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 Springplatz

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Lawrence McKinley
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BEITRÄGE : 986
ALTER : Die Zeit ist das Kostbarste, was wir haben, deswegen achte ich auch nach 52 Jahren noch sehr genau auf sie.
HERKUNFT : Als Heimatliebhaber habe ich Kalifornien immer die Treue gehalten.
BERUF : Der Verantwortung als Hofleiter und Dressurlehrer kann und sollte man sich nicht entziehen.

BeitragThema: Springplatz   Mi 22 Jan 2014 - 20:23


Ein wenig Abseits von Dressurviereck und Reithalle liegt der Springplatz. Es handelt sich hierbei, um einen großflächigen Platz auf dem bis kurz vor Wintereinbruch alle möglichen Hindernisse stehen. Steilsprünge, Oxer, Mauern und auch zwei Hecken stehen hier zum Üben für alle Reiter des Hofes bereit.
Die Springstunden werden selbstverständlich hier abgehalten, doch außerhalb des Unterrichts ist es jedem frei den Platz zu nutzen.
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Lawrence McKinley
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BeitragThema: Re: Springplatz   Sa 8 März 2014 - 14:40


PLOT 3

Von Siegern, Stress und Prüfungsangst

Es ist so weit! Nachdem das erste Quartal des Ausbildungsjahres für die Azubis geschafft ist, steht nun das erste große Turnier an. Hier werden erstmals die Leistungen der Auszubildenden von international anerkannten Richtern beurteilt und bewertet. Dass das relativ bekannte Drei-tägige-Februar-Turnier dieses Jahr auf den Heaven Meadows Anwesen ausgetragen wird, gibt natürlich einen zusätzlichen Push, lastet jetzt auch noch der Druck der Erwartungen der Hofleitung auf den jungen Menschen.
Die Reitlehrer sind dennoch zuversichtlich, dass ihre Schützlinge gut abschneiden werden, obwohl die Konkurrenz groß ist. Aus der gesamten Umgebung und auch aus anderen Teilen des Landes, kommen viele Reiter an die Westküste nach Kalifornien, um sich hier unter Beweis zu stellen. Dabei sind ebenso nationale wie auch internationale Reiter vertreten, wenn Letztere sicherlich auch in der Unterzahl sind, so verfolgen sie doch alle dasselbe Ziel: in der gewählten Disziplin den begehrten Siegerpokal abzuräumen.

Während nun also erfahrene Hasen des Sportgeschäfts das Ganze relativ gelassen angehen, weil sie den Stress und die Hektik eines solchen Turniers gewohnt sind, ist besonders für die Neueinsteiger und die unerfahrenen Turnierreiter die Aufregung groß.
Wenige Minuten vor dem ersten Start liegen die Nerven blank, die Pferde sind auf Hochglanz poliert, einige tummeln sich schon auf dem Aufwärmplatz, andere kontrollieren noch ein letztes mal nervös, ob die Kleidung auch ja sauber und das Pferd richtig eingeflochten ist. Niemand will hier enttäuschen oder gar versagen, fließt die Bewertung der Jury heute ja auch mit in die Endjahrespunktzahl der Azubis ein.
Auf dem ganzen Hof herrscht reges Treiben, Reiter in schwarzen Jacket und weißer Turnierhose schreiten den Parcour ab, das Orga-Team wuselt über die Plätze, damit beim Start auch alles in Ordnung ist. Die Tierärzte kontrollieren bereits einige Pferde auf Doping - und die Azubis?
Für die ist es nun erstmals an der Zeit, dass sie ihre reiterlichen Fähigkeiten vor Publikum unter Beweis stellen müssen. Am heutigen Tag finden vormittags die Springen in den Klassen E-S und nachmittags die Dressur E-M statt. Am darauffolgenden Tag kommt es dann morgens zum Gallopprennen über 3400m, mittags findet der Distanzritt statt und ab 15.00 Uhr beginnen die Reiterspiele an denen jeder Azubi VERPFLICHTEND mit dem jeweiligen Pflegepferd teilnimmt. Am letzten Turniertag findet um 10.00 Uhr das Westernturnier und ab 16 Uhr sind dann alle herzlich zur Siegerehrung eingeladen.
Es stehen also drei aufregende Tage bevor. Für den gesamten Hof. Also, worauf wartet ihr noch? Letzter Kontrollcheck und dann rauf aufs Pferd oder die Tribüne. Lasset die Spiele beginnen!

> Mittwoch, 24. Februar
> Vormittags, 9.00 Uhr
> milder Morgen, ca. 11°
> es wird jedoch langsam wärmer und verspricht ein angenehmer Tag mit vereinzeltem Sonnenschein zu werden

ALLE, DIE AM SPRINGEN teilnehmen machen nun ihre Pferde fertig und begeben sich auf den Aufwärmplatz; in einer halben Stunde beginnt das Springen! ALLEN ANDEREN ist es freigestellt wo sie posten, allerdings solltet ihr euch an den natürlichen Turnierflair halten, d.h. startet jetzt keinen Ausritt o.Ä. Nehmt z.B. Plätze auf der Tribüne ein etc.
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BeitragThema: Re: Springplatz   Mi 16 Apr 2014 - 14:16

Die Atmosphäre war atemberaubend. Sophie hatte nicht sonderlich gut geschlafen, was die tiefen Augenringe in ihrem Gesicht verrieten und man sie trotz Schminke nicht überdecken konnte. Die ganze Nachte hatte sie über dieses Turnier nach gedacht. Immerhin würde sie hier zum ersten Mal ihr gelerntes Können unter Beweis stellen und ein Galopprennen war weitaus mehr als ein Sprinparcours. Trotzdem hatte sie sich dazu ringen können den Anderen zuzusehen. Auf dem Springplatz tummelten sich schon die Gästereiter mit ihren Reitlehrern und liefen den Parcours ab, zählten Schritte und versuchten sich die Hindernisse nochmals einzuprägen. Sie sah sich um, doch bei den vielen Leuten mit Sonnencapes, Cola in der Hand und hochwertige Poloshirts, konnte sie keinen vom Stall ausfindig machen. Vielleicht stand sie auch einfach auf der falschen Seite, doch so wirklich vom Fleck bewegen wollte sie sich dann auch nicht.
Sie konnte weder Bastian sehen, ihren Reitlehrer, noch Juliane oder Lilian, wobei Juliane ja an diesem Turnier teilnahm, so dachte sie zumindest. Sie musste zugeben viel mit den Anderen zu quatschen gehabt hatte sie nicht. In den letzten Monaten hatte sie sich eher auf Falina und sich selbst konzentriert und das beinahe tägliche Training. Seit sie hier war erkannte sie sich kaum selbst wieder. Sie war pflichtbewusst und hing selten in der Stadt rum, oder stellte irgendwas dummes an. Nein, Karriere war das was nun zählte und vielleicht stellte sich Sophie deswegen so unter Druck für den nächsten Tag, weil sie perfekt sein wollte.
Neben ihr standen nun auch schon andere Zuschauer, die gemütlich eine Pommes aßen und die Kinder immer wieder nur bemerkten wie schön die Pferde seien. Sophie seufzte nur und ging den morgigen Tag nochmals in Gedanken durch. Sie hasste sich dafür das sie im Moment nicht abschalten konnte, doch sie wollte sich keinesfalls blamieren….

(denkt nach, sucht nach den Anderen)
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BeitragThema: Re: Springplatz   Mo 21 Apr 2014 - 13:26

No, Cástor. Der eindrucksvolle Rüde hob den Blick vom Zaunpfosten zu Aléjandro empor, betrachtete dessen ernste Miene eingehend und befand wohl am Ende, dass es sich nicht weiter lohnte. Mit einem Schnaufen ließ er von seinem ursprünglichen Plan ab, eine unabwischbare Markierung am Springplatz zu hinterlassen, aber vermutlich war aufgeschoben bei dem Kangalrüden nicht aufgehoben. Inzwischen wunderte der Spanier sich kaum noch über das Verhalten seines Hundes, der nun damit begann, die Umgebung ein zweites Mal genau abzuchecken.
In den letzten paar Minuten hatte sich nicht viel getan, wie A.J. bemerkte, dennoch atmete er tief den Geruch des staubigen Bodens, der Pferde und des Schweißes ein, der auf Turnieren allgegenwärtig schien. Vor Kurzem noch hatte er die Hufe seiner Schützlinge ein letztes Mal kontrolliert, sich die Eisen der ausländischen Gegner angesehen und dabei alle Daumen für die Starter der Heaven Meadows gedrückt. Abschalten konnte der Hufschmied dennoch nicht, würde er im Laufe der drei Tage Turniere vermutlich einige Eisen auffinden, die nicht mehr zuzuordnen zu wären. Schade um die Arbeit, aber am Ende sah meist nur der Spanier das so, die Reiter selbst waren froh, solange ihr Pferd beschlagen war.

Leise seufzend lehnte sich der Mann gegen den hölzernen Zaun, betrachtete die bunten Hindernisse und überlegte, wieso er sich die Prüfungen eigentlich überhaupt ansah. Immerhin nahm er nicht teil, Jolly war für den Springsport nicht geschaffen und Aléjandro verspürte auch keinerlei Ambitionen, in diesem tätig zu werden. Das überließ er lieber den drahtigen Azubis.
„Vamos, mi amigo.“ gab er leise, aber klar verständlich den Befehl, woraufhin der angeleinte Rüde ihm mit langen Schritten folgte, immer mal wieder hier und da schnuppernd. Als A.J. jedoch an einer recht blass aussehenden Schülerin der Heaven Meadows vorbeikam, der Name war ihm entfallen, so selten, wie er mit den Menschen hier sprach, hielt er inne. Sein stechend heller Blick nahm die Augenringe unter dem MakeUp ebenso wahr wie die innere Anspannung, die sich ein wenig auf Castor zu übertragen schien. Misstrauisch beäugte der große Rüde das Mädchen, sodass Aléjandro ihn kürzer nahm, nur zur Vorsicht. Gelegentlich neigte der Kangal zu unberechenbaren Aktionen.
Señorita, geht es Ihnen gut?“ sprach er das Mädchen nun also vorsichtig an, trat neben sie und ließ seinen Blick über den Springplatz wandern. Bisher waren keine Teilnehmer gestartet, aber es würde nicht mehr lange dauern, so viel stand fest. Die Spannung lag spürbarer als zuvor in der Luft, Castor schüttelte unbehaglich den massigen Leib.
Fragend blickte Aléjandro auf das kleine, zierliche Mädchen nieder, musterte ihr schmales, blasses Gesicht und fragte sich im gleichen Augenblick, ob sie eine der Starterinnen war. Dann sollte sie aber schnell machen, überlegte er weiter, immerhin blieben ihr kaum noch zehn Minuten, sofern der Plan eingehalten wurde. Señorita?“ wiederholte A.J. mit ruhiger Stimme. Nervöse Pferde benötigten stets eine klare, aber sanfte Führung, bei Menschen konnte es ja durchaus ähnlich sein, nicht wahr? Der Hufschmied wartete also ab, den Blick auf Sophie gerichtet.



