zuckte ein leiser Schatten dieses Gefühls über ihr Gesicht, doch so oberflächlich wie sie Abigail einschätzte, würde diese es gar nicht bemerken. Es war wirklich erstaunlich, dass man doch immer wieder auf Leute traf, die so viel mit Pferden zu tun hatten und dennoch absolut keinen Blick für die unausgesprochenen Dicken hatten. Dabei brauchte man doch gerade das bei Pferden, die allein mit Körpersprache kommunizierten. Wenn sie selbst nicht halbwegs dieser Sicht mächtig wäre, wäre ihr Jaro schon etliche Male abhandengekommen oder hätte sie vermutlich einfach in einem seiner Anfälle übergetrampelt. So war er eben und wenn man nicht wusste, wann die Zeit für einen solchen ‚Anfall‘ gekommen war, überlebte man seine Gesellschaft wohl nicht gesund. Zugegeben, er hatte sie nicht selten getreten. Zu Anfang hatte er ihr sogar einmal das Knie beinahe zertrümmert, hatte sie zum Glück nur seitlich und nicht frontal mit dem Huf getroffen. Mancher fragte sie immer wieder, warum er überhaupt noch ein Hengst war, wenn er sich so benahm, doch für die Blonde war dieses Verhalten momentan normal geworden.
Samir hatte mittlerweile angefangen, auf der Reitplatz zugewandten Seite andere Leute anzuknurren. Diejenigen, die ihn bemerkten schraken ängstlich zurück, doch das, was er jetzt gerade tat, war nur Stufe 1 – ein wenig die Lefzen nach oben ziehen und ab und an ein dunkles Knurren ausstoßen. Außerdem war er angeleint und würde niemanden anspringen, um ihn zu beißen. Denn ganz im Gegensatz zur allgemeinen Meinung war er weniger offensiv und mehr defensiv. Er griff nicht an, viel eher hielt er sich die Leute mit drohen vom Leib und genoss es, wenn sie vor ihm zurückwichen. Anderem Hunden dagegen zeigte er dann doch gern, wer der Chef war und schreckte nicht davor zurück, sich in einen Kampf zu stürzen. Verrückte Töle…, dachte die Dressurreiterin mit einem abschätzigen Blick ihrer grauen Augen auf den Rüden. Ja, das war er – verrückt. Aber er war ihr verrückter Hund, den sie liebte und, der sie liebte.
“Und du… nimmst du am Turnier teil?“ Es war ein vorsichtiger, sehr halbherziger Versuch ein Gespräch anzufangen. Aber so wie es aussah, würde es wohl genügen, um die junge Frau zum Reden zu bringen, das schien ihr nämlich nicht schwer zu fallen. Warum genau hatte sie noch nie mit ihr geredet? Achja, da fiel es ihr wieder ein. Sie unterhielt sich ja nicht gern mit stumpfsinnigen Menschen…
Abigal xx abschätzige Gedanken xx Samir knurrt Leute an xx fragt
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BeitragThema: Re: Springplatz   Fr 27 Jun 2014 - 19:13

