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 Wiesen und Felder

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AutorNachricht
Finnian McAllen
1. Lehrjahr
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BEITRÄGE : 216
ALTER :
Beruflich habe ich mit 23 noch einiges vor.

HERKUNFT : Mein Ursprung liegt in den unberührten Weiten NEUSEELANDS, dort wo Natur noch Natur ist.
AUSBILDUNG : Wahrscheinlich ist PFERDEPFLEGER nicht mein endgültiger Beruf, aber er ist eine Bereicherung.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Do 6 Jul 2017 - 22:33

Es gab insgesamt nur wenige Phänomene, die man wissenschaftlich nicht erklären konnte. Zumindest oberflächlich gesehen. Je tiefer man in die Materie einstieg, umso mehr merkte man, dass man eigentlich gar nichts wusste. Insbesondere in der Physik und Mathematik wurde einem immer wieder vor Augen geführt, welch kleiner, unbedeutender Aspekt man in diesem großen Universum war, das gegen die Unendlichkeit strebte. Es gab Sphären, die würden die Menschen niemals erforschen können, da sie zuvor in Stücke gerissen werden würden. Irgendwann. Wenn die Sonne explodierte. Aber ganz gleich wie interessant Finnian die Theorien von Stephan Hawking und der Unendlichkeit und den schwarzen Löchern fand, sie waren ein Klacks im Gegensatz zu einem Smalltalk. Zumindest von seinem Standpunkt aus, denn der gestaltete sich zunehmends als schwierig, da der Neuseeländer keinerlei Ahnung hatte, in welche Richtung dieses Gespräch weiterhin verlaufen würde oder sollte. Isabel erschien selbst immer verwirrter, je länger sie miteinander sprachen, was nicht unbedingt dazu beitrug, dass er einen sicheren Fuß in dieser Konversation fand. Im Hintergrund analysierte er zwar ständig Tonfall, Mimik, Gestik, Stimmqualität und Haltung, aber er glaubte noch immer, ihre Nachrichten niemals vollkommen zu verstehen. Es war diese verfluchte Inhalts- und Beziehungsseite, die er einfach nicht zu vermengen vermochte, was jedem anderen Menschen wohl von Natur aus möglich war. Er verstand den Inhalt ihrer Aussagen in ihrer Sachlichkeit, doch kaum ihre wirkliche Bedeutung. Und das verunsicherte ihn umso mehr.

Immerhin war der Themenwechsel wohl eine gute Wahl gewesen, denn die Dunkelhaarige entspannte sich ein wenig. Zumindest das ließ sich an ihrer Körperhaltung ablesen. Auch Finnian atmete innerlich ein wenig auf, denn Isabel hatte das zuvorige Thema wohl aufgrund seiner Unfähigkeit, nett gemeinte Scherze zu verstehen, ebenfalls nicht mehr behagt. Anstatt ihm aber eine Antwort zu geben und ein wenig über ihre Pferde zu erzählen, besonders auf den musikalischen Silver war Finnian gespannt, schleuderte sie ihm mehrere Gegenfragen um den Kopf, die ihn verlegen den Blick abwenden und an den Scharnieren des Geigenkoffers herumnesteln ließen. "Ehm- ... ich ... also ..." Es wäre besser gar nichts zu sagen, bevor er keinen klaren Gedanken fassen konnte. Aber bevor er jetzt all ihre kommunikativen Signale aufgedröselt hatte, würden Minuten vergehen, die er nicht hatte, um zu antworten. Denn das hatte er inzwischen gelernt: Alltägliche Kommunikationen wurden nicht nur minutenlanges Schweigen für eine überlegte Antwort unterbrochen. Ganz anders als die ihm so vertrauten wissenschaftlichen Diskussionen.
"Ich habe ein Pflegepferd hier: Fakir. Und ein eigenes: Finnick - er kam aus Neuseeland mit mir hierher." Mehr brachte er wohl kaum zustande, denn was sollte er schon über sich erzählen? Sein Leben war keineswegs spannend, sein Lebenslauf nur für naturwissenschaftliche Akamediker interessant und für alle anderen, war er nicht mehr als ein Nerd, der auch jetzt ein Kreuzworträtsel in der Hosentasche stecken hatte. Die einzigen Rästel, bei denen er die Worte gekonnt einzusetzen vermochte. Etwas betreten sah er wieder auf den Geigenkoffer, versuchte betont leise etwas durchzuatmen, um die Gedanken in seinem Kopf zu zügeln. Immer wieder tauchten neue Fragen in ihm auf und noch dazu machte Isabels leicht undurchschaubare Art es für ihn nicht leichter, die passende Antwort zu finden, die sie hören wollte. Dass die Kanadierin keine bestimmte Antwort erwartete, kam ihm kaum in den Sinn. Auf nahezu jede Frage, gab es eine ultimative Antwort. Das hatte ihn die Mathematik früh gelehrt. Aber die Verknüpfung, dass das Leben und das gesellschaftliche Leben insbesondere nicht auf mathematischen Grundprinzipien aufgebaut war, hatte bei ihm irgendwie immer Ladeprobleme.

{Isabel}
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Isabel Preston
1. Lehrjahr
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BEITRÄGE : 142
ALTER : SEIT KURZEM ERST 24 JAHRE ALT, ÄNDERTE SICH IHR ALTER AM 02.02.
HERKUNFT : GEBOREN IN KANADA, VERBRACHTE SIE DIE ERSTEN JAHRE IN QUÉBEC UND SPRICHT FLIESSEND FRANZÖSISCH.
AUSBILDUNG : SEIT LANGEM SCHON STREBTE SIE DIE AUSBILDUNG ZUR TIERÄRZTIN AN UND HAT DIES IN DIE TAT UMGESETZT.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Fr 7 Jul 2017 - 22:48

Eigentlich war Isabel im Grunde ihres Herzens tatsächlich eine liebevolle Persönlichkeit, die Geradlinigkeit und Ehrlichkeit weit mehr schätzte als gutes Aussehen oder reiterliche Erfolge. Als sie den jungen Pferdepfleger nun doch ein wenig aus dem Konzept gebracht hatte, sodass dieser sich stotternd zu erklären versuchte und am Ende wieder verstummte, konnte sie nicht ganz verbergen, dass ihr diese Situation ein gewisses Gefühl von ... Vertrautheit aufkommen ließ. Freunde neckten einander, brachten einander in unangenehme Situationen und halfen ebenso, wenn es doch einmal ernster wurde.
Da sie Finnian nun ein wenig aus der Reserve gelockt zu haben schien, wirkte es mit einem Mal nicht mehr allzu unwahrscheinlich, ein wenig mehr über den ruhigen, jungen Wissenschaftler zu erfahren, als das Allgemeinbekannte. Seiner aufmerksamen Haltung nach hatte er sich tatsächlich für ihre Pferde interessiert, sich womöglich dafür erwärmt, dass sie Silver auch das Tanzen beigebracht hatte, ehe sie ihn hinterrücks überfiel.