[Am Springplatz - beobachtet - bemerkt Sophie]
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BeitragThema: Re: Springplatz   Mo 21 Apr 2014 - 21:44

Sophie blickte sich nochmals um, als der Geruch von fettigen, heißen Pommes mit Mayo ihre Nase erreichte. Sie verzog das Gesicht und suchte den Übeltäter. Nicht das sie Pommes nicht mochte, doch im Moment erregte jede Art von Essengeruch ein Würgereiz in ihrem Magen. Dann sah sie schließlich rechts neben sich einen etwas fester gebauten Mann im Nike Pullover auf einer Bank sitzen. Sein Hund hatte seinen Kopf auf die Schenkel des Mannes gelegt und sie konnte die Sabber an seinen Lefzen förmlich herunter tropfen sehen. Sie schluckte, schüttelte sich und drehte ihren Kopf weg. Sie blinzelte und verschränkte die Arme vor ihrem dicken Nike Pullover, den sie heute Morgen angezogen hatte. In Gedanken versunken bemerkte sie erst gar nicht, als jemand neben ihr stand und sie ansprach. Sie starrte weiterhin auf den Springplatz, der mittlerweile von einzelnen Sonnenstrahlen durchflutet wurde und in ihren Augen blendete. Warum hatte sie auch keine Sonnenbrille mitgenommen, bei ihrem Anblick wäre das vermutlich gar keine so schlechte Initiative gewesen. Sie fühlte sich plötzlich irgendwie fehl am Platz, warum war sie hier? Sie hätte in Ruhe ausschlafen können und sich auf den morgigen Tag vorbereiten, oder bei Falina im Stall sein können um ihre Nervosität zu senken. Stattdessen stand sie hier mitten unter Fremden Leuten, die Pommes fraßen, oder kleine Kinder herumrannten und ihr fürchterliche Kopfschmerzen verursachten.
„Señorita?“ , hörte sie erneut und schreckte leicht zusammen. Das jemand sie ansprach, damit hatte die Blondine nicht gerechnet und schon gar nicht in Spanisch. Sie drehte sich zu dem großgewachsenen Mann um und ihr erste Blick fiel auf den großen Hund neben ihm, der sie musterte. Eigentlich hatte sie keine Angst vor Hunden, doch dieser machte einen Eindruck der noch mehr Respekt vor diesen Tieren in Sophie herbeirief.
"Ja? Oh entschuldigen Sie, ich war in Gedanken…", reagierte Sophie schließlich perplex und sah den Mann genauer an. Er war Spanier, nicht nur weil er sie damit angesprochen hatte, nein es war deutlich zu erkennen. Die schwarzen kurzen Haare und diese Augen. Zumal er ein sehr großer Spanier war, aber es schien als würde sie ihn irgendwoher kennen. Sie grübelte und fand schließlich eine Antwort. Er war Hufschmied und hatte gestern Kalians Hufeisen überprüft und nachgezogen, doch war sie nur an ihm vorbei gelaufen und hatte kein Wort mit ihm gewechselt. Kein Wunder, das er sie nicht kannte. Sie sah den Mann weiterhin an und dachte nach ob sie vielleicht etwas sagen sollte. Doch sie schwieg und blickte wieder zu seinem Hund, der nun ein freundliches Gesicht machte und sich hingesetzt hatte.
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BeitragThema: Re: Springplatz   Di 22 Apr 2014 - 19:58

Aléjandro seufzte lautlos. Offenbar hatte er sich unnötig gesorgt und nun würde er die Rechnung für sein recht paradoxes Benehmen tragen müssen, inklusive aller Nebenkosten. Allerdings erleichterte es den Spanier mit den blauen Augen doch ein wenig, dass sie ihn auf den ersten Augenblick ebenso wenig zuordnen konnte wie er sie anfangs. Mahnend sah er auf den Kangalrüden nieder, der Sophie angespannt und mit drohend erhobener Rute fixierte. Intuitiv wusste A.J., dass in dem beigefarbenem Hund unweigerlich der Hüte- und Schutztrieb aufflammen konnte, sodass er die Leine nochmals unmerklich ein wenig kürzer nahm und nun kaum mehr eine Handbreit zwischen dem glänzenden, locker liegendem Halsband und seinen Fingern lag.
„Verziehen Sie, Señorita. Sie haben ein wenig blass ausgesehen. Nehmen Sie teil?“ wiederholte er ruhig seine zuvor gestellte Frage an sie, konnte sich jedoch nicht zu einem einladenden Lächeln zwingen, sodass es lediglich fragend den Kopf neigte und die Richtung des Sprinparcours andeutete. Ihre Nervosität war ebenso offensichtlich wie ihre gedankliche Abwesenheit, was ihn veranlasste, sich keine nennenswerten weiteren Sorgen um ihren Gesundheitszustand zu machen. Ihm waren, bei genauerer Überlegung, einige recht blass erscheinende Heaven Meadow Schüler entgegengekommen. Zudem ein Teil von ihnen fahrig und abgelenkt wirkte, ähnlich wie die junge Dame direkt vor ihm.

Erst die dezente Bewegung dicht neben seinem Bein ließ den Spanier sein Augenmerk zurück auf Castor lenken, den die offen zur Schau getragene Ruhe seines Herrn ebenfalls ein wenig beruhigte, allerdings täte Aléjandro ihm nicht den Gefallen und ließe seine Konzentration darunter leiden. Misstrauisch ruhte sein Blick einige Zeit auf dem nun sitzenden Riesen, dessen helles Fell sich kaum vom wenig dunklerem Sandboden abhob und der scheinbar unschuldig zu ihm emporblickte. Dios mio, Hund bleibt Hund“ murmelte er kopfschüttelnd, fragte sich allerdings, ob es gezielt geplant gewesen war oder ob Hund von heute einfach unwillkürlich besagten Hundeblick aufsetzte.
Aléjandro bemerkte den Blick, den Sophie seinem Hund zuwarf und schwieg dazu. Bisher hatte keine Partei gute Erfahrungen mit dem Streicheln des Kangalrüden gemacht. Somit glitt der samtblaue Blick des Spaniers über den Turnierplatz und wartete die Antwort der Jüngeren ab. Ihn trieb keine Arbeit zurück, ebenso wenig zerrte eine Teilnahme an seinem Zeitplan - er hatte diesen Vormittag tatsächlich mehr oder weniger frei. Am Nachmittag würden die Dressurprüfungen laufen, eventuell erhaschte er dort auch einige bekannte Gesicher. A.J. mochte den Turnierflair als Zuschauer und Besucher, zu mehr reichte es aber nicht. Also vertrieb er sich vorläufig die Zeit - mit Smalltalk, wie es im Augenblick schien.


[Bei Sophie - Rand Springplatz - Smalltalk]

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BeitragThema: Re: Springplatz   Do 24 Apr 2014 - 13:18

Sophie merkte wie er seinen Hund etwas zu sich zog, vermutlich hatte er ihre innerliche Anspannung bemerkt und würde nun denken sie habe Angst vor Hunden. Aber weiterhin stören tat sie das nicht, sie sah den Hufschmied noch eine Weile an. Sie wusste nicht einmal warum, entweder war es ihr zu anstrebend sich einen neuen Augenfokus zu suchen, oder aber sie versuchte seinen Namen heraus zu finden indem sie ihn weiterhin anstarrte. Wie schwachsinnig eigentlich, aber tat nicht dagegen.
"Ja das mag wohl an meiner Aufregung für den morgigen Tag liegen. Ich nehme am Galopprennen teil. Und Sie? Ich hatte sie gestern gesehen, Sie sind Hufschmied, nicht wahr? Ich habe ihren Namen vergessen.", schämte sich die Blinden etwas und ahnte jedoch bereits das er ihren Namen ebenfalls nicht wusste. Wie denn auch, sie hatte sich ihm nicht einmal vorgestellt. "Ich heiße übrigens Sophie.", fügte sie bedacht hinzu und spürte wie ihre Anspannung etwas Nachlass. Vielleicht lag es nur daran, dass sie mal keine Zeit hatte über morgen nachzudenken, oder der Kerl gegenüber von ihr hatte es drauf einem jegliche Anspannungen zu nehmen. Wobei Sophie auf das erstere setzte.
Und plötzlich dachte sie darüber nach, wie sie eigentlich heute Morgen aus dem Haus gegangen war. Sie sah völlig fertig aus, war blass und hatte es kaum geschafft sich vernünftig zu schminken, gar zu kleiden. Sophie ärgerte sich über sich selbst, wie kam sie auf die Idee in so einem Auftritt an die Öffentlichkeit zu gehen. Na ja sie bekam so eben die Rechnung dafür, denn das ein gut aussehender Hufschmied sie ansprach, damit hatte sie heute wohl nicht gerechnet.
Aber sie konzentrierte sich nun wieder mehr auf den Hund und fand es faszinierend wie Aléjandro mit ihm umging. Sie schmunzelte ein wenig und verkniff sich in dem Moment zu fragen, ob sie ihn hätte streicheln können. Doch wirklich vertrauenswürdig sah der Hund immernoch nicht aus, auch wenn er völlig fixiert auf sein Herrchen schien.


(Antwortet AJ/ Stellt sich vor/ Denkt nach)
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BeitragThema: Re: Springplatz   Do 24 Apr 2014 - 16:52

Den Blick noch immer auf den Springplatz gerichtet, nahm A.J. aus dem Augenwinkel heraus wahr, dass Sophie ihn noch immer musterte. Um nicht zu sagen anstarrte. Dios Mio. Erwartete sie eine gewisse Reaktion von ihm? Unbehaglich mahlte er mit den Kiefern, wandte sich ihr schließlich wieder entgegen und versuchte seiner finsteren Miene die Schärfe ein wenig zu nehmen, indem er lächelte. Es wirkte jedoch ein wenig ungeübt. Aléjandro schalt sich innerlich einen idiota. Allerdings schien sie ohnehin eher auf weitere Anzeichen zu achten, ob sie ihn noch erkennen würde oder schlicht bereits gesehen, aber nie gesprochen hatte. Mit diesem Gedanken einigermaßen beruhigt, ließ auch die Spannung seiner Schultern ein wenig nach und auch Castor begann sich allmählich komplett zu entspannen. Nach einem letzten aufmerksamen Blick auf die beiden Menschen sank er hechelnd auf den Boden zurück und beobachtete das Treiben um sie herum.

Nun, zumindest hielt sie sich nicht lange mit unnötigen Floskeln auf, wie er anerkennend feststellte. Er schätzte einen ehrlichen Charakter, sodass sogar einige winzige Fältchen um seine Augen aufgeworfen wurden, als er dezent lächelte. Sein Name war für eine Amerikanerin vermutlich auch nicht eben leicht zu merken. Dass sie erst am morgigen Galopprennen teilnehmen würde, überraschte ihn - wenn auch nur mäßig. Es erklärte die schmale Statur der jungen Frau.
„Galopprennen also“ wiederholte er, bevor er ihr die große Hand entgegen streckte. Castor sah misstrauisch auf, beließ es aber vorerst dabei. „Aléjandro Vaqúez. Ja, der Hufschmied“ bestätigte er, drückte ihre schmale Hand kräftig, aber vorsichtig und ließ sie dann wieder fahren. Sie selbst machte nicht viel Aufhebens und stellte sich als Sophie vor. Sophie vom Galopprennen. Ob er sich das würde merken können? „Sophie de las carreras de caballos“ murmelte er vor sich hin. Nun, es hatte zumindest etwas, befand er und wandte sich der Blondine wieder direkt zu.
„Und Sie nehmen als Azubi der Heaven Meadows teil, nehme ich an? Mit einem eigenen Pferd?“ Mochte er auch rau und wenig umgänglich auf andere Menschen wirken, auch Aléjandro hatte eine besonders sittsame und höfliche Erziehung genossen. Seine Mamá wäre sicher stolz, dass er sich zumindest das erhalten hatte.
Unwillkürlich glitt sein gräulich blauer Blick über ihre zarte Erscheinung und schätze im Allgemeinen das Vermögen der Jockeys ein, ihre heißblütigen Pferde zu kontrollieren. Man sollte meinen, bei diesen nervösen Tieren wäre ein Mann vom Kaliber des Spaniers notwendig - nur besaß er vermutlich nicht den Nerv für derart sensible Reitkunst. Es war eine schmale Gratwanderung, wie es feststellte, das Galopprennen.


[Bei Sophie - Rand Springplatz - Smalltalk]  

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BeitragThema: Re: Springplatz   Do 24 Apr 2014 - 17:21

Sie wartete geduldig auf eine Reaktion von Aléjandro und bekam diese innerhalb kurzer Zeit auch. Sie sah ihn nochmals an, blinzelte und konnte sogar ein leichtes Lächeln auf seinen Lippen erkennen. Ihre Augen blitzten auf und sie reichte ihm ihre Hand. Seine Name war nichts gewöhnliches hier auf Heaven Meadows, das musste sie ihm lassen und es bestätigte ihr ebenfalls, dass er Spanier war.
"Ja Rennen liegen mir im Blut sozusagen, aber Aléjandro ist ein sehr schöner Name. Dementsprechend kommen Sie also aus Spanien?", fragte sie gleichzeitig indem sie seine Hand wieder los ließ.
Sie hörte ihn etwas auf spanisch vor sich hin murmeln und verstand es sogar. Jetzt wurde ihr Name also mit Pferderennen in Verbindung gesetzt, der Gedanke daran entzückte sie ein wenig und sie grinste.
"Ja ich mache hier eine Ausbildung zur Jockette und habe meine Stute Falina Meia Luna mit hier her gebracht. Und Sie? Haben sie auch ein eigenes Pferd? Und ich hätte da noch eine Frage, wenn ich darf, wie lange sind sie schon in Amerika und was hat sie hier her getrieben?", vielleicht waren ihre Fragen zu direkt und zu viele auf einmal, doch so war die Blondine nun mal. Und egal wie sehr sie versucht sich zu zügeln, platzte immer irgendetwas aus ihr heraus. Doch diesmal hoffte sie, dass Aléjandro nicht der Typ Mensch war der mit ihr überfordert war und in den nächsten Sekunden eine Ausrede finden würde um dann weg zu gehen. Aber obwohl sie in erst einige Minuten kannte, schätzte sie den Spanier nicht so ein. Aber Menschenkenntnis war ja noch eine von Sophies Stärken gewesen.
Dementsprechend konnte sie nur abwarten. Er könnte auch einfach sagen, das er nicht antworten wollte, damit wäre die Blondine in jedem Fall auch zufrieden gewesen.