Wann immer William jemanden sah, der unglücklich war, erinnerte er sich immer an die Worte, die sein Bruder ihm früher einmal gesagt hatte: Die traurigsten Menschen versuchen immer am Meisten, die anderen um sich herum glücklich zu machen. Jedes Mal musste er denken, wie wahr es doch war. Brian hatte immer versucht, seinen kleinen Bruder glücklich zu machen. Er war nach Hause gekommen, nach Zigaretten und schlimmeren Drogen stinkend, mit aufgeplatzten Lippen oder Augenbrauen, und trotzdem hatte er sich zu seinem kleinen Bruder gesellt und mit ihm Monopoly gespielt oder ihm eine gute-Nacht-Geschichte vorgelesen - denn sonst hatte es ja niemand aus ihrer Familie getan. Brian war so traurig, so gebrochen gewesen, und Will hatte es nie bemerkt.
Und jetzt, jetzt war Will in der Situation, in der sein großer Bruder gesteckt hatte. Er war total kaputt, anders konnte man es nicht sagen - er wusste es ja auch, und wie er es wusste, aber mehr tun, als zur Therapie gehen und Medikamente nehmen, konnte er auch nicht. Und wann immer er jemanden sah, dem es nicht gut ging, konnte er nicht anders, als ihm zu helfen. Er hatte irgendwann mal überlegt, dass das wohl an Brians Einfluss liegen musste - er hatte etwas gut zu machen. Wenn Brian es geschafft hatte, sich um William zu kümmern, als es ihm scheiße ging, dann konnte Will das auch schaffen. Mal ganz davon abgesehen, dass er ganz genau wusste, wie es sich anfühlte - allein zu sein, wenn man doch eigentlich nur jemanden brauchte, der für ihn da war. Er gönnte es niemandem außer sich selbst.
Und so zwang William sich, bei der Latina sitzen zu bleiben. Er kannte sie nicht, wirklich nicht, und verdammt, er war so schlecht darin, mit anderen Menschen zu reden. Er konnte das nicht. Seine Stimme klang bescheuert, und sicherlich würden sie nicht mit ihm reden wollen, und sie hatten doch alle Besseres zu tun, als sich das anzuhören, was der kleine depressive Freak zu sagen hatte, oder nicht? Aber er konnte da drüber stehen, wenn es bedeutete, dass er helfen konnte, dass es Mariza wieder besser ging. Jede ihrer Tränen war für ihn wie ein Schlag ins Gesicht - sie hatte es nicht verdient, so traurig zu sein.
Ihre Worte waren leise, ihre Stimme hoch und weinerlich, als müsste sie sich stark zusammenreißen, um nicht einfach so loszuheulen. Sie tat ihm unglaublich leid, und würde er sie kennen, und würde er sich durchringen können, sie zu berühren, würde er sie umarmen. Aber das würde vermutlich einen Schritt zu weit gehen - sowohl für die junge Frau als auch für ihn selbst. Und so lauschte er nur ihren Worten, ihren Ausreden, beobachtete, wie sie weiter und weiter brach. Es war schon faszinierend, wie auch sie zunächst noch versuchte, die Illusion aufrecht zu erhalten. "Ach, es ist nichts." Glücklicherweise gab sie schnell genug nach und gab zu, was falsch war - zumindest ein wenig. Will hatte schon früh lernen müssen, dass es eine ziemlich dumme Idee war, all die schlechten Gefühle zu verdrängen und nicht rauszulassen. Die Narben auf seiner Haut konnten das bezeugen.
Als schließlich die Augen der jungen Frau - schöne Augen trotz der Tränen, das musste Will zugeben - von seinen weghuschten, konnte er nicht anders, als insgeheim sich etwas entspannter zu fühlen; er konnte mit Blickkontakt nicht sonderlich gut arbeiten. Für eine Sekunde wusste er nicht recht, was er sagen konnte, was er sagen sollte: er wollte sie beruhigen, wollte ihr versichern, dass alles gut werden würde - aber durfte er das überhaupt? Er wusste nicht, wie weit er sich vortrauen durfte, ohne, dass es sich negativ auswirken würde. Aber er musste es wagen, schließlich war er derjenige gewesen, der sich entschieden hatte, nach ihr zu sehen. Jetzt musste er die Suppe auslöffeln, die er sich eingeschüttet hatte.

"Du musst nicht stark sein. Niemand ist unbezwingbar." Nicht mal Thor., wollte er hinzufügen, schalt sich aber selbst - Nerd, so was sagte man doch nicht. "Und allein bist du auch nicht." Zumindest konnte er es sich nicht vorstellen. Sie wollte ihm erzählen, dass sie ganz allein war, keine Freunde hatte? Was lief denn falsch mit dieser Welt? Mariza war offensichtlich eine wunderbare junge Frau, sie würde sicherlich eine ganze Reihe Freunde haben, und eine noch größere Reihe an Verehrern. Aber er wusste es besser, als diese sehr dummen Gedanken zum Ausdruck zu bringen.
"Was hältst du davon, wenn ich dir einen Tee mache, und wir darüber reden?", schlug Will schließlich vor. Man konnte an seiner Stimme erkennen, dass er sich nicht sicher war, ob er das wirklich tun sollte. Es lag nicht an ihr, per se, aber es war kein Geheimnis, dass er Angst davor hatte, mehr als ein paar kurze Sätze mit einem Fremden zu wechseln, und er war sich ziemlich sicher, dass er sich ihr zumindest etwas öffnen würde, wenn sie das jetzt täten, und er wusste nicht, ob das so eine gute Idee war. Aber andererseits war es doch eine gute Idee - denn wenn er eins von seiner Mutter gelernt hatte, dann, dass eine gute Tasse Tee allen Herzschmerz vertreiben konnte.


{ hört Mariza zu | versucht, sie zu beruhigen }
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