Seine verlegene Haltung, während er mit seinem Geigenkoffer seine Hände zu beschäftigen suchte, zwang ein seichtes Lächeln auf die Lippen Isabels, welche Mitleid mit dem Blonden hatte. Sie suchte seinen Blick, den er abgewandt hatte, offenbar auf der Suche nach der passenden Antwort auf diese Frage, als er schließlich wieder aufsah und sie ihr direkt beantwortete. Direkt, ohne Umschweife und viel Tamtam. Im ersten Augenblick überraschte die Dunkelhaarige dieser direkte 'Angriff' nach vorn sie, dann jedoch spürte sie das Gefühl von Erleichterung ihren Körper durchfluten. Sie hatte tatsächlich ein wenig Sorge gehabt, er könne sich gänzlich aus dieser offenbar stressigen Situation retten wollen, indem er sich verabschiedete. Die Erleichterung färbte ihre ohnehin schon hellen Augen ein wenig heller und interessiert lauschte sie.
Fakir. Der Name hinterließ eine Erinnerung in ihren Gedanken und doch vermochte sie dem Namen derzeit kein direktes Aussehen zuzschreiben. Ebenso wenig seinem eigenen Pferd, Finnick. Als er den Namen seines Pferdes erwähnte, lachte Isabel im ersten Augenblick ungläubig auf und hob die Hände sachte, als Zeichen, er müsse hier kurz pausieren und sich erklären. „Moment, dein Pferd heißt Finnick?“ Der Schalk blitzte in ihren Augen auf, ehe ihr bewusst wurde, dass ihr Gegenüber sich womöglich wunderte, was daran so sonderbar sein mochte. Also konkretisierte sie ihre indirekte Frage ein wenig: „Dein Pferd trägt einen beinahe ähnlichen Namen wie du? Incroyable. Hast du ihm diesen Namen gegeben oder trug er ihn bereits vorher?“ Fasziniert betrachtete sie den Neuseeländer und kam nicht umhin festzustellen, dass er mit jeder verstrichenen Minute mehr und mehr zum Mysterium wurde. Ob ihm das überhaupt bewusst war?


[Finnian | Gespräch]
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Rebecca McKinley

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BEITRÄGE : 196
ALTER : Ich kann auf 45 Jahre Lebenserfahrung zurückblicken und eben die weitergeben.
HERKUNFT : Die Stadt, die niemals schläft hat mich geprägt, aber nicht zu einer typischen New Yorkerin gemacht.
BERUF : Zusammen mit Lawrence leite ich den Hof als Stellvertretende Hofleiterin, davon abgesehen lehre ich Springreiten.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Di 11 Jul 2017 - 10:46

Becca sah, wie die Zeilen Lawrence innerlich zerrissen, wie sich seine Mimik während des Lesens von einer unguten Vorahnung zu Entsetzen und Fassungslosigkeit wandelte. Als sich ihr Mann schließlich am Tisch aufstützte und aussah, als breche er jeden Moment zusammen, riss sie sich selbst zusammen, trat auf ihn zu und legte ihm eine Hand unter den Ellenbogen. Einerseits diente die Geste tatsächlich dazu, ihn zu stützen. Andererseits suchte sie selbst einen Halt.
Sie hatten die Hoffnung auf eine Adoption eigentlich aufgegeben, auch wenn sich das niemand von ihnen bisher vollkommen eingestehen wollte. Es war zu einer fixen Idee geworden, je mehr Absagen gekommen waren, je mehr sie zu hören bekommen hatten, dass sie zu alt, der Hof nicht gut genug abgesichert und ‚nicht die richtige Umgebung für ein Kleinkind’ sei. Mehr als einmal wäre sie deshalb am liebsten ausfallend geworden, weil es so lächerlich war. Wie viele ihrer Azubis waren auf Höfen aufgewachsen? Viele! Aber alles argumentieren hatte nichts genutzt. Die Kinder waren zu anderen Familien vermittelt worden oder – noch schlimmer – gar nicht.
Und auf einmal bot sich ihnen diese Gelegenheit und riss sie beide vollkommen von den Füßen. Rebecca wusste nicht einmal, ob sie sich freuen sollte oder ob sie in Tränen ausbrechen wollte, weil sie nicht wusste, was sie fühlen sollte. Sie hatte Marylin und Samuel nur bei der Einschulung kurz gesehen, beide angelächelt und dem Jungen ein Kompliment zu seinem Rucksack gemacht. Sie kannte beide also schlicht weg zu wenig, um wahre Trauer zu empfinden. Viel eher spürte sie dieses vage Bedauern, das man oft kannte, wenn jemand starb. Egal ob bekannt oder fremd. Doch der Gedanke an das Kind überwog.
Rebecca atmete tief ein und sah Lewis fest in die braunen Augen. „Wir können kein Kind einem Heim überlassen“, antwortete sie und spürte, dass dieser knappe Satz eigentlich schon ihre Entscheidung bildete. Dunkel erinnerte sie sich an den grimmigen Zug, der über Patrick Murrays Gesicht geflogen war, als sie ihn beim Bewerbungsgespräch auf seine Vergangenheit angesprochen hatten, bevor er gewohnt locker geantwortet hatte und auf seine Erfolge im Reiten übergeleitet hatte.
„Wir können ihn nicht nicht aufnehmen“, konstatierte sie mit zitternder Stimme. „Es sei denn, er will nicht zu uns, wenn er den Hof kennengelernt hat. Aber... ich denke nicht, dass das sein wird. Ihm wird es hier bestimmt gefallen und wir können ihm... bestimmt eine Familie sein?“ Becca musste schlucken. Jetzt, da der Traum von einem Kind plötzlich so nah an der Erfüllung war, spürte sie Panik aufwallen. Ihr Griff um Lawrences Arm wurde fester. Jungpferde ausbilden und reiten, bei internationalen Turnieren von Weltrang starten – alles schien einfach und fast bedeutungslos zu sein, verglichen mit der Aufgaben, die sie jetzt vor sich hatten. „Du würdest ihm doch auch die Chance geben, sich hier alles anzuschauen, oder?“, fragte sie schließlich mit immer noch wild schlagendem Herzen.