(Antwortet/ Fragt AJ )
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BeitragThema: Re: Springplatz   Do 24 Apr 2014 - 18:16

Offenbar war es eine gute Idee gewesen, sich ihr nochmals namentlich vorzustellen, überlegte er innerlich amüsiert, als er das Aufblitzen in ihren Augen bemerkte. Der Hufschmied neigte leicht das Haupt, um ihr seine Aufmerksamkeit zu signalisieren, als er aus dem Augenwinkel bereits die ersten Bewegungen wahrnahm. Wie es schien würde das Turnier auch in Bälde starten.
Verblüfft und ein wenig sprachlos blinzelte der Mann Sophie entgegen, unschlüssig, ob es auf eine solche Frage überhaupt eine passende Erwiderung gab. Er nickte dezent, immerhin war seine Mamá tatsächlich aus Spanien und er selbst die ersten Jahre dort aufgewachsen. Danach hatte er Frankreich und die Carmague gesehen, doch das war am Ende nicht seine Welt geblieben. Ihr Grinsen auf seine gemurmelten Worte irritierte ihn zugegebenermaßen, ließ sich davon aber vorerst nicht aus der Ruhe bringen. Was wusste ein spanischer Bursche wie er schon von den Gedanken junger Amerikanerinnen?
„Vielen Dank“ bedankte er sich artig für das Kompliment, empfand es allerdings als unnötig, ihr bezüglich ihres Namens ebenfalls ein Kompliment zu machen.
„Inwiefern liegt es Ihnen im Blut, Sigñorita?“ fragte er also schlicht, den Blick auf sie gerichtet und vorläufig alles um sich herum ausgeblendet. Lediglich Castor, der stets ein gewisses Maß an Achtsamkeit benötigte, war allzeit präsent für Aléjandro. Sie erklärte ihm, dass sie tatsächlich Auszubildende war - somit vermutlich noch um etliches jünger als er anfangs gedacht hatte - und eine Stute ihr Eigen nannte. Dunkel meinte sich der Hufschmied zu erinnern, die Eisen besagter Stute überprüft zu haben, aber mit Namen lag es dem Spanier einfach nicht.

Ohne Luft zu holen, wie es dem leicht überfordertem Mann erschien, setzte sie ihren Wortschwall fort und riss ihn mit sich, ehe er sich besann und die Spannung in seine Schultern zurückkehren spürte. Er hatte aufgehört die Jahre zu zählen, die er hier verbracht hatte, aufgehört, die Monate abzustreichen, in denen kein Brief angekommen war, keine schwarzen SUVs vorgefahren waren oder seine Schwester bedroht wurde. Ja, was hatte ihn eigentlich genau hierher getrieben? Die grandiose Aussicht war es garantiert nicht gewesen.
Da er diese Frage nicht unverfänglich genug beantworten konnte und er zudem noch immer das Misstrauen im Nacken hatte, womöglich nicht vollständig von den Listen gestrichen zu sein, konzentrierte A.J. sich vorläufig auf die simpelste Frage. Sein Pferd. Der harte Glanz wich aus seinen Augen, sobald er an den Wallach dachte. Increíble. Es gab kein amerikanisches Wort dafür, dass diesem Gefühl hätte gerecht werden können. Es war jedes Mal, als kehre der Spanier nach langer Abwesenheit nach Hause zurück. „Ja, ich besitze ein eigenes Pferd. Sein Name ist Jolly Jumper, aber Preise wird er wohl keine mehr gewinnen.“ Stirnrunzelnd dachte Aléjandro daran, dass der große Wallach in seinem Leben ohnehin nur Mienenschächte und Mienenarbeiter gesehen hatte, vermutlich wäre er mit einem Turnier wie diesem absolut überfordert. A.J.s Blick glitt kurz prüfend über den liegenden Rüden, dem schien der Lärm inzwischen weniger auszumachen. Allerdings erspähte er etliche kleine Hunde, die nahezu perfekt in das Schema eines kleinen Lämmchens passten. „Sein Name ist irreführend“ beendete Aléjandro, den Blick noch kurz auf Castor weilend, und blickte erneut lächelnd in die Augen Sophies.
„Jumper ist kein großer Springer“ erklärte er sich weiter. Eventuell würde sie die Frage nach dem Warum davon ablenken, wieso er eigentlich nicht im sonnigen Madrid geblieben war.


[Bei Sophie - Rand Springplatz - Gespräch]  

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BeitragThema: Re: Springplatz   Mo 28 Apr 2014 - 15:03

Sie beobachtete nochmals kurz das Geschehen um sich herum. Auf dem Platz war nun eine Anspannung zu spüren und Unruhe, vielleicht würde es bald los gehen. Sophie sah die ersten Starter schon wieder vom Platz gehen und wenn sie weiter nach hinten durchsah, konnte sie sogar die ersten Pferde schon sehen. Es waren hübsche, große Pferde. Holsteiner, Trakehner… aus aller Welt. Sie musste an Falina denken. Das junge Vollblut war keinesfalls für solch Turniere geschaffen. Sie meinte diese Springturniere und Dressurplätze, viel zu wenig Platz. Kurz stellte sich Sophie vor wie es wäre Falina in einer solchen Disziplin zu reiten. Die Stute würde ihr ausbrechen und vom Platz galoppieren. Zu wenig Platz und für ein Rennpferd.
Aléjandro bedankte sich für das Kompliment welches sie auf seinen Namen gemacht hatte. Aber auch stellte er ihr diese unangenehme Frage, jeder andere hätte sie beantworten können, doch die Blondine hasste es an ihre Vergangenheit und Familie erinnert zu werden, an die Ranch auf der sie aufgewachsen war. Na ja sie hatte nicht einmal die Hälfte ihrer Kindheit dort verbracht… Ihre Miene wurde härter, doch sie versuchte sich dem nichts anmerken zu lassen. Sophie schluckte, suchte nach den richtigen Worten um ihm antworten zu können. Dann dachte sie an ihre Mutter, die Schlagzeilen der toten Pferde durch Doping. Ein Schauer lief ihr über den Rücken und sie streckte sich etwas um die Gedanken abzuwimmeln.
"Meine Familie hatte einen Rennstall. So lernte ich sehr früh auf einem Rennpferd zu sitzen und es zu reiten…", und in dem Moment erinnerte sie sich an ihren ersten Ritt auf der Bahn. Ihre Mutter hatte sie vor sich auf den Sattel gesetzt und war mit ihrem Pferd eine ganze Bahn mit Sophie geritten. Sie hatte dieses Pferd geliebt, weil es ihr erstes war. Kariym, war sein Name gewesen und es hatte sie mehr verletzt als alles andere, als sie von seinem Tod erfuhr…. Doc darüber wollte sie jetzt nicht nachdenken. Sie versuchte wieder ein Lächeln über ihre Lippen zu bringen und versuchte es nicht allzu künstlich wirken zu lassen.
Aber auch merkte Sophie das sie mit ihren Fragen etwas in dem Spanier getroffen hatte, sein Ausdruck veränderte sich schlagartig und sie wusste das er nicht antworten würde. Also versuchte er die Fragen gekonnt zu umgehen, was der Blondine nichts weiterhin ausmachte und sie sich nun mehr für sein Pferd interessierte. Jollyjumper.
Im ersten Moment klang es nach einen spitzen Springer, doch wie AJ dann auch erwähnte war er das komplette Gegenteil. Sophie musste etwas lachen.
"Was für eine Rasse ist denn Jollyjumper, der trotz seines Namens kein Springpferd zu sein scheint?", fragte sie grinsend und vermutete bereits das es in Richtung Kaltblut gehen würde.


(sieht über den Platz/ Smalltalk/ Frage)
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BeitragThema: Re: Springplatz   Mo 28 Apr 2014 - 21:32

Menschenkenntnis war keine von Aléjandros Stärken, dennoch vermochte der geübte Hufschmied bereits kleinste Details korrekt zu interpretieren, wenngleich meist eher bei den pferdigen Gesellen. Als er nun allerdings die veränderte Miene Sophies wahrnahm, die verhärtete Miene und die beinahe dezent ablehnende Haltung, erahnte der Hufschmied, dass ihr ähnlich übel zugespielt werden musste wie ihm. Vermutlich in anderen Maßen, aber am Ende waren es alles einprägende und formende Ereignisse.
Zudem - wieso sollte sich eine Azubine auch ausgerechnet dem wortkargen Hufschmied anvertrauen? Sie kannten einander ja gerade eben erst seit zwanzig Minuten. Castor schien das ähnlich zu sehen, blickte er immer wieder wachsam von A.J. zu Sophie und wieder zurück, als erwarte er innerhalb von Sekunden einen Hütebefehl seines Herren. Mahnend hob der Spanier eine Augenbraue, baute allerdings auf das leicht abgekühlte Temperament des großen Hundes.

Ein Rennstall. Das legte dem Zweiunddreißigjährigem die Vermutung nahe, dass sie dieses Leben, nahe an der Rennbahn und dem Extrem des Limits, womöglich nicht vollständig von selbst gewählt hatte. Da sie nun allerdings hier war und voranschritt, befand A.J., dass er sich da auch nicht weiter einzumischen hatte. Es ging ihn einfach nichts an, der Dreck unter den Schuhen anderer. Er selbst schleppte genügend mit sich herum, als dass er Anderen diesbezüglich ernsthaft Hilfe hätte anbieten können. Also nickte er knapp, schirmte mit der Hand die blauen Augen gegen die aufgehende Sonne ab und beobachtete einen nahezu fehlerfreien Ritt, ehe die vorletzte Stange doch noch nach bangem Warten zu Boden fiel. Das dumpfe Geräusch, als sie aufkam, dröhnte beinahe wie ein endgültiges Signal durch die Luft. Der Spanier empfand beinahe etwas wie Mitleid mit dem ihm Unbekannten.
Ernst sah er nun in die noch immer von Trauer verschleierten Augen Sophies, erwiderte das bemüht wirkende Lächeln allerdings nicht, da er um den Schmerz wusste, der getragene Erinnerungen mit sich führen konnte. Aléjandro ließ ihr die Zeit, die sie benötigte, um sich zu fangen, krauelte kurz Castor hinter den dunklen Ohren und blickte schließlich wieder zu Sophie auf, als diese eine Frage zu Jolly stellte.
Ein flüctiges Lächeln glitt über A.J.s Züge. Ja, dieses Pferd war sein gesamter Stolz, ganz gleich, wie unfähig es auch betrachtet werden mochte. Jolly Jumper verstand etwas von dieser Welt und ihren Grausamkeiten, ebenso von ihrer Liebenshaftigkeit und Wärme. Ironischerweise versuchten viele Aléjandro Vaqúez als eine Art zweiten Lucky Luke zu sehen, sobald sie den Namen seines Pferdes erfuhren. Es war gewiss ein gescheites Kerlchen, aber kein zweiter Jolly Jumper. Es war schlicht sein Pferd.
Nachdenklich rieb er sich das Kinn. „Er ist das blanke Gegenteil von deiner Falina. Breit, schwer und behäbig. Nennen wir ihn liebevoll eine bunte Mischung aus allem, vermutlich Kaltbluteinschlag erster Klasse.“ Wenn man es denn so nennen wollte. Es irritierte A.J. immer wieder, wie redselig er wurde, sobald es um die vierbeinigen Geschöpfe auf Gottes Erden ging - denn diese waren, egal in welchem Land, stets gleich.


[Bei Sophie - Rand Springplatz - Gespräch]  
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Patrick Murray
2. Lehrjahr
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BEITRÄGE : 353
ALTER : 25 und trotzdem noch ein Azubi.
HERKUNFT : Geboren in Irland, aufgewachsen im irgendwie irischen Teil von Bosten, USA, fühle ich mich der irischen Nation doch ziemlich zugetan, auch wenn auf meinem Pass "Amerikaner" steht.
AUSBILDUNG : Westernreitlehrer werde ich in rund einem Jahr sein. Falls mich O'Donneil nicht vorher doch erschlagen hat.

BeitragThema: Re: Springplatz   Mo 26 Mai 2014 - 19:38

Eine leichte Brise, die den Geruch nach Pferd, Fritten und Frühling mit sich brachte, wehte den Tribünen am Springplatz entgegen, brachte den Lärm von unzähligen Menschen mit sich und letztlich auch Patrick Murray, der sich bewaffnet mit einem großen Kaffeebecher und einem Sandwich langsam durch die Scharen von Neugierigen kämpfte, bis er einen Platz in den vorderen Reihen der Tribüne ergattert hatte. Hinter ihm saß eine Familie mit etlichen Kindern, die gerade in das Alter kamen, in dem man ihnen langsam den Umgang mit Pferden zutrauen konnte, falls sie nicht mit den Vierbeinern aufgewachsen waren. Die Mädchen waren hin und weg, starrten mit vor Entzückung geröteten Gesichtern auf das erste Paar, das den A-Parcours durchlief, überraschend ruhig für ihr Alter und so glücklich, dass es Patrick in einen Strudel aus zweierlei Gefühlen stieß. Auf der einen Seite war der Hauch von Eifersucht, den er einfach nicht ablegen konnte, wenn er glückliche Familien sah, auf der anderen jedoch ehrliche Freude. Sein Blick glitt über die Familie, nahm mit dem Blick eines Sozialarbeiters, den er sich anders als einige seiner damaligen Kommilitonen nicht erst im Studium angeeignet hatte, sondern schon viel früher, als er die Kinder und Jugendlichen aus Pflegefamilien oder Heimen mit denen aus normalen Familien verglichen hatte, wahr, dass es eine gut situierte Familie war, die ihren Kindern wohl problemlos Reitunterricht finanzieren könnte. Sich hinsetzend und den ersten Schluck des heißen Gebräus nehmend, gab er sich einen Moment lang dem Gedanken hin, wie er die Kids unterrichtete, ihnen all das vermitteln, das man ihm beigebracht hatte. Es war ein schöner Gedanke und brachte seine Stimmung nun vollends auf Hochtouren.
Es war einfach kein Tag, an dem man trübsinnig sein konnte. Der Unterricht in der Stadt fiel aus, es gab neben Kindern auch einige sicherlich alleinstehende Reiterinnen und er hatte bis vor etwa einer halben Stunde tief und traumlos schlafend in seinem Bett gelegen. Herrlich war das.
Patrick ließ seinen Blick über die Zuschauerreihen gleiten, entdeckte den Hufschmied und Sophie, die beide ins Gespräch vertieft schienen und noch mehr unbekannte Gesichter. Doch auch eine andere Gestalt erhaschte seine Aufmerksamkeit und diesmal lag das keinesfalls an engen, weißen Reithosen oder hübschen langen Haaren, sondern an der Bekanntheit des Gesichts. Scheinbar hatte der Hofleiter seine organisatorischen Pflichten für heute erfüllt. Aktuell war der Dunkelhaarige auf dem Weg zu den Tribünen und Patrick beschloss einer spontanen Eingebung folgend, einen Sitz weiter zu rücken, sodass Lawrence McKinley sich nicht ganz so arg durch die Reihen kämpfen musste. Vielleicht hoffte ein Teil von Paddy aber auch, dass er die Gelegenheit haben würde, kurz mit ihm ins Gespräch zu kommen, sich vielleicht dafür bedanken zu können, dass er auch Pflegepferde zur Verfügung stellte, sodass auch Leute mit wenigen Mitteln in den Genuss der Ausbildung kommen konnten. Dieser Teil war aber noch nicht ganz im Stande, sich zu artikulieren, als der Dressurlehrer auf die Höhe seiner Sitzreihe kam, sodass sich nur der leicht flapsige Paddy Murray zeigte, der sich ein bisschen zurücklehnte, charmant lächelte.
„Guten Morgen“, begrüßte er McKinley überraschend höflich. „Es sind viele Leute gekommen. Ein großer Erfolg für den ganze Hof.“
Und das stimmte auch. Obwohl er sich normalerweise immer gegen größere Gefühlsregungen verwehrte, musste er doch eingestehen, dass er an diesem Morgen durchaus so etwas wie Heimatgefühle für den Hof empfand und es ihm gefiel, dass das Turnier so gut besucht war. Er hatte sich zwar kaum an den Vorbereitungen beteiligt, sich mit dem Training von Amy und Cowboy herausgeredet, aber auch ihm war klar, dass dieses Publikum wichtig für den Hof war. Und damit eben auch für seine Ausbildung.


[Gedanken & Beobachtungen / Bemerken von McKinley / Begrüßung]
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Lillian Adams
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AUSBILDUNG : Lillian hat es zwar schon geschafft, sich als Reiterin in der Branche einen Namen zu machen, doch jetzt will sie auch die Ausbildung zur Vielseitigkeitstrainerin hinter sich bringen.

BeitragThema: Re: Springplatz   Di 27 Mai 2014 - 8:13

Lillian war wirklich nicht aufgeregt. Dieser Hof war ihr Zuhause, und die meisten Menschen, die dort waren, hatten sie schon tausende Male springen sehen. Wenn sie über den Hof blickte, waren die wenigsten, die dort waren, keine Hofbewohner - obwohl natürlich auch eine Menge Leute aus der Umgebung gekommen waren, um das Turnierspektakel zu beobachten. Aber es war nur ein vergleichsweise kleines Turnier, nichts, was die Kalifornierin nicht schon mal gesehen hatte. Und so blieb sie ganz ruhig; sie war Profi, sie war daran gewöhnt.
Wer nicht daran gewöhnt war, war Gunshot, und genau deswegen hatte sie sich dieses Turnier ausgesucht, um mit ihm ins Turnierleben einzusteigen: wenn sie ruhig war, konnte sie dem jungen Hengst ein wenig mehr Halt geben. Dennoch war der Rappe reichlich aufgeregt, während sie ihn warmritt. Neugierig beobachtete er das Treiben um sich rum, und Lilly konnte spüren, wie angespannt er unter ihr war. Wäre es ein größeres Turnier war sie sich ziemlich sicher, dass er abgegangen wäre wie eine Rakete; jetzt aber konnte sie ihn halten. Und vielleicht ritt sie ihn ein wenig schneller auf dem Abreiteplatz, ließ ihm ein paar mehr Freiheiten, sodass er sich ein ganz klein wenig auspowerte. Sie konnte es sich erlauben: Gunshot war ein Vielseitigkeitspferd, wenn er eins hatte, dann war es Ausdauer.

Und dann war Lilly auch schon dran. Gunshot hatte sich ein bisschen beruhigt: er hatte verstanden, dass die Menschen auf dem Hof waren, um ihm zuzusehen, und was mochte er lieber als Aufmerksamkeit? Genau - gar nichts. Das und auch das Laufen auf dem Platz, die vielen Sprünge, die er schon genommen hatte, ließen ihn entspannter werden, und als sie schließlich in den Parkour trabte, stand er schön am Zügel und ließ seinen schwungvollen, ausholenden Trab sehen, für den sie im Dressurviereck normalerweise hart arbeiten musste.
Der Parkour war relativ einfach gehalten, nur recht kleine Sprünge, die er eigentlich locker nehmen konnte, wenn er ihr nicht davonrannte. Vielleicht hätte sie auch L mit ihm gehen können - er hatte in den letzten Wochen hier eine Menge gelernt -, aber fürs Erste ging sie lieber auf Nummer sicher. Es war ja nicht das letzte Turnier, erstmal mussten sie in diesem hier gut abschneiden. Sie ritt den ersten Sprung an und ließ den Hengst direkt am Startpunkt in einem Galopp fallen. Gunshot sah den Sprung vor sich und sie fühlte, dass er springen wollte; und das, obwohl er eigentlich nicht so gerne reines Springen machte. Das war schon mal gut. Er nahm das erste Hindernis ohne Probleme, und auch Nummer Zwei und Drei klappten prima.
Dann wurde er ein bisschen zu schnell. Lilly gab ihr Bestes, den Rappen zurückzuhalten und setzte sich tiefer, doch der Abstand zwischen den Hindernissen war etwas kurz. Sie bekam ihn noch zu halten, klar, aber dann war der Absprungpunkt zu nah am Hindernis und während Gunshot die Füße hob, um zu springen, hörte sie das achsobekannte Klonk von Huf auf Stange. Sie wusste nicht, ob die Stange nun fiel oder nur angetickt war, und sie guckte auch nicht zurück, um zu sehen, ob sie es nun geschafft hatten oder nicht. Stattdessen richtete sie Gunshot auf das nächste Hindernis aus, das ebenfalls nach kurzer Strecke folgte, und ließ ihn dann, als sie ein paar Galoppsprünge mehr Zeit hatten, ein bisschen mehr ausholen - wenn sie schon Hindernisse rissen, dann konnte sie zumindest eine schnelle Runde hinlegen.
Aber obwohl Lilly Gunshot von da an relativ schnell werden ließ, behielt sie ihn bei sich, und er nahm alle Hindernisse problemlos, segelte über sie, als wären sie viel höher, als sie eigentlich waren, was ein breites Grinsen auf ihre Züge steigen ließ: immerhin gehörte Gunshot noch zu den Pferden, die noch Spaß am Springen hatten. Sie war schon öfters ein Pferd geritten, das sie für jeden Sprung hatte überreden müssen, weil es nämlich zu allem Bock hatte, nur nicht auf einen Parkours oder ein bisschen Arbeit. Genau deswegen ritt sie lieber junge Pferde und gab denen, die es brauchten, auch mal ein, zwei Jahre Pause.

Und dann waren sie wieder vom Springplatz runter und jetzt auf dem Weg zum Abreiteplatz, um den schwitzenden Hengst noch ein wenig abzukühlen. Noch traute Lilly sich nicht, ihn am langen Zügel gehen zu lassen, aber sie gab ihm etwas mehr Spielraum, sodass er sich strecken konnte. Das Beste war, das Gunshot immer noch voller Elan war. Man sollte meinen, dass der Rappe jetzt müde war, nachdem er so durch den Parkour gefetzt war. Aber nein - er war noch voll fit. Das belächelte die junge Reiterin, während sie ihr Pferd überschwänglich lobte. Sie liebte dieses Pferd, es war gut, dass sie ihn gefunden hatte.



{ reitet Gunshot warm | Turnierdurchgang | TBC REITPLATZ }


Zuletzt von Lillian Adams am Do 12 Jun 2014 - 19:35 bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Lawrence McKinley
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BeitragThema: Re: Springplatz   Do 29 Mai 2014 - 19:38


Das E-Springen hatte sich großer Beliebtheit erfreut. Viele junge Reiter hatten die Gelegenheit genutzt, hier Turniererfahrung zu sammeln und sich einen Eindruck vom Turniertrubel zu verschaffen. Entspannt hatte Lawrence das Springen verfolgt, war nur selten aufgestanden, um mal über den Hof zu schauen, ob noch alles in geregelten Bahnen verlief. Vielleicht war er ein wenig ein Kontrollfreak, zumindest hatte er es gerne, wenn alles nach Plan ablief. Und das Letzte, was er heute hier gebrauchen konnte, war irgendein Unfall, der aus einer Fahrlässigkeit zustande gekommen war. Der Ruf des Hofes war schließlich schon zu einem früheren Zeitpunkt mehr als gut gewesen und das Erbe seines Großvaters anzutreten, war zwar kein Leichtes, aber Lawrence hatte es sich zur Herzensaufgabe gemacht. Zumal er für sein Leben gerne mit den jungen Menschen zusammenarbeitete, sie auf die Erfolgsspur führte und sah welche Fortschritte sie mit den Pferden machten.
Sowieso, die Pferde. Es war erstaunlich, welch stolze Tiere hier an den Start gingen. Dennoch war es ein bunt gemixtes Feld, es gab die die wilden Mixe und dann die rassigen Warmblüter. Ein kleiner Araber hatte sich auch im ersten Durchlauf gezeigt und erstaunlich gut abgeschnitten.