[Gedanken & Gespräch mit Lawrence]
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Finnian McAllen
1. Lehrjahr
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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Mi 12 Jul 2017 - 18:29

Warum musste es nur so schwierig sein, ein einfaches Gespräch am Laufen zu halten? Warum konnte man sich auch nicht öfter über wirklich wichtige Themen unterhalten, anstatt sich in reiner Zeitverschwendung über Gott und das Wetter zu verlieren? Die Fragen stellten sich Finnian unaufhörlich und er wagte zu bezweifeln, darauf noch einmal eine Antwort zu finden. Gewisse Dinge werde er vermutlich akzeptieren müssen. So wie der Baum willkürlicherweise als Baum bezeichnet wurde, so hielten Menschen gerne Smalltalk. Sofern sie einer normalen sozialen Kompetenz entsprachen, die Finnian nur bedingt gegeben war.
Der taxierende Blick von Isabel machte es ihm kaum einfacher, sich von seinem Geigenkoffer ab- und ihr wiederum zuzuwenden. Dabei hatte er geglaubt, sie mögen zu können, wobei er sich kein zu vorschnelles Urteil bilden wollte. Vielleicht kratzte er nur ein wenig an ihrer Oberfläche, an einer Maske, die sie zur Schau trug. Aber irgendwie wollte er das nicht glauben. Es wäre allerdings auch nicht das erste Mal gewesen, dass er auf einen Menschen hineingefallen wäre, der eine freundliche Art nur zur Schau trug. Jedoch wollte er an das Gute im Menschen glauben und daran, dass es auch in Isabel verankert war. Sie führte, als eine der einzigen seit langer Zeit, ein Gespräch mit ihm, das seinen Erfahrungshorizont doch ein wenig überstieg. Immerhin beschränkte er sich sonst auf wissenschaftliche Erklärungen, die teilweise auch den ein oder anderen Scherz zunichte machten, was Camille, Sophie und Patrick ihm immer wieder unter die Nase rieben. Aber nicht nur sein Unvermögen, Witze zu verstehen, sorgte regelmäßig für Augenrollen, sondern auch seine Unfähigkeit offensichtlichen Humor zu erkennen. Letzteres jedoch eher für Erheiterung wie auch jetzt bei der dunkelhaarigen Studentin. Offenbar gefiel ihr der Name von Finnians Pferd, was ihn nur verwirrt die Stirn runzeln ließ. Was war nur an dessen Namen so skurril? Für ein hochgezüchtetes Sportpferd war dieser Name noch vergleichsweise normal. Doch Isabel brachte glücklicherweise rasch Licht ins dunkel und erklärte, dass ihr die Ähnlichkeit ihrer Namen offenbar Amüsement bescherte. „Manche Menschen würden vielleicht schon Schicksal sprechen, aber es ist nicht erwiesen, dass es ein solches gibt, sodass ich mir nicht anmaßen möchte, diesen Zufall darauf zurückzuführen.“ Schicksal schien schon immer etwas für Religionsfanatiker und Gläubige zu sein, denn die Welt folgte nunmal keiner göttlichen Ordnung, wenngleich es skurrile Zufälle geben mochte. Vielleicht hatten seine Eltern sein Pferd aber auch nur nach dessen Namen erwählt – wer wusste das schon, sie hatten es ihm nie gesagt und er hatte nicht gefragt, war er doch so glücklich mit seinem braunen Freund. „Sein Zuchtname ist Espresso Finnick TZ. Er geht zurück auf Nimmerdor, einen der bedeutendsten Vererber seiner Rasse. Doch heißt es, dass man auf Papieren nicht reiten kann, deswegen ist er für mich Finnick. Jedoch kann ich bei diesem Thema wohl kaum verschweigen, dass mein älterer Bruder uns stets immer nur als ‚Team Finn‘ betitelte, wenn sich die Eltern sorgten, weil wir mal wieder den Ausritt etwas länger ausdehnten.“ Da zeichnete sich wirklich ein seichtes Lächeln auf den schmalen Lippen Finnians ab, während er so ein wenig von seinem besten Freund sprach. Finnick war für ihn weit mehr als das Sportpferd, das viele in ihm sahen. Er war ohnehin viel zu intelligent, als dass er sich damit begnügt hätte, über ein paar Hindernisse zu springen, doch das brauchte Isabel vorerst nicht zu wissen. Wahrscheinlich würde sie es noch früh genug bemerken, wenn er begann ihre noch so engen Jackentaschen zu entleeren. Sie würde kaum ewig einen Bogen um die Box des Wallachs machen. „Fakir hat mit uns immerhin den Anfangsbuchstaben gemeinsam. Wahrscheinlich der entscheidende Grund, warum er mir zugeteilt wurde.“ Ein Scherz? Finnian begann zu überraschen. Sogar sich selbst. Dennoch war es verwunderlich, dass er als Pferdepfleger zwei solch hochkarätige Pferde inpetto hatte. Genauso verwunderlich war aber wohl, dass er bei seinem IQ ‚nur‘ ein Pferdepfleger werden wollte. Wobei er zugeben musste, dass er es mit seinem Ausbilder weitaus schlechter hätte treffen können. Als angesehener Bereiter bekam man schließlich Haber zugeteilt. Da war ihm der einfühlsame Jeremy doch weitaus lieber!
Weil es ihm selbst an Einfühlsamkeit mangelte, beschloss er abzuwarten, ob Isabel von sich aus etwas über ihre Pferde erzählen würde. Er wollte immerhin nicht drängen. Es erschien ihm unangebracht.