Nun war der Parkour um- und höher gebaut worden. Das A-Springen wurde eingeläutet und nach den ersten fünf Startern kam dann die erste Vertreterin des Hofes. Lilly ritt Gunshot in den Parkour und tat dies mit einer Bestimmt- und Selbstsicherheit, die wohl nur sie beherrschte. Lawrence liebte das Springen, wenn er auch mehr Sympathien für die Dressur empfand, doch so wie Lilly glaubte er niemals einen Parkour bestreiten zu können. Dafür fehlten ihm wohl schlichtweg die Nerven, die ihm auf dem Pferd hielten. Während die Kalifornierin also anritt und der Hofleiter gespannt jeden einzelnen Galloppsprung verfolgte, näherte sich Gesellschaft. Patrick Murray setzte sich mit seinem Kaffee und seinem Sandwich zu ihm und begann im Plauderton ein Gespräch. Höflich erwiderte Lawrence das Lächeln des Jüngeren und nickte ihm bei seinen Worten bestätigend zu.
"Guten Morgen, Patrick. Ja, in der Tat. Das Turnier scheint vielversprechend zu werden."
Lawrence kannte von jedem seiner Zöglinge die Hintergrundgeschichte, so war es auch bei Patrick nicht anders. Ihm war klar, dass es der junge Mann in der Vergangenheit nicht immer einfach gehabt hatte, doch dafür gab er sich meist als ein relativ aufgeschlossenes Kerlchen aus. Seine Art mit den Pferden umzugehen hatte Lawrence vom ersten Augenblick an überzeugt, dass in ihm ein talentierter Coach steckte. Allein deswegen hatte er sich dazu entschlossen Patrick Cote d'Amour und Cowboy zuzuteilen. Das Liebespaar der Reitschulpferde. Sie waren nicht zu trennen und es bedurfte unendlicher Geduld, sie ohne den jeweils anderen in die Reitbahn zu führen. Aber der Hofleiter traute diese Aufgabe Patrick zu - ohnehin schien es zwischen dem Brünetten und den beiden Pferden, Liebe auf den ersten Blick gewesen zu sein. Kaum einer hing so oft im Stall rum wie dieser Azubi.
Lewis wandte sich mit einem schmunzeln auf den Lippen wieder dem Geschehen ihm Parcour zu. Ein Hindernis hatte Lillian offensichtlich zu schnell angeritten, sodass das Klappern der fallenden Stange ertönte. Das war schade, aber es passierte nunmal. Und für seine jungen Jahre sprang Gunshot außerordentlich gut. Als die Kalifornierin vom Platz ritt, schien auch sie zufrieden zu sein.
"Für welche Disziplinen haben Sie sich mit ihrem Liebespärchen entschieden?"
Insbesondere auf Cowboy war Lawrence gespannt. Der Fuchswallach war soetwas wie sein Sorgenkind gewesen. Zwar hatte der Hofleiter zu jedem einzelnen Pferde eine spezielle Bindung, doch bei Cowboy war es etwas Besonderes. Der Fuchs kam aus miserablen Verhältnissen und er hatte sich hier in seinem Alter noch mal so gut entwickelt, dass er sogar wieder Azubis belehren konnte. Doch durfte man wohl gespannt sein, wie sich Patrick anstellte, wenn er mit den Pferden getrennt voneinander auf den Platz musste. Bis jetzt lief einer der beiden sogar in den Reitstunden meist noch als Handpferd mit, auch wenn sich Darian und Patrick größte Mühe gegeben hatten, die beiden für das Turnier ein wenig unabhängiger von einander zu machen.


{<- INNENHOF | E-Springen | A-Springen | Lilly | Gespräch mit Patrick}
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BeitragThema: Re: Springplatz   Do 29 Mai 2014 - 19:43

11:30 AM - L-SPRINGEN
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BeitragThema: Re: Springplatz   Do 29 Mai 2014 - 21:05

Auch Patrick verfolgte das Springen von Lillian aufmerksam. Er kannte die junge Frau nicht besonders gut, aber sie war ihm immer sympathisch gewesen, wenn sie sich doch einmal im Stall oder in der Kantine gesehen hatten. Sie schien ein gewisses Selbstbewusstsein auszustrahlen und das imponierte ihm nicht zu knapp, zumal man es bis zu den Rängen der Tribüne wahrnehmen konnte. In irgendeiner Zeitschrift hatte er einmal einen Artikel über sie gelesen, sodass er wusste, woher dieses Auftreten stammte; an Talent und Erfahrung mangelte es ihr ganz gewiss nicht. Wie es mit ihrem Pferd aussah, konnte er da nicht wirklich einschätzen. Für jemanden, der auf Westernpferden reiten gelernt hatte, die sich neben ihrer Trittsicherheit und Intelligenz auch durch ein ausgeglichenes Wesen auszeichneten, schienen diese ganzen Warmblutpferde alle überspannt zu sein. Wahrscheinlich täuschte dieser Eindruck, aber so ganz kam Paddy doch nicht davon los, wenn er beobachtete, wie oft diese Vierbeiner nach dem Parcours noch zappelten und wieder losstürmen wollten – selbst wenn sie in einer hohen Klasse antraten und man davon ausgehen konnte, dass es nicht am Trubel des Turniers lag. So etwas sollte bei einem Westernpferd nicht passieren. Zwar lag sein Fachgebiet, wenn man es so nennen konnte, weder beim Western Riding noch beim Reining, aber er hatte beides schon ausprobiert. Dort gewann kein Pferd einen Blumentopf, wenn es nach einem Stop oder einem Spin noch hibbelig war.
Als die Stange klappernd zu Boden fiel, zuckte der Ire dann aber auch zusammen. Wie viele Punkte gab das nochmal? Vier oder fünf? Naja, vielleicht hatte sie damit den ersten Platz verspielt, aber wirklich tragisch war das auch nicht.
Langsam wandte er seine Aufmerksamkeit dem Hofleiter neben sich zu, während er begann, das Käsesandwich von seiner Verpackung zu befreien. Er ahnte, dass dieser eine Akte über seine Vergangenheit in seinem Büro hatte, was ihm ein sehr zwiespältiges Gefühl vermittelte. Einerseits bedeutete es natürlich, dass er ihm nichts vormachen musste. Problemlos konnte McKinley nachschlagen, in wie vielen Pflegefamilien er gewesen war und in wie vielen Heimen. Allerdings wusste auch er nicht, was Patrick dort erlebt hatte. Und er konnte nicht wissen, was ihn dazu veranlasst hatte, die Uni zu schmeißen.
Paddys Blick ging ins Leere, das Sandwich verharrte halb ausgepackt in seiner Hand. Mit aller Macht verdrängte er die Bilder, schob sie zurück, versuchte an die Pferde oder die Kids in seiner Nähe zu denken, an eine Zukunft, die besser war. Aber gegen das Gefühl, das die Erinnerungsschnipsel mit sich brachten, war er machtlos. Vollkommen.
Erst der höfliche Applaus und an ihn gewandte Worte rissen ihn aus seinen Gedanken. Um Zeit zu schinden und zu sich zu kommen, nahm er einen weiteren Schluck Kaffee. Die Hitze des Getränks erlaubte ihm, sich endlich wieder zu konzentrieren.
McKinley fragte nach den Pferden. Gut. Perfekt. Über das Traumpaar zu sprechen war kein Problem. Er brachte sogar ein Lächeln zusammen. „Ich hätte ja gern eine Disziplin 'Umgang mit Handpferd' oder 'Präsentation pferdischer Liebespärchen' gehabt, aber daran hatte ja anscheinend sonst niemand Interesse“, scherzte er und wahrscheinlich merkte nur er selbst oder jemand, der ihn wirklich ausgesprochen gut kannte, dass in seiner Stimme noch ein Hauch der Vergangenheit mitschwang. „Mit Cote d'Amour versuche ich mich am Barrel Race und eben an den Reitspielen und Cowboy darf sein Können beim Trail zeigen“, antwortete er wahrheitsgemäß. „Ich wollte mit ihm nicht schon beim Reining mitmachen. Es ist das erste Turnier für uns beide und da dachte ich, dass es besser ist, ihn in einer Disziplin zu reiten, in der ich Sicherheit für uns beide ausstrahle.“ Ein weiterer Schluck Kaffee, ein weiteres Mal den Blick zum Parcours gewandt. „Ich hab den Sinn davon, die Pferde über die Hindernisse zu hetzen, nie verstanden“, murmelte Patrick mit gerunzelter Stirn und aus einer Laune heraus, die vielleicht auch daher kam, dass er jetzt einfach ein Gespräch brauchte und eine Aussage, gegen die man argumentieren musste, sich dabei schon öfter als hilfreich erwiesen hatte.
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BeitragThema: Re: Springplatz   Fr 30 Mai 2014 - 16:31

In einvernehmlichen Schweigen betrachteten Aléjandro und Sophie die einreitenden Paare, den jeweiligen Ritt und gelegentlich ließ sich der Hufschmied zu dem einen oder anderen Kommentar hinreißen. Da er selbst allerdings wenig Kenntnisse für den Springsport aufweisen konnte und er vermutete, dass Sophie als Auszubildende für Galopprenen faktisch eher dort glänzen konnte, schwieg der Zweiunddreißigjährige schließlich.
Castor, gelangweilt und inzwischen am Dösen, hob lediglich den Kopf, denn ein angespanntes Raunen durch die Menge ging oder A.J. selbst die Leine fester umfasste, sobald ein Schüler der Heaven Meadows einritt. Der Ritt von Lillian Adams war tatsächlich äußerst erfolgreich, als sie jedoch eine einzelne Stange riss, seufzte der Spanier leise auf. Die Dunkelhaarige war die Einzige in dieser Klasse, die für den Hof McKinleys antrat, es wäre somit durchaus wünschenswert gewesen, wenn sie gewonnen hätte.
»Una lástima« murmelte A.J. gedankenverloren, betrachtete eingehend das Gangbild des Rapphengstes, während Lillian ihn vom Platz ritt. Offenbar hatte er keine Eisen verloren, hinkte nicht und war sonst auch recht gesund aus dem Springen gekommen. Zufrieden nickte der Hufschmied, widmete sich dem weiteren Verlauf des Springens.

»Bueno, mira aquí Der blaue Blick des Hufschmieds war für die eingeläutete Pause durch die Massen geglitten, die immer weiter zunahmen, je dichter die großen S - Springen kamen. Dabei hatte er den Schopf eines weiteren Auszubildenden erkannt, konnte ihn aber so richtig nicht zuordnen, dafür allerdings erkannte er auf Anhieb seinen Chef und Kollegen, Lawrence McKinley. Kurz nickte der Schmied ihm entgegen, widmete sich dann allerdings wieder Sophie, die abwesend und gedankenversunken wirkte.
»Señorita? Estás bien? Ist alles in Ordnung?« Immerhin war er in der Pflicht, ihr zu helfen oder Hilfe zu holen, wenn sie aufgrund von Nervosität oder Hunger umkippte. A.J. vermochte ihr Schweigen schlicht und ergreifend nicht als das zu deuten, was es vermutlich war, Interesse am Springen oder einfach gedankliche Umwege. Mit einem schweren Seufzen ermahnte er Castor, ruhig zu bleiben, hatte er das nächste Pferd bereits einreiten sehen und die Unaufmerksamkeit seines Besitzers ausnutzen wollen. Der Rüde sah mit aufmerksam aufgerichteten Ohren dem Pferd bei der Arbeit zu, während er selbst von Aléjandro genauer im Blick behalten wurde. Ebenso Sophie, die ein wenig blass wirkte.



[Bei Sophie - Erste Springprüfungen - Lillian & Gunshot - Gedanken]  
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BeitragThema: Re: Springplatz   Fr 30 Mai 2014 - 19:00


Tief in sich drin spürte Lawrence ein Kribbeln. Es steckte tatsächlich noch ein Funken Aufregung in ihm, wenn er daran dachte, dass auch er heute, nach so langer Zeit mal wieder eine kleine Dressur reiten würde. Zusammen mit seiner treuen Butterfly sollte die Aufgabe keine sehr große Hürde darstellen, doch wie so oft in der Dressur musste man stets aufmerksam sein, der kleinste Fehler konnte einen falschen Tritt und damit einen Verlust an Punkten zur Folge haben. Auch freute sich der Hofleiter darauf, wie sich Mariza schlagen würde, die mit Montesquieu ebenfalls gemeldet war. Die Schülerin war talentiert und sehr ehrgeizig, noch dazu besaß sie ein sehr ambitioniertes Pferd, was ihr eigentlich gute Erfolgschancen in Aussicht stellte.
Das typische Klingeln verkündete, dass der erste Reiter des L-Springens an den Start ging. Lucien Dan, ein durchaus erfolgreicher Niederländer, der mit einem 8-Jährigen an den Start ging. Ähnlich wie bei Gunshot, schien es auch für dieses Pferd eines der ersten Turniere zu sein, doch der schokoladenfarbene Wallach war weitaus weniger aufgekrazt wie Gunshot zuvor. Während Pferd und Reiter Kurs auf den Parkour nahmen, bemerkte Lawrence aus dem Augenwinkel, dass ein Blick auf ihn gefallen war. Alejandro saß unweit von ihm bei Sophie, die gespannt das Springen zu verfolgen schien. Lächelnd erwiderte der Dunkelhaarige das Grüßen des Spaniers, den er für seine Arbeit und seine durchaus unkomplizierte und loyale Art sehr schätzte.
Unterdessen hatte Patrick sich zu einer Antwort bereit gemacht und nun sprudelten die Worte nur so aus ihm heraus. Ein wenig amüsiert hörte Lawrence dem Azubi zu, der dort so in Schwärmereien über die beiden Reitschulpferde aufging.
"In der Tat - die Konkurrenz hätte keine Chance gehabt."
Nur zu gut wusste der Amerikaner über die innige Liebe und Verbundenheit der zwei Pferde Bescheid, die er nun in Patricks Obhut gegeben hatte. Amy und Cowboy waren ausgezeichnete Lehrer für einen jeden Reiter, doch war es der Umgang mit ihnen, der die Schüler immer wieder vor neue Aufgaben stellte und sie zur Kreativität zwang, damit das ganze nicht eskalierte.
"Eine gute Entscheidung. Wobei es mich erst etwas verwundert hat, dass du Amy nicht für den Trail nominiert hast. Immerhin ist das ihr Spezialgebiet, sie könnte die meisten Konkurrenten hier dort locker in die Tasche stecken. Allerdings glaube ich, dass es vielleicht keine schlechte Entscheidung gewesen ist, die du gewählt hast. Für das erste Turnier mit neuen Pferden ist es immer besser, Disziplinen zu reiten, in denen man sich sicher fühlt.
Wie machst du das dann eigentlich? Stellt sich Darian mit einem der beiden außen hin, oder habt ihr es tatsächlich geschafft, dass sie für ein Weilchen ohne einander sien können?"

An Letzteres glaubte der Hofleiter ja nun wirklich nicht. Er kannte seinen Cowboy und seine Amy. Ersterer hing viel zu sehr an der Stute, als dass er diese Bezugsperson einen Moment aus den Augen lassen würde. Und Amy - Amy war einfach Amy. Sie hatte ein großes Herz und wer dort einmal drin war, der kam dort nicht mehr so schnell raus. Was es auch interesannt machen würde, Patrick reiten zu sehen. Zu der Stute, das hatte Lewis mitbekommen, hatte der Azubi schneller einen Draht gefunden als zu dem etwas eigenwilligeren Fuchswallach. Möglicherweise packte Amy in zwei Tagen schon so viel Ehrgeiz, dass sie für Patrick die Sterne vom Himmel holen wollte. Etwas, auf das Lewis schon jetzt gespannt war.
"Der Sinn besteht im Vertrauen. Im Vertrauen und in der Einheit miteinander. Man versteht es nicht, wenn man es nicht selbst ausprobiert. Aber ist es als Außenstehender nicht immer so, dass man die Arbeit oder Leistung anderer hinterfragt und nicht wirklich anerkennen kann? Ich bin auch in der Dressur beheimatet, du im Westernreiten, diese Starter hier eben im Springsport. Für sie wird dies ebenso erfüllend sein, wie für dich ein guter Reining-Ritt."
Manchmal mochte er fast weise und großväterlich erscheinen, wenn er seinen Schülern kleine "Weisheiten" mit auf den Weg gab. Dabei war Lawrence niemals überheblich, oder besserwisserisch. Es wirkte stets immer wie ein guter Ratschlag den er gab und bei dem er es offen ließ, ob man ihn annahm oder nicht.


{Gedanken | L-Springen | Alejandro | Gespräch mit Patrick}
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BeitragThema: Re: Springplatz   Fr 30 Mai 2014 - 22:02

Patrick hob erstaunt eine Augenbraue, als McKinley tatsächlich auf seinen Scherz einging. Das hatte er jetzt wirklich nicht erwartet. Es gefiel ihm aber wirklich ausgezeichnet und es gelang ihm, sich ein bisschen mehr zu entspannen. Langsam rutschte er im Sitz etwas tiefer, streckte die Beine aus und begann schließlich das Sandwich vollends auszupacken, wobei er jedoch darauf achtete, nicht zu laut zu rascheln. Dass er O'Donneil mit Vorliebe zur Weißglut brachte, bedeutete ja noch nicht, dass er das bei dem hochgewachsenen Dressurreiter auch tun musste. Sein Westerntrainer brauchte es einfach, ein bisschen gefordert zu werden. Er würde sich ja tierisch langweilen, wenn sein Tag nur daraus bestünde, sich um seine Pferde zu kümmern und mit höflichen, wohlerzogenen Schülern umzugehen. McKinley schien derartige Beschäftigungen allerdings nicht zu brauchen.
Leise kauend lauschte Patrick dem Kommentar zur Wahl seiner Disziplinen. „Mir ist bei Amy vor allem aufgefallen, dass sie ganz schön Tempo machen kann, Cowboy aber besser arbeitet, wenn er keinen Druck hat“, antwortete er schließlich mit Bedacht. Manchmal wunderte es ihn ja selbst, dass er sich gerade für diese beiden Wettkämpfe eingetragen hatte. Aber während des Trainings hatte er seine Wahl mehr als einmal bestätigt gesehen. „Beim Trail arbeitet sie selbstständiger als Cowboy, ja, das stimmt schon, aber...“ Er musste grinsen, überrascht darüber, dass ihm dieser Zusammenhang selbst gerade erst klar wurde. „wo bliebe denn dann da der Reiz für mich?“
Sein Blick wanderte wieder zum Parcours, wo jetzt ein Brauner über die Hindernisse flog. Auf der Anzeigetafel stand, dass er aus Europa war. Obwohl Paddy selbst nur vier Jahre lang auf diesem Kontinent gelebt hatte, verspürte er einen spontanen Anflug von Sympathie.
„Wir haben versucht, die beiden zu trennen“, gestand er mit leicht ins Verschämte verrutschendem Grinsen. Kopfschüttelnd musste er an die Trainingsstunde denken, bei der sie es erneut versucht hatten. Amy hatte er wenigstens bei sich behalten können, aber Cowboys Zustand als leicht nervös zu beschreiben, war das Paradebeispiel eines Euphemismus'. „Mit der Dame meines Herzens würde es vielleicht noch gehen, aber sie wäre abgelenkt. Für den Herrn ist es einfach nur Stress. Beim nächsten hab ich die beiden vielleicht soweit.“ Wenn er sich Mühe damit gab. Ehrlich gesagt, störte es ihn aber einfach nicht so sehr. Natürlich wäre es manchmal schön, nur mit einem Pferd ausreiten zu können, besonders da die beiden ja doch keine Jungspunde mehr waren und ihnen ein bisschen Ruhe hin und wieder nicht schaden konnte. Aber so hatte er immer eine gute Chance, um Gesellschaft zu haben.
Wieder wanderte sein Blick auf den Parcours, nahm die Stangen war, die teilweise recht hübsch gestalteten Hindernisse. Es war einfach nicht seine Welt. Allein die Vorstellung, sich in eines der Sakkos und in eine dieser Reithosen zu zwängen, war ihm zuwider und er hatte es einfach nicht verstanden, warum man die Zügel so kurz halten musste. Natürlich bot jede Reitart Vor- und Nachteile. Aber keine zehn Pferde würde ihn vom Westernstil abbringen.
Das Lächeln auf seinen Lippen intensivierte sich bei McKinleys diplomatischen Erwiderung. Ein leicht unpassender Vergleich zu einem Philosophen ging dem Iren durch den Kopf, doch er würde sich hüten, diesen auszusprechen. Er wusste nicht mal, an welchen dieser Herren er dachte, aber irgendwie riefen die Worte des Mannes die Assoziation mit einer Toga und Sandalen in ihm hervor.
„Das wird wohl stimmen“, antwortete er schließlich. „Vielleicht sehe ich die Harmonie einfach nicht. Bei manchen schon, bei anderen wirkt es einfach nur gezwungen.“ Paddy zuckte mit den Schultern. „Vielleicht macht das aber auch einfach nur den Unterschied zwischen einem schlechten und einem guten Reiter aus. Ist bei meinen Disziplinen ja auch nicht viel anders.“


[Gedanken & Gespräch mit McKinley & Beobachtung]
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BeitragThema: Re: Springplatz   Sa 31 Mai 2014 - 20:54

>> Abreiteplatz

Die Atmosphäre war doch besser als gedacht. Für die junge Stute etwas viel. Nervös tänzelnd stolperte das Reiter-Pferdepaar eher auf dem Platz, als einen großen Auftritt hinzulegen. Callum versuchte sich jedoch zusammenzureißen und setze sich tief in den braunen Passier Sattel. Die Zügel waren kurz und gespannt und die Schenkel klammerten sich leicht verzweifelt an die Flanken seiner Stute. "Wir packen das schon." murmelte der junge Mann seiner Stute zu.
Er drückte die Schenkel an die Stute und gab kurz einen punktuellen Druck mit seinen Sporen, so dass Blueberry sofort angaloppierte. Die kurzen, versammelten Sprünge trugen das Reiter-Pferd Paar über den schweren Sandboden an der Publikumstribüne entlang.

Die Blicke, welche auf die beiden gerichtet waren, durchfluteten Callums Körper mit einer gewissen Art von Stolz und Unsicherheit zugleich. Das Training in den letzten Wochen arbeiteten noch immer in den Knochen und eben auch deshalb war der Druck der auf den beiden lastete nicht gerade minder schwer. Der 24-jährige besaß einen durchtriebenen Ehrgeiz, der ihm selbst oft auch Steine in den Weg rollte, aber diese Tatsache rutschte in diesem Moment in den Hintergrund. Nachdem sich die hellen Augen von Callum von einem Sprung an den nächsten entlang gehangelt hatten und die Silhouette der Stute sich elegant zwischen den Hindernissen hindurchschlängelte, blieben die beiden vor dem Richterstand stehen.

Ganz Gentleman-Like hob der Dunkelblonde seinen reichten Arm und griff mit seiner groben Hand nach dem Schirm seines Helms und nickte leicht. Sein Gruß wurde erwidert und die helle Glocke als Startzeichen ertönte. Abermals galoppierte er seine junge Schimmelstute an und visierte den Startsprung an. Nach einigen gezielten nach vorne gedrückten Galoppsprüngen, bohrten sich die Hinterbeine der Holsteinerstute in den Boden und gaben dem groben Absprung genug Luft nach oben. Immerhin der Startsprung war gemeistert und Callum trieb seine Stute vorwärts. Ebenso wie vor allen anderen Sprüngen, riss die Stute den Kopf nach oben, um den Sprung besser abschätzen zu können. Callum arbeitete dabei nicht gegen die Stute, sondern ließ ihr den Platz den sie brauchte. Auch der nächste Sprung war trotz eines leichten Anreitefehlers keine Hürde für die beiden.

Der nächste Sprung folgte nach einer schnittigen Schikane. Blueberry ging an den Oxer sehr schwungvoll, was sich in der Flugphase etwas bemerkbar machte. Die junge Stute kam nicht weit genug und riss mit den Hinterbeinen die letzte, obere Stange. Callum bekam dies natürlich mit und legte einen vorwurfsvollen Blick zurück in Richtung des Sprunges hin. Der Rest des Pacours verlief Fehlerfrei. Auch die Kombination ritt der Dunkelblonde souverän und mit viel Routine.
Trotz des Abwurfes war der 24-jährige zum Schluss sehr zufrieden mit seiner Stute. Nachdem sie die Ziellinie überquert hatten, klopfte er seine Stute stolz ab und ritt sie am langen Zügel vom Springplatz.