{Isabel}
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Mai-Lin Cheng
2. Lehrjahr
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ALTER : 23 Jahre jung
HERKUNFT : Auch wenn man es mir nicht direkt ansieht, so bin ich doch Amerikanerin, geboren in der Stadt der Stars und Sternchen, L.A..
AUSBILDUNG : In eineinhalb Jahren werde ich professionelle Vielseitigkeitsreiterin sein.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Do 13 Jul 2017 - 21:29

Gab es eine schönere Berührung als die einer zärtlichen Hand, die einem Trost spenden konnte? Mai-Lin wusste es in diesem Moment nicht. Sie schwankte zwischen lachen und weinen, auch wenn sich die Tränen gerade mit aller Macht ihren Weg an die Oberfläche bahnten. Wie lange war es her, dass sie sich so komplett gefühlt hatte? Eigentlich hatte sie nicht einmal benennen können, was ihr in den letzten Wochen die meisten Probleme gemacht hatte. Waren es die Streitereien gewesen? Der ganze andere Stress mit den Prüfungen, die Freunde und die Umstellung, weil Damian nun ihr Trainer war. Sie hatte letztlich keine Zeit gehabt, um zu analysieren, was ihr die größten Probleme bereitet hatte. Doch nun, da sie es wieder hatte, wusste sie es und sie wusste auch, dass sie es niemand in den Worten würde sagen können, denn dann hätte sie den Stempel „Kitschtusse“ ziemlich zurecht aufgedrückt bekommen: Bei all dem Streit hatte sich Damian nur noch als Besucher in ihrem Herzen aufgehalten und jedes Kommen, aber vor allem Gehen hatte sie förmlich zerstört. Aber nun hatte sie die hoffentlich berechtigte Hoffnung, dass er wieder mit Sack und Pack einziehen würde. Um nicht mehr zu gehen.
Zärtlich strich Maili ihrem Freund über die Wange, küsste ihn erneut, als er sie um ein Treffen nach dem Fest bat. Allein die Frage jagte der Schwarzhaarigen eine Hitzewelle durch den Körper und erinnerte sie daran, was in den letzten Wochen noch zu kurz gekommen war. Ein verschmitztes Lächeln rutschte auf ihre Lippen und statt einer Antwort stellte sie sich auf die Zehenspitzen, schlang die Arme um seinen Hals und reckte sich, bis sie ihm spielerisch – und von den McKinleys abgewandt, immerhin hatte sie noch ein wenig Anstand – am Ohrläppchen knabberte. „Später?“, wisperte sie in sein Ohr und ließ sich wieder von den Zehenspitzen sinken.


[Damian]
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Damian Masen

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BEITRÄGE : 427
ALTER : 31 Jahre alt
HERKUNFT : Amerikaner, jedoch mit Spanischen Wurzeln
BERUF : Pferdetrainer

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Fr 14 Jul 2017 - 14:58

Damian hatte eigentlich immer zu den Menschen gehört, die von sich selbst sagten das sie alleine am besten klar kamen. In der Schule war er gemobbt worde wegen seiner Brille und nach senem Unfall waren alle wie Geier über ihn her gefallen. Natürlich hatte er seine Familie immer an seiner seite gehabt, eine Schwester gehabt die auch mal für ihn ausgeteilt hatte, doch niemals hätte er gedacht das ein Mensch ihn so in seinen Bann ziehen könnte wie Maili es tat.
Vom ersten Augenblick an hatte sie ihn fastiniert. Die Art wie sie sich bewegte, wie sie sprach, ihr Lachen und ganz besonders ihre Lippen hatten es dem Halbspanier angetan.
Doch die letzten Wochen hatten die Beziehung der beiden wirklich auf eine harte Probe gestellt. Doch etwas aufgeben was Damian etwas bedeutete war nicht seine Art und so hatte er den einen oder anderen abend sicherlich auf dem Sofa gesessen und sich gefragt ob das alles noch Sinn macht und ob es für beide Seiten nicht das beste gewesen wäre die Bezeihung zu beenden, doch wie so oft hatte er auf sein Herz gehört und dieses hatte ihm ganz klar gesagt das es sich lohnte für Maili zu kämpfen und anscheinend hatte seine Freundin das selbe Gefühl, denn sonst hätte sie ganz sicher nicht ihren Vater angerufen und um ein Treffen gebeten um ihm Damian vorzustellen.
Leise drang das Jubeln und gegrölt vom Fußbalplatz an die Ohren des Vielseitigkeitslehrers doch wirklich wahr nehmen tat er es nicht. Viel zu sehr nahmen ihm die Augen seiner Freundin in Beschlag und ein zufriedes Lächeln lag auf seinen Lippen, die kurz darauf wieder mit den ihren verschmolzen.
Ihm entging nicht das Maili leicht schauderte und sein Lächeln wandelte sich in ein Grinsen um und in seinen Augen blitzte es auf.
Damians Nackenhaare und Armhaare stellten sich auf als Mailis Lippen sein Ohrläppchen berührten und sie daran knabberte und ein leises knurren kam über seine Lippen.
"Mach nur so weiter!", brummte er ihr ins Ohr und zog sie noch näher an sich. Dann sah er kurz auf seine Uhr und zu seinen Chefs rüber die jedoch mit sich selbst beschäftig zu sein schienen und sah dann wieder Maili an. "Jetzt!", entschied er und sah sich dann kurz um.
"Wohin?", fragte er sie nur und zog Maili schon mit sich mit zu den Wohnhäusern. Ob bei Maili frei war? Denn bei ihm war James und auf einen sich übergebenden Kollegen im Nebenzimmer konnte er definitiv verzichten.
Damian stand zwar nach seiner Beförderung eine eigene Wohnung zu, doch bisher hatte er diese noch nicht bezogen. Vielleicht sollte er mit Lawrence darüber nochmals sprechen. Es würde die Beziehung zu Maili um einiges einfacher machen.
Leicht drückte er ihre Hand und kam vor dem Stall zum stehen wo er Maili leicht gegen die Wand drückte, eine Hand neben ihrem Kopf abstützte und seine Lippen erneut auf ihre legte.
"Ich liebe dich!", flüsterte er gegen ihre Lippen und grinste sie dann keck an.