>>Stall

[Auftritt | Ritt in der Klasse L (Springen) | Abgang]
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Lawrence McKinley
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BeitragThema: Re: Springplatz   Mo 2 Jun 2014 - 20:17


Springreiten war ein gewagter Sport, der Lawrence schon früh fasziniert hatte. Die edlen Pferde, die mit einem so bedingungslosen Vertrauen in ihren Reiter über Hindernise sprangen, die größer waren, als sie selbst, waren einfach eine Klasse für sich. Dennoch hatte es ihn nie gereizt, selbst einmal in so luftiger Höhe durch die Luft zu fliegen, stattdessen hatte die Dressur ihn für sich eingenommen und auf den Ritt am Nachmittag mit Butterfly Flip freute er sich jetzt schon. Die Schwarzbraune war gut aufgelegt, dass hatte er schon am Morgen bemerkt, als er ihre Mähne eingeflochten hatte. Der Hofleiter übernahm diese Tätigekeit der Turniervorbereitung am liebsten selbst und ließ keine Pflegerhände an die Zöpfe seiner Stute. Überhaupt war er der Auffassung, dass die Zweisamkeit von Pferd unr Reiter die Voraussetzung für einen guten Ritt und ein gutes Abschneiden beim Turnier war. Da sollte lieber keine fremde Person in dieser ohnehin schon für das Pferd aufregenden Atmosphäre Unruhe hinein bringen.
Jetzt allerdings galt es, die Aufmerksamkeit Patrick zukommen zu lassen und nicht in Gedanken dem wundervollen Abbild seiner Stute nachzuhängen. Der Azubi war wirklich ein relativ aufgeschlossenes Kerlchen und so, wie Lawrence ihn sich vorgstellt hatte. Schon am ersten Tag war ihm Patrick als relativ umgänglicher, junger Mann erschienen, der vielleicht ein wenig dazu neigte, manchmal einen etwas schärferen, aber niemals wirklich niveaulosen Kommentar von sich zu geben. Deswegen konnte es der Hofleiter auch nicht wirklich verstehen, dass der Ire offenbar so oft die Pflegefamilien gewechselt hatte. Jedoch würde er Patrick nicht darauf ansprechen. Der geschichtliche Hintergrund seiner Schüler, sollte ihm lediglich helfen mit ihnen um- und auf sie einzugehen und nicht, um sie vor belastende Fragen zu stellen. Selbstverständlich würde er zuhören, wenn sich ihm jemand anvertraute, doch von seiner Seite aus würde er niemals ein Gespräch über die Vergangenheit eines Einzelnen anfangen, wenn es nicht zwingend pädagogisch notwendig war.
"Ja, Cowboy kann wirklich sehr sensibel sein. Man muss mit ihm noch behutsamer umgehen, als mit anderen Pferde, das hast du offenbar - zu meiner Freude - schon erkannt. Du musst wissen, dass ich Cowboy lange Zeit nicht vermitteln wollte, weil einfach die Geschichte, die er hat, keine ist, die spurlos an irgendwem vorbeizieht. Viele meinten, es sei die falsche Entscheidung gewesen, ein Pferd wie ihn vor dem sicheren Tod zu bewahren und auf einen Hof mit Schülern zu holen. Aber ich glaube, dass Cowboy mir, dir und allen anderen hier nicht nur eine Menge beibringen kann, sondern, dass dies hier auch für ihn die Chance ist noch einmal neu anzufangen und seinen Lebensabend zu genießen. Als du deinen Wunsch geäußert hast, dass du dich der beiden annehmen möchtest, habe ich lange überlegt, ob es wirklich geschickt ist, dir diese Last aufzubürden. Aber jetzt, wo ich dich so reden höre und wenn ich mir euer Training manchmal ausschnittweise ansehe, dann glaube ich, dass es die richtige Entscheidung war, euch drein die Chance zu geben, ein Team zu werden. Für das Turnier - da kannst du dir sicher sein - drücke ich euch beide Daumen."
Ehrlich und aufrichtig wie immer waren Lewis Worte. Und dennoch waren sie anders. Er klang emotionaler mehr daran Anteil zu nehmen als sonst, es war offensichtlich, dass ihm diese Angelegenheit mit dem Liebespärchen sehr am Herzen lag. Ohnehin war es wohl erstaunlich wie sehr der Hofleiter auf die Vermittlung seiner Reitschulpferde achtete und wie genau er deren Fortschritte überwachte. Er war sehr auf deren Wohl bedacht und noch dazu, kannte er jedes einzelne Pferd gut genug, um den passenden Reiter für es zu finden. Nicht vielen Pferdewirten gelang dies.

Callum Moreno war der nächste, der in den Parkour ritt und seine Holsteinerstute über die Hindernisse trieb. Auch er saß auf dem Rücken eines jungen und unerfahrenen Pferdes, das aber doch erstaunlich Ambitionen hatte und für sein erstes Turnier alles andere als schlecht abschnitt. Mit nur einem Abwurf konnte der junge Azubi durchaus zufrieden sein und als er aus der Bahn ritt, glaubte Lewis sogar ein zufriedenes Lächeln auf Callums Lippen zu sehen, während dieser seiner Stute den Hals klopfte. Sie beide hatten den Hof würdig vertreten, was Lawrence schon ein wenig mit Stolz erfüllte, wenn er sah, welche Fortschritte die Azubis in dem letzten halben Jahr gemacht hatten, dass sie hier mit solch erfahrenen Reitern mithalten konnten. Jetzt, wo auch die Klassen sich langsam steigerten, merkte man auch, dass das S-Springen näher rückte. Die Tribüne war nahezu komplett gefüllt und es stieg die Vorfreude auf weitere spektakuläre Ritte. In den nächsten Minuten musste dann auch Juliena auf den Platz kommen, sie war die Letzte, die im L-Springen ritt und auch auf sie war Lawrence gespannt. Mit ihrem Albino Ethalon hatte sie alle Möglichkeiten nach oben, die Frage würde nur sein, wie ruhig der Hengst blieb und wie gut sie ihn und sich im Griff hatte.

"So in etwa kann man sich das wohl erklären. Vollkommene Harmonie erlangst du nur dann, wenn du mit dir und mit einem Pferd im Reinen bist, wenn du eins mit deinem vierbeinigen Partner wirst und wenn euer Vertrauen stärker ist, als alles andere. Dann - so denke ich - ist alles wie ein einziger Tanz. Egal, ob im Parkour, im Dressurviereck oder inmitten einer Rinderherde. Die Körpersprache und das unsichtbare Band ist schließlich das, was uns mit unseren Pferden verbindet, ist es nicht?"
Lächelnd wandte sich McKinley wieder Patrick zu, der seinen Blick ebenfalls wieder auf das Geschen auf den Platz gerichtet hatte. Es war angenehm mit einem Schüler so unvoreingenommen plaudern zu können. Das gab ihm einmal mehr das Gefühl und die Bestätigung, dass er richtig gehandelt hatte, als er den Traum und die Philosophie seines Großvaters nicht vollends aufgegeben hatte.
'Bring zusammen, was zusammen gehört, dann wirst du Gewinnen.' Anfangs hatte er stets gedacht sein geliebter Opa meinte damit den Erfolg im Profisport, die Trophäen und Pokale, die sich in den Vitrinen aneinanderreihten. Erst viel später hatte Lawrence verstanden, was sein Großvater ihm eigentlich hatte sagen wollen: Nämlich, dass ein Pferd und ein Reiter, die einandergefunden hatten, eine Bereicherung für sich selbst waren und damit auch eine Bereicherung für alle anderen, weil ihre stimmende Einigkeit Faszination und Glückseligkeit bei anderen auslösten. Und dieser Gewinn war bedeutender als jede Siegesprämie.


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BeitragThema: Re: Springplatz   Mo 2 Jun 2014 - 21:30

Die Tribüne füllte sich immer mehr, je weiter der Turniertag voranschritt. Eine solche Masse an Menschen war Patrick nicht gewöhnt, obwohl es ihm noch fremder war, allein zu sein. Das Stimmengewirr um ihn herum, wenn auch leiser als bei anderen Sportveranstaltungen, die nichts mit Tieren zu tun hatten, verschwamm zu einem einheitlichen Rauschen und beruhigte seine Nerven, machte ihn vielleicht sogar ein bisschen schläfrig, obwohl das Koffein des Kaffees noch seine Wirkung zeigte. Es war ein ähnliches Geräusch wie in einem Pub oder bei den großen Schulveranstaltungen damals auf der ziemlich billigen, ziemlich miesen Highschool, die er besucht hatte. Später am College konnte er sich nicht mehr daran erinnern, mit so vielen Leuten zusammengekommen zu sein, außer zu dem einen Baseballspiel in seinem ersten Semester. Doch dort war die Atmosphäre anders, weniger gemütlich, irgendwie laut und angespannt. Hier nicht.
Patrick musste über den sentimentalen Tonfall von McKinley leise lächeln. Es war schon ein wenig befremdlich, dass dieser große, kantige Mann derartig pathetisch reden konnte. Aber seine Worte machten den Iren nachdenklich, ließen ihn den Blick senken.
Waren seine und Cowboys Geschichte so verschieden? Er hatte die Narben auf der Haut des Wallachs gespürt, wenn er ihn liebkost oder geputzt hatte, allerdings wusste er nicht wirklich, was damals vorgefallen oder mit welcher Art Mensch das Tier in Berührung gekommen war. Doch egal, wie schlecht sich Rodeo Action, wie Cowboy ursprünglich getauft worden war, auch benommen hatte, das war kein Grund, ihn so zu behandeln. Weder Mensch noch Tier hatte das verdient. Doch der Lehrer hatte Recht, von dem Fuchs konnte man noch etwas lernen. Und das nicht nur, was das Reiten anbelangte.
Patrick hörte sich selbst leise seufzen und sagen: „Geschichten ziehen an niemandem so einfach vorüber.“ Wahrscheinlich war ihnen beiden klar, dass dieser Satz nicht unbedingt von Cowboy handelte. Daher räusperte sich Patrick kurz, suchte nach McKinleys Blick, um abschätzen zu können, wie dieser diese Äußerung aufnahm. „Es war die richtige Entscheidung, Cowboy als Schulpferd freizugeben. Er... ich wüsste nicht, was ich sagen könnte, was Sie grade nicht gesagt hätten“, lachte Patrick schließlich, aber trotzdem ein wenig verlegen. „Außer, dass ich mich für gedrückte Daumen herzlich bedanke. Und Ihnen zu der passenden Vermittlung der beiden gratulieren kann.“
Mangelndes Selbstbewusstsein war schließlich noch nie Patricks Art gewesen. Trotzdem unterstrich er letzteres mit einem verschmitzten Grinsen, sodass es scherzhafter klang, als es unterschwellig gemeint war. Denn er war der Überzeugung, dass die beiden Pferde in ihm ihren passenden Reiter und Partner gefunden hatten.

Dann jedoch lenkte der nächste Starter die Aufmerksamkeit von dem Gespräch weg und zum Parcours hin. Callum Moreno lenkte seinen Apfelschimmel über die Hindernisse, riss, wie Lillian zuvor, eine der Stangen, schien aber trotzdem recht zufrieden mit seiner Leistung. Für den Iren unterschied sich dieser Ritt jedoch nur unmerklich von dem der anderen Springerin der Heaven Meadows. Ein Reiter, ein Pferd, hohe Hindernisse und eine Glocke, die zum Start und zum Schluss ertönte. Zugegeben, Patricks Aufmerksamkeit schweifte ebenso schnell ab, wie der Ritt des Mannes beendet war. Wieder wanderte er über die Zuschauer, nahm nichtige Details auf dem Platz wahr und zwinkerte schließlich eine junge Frau an, die derartige Aufmerksamkeiten jedoch nicht gewöhnt war und den Blick nicht erwiderte.

Der Dressurreiter neben ihm zollte dem Verlauf von Callums Ritt dann doch etwas mehr Respekt, verfolgte jede Bewegung und machte sich wahrscheinlich schon innere Notizen, wie man sie noch mehr fördern konnte. Es faszinierte Patrick, dass er derartig in seiner Lehrtätigkeit aufging. Würde er später ebenso am Rand stehen, wenn er seine Ausbildung abgeschlossen hatte? Oder würde nach dieser die nächste kommen? Würde wieder eine Zeit der McDonalds-Arbeit auf ihn warten oder des Kistenschleppens in einem Lager, weil er keinen Job gefunden hatte?
Der Ire beendete sein spätes Frühstück und schob den Gedanken ebenso ab, wie er die Verpackung des Sandwichs in die Tasche seiner Jacke steckte. Aus den Augen aus dem Sinn. Jetzt musste er sich darüber nicht den Kopf zerbrechen.

„Ha, ein Tanz ist eine hübsche Metapher“, erwiderte Patrick schließlich. „Hätte ich so wohl nicht gewählt... aber trotzdem passend.“ Wieder bewegten sich die Augenbrauen und kurz vergrub er das Kinn im Jackenkragen, um wenigstens den Ansatz des Grinsens verbergen zu können. Wahrscheinlich war das auch vergeblich, aber McKinley musste ja nicht wirklich herausfinden, dass ihn der Pathos, ähnlich wie vorhin, wirklich aufs positivste amüsierte.
„Wie sind Sie eigentlich zur Reiterei gekommen?“, wollte der Brünette nach einer kurzen Zeit der Stille wissen. Jede Leidenschaft musste schließlich irgendwo ihren Anfang finden und es interessierte ihn wirklich, wo diese Quelle bei dem Älteren lag. Ein anderer hätte sich vielleicht zurückgehalten, eine persönliche Frage an den Hofleiter zu stellen, aber Patrick hatte derartige Zurückhaltungen längst aufgegeben. Höflichkeit und Reserviertheit behinderten einen oftmals eher, als dass sie nutzten. Außerdem reichten die paar Zeitschriftenartikel über den berühmten Lawrence McKinley nun wirklich nicht, um einen Gesamteindruck von ihm zu bekommen.