(Maili)
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Dylan McGath

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BEITRÄGE : 60
ALTER : 32 Jahre alt
HERKUNFT : Australier
BERUF : Hufschmied

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Sa 15 Jul 2017 - 16:20

Nachdenklich nickte der Australier und nippte an seinem Bier. Vielleicht sollten sie Lawrence wirklich den Vorschlag machen. Vielleicht könnte man ja mit den Schulpferden eine Art Pflichtschulung machen und wer mit seinem Privatpferd teilnehemn wollte konnte dies tun. Langsam nahm der Plan in seinem Kopf gestalt an.
Genüsslich verdrückte er den letzten Bissen seines Steaks und trank sein Bier leer.
Als sein Gegenüber jedoch anfing mit ihm zu reden wie mit einem Kind runzelte er die Stirn und schob seinen Hut leicht in den Nacken. Was genau wollte Darian ihm damit sagen? Er schluckte seinen Kommentar jedoch herunter, bis der nächste Satz kam. Nur sehr selten sah man kein Lächeln auf den Lippen des Australiers, doch jetzt wurden die Gesichtszüge des Blonden hart.
"Glaub mir Darian, ich bilde kein Pferd aus damit es im Schulbetrieb läuft!", knurrte er schon fast und öffnete das nächte Bier.
Glaubte der Cowboy wirklich das er auf eines seiner Pferde einen Schüler setzen würde? Da sollte Darian mit seinen Pferden mal anfangen. Oder noch besser. Vielleicht sollte er das Isaac oder Alex mal vorschlagen. Wie Damian darüber denken würde konnte er sich nur zu gut vorstellen... Was für eine Idee... Dylan schüttelte den Kopf und starrte wieder in die Flammen.
Die Schulpferde waren speziell versichert und die Auszubildenden über die HMS auf den Pferden versichert sollte etwas passieren.
Niemals konnte und wollte Dylan jemanden auf Bandit lassen. Der Hengst war unberechenbar und lediglich seine Brüder hatte er an den Pinto gelassen, doch einen Azubi? Das wollte und konnte er nicht verantworten.
Patrick war ein guter Reiter, trotzdem würde er dem jungen Mann seinen Hengst niemals überlassen. Was dachte sich Darian nur bei seinem Kommentar? Selbst die junge Stute würde nicht so bald unter einem Reiter, geschweige denn unter einem Azubi laufen.
Über den nächste Satz musste Dylan schon fast lachen und verschluckte sich an seinem Bier. Hustend schlug er sich leicht auf die Brust und starrte Darian dann an.
Hörte dieser ihm überhaupt zu? Er wollte die Stute selber ausbilden damit er wieder eine richtige Aufgabe neben dem Training mit Bandit und seiner Arbeit zu tun hatte und HIlfe würde er dabei nicht brauchen. Immerhin hatte er schon ein paar Pferde ausgebildet und das nicht gerade schlecht. Immerhin hatte er sich schon ganz schön einen Namen gemacht.
"Danke Darian, aber ich habe schon Pferde ausgebildet und zwar Meisterschaftspferde. Ich denke ich komme klar!" Dylans Augen blickten den Cowboy streng an.


(Darian)
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Isabel Preston
1. Lehrjahr
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BEITRÄGE : 142
ALTER : SEIT KURZEM ERST 24 JAHRE ALT, ÄNDERTE SICH IHR ALTER AM 02.02.
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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Sa 15 Jul 2017 - 22:31

Die Schwarzhaarige konnte sich inzwischen ein recht gutes Bild davon machen, wie ihr Gegenüber - zumindest oberflächlich betrachtet, sie kannte ihn ja nicht einmal eine halbe Stunde lang besser - sein mochte. Dahingehend verwunderte es sich auch nicht mehr allzu sehr, dass der Neuseeländer seine Freunde vermutlich an zwei Händen abzählen konnte, wenngleich Isabel es ähnlich hielt, jedoch aus eher anderen Gründen als der Blonde.
Dieser, von der gesamten Situation derzeit ein wenig überfordert wirkend, schien Zuflucht in seinem Geigenkoffer zu suchen und teilweise auch zu finden. Dies entlockte Isabel ein leises Schmunzeln, erkannte sie in Finnian doch durchaus Parallelen zu jedem weiteren Menschen. Nur mochte der Blonde jene bisweilen seltsam anmutenden Eigenschaften bedeutend intensiver auszuleben, unverfälschter und dies stieß gewiss den Einen oder Anderen vor den Kopf. Die junge Studentin jedoch fand es erfrischend, einmal nicht rätseln zu müssen inwiefern ihr Gegenüber nun tatsächlich meinte was er sagte - oder eben doch gänzlich in eine andere Richtung tendierte. Finnian schien ihr geradeheraus zu sein, wenngleich auch etwas verunsichert in Bezug auf soziale Kompetenzen. Doch er trug das Herz auf dem rechten Fleck und besonders bei der Arbeit mit den sensiblen Vierbeinern war dies ein unschlagbarer Vorteil. Erfolg kam nicht einzig vom Training, diesen Standpunkt vertrat die Kanadierin vehement.
„Schicksal also?“, murmelte sie schließlich mit erneut leicht geneigtem Kopf, während sie dem Blonden gelauscht hatte. Der Ansatz war interessant, aber rasch wieder verworfen, schien er ebenso wenig daran zu glauben wie Isabel. Zufall mochte es da schon eher treffen, zudem seine Eltern da die treibende Kraft gewesen zu sein schienen. „Da schien deinen Eltern der Namenstypus zu gefallen.“, überlegte sie, ehe sie den weiteren Erläuterungen zu Finnick lauschte.
Als er letztlich die Abstammung seines Pferdes erklärte, lüfteten sich für einen kurzen Augenblick von Irritation die dunklen Augenbrauen der Studentin, ehe sie belustigt lächelte. Mochte man dem Neuseeländer auch nicht unbedingt zutrauen, einen solchen Champion im Stall stehen zu haben, den einige gewiss in Finnick sahen, so zeigten seine weiteren Worte doch, dass er selbst ohnehin kein Interesse daran hatte. Eine gute Grundvoraussetzung, wie Isabel fand und leise auflachte, als er von seinem Bruder, Team Finn und den Eltern erzählte. „Wer kann es ihnen auch verübeln, immerhin ist Finnick ein ausgewachsenes Pferd.“ Sie zuckte lapidar mit den Schultern, ihre Mutter hatte sich stets Sorgen gemacht, ihr Kind könnte unter der schieren Masse der Tiere begraben und vergessen werden. Absurd, dachte sich Isabel stets, immerhin galt es doch auf dem Pferd zu bleiben und eine gute Figur zu machen, statt daneben oder drunter. Se seufzte leise, beinahe wehmütig, ehe sie anfügte: „Die Ängste der Weltern kann wohl kein Kind verstehen. Erst, wenn es selbst Kinder hat.“
Allerdings war ihr darüber hinaus nicht entgangen, dass Finnian sowohl eine intakte Familie zu besitzen schien und einen älteren Bruder. Ob dieser ähnlich durch die Eltern gefordert worden war wie Finnian, der ein eigenes Pferd gesponsort bekommen hatte? Isabel dachte an ihre eigenen Geschwister, die vor ihrem Hobby lediglich die Nase gerümpft hatten und mit wedelnden Händen davon gescheucht hatten, wenn sie wieder mal nach Pferd stank. „Reitet deine Familie auch oder woher kam deine Begeisterung dafür?“, fragte sie schließlich aus einem Impuls heraus.

Schließlich sprach er noch über Fakir, sein Pflegepferd. Wieder einmal erwischte der Blonde die junge Frau vollkommen überraschend, sodass sie im ersten Impuls abwinkte und den Kopf schüttelte. „Ach, nein, dass glaube ich eigentlich nicht.“ Erst dann wurde ihr genauer bewusst, wie genau Finnian das gemeint haben mochte und etwas verspätet grinste sie verlegen. „Eh, sacre bleu ... “ Deutlich spürte sie die Hitze in ihr recht blasses Gesicht steigen und hatte keinerlei Zweifel daran, dass es ihr 'gut zu Gesicht stehen' würde - immerhin sah man soetwas bei Isabels blassem Teint hervorragend. Rasch versuchte sie wieder Boden zu gewinnen.
„In welchen Disziplinen ist Fakir denn ausgebildet?“ Sie räusperte sich verlegen und fuhr sich mit der Hand über den Arm, ehe sie den Arm wieder sinken ließ. Ihr Blick fiel auf den Geigenkoffer von Finnian und ihr kam der Gedanke, dass sie ihrem Pferd zuliebe wenigstens ein klassisches Instrument lernen sollte. Aber eventuell genügte es auch, ihm Finnian zur Seite zu stellen und Ruler bei dessen Problem zuhören zu lassen. High besaß dafür nicht die Geduld, viel eher war es, dass er innerhalb weniger Momente explodierte und davon jagte. Ob Finnick ähnliches Temperament besaß? Isabel beschloss, dem Pferd irgendwann einmal einen kleinen Besuch abzustatten.
Immerhin sollte sie ja als angehende Tierärztin auch wissen, welche Patienten in Zukunft auf sie warten könnten, nicht wahr?



[Finnian]
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Finnian McAllen
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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Mi 19 Jul 2017 - 18:53

Isabel Preston war ein eigentümliches Phänomen, das sich nicht durchschauen lassen wollte und nach keinem erkennbaren Schema funktionierte. So wie alle Menschen, wobei sich einige mit gewissen ‚Leckereien‘ trainieren ließen. In der Theorie klang das jedoch immer einfach und in der Praxis stellte es sich als umso komplizierter heraus. Das war etwas, was Finnian an der Sozialarbeit so verabscheute – sie blieb so unberechenbar und inkonsequent. Was bei dem einen stimmte, musste noch lange nicht beim anderen eintreten. Und auch wenn man in der Wissenschaft meistens von einem einzelnen Phänomen ausging, so konnte man bestimmte Verfahren wenigstens für mehrere Lösungswege verwenden, während man sich im Sozialen ständig neu orientieren musste. Neuorientierung war nichts, was dem Neuseeländer gut gelang. Er war ein Gewohnheitsmensch und brauchte seine sichere Ordnung, um produktiv arbeiten zu können. Wie es dabei um Isabel stand, wusste er zum derzeitigen Zeitpunkt nicht, aber er vermutete stark, dass ihr die soziale Kompetenz einfacher viel, warum sonst konnte sie sich so leichtfertig mit ihm unterhalten, während er jeden Satz dreimal überdenken musste? Er wollte keinen Fehler machen, denn Fehler verabscheute er, aber im Alltag der Gemeinschaft kam es regelmäßig dazu, dass er sich einen Fauxpass leistete.
Der Blonde nickte nur bedächtig, als die Dunkelhaarige über den Namenstypus seines Pferdes sprach. Er glaubte kaum, dass seine Eltern Finnick deswegen ausgewählt hatten, sondern vermutlich, weil sie irgendjemand dazu beraten hatte, dieses Pferd zu wählen. Doch danach hatte Isabel nicht gefragt, also beließ er das Thema auf sich beruhen, er wollte sich immerhin nicht aufdrängen. Und was spielte es im übrigen schon für eine Rolle, welche Bedeutung der Name beim Pferdekauf gespielt hatte? Wohl keine allzu große für das weitere Leben. Dennoch konnte Isabel ihr starkes Interesse an seiner Familie nicht verhehlen und fragte sogleich, woher seine reiterliche Leidenschaft stammte. Er neigte den Kopf ein wenig und fragte sie, weshalb sie so großes Interesse an seiner Person hegte. War es wirklich reine Neugier oder steckte mehr dahinter? Sie wohnten in demselben Cottage und wussten kaum etwas übereinander. Glaubte sie, nun wäre der geeignete Zeitpunkt um das zu ändern? Andererseits: Was hatte er schon groß zu verlieren? Er hatte nur wenige Freunde auf dem Hof und Isabel erschien ihm nicht wie jemand, der sofort zu lästern begann, sobald er einen Fehltritt sah. Im Gegensatz zu manch anderen hier. Neid und Missgunst waren große Feinde des Menschen und hatten sie schon zu so manchen Fehltritten geleitet. Aber die Studentin schien davon nicht wirklich befallen.
„Nein, es reitet niemand weiter in meiner Familie. Da bin ich wohl der Erste.“ Mit Blick auf ihr fragendes Gesicht erkannte er, dass diese Erläuterung nicht reichen würde, um ihre Neugierde zu stillen, also fuhr er augenblicklich fort. „Ich habe Finnick zum 18. Geburtstag bekommen. Ich glaube, meinen Eltern behagte es nicht, dass ich zwei Jahre eher aufs Collage ging als geplant und meine Freizeit damit verbrachte, mich der Wissenschaft zu verschreiben. Sie haben immer nur vom ‚Rausgehen‘ geredet, vom ‚Freunde finden‘ und all den ‚normalen Sachen‘. Dinge, die mich nie interessiert haben und die unwichtig im Vergleich zu dem erscheinen, was man in dem uns umgebenden Universum entdecken kann. Was bringt mir schon ein betrunkener Abend, wenn ich eine alles erklärende Gleichung finden könnte? Er dezimiert einige meiner Gehirnzellen, ansonsten bringt er nichts als Ernüchterung.“
Ein schiefes Lächeln versuchte er über die Lippen zu bringen, doch so wirklich wollte es ihm nicht gelingen. Spätestens jetzt würde Isabel ihn vollends komisch finden und sich für immer hinter ihrer Zimmertür verbarrikadieren, sobald er das Cottage betrat.
Dass ihr unwillkürlich die Röte ins Gesicht stieg, was auf ihrer blassen Haut sofort zu erkennen war, nahm Finnian zwar wahr, doch er wusste nicht damit umzugehen und sah betreten weg. Warum wurde sie rot? Er wollte sie nicht in Verlegenheit bringen. Unwillkürlich hatte er das Bedürfnis, sich zu entschuldigen. Doch zuvor wollte sie noch etwas über Fakir erfahren. Der kleine Fuchswallach war ein Energiebündel, das seinesgleichen suchte, doch Finnian hatte begonnen, den Wirbelwind ins Herz zu schließen. Dass was Finnick an geistiger Auslastung einforderte, forderte Fakir an physischer. Wennes nach ihm ginge, würde er den ganzen Tag nur rennen. „Fakir geht in der Vielseitigkeit, genau wie Finnick. Er ist auch relativ begabt dafür, aber viel zu übereifrig. Ich warte regelmäßig darauf, dass er sich irgendwann eine Haxe bricht bei dem Tempo, dass er an den Tag legt. Manchmal fürchte ich da um mein eigenes Leben.“
Finnian war reiterlich komplett anders, als menschlich. Er war beinahe ein Draufgänger. Zwar ein Taktiker, der kühn alles berechnete und vor dessen inneren Auge sich vermutlich sofort jedes Winkel- und Flächenmaß auftat, sobald er den Parcour beritt, aber durch diese kalkulierende Taktik, wusste er exakt, wie er wann wo reiten konnte. Und das ergab eine unglaublich schnelle, raffinierte Reitweise. Doch davon würde Isabel nicht viel ahnen, es sei denn, sie hatte ihn heimlich beim Reiten beobachtet… Auf dem Wanderritt war sie schließlich nicht mitgewesen, wobei es dort auch nicht viel Spektakuläres zu sehen gegeben hatte.