[Erinnerung & Antwort & Callums Ritt & Gespräch & Frage]
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BeitragThema: Re: Springplatz   So 8 Jun 2014 - 18:20

Amüsiert und zufrieden zugleich funkelten die dunkelbraunen Augen des Hofleiters den Azubi an, der sich humorvoll wie immer bei ihm bedankte. Als er Patricks Bewerbung auf seinem Schreibtisch vorgefunden hatte, mit einigen Schreiben seiner vorherigen "Arbeitgeber" war Lawrence zunächst tatsächlich etwas skeptisch gegenüber dem jungen Iren gewesen. Man hatte ihm gesagt, er würde Ärger bringen, sei nicht leicht im Umgang und habe eine merkwürdige Art mit Leuten umzugehen. Allerdings war Lawrence niemand, der sich aus den Reden anderer Leute viel machte, er überzeugte sich lieber selbst von einem Menschen, einem Pferd oder einem anderen Geschöpf, ehe er sein Urteil darüber fällte. So gesehen, war der Dunkelhaarige ein bodenständiger Mann, der schwer zu beeinflussen war. Er war loyal, schrieb Gerechtigkeit und Harmonie ganz groß und würde niemals jemanden bevormunden, oder ihn wegen einer Sache verurteilen. Natürlich hatte auch er selbst seine Geschichte, hatte seine Erfahrungen gemacht, war enttäuscht worden und hatte Rückschläge hinnehmen müssen. Es war auch in seinem Leben nicht immer alles glatt gelaufen und selbstverständlich hatte dies auch bei ihm Spuren hinterlassen. Aber aufgeben war nun einmal keine Lösung. Und Patricks Worte bestätigten den Dressurreiter einmal mehr, dass er die letzten Entscheidungen, die er gefällt hatte, richtig entschieden hatte. Auch aus diesem Grund wandte er sich nun lächelnd dem Geschehen auf dem Springplatz wieder zu.
Dort ging gerade die New Yorkerin, Amanda Drawn, an den Start. Eigentlich sollte man meinen, dass in einer Metropole wie New York die Menschen ins Fitnessstudio gingen, anstatt sich ein Pferd zu halten, aber offenbar war dem nicht so. Der Fuchswallach, den sie ritt, war schon von einem etwas älteren Schlag und dementsprechend erfahren. Für ihn stellte der Parkour keinerlei Probleme dar und so hatte sie gute Chancen auf eine Stechen und eine Platzierung.

Die Frage Patricks holte Lawrence wieder ins Gespräch zurück. Der Ire erkundigte sich, wie er zur Reiterei gekommen war und das überraschte den Hofleiter nun doch ein wenig, denn normalerweise stellte ihm niemand hier derartige Fragen. Nicht einmal seine Kollegen. Aber die offene, direkte Art des Jüngeren ließ ihn auch schmunzeln, zeugte sie doch lediglich von jugendlicher Neugierde, die frischen Wind auf diesen Hof brachte. So scheute sich der Dunkelhaarige auch nicht zu antworten.
"Ich bin auf einem Bauernhof geboren. Weit draußen auf dem Land. Neben Hasen, zwei Ponys, Kühen und drei Schweinen, hatten wir auch zwei Quarter Horse Stuten und vier Ackergäule, die mein Vater für die Arbeit auf dem Feld noch vor den Pflug spannte. Insbesondere von den beiden Clydesdale Wallachen war ich schon damals fasziniert und habe mich manchmal, während der Feldarbeit auf ihren Rücken geschwungen, mein Vater führte dabei stets den Pflug. Die beiden waren ein Herz und eine Seele, doch auf so einem Tier kann man leider schlecht reiten lernen, sie waren einfach zu groß für ein Kind, das nicht einmal einen Meter maß. Auf einer unserer Quarter Horse Stuten, Diamond's Angel hieß sie, eine rabenschwarze, kleine, etwas pummlige Stute, hatte ich dann meine ersten Reitstunden. Nachdem ich einigermaßen fest im Sattel saß, nahm mich mein Vater des Öfteren mit zu meinem Großvater, der die Heaven Meadows Stables damals führte. In dieser Zeit waren sie allerdings noch kein Hof wie du ihn heute vorfindest. Die HMS standen damals für den Rennsport. Von hier kamen die besten Jockeys und Jocketten, die Titel in aller Welt gewannen. Das integrierte Gestüt brachte Pferde hervor, die mit denen der Queen um die World Champions Titel rangen.
Als ich also größer wurde, setzte man mich auf einen der Vollblüter, aber der Rennsport hatte mich zwar schon immer fasziniert - wie jede andere Sportart mit Pferden auch - allerdings war es nicht das, was mir wirklich Spaß machte, wofür mein Herz schlug. Ich glaube es war kurz vor Wintereinbruch, da brachte man meinem Großvater ein American Saddlebred auf den Hof. Ein kluger Palominohengst, der mit seinem raumgreifenden Gängen leider so gar nicht in das Konzept des Vollblutgeprägten Hofes passten. Bei mir und diesem Pferd war es jedoch soetwas wie Liebe auf den ersten Blick, weshalb ich mich zunächst heimlich und später mit der Unterstützung meines Großvaters auf seinen Rücken schwang. Flying Skyscraper hieß er, der Gute, seine Ausbildung war jedoch miserabel. Aber dennoch schafften wir es tatsächlich bis zu Klasse M. Es war eine Art Bilderbuch Karriere und ich werde dieses Ausnahmetalent von Pferd niemals vergessen. Er liebte die Dressur ebenso wie ich, leider verstarb er, als wir an der S-Dressur probten. Herzversagen, wie bei so vielen überzüchteten Rassen. Es war ein schwarzer Tag für mich und erstaunlicherweise auch für den Rest des Hofes, denn Fly, wie man ihn später nur noch nannte, war eine Art Sonnenstrahl. Nicht selten kam es vor, dass ihm in seiner Box langweilig wurde und er es immer wieder auf wundersame Weise schaffte, die Verriegelung zu öffnen und dann morgens auf der Stallgasse stand. Viele schworen, dass er eine Art Grinsen auf den Zügen hatte."

In Gedanken schwelgend, lehnte sich der Hofleiter zurück, während er von seinem ersten eigenen Pferd sprach, dass ihn so sehr geprägt hatte. Fly war sein persönlicher Held gewesen. Ein außergewöhnliches Pferd, das so viel mehr zu bieten hatte, als nur sein spezielles Äußeres.
"Nach seinem Tod war ich mir dann sicher, dass ich der Dressur treu bleiben würde. Fly war mein Partner und Freund gewesen und ich bin mir sicher, dass auch er es gewollt hätte, dass ich weiter trainiere, bis ich in die S-Klasse vorrücken kann. So ging das dann auch weiter und mit den Jahren wurde ich dann Stammgast dort oben. Viele Pferde, viele Bestnoten und zahlreiche Siege.
Aber lass mich dir eines sagen: es ist egal wie oft du gewinnst, wie viele Pokale in deinen Schränken stehen, oder wie viele Pferde in deinen Stallungen. Was zählt ist das, woran dein Herz hängt. Das Pferd, das dich so geprägt hat, dass der Reitsport für dich zu Lebenseinstellung wurde. Die Menschen, die dich unterstützen. Die Wesen, die mit dir jeden Tag in der Woche stundenland trainieren, die mit dir kämpfen und letztlich siegen. Keine Siegersumme dieser Welt kann dir dieses Gefühl vermitteln, dass du nach einem Ritt empfindest, wenn du in die strahlenden, zufriedenen Augen eines Pferdes blickt, dass dir so bedingungslos vertraut."

Lächelnd schloss McKinley mit seiner Rede aus der Vergangenheit. Es war anfangs befremdlich gewesen mit einem Azubi darüber zu sprechen, aber eigentlich war es doch genau das, was sie verband: die Liebe zu den Pferden. Deswegen war sich Lawrence sicher, dass Patrick nachvollziehen konnte, was er soeben gesagt hatte.


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BeitragThema: Re: Springplatz   Mo 9 Jun 2014 - 18:58

Scheinbar aufmerksam lauschte Patrick der Erzählung McKinleys. An den entsprechenden Stellen nickte er oder brummte zustimmend, um den anderen zum Weiterreden bewegen zu können. Und nicht selten huschten seine Augenbrauen überrascht nach oben, was allerdings weniger an den Worten selbst als an der Tatsache lag, dass die Erzählung so ausführlich war. Viel eher hatte Patrick damit gerechnet, dass er mit einer kurzen Erklärung abgespeist worden wäre. Eine kleine Anekdote vielleicht, in der er davon erzählt hätte, dass er auf einer Farm und mit den sanften Vierbeinern aufgewachsen sei, oder eben das, was er irgendwann wohl auch mal Reportern erzählt haben musste. Eben die Art von Information, die man jedem weitergeben würde, der einen zufällig darauf ansprach. Schließlich hatten sie nie so viel miteinander geredet. Zu welcher Gelegenheit denn auch? McKinley hielt sich zwar auch regelmäßig im Stall, wenn er sich dort aufhielt, was kaum verwunderlich war, immerhin lebte Paddy praktisch dort, auch, doch dann schien er nie Zeit für einen Plausch zu haben. Wie denn auch? Einen Hof wie diesen zu managen, war kein Acht-Stunden-Job, der einen um fünf Uhr nachmittags mit einem Feierabendbier aufs Sofa brachte, um den Tag ausklingen zu lassen.
Als McKinley zu der Geschichte von Flying Skyscraper kam, musste der Azubi herzlich schmunzeln und in den blauen Augen funkelte es. Das klang doch sehr nach Faun, dem Pferd seiner Mitwesternreiterin und Mitbewohnerin Abigail, das ein ausgesprochenes Talent dafür hatte, Riegel aller Art zu öffnen, um zu einer Extraportion Futter zu gelangen. Er mochte das bunte Pferd, auch wenn seine Gefühle ihm gegenüber nicht an die für sein Liebespärchen heranreichten. Über die beiden Chaoten, die sich jetzt wahrscheinlich auf der Weide kugelrund futterten, ließ er einfach nichts kommen.
„Erstaunlich, wie viele hier irgendeine Ranch- oder Farmvergangenheit haben“, murmelte der gebürtige Ire, für den die Schluchten zwischen Hochhäusern viel vertrauter waren als weite Landschaften mit frischer, klarer, höchstens nach Dünger riechenden Luft. Irgendwie fühlte er sich plötzlich verpflichtet, auch etwas von sich zu erzählen. Aber was? Auf jeden Fall etwas Neutrales, eben genau das, was er auch von dem Lehrer erwartet hatte. Allgemeiner Sermon, der er jedem x-beliebigen Menschen anvertrauen konnte. Auf keinen Fall würde er darüber sprechen, wie sein erster Ritt ausgegangen war, voller Unzufriedenheit mit sich selbst, weil nichts geklappt hatte, was sein Vertrauen in sich selbst als einzige Konstante seines Lebens so sehr erschüttert hatte, dass er es eher riskiert hatte, mit den Heimleitern Probleme zu bekommen, als zur nächsten Reitstunde zu erscheinen. Ärger hatte er keinen Bekommen, dafür jedoch eine Welle von Schuldgefühlen, die so viel schlimmer gewesen waren, als eine Strafpredigt. Erst in der darauffolgenden durchwachten Nacht war ihm klar geworden, dass er – zum ersten Mal – den Fehler bei sich suchte und nicht bei dem Pferd. War das der Wendepunkt gewesen? Hatte er da begriffen, dass er für sein Leben verantwortlich war, und niemand sonst?
„Ich erinnere mich an das erste Turnier in dem Reitstall, in dem ich zu Beginn war“, begann er schließlich langsam zu erzählen, als müsse er die Worte auskosten, ausprobieren, ob sie schmeckten, bevor sie seine Lippen verließen. „Niki – so hieß die Stute – war eine ganz sensible, schreckhafte Madame. Als wir mit dem Parcours fertig waren, waren wir beide dermaßen fertig, ich, weil ich ihr irgendwie ein Gefühl von Sicherheit vermitteln musste, und sie... naja, ich glaube, weil sie sich erstmal davon überzeugen musste, dass ihr tatsächlich nichts passieren würde. Aber die einzelnen Aufgaben liefen gut, reichten für den zweiten Platz... aber der Weg durch die Zuschauer... Mit Menschenmassen konnte Niki gar nicht.“ Er lachte leise, als er daran dachte, wie das Reitschulpferd sich einmal losgerissen hatte, um panisch zu flüchten und ihr Reiter, nicht Paddy, sondern einer seiner Heimgenossen, ihr wütend hinterher gerannt war. „Aber nach dem Trail war sie noch so guter Dinge gewesen, dass wir problemlos zum Abreiteplatz und dann zum Stall gekommen sind. Ohne mit der Wimper zu zucken. Keine Ahnung, ob sie mich angesehen hat, aber es war erstaunlich...“
Auf Patricks Züge hatte sich ein sanftes Lächeln gelegt, voller Wärme bei der Erinnerung. Er hatte keine Ahnung, was mit der Stute geschehen war, aber er hoffte, dass es ihr gut ging. Immerhin war sie es gewesen, die ihn als erstes vollends beansprucht, all seine Konzentration und vor allem Ruhe verlangt hatte, und damit wohl prägender als jede Therapiesitzung gewesen war.


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