{Isabel}
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Isabel Preston
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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Mi 19 Jul 2017 - 22:13

Isabel mochte die Kontinuität und Routine, die das Arbeiten mit Pferden zumeist begleitete und weshalb sie diese sanftmütigen Kreaturen so wertschätzte. Es behagte ihr bedeutend mehr sich der Ruhe und inneren Gelassenheit der Pferde hinzugeben und deren Gesellschaft zu suchen, konnte sie sich dort fallen lassen. Zudem Pferde lediglich spiegelten, nicht aber bewusst zu täuschen versuchten. Eine Eigenschaft, die der Studentin ausnehmend gut gefiel und welche sie an vielen Menschen teilweise misste und vergeblich suchte.
Finnian hingegen war diesen edlen Geschöpfen recht ähnlich. Ebenso wie die Pferde mochte er feste Abläufe und klare Strukturen, wollte sich ungern aus einer Komfortzone heraus bewegen, wenn es nicht zwingend notwendig war oder die Situation erforderte. In gewissem Maße verstand die Dunkelhaarige ihn, wenngleich sie am eigenen Leibe hatte feststellen können, dass hin und wieder etwas Neues, etwas Gewagtes, nicht schlecht sein musste. Es kam darauf an, ob sich der Einsatz lohnte. Isabel schmunzelte letztlich, als er beinahe ebenso betreten schaute wie sie sich gefühlt hatte, während ihr eigenes Versäumnis sie hatte rot werden lassen. Seine Hilflosigkeit in dieser Situation war beinahe schon wieder komisch, sodass die junge Frau an sich halten musste um ihn nicht lachend zu umarmen und zu erklären, dass alles in Ordnung war. Er hatte sie nur mal wieder überrascht, das schien allmählich zur Gewohnheit zu werden. Ein interessanter Gedanke, wie die Studentin fand und ließ ihn schweigend ausklingen.

Schließlich erzählte er noch weiter von seiner Familie. Jene Situation, wie er sie soeben beschrieb, kam ihr entfernt vertraut vor, auch in ihrer Familie war sie die Einzige gewesen, die sich zu diesen riesigen Tieren hingezogen fühlte. „Ähnlich wie bei mir.“, warf sie ein, dann lauschte sie seinen Ausführungen aufmerksam und mit wachsendem Interesse. Je weiter er berichtete und je länger seine ruhige Stimme über sie hinweg schwappte, desto intensiver schien der Einblick in den ruhigen Neuseeländer zu sein.
Isabel blinzelte, versuchte sich einen Finnian McAllen vorzustellen, von dem eine gewisse Steifheit abgefallen war und Raum geschaffen hatte für eine vollkommen neue Version seiner Selbst. Womöglich war er selbstpräsenter als zuvor, nahm den Raum mit seinen Anekdoten ein, während sein alkoholvernebeltes Hirn sich immer neue Geschichten einfallen ließ. Oder aber er ergoss sich in unverständlichen, wissenschaftlichen Abhandlungen über verschiedene Theorien, die er erörtern und analysieren wollte, ohne einen dafür geeigneten Partner zu finden. Irritierenderweise vermochte Isabel sich den betrunkenen Finnian kaum vorzustellen, was womöglich auch daran lag, was er kurz zuvor erzählt hatte. Gewichtig wiegte sie ihren Kopf einmal, ehe sie ihm in die blauen Augen blickte und schließlich reagierte, indem sie sagte: „Das ist eine gute Einstellung, Finnian. Die Wenigsten wären dazu in der Lage, sich ihrer Passion so zu verschreiben wie du es getan hast und tust.“ Sie lächelte, berührte ihn unbewusst kurz am Abend, ehe sie fortfuhr. „Das ist beeindruckend. Ganz abgesehen davon, dass du zum 18. Geburtstag ein Pferd geschenkt bekommen hast.“ Sie lachte kurz auf, warf die langen Haare über die Schulter und gluckste. „Ich habe zu meinem 18. Geburtstag ein Tagesticket für den Bus geschenkt bekommen und die vermutlich seltsamste Schnitzeljagd der ganzen Zeit erlebt.“ Versonnen lächelte sie. Es mochte ein ungewöhnlicher Geburtstag gewesen sein, aber er hatte sich gelohnt.
Das Lächeln, welches seinen Worten folgte, war mühsam und wenig enthusiastisch, sodass Isabel achtsam auf das zweite Thema einging, das erste vorerst ruhen lassend. Einige Dinge mussten langsam aufgearbeitet werden und sie war noch nicht in der Position ihm diese Möglichkeit zu bieten. Noch nicht.
„Vielseitigkeit.“, wiederholte sie leise, versuchte sich Finnian auf einem drahtigen Allrounder vorzustellen, der jeden Sprung geschickt fing und jede Strecke elegant überwandt. Sie hatte bereits einige Verletzungen aus diesem Sport gesehen, wobei es lediglich ein Querschnitt aller Reitunfälle gewesen war. Von lediglich kleinen Kratzern und weniger spektakulären Fällen bis hin zu übelsten Knochenbrüchen und offenen, tiefen Fleischwunden war alles vertreten gewesen. Jeden von ihnen hatte Isabel beigestanden und für folgende Unfälle gelernt, doch es hatte ihr ebenso die Augen ein wenig weiter geöffnet in Hinblick auf die Gefährlichkeit ihres Sportes. Ein Lebewesen mit teilweise über 600 Kilogramm Lebendgewicht, lediglich gebändigt von nicht einmal einem Zehntel seines eigenen Gewichtes. Es war schon eine beeindruckende Leistung und jedes Mal überkam Isabel erneut eine Woge der Erfurcht für dieses Hobby, was auf der HMS so viele verschiedene Charaktere zusammenbrachte.
„Er scheint ein mutiges Herz zu haben, dein Fakir, das hilft in der Vielseitigkeit bestimmt enorm. Und den Rest kriegt ihr auch noch hin.“ Sie zwinkerte ihm verschmitzt lächelnd entgegen, ehe sie leise seufzte und schließlich hinzufügte: „Für die Vielseitigkeit ist Highness leider absolut ungeeignet. Überschäumendes Temperament. Aber es dürfte interessant werden, sollte er einmal die Begeisterung dafür entdecken.“
Sie zog die Stirn kraus, während sie darüber nachdachte. Highness lebte für die Rennbahn, daran war nicht zu rütteln. Doch ein kleiner Abstecher in die Vielseitigkeit wäre ebenso interessant wie lehrreich für Beide. Silver Ruler hingegen würde das Spiel schnell durchschauen, ob er das Interesse daran behielt war eine andere Sache. „Aber auf der Rennbahn würde Fakir vermutlich auch eine gute Figur abgeben, oder nicht?“ Sie kannte das Schulpferd des Neuseeländers nicht gut, doch allein der Name ließ sie bereits darauf schließen, dass der zumindest arabisches Blut in sich trug. Sie neigte das Haupt, verzog ihre vollen Lippen kurz. „Aber da würde Highness euch nichts schenken. Er will um jeden Preis gewinnen.“ Um jeden. Sei es mit Reiter oder ohne. Der Braune war explosiv und nicht selten schwierig zu händeln, doch Isabel liebte die Herausforderung mit ihm jeden Tag auf ein neues.  


[Finnian]
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Finnian McAllen
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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Do 27 Jul 2017 - 17:32

In Finnians Familie war es immer normal zugegangen. Es hatte keine Aufsehen erregenden Merkwürdigkeiten gegeben und auch keine allzu skurrilen Elterngeschichten. Seine Eltern waren überhaupt das, was man ein gutbürgerliches, junges Ehepaar nannte. Wobei sie inzwischen gar nicht mehr so jung waren, aber damals waren sie es gewesen. Und sie waren enorm verliebt gewesen - ihre beiden Söhne zeugten von dieser Liebe. Auch diese hatten sie abgöttisch geliebt, so wie sich selbst, aber ohne sie dabei zu verziehen. Finnian und Phillip hatten gelernt, dass es Grenzen gab, die man besser nicht überschritt und dass man auch mal den Mund hielt, wenn der Vater die Stimme erhob. Sie waren stets umgänglich gewesen; keine Rabauken, die un Ungnade fielen. Bis sie in die Pubertät kamen, denn ab da änderten sich die Charaktere der beiden Brüder so sehr, wie es kaum jemand für möglich gehalten hatte. Während Phillip das wurde, was man einen Teenager nannte, der versuchte sämtliche Regeln zu brechen, ereiferte sich Finnian in seiner Leidenschaft für die Naturwissenschaften. Eine Eigenart, die sein großer Bruder gerne dafür verwandt hatte, um den Jüngeren aufzuziehen und zu hänseln. Aus der ursprünglichen, geschwisterlichen Liebe war ein unterkühltes Verhältnis geworden, das sich bis zuletzt nicht mehr so recht erwärmen wollte. Sie waren noch immer Brüder, aber ihnen fehlte der direkte Zugang zueinander, den sie früher gepflegt hatten. Finnian nahm es dem Älteren noch immer übel, dass dieser sich vollkommen von der Wissenschaft abgewandt hatte, wenngleich er auch jetzt begonnen hatte, sie in einem Studium wieder aufzunehmen. Für Finnian war dies Vergangenheit. Phillip liebte das Wissen nicht wirklich. Er studierte es, wie so viele andere, nur um einen guten Job zu bekommen. Nicht, weil er wirkliche Empathie dafür hegte. So meinte er jedenfalls. Und dies ernüchterte ihn, sodass er ungern über seine Familie sprach, doch Isabel hatte es irgendwie zustande gebracht, dass er es doch tat. Aus freien Stücken. Dabei bemühte er sich jedoch, seinen großen Bruder nicht zu erwähnen. Womöglich wollte sie dann auch noch mehr über ihn erfahren und wandte sich von ihm ab. Es war ja nicht selten so gewesen, wenn Phillip auf der Bildfläche erschienen war und dabei war Finnian doch eigentlich kein hässlicher oder abstoßender, junger Mann.
Auch die Familie der Dunkelhaarigen hatte offenbar nicht viel mit Pferden am Hut, was den Blonden versöhnlich Lächeln ließ. Nur ein klein wenig. Sie sollte sich nicht daran gewöhnen. Aber es gab ihm merkwürdigerweise ein positives Gefühl, dass sie zumindest etwas gemein zu haben schienen. Abgesehen von ihrer Liebe zu den Pferden. Dass Finnian ein solches zum Geburtstag bekommen hatte, überraschte Isabel wohl sehr und wie sie erläuterte, war ihr Geschenk eher beschaulich ausgefallen. "Wenn Eltern versuchen ihr Kind zu 'retten' ist ihnen jedes Mittel und Geld der Welt recht. Aber ja, sie hätten kein solches Prestigepferd kaufen müssen. Doch so sind sie eben: Sie haben schon immer auf Qualität statt Quantität geachtet." Finnian hatte nie viele Klamotten besessen, ebenso wenig sein Bruder. Dafür waren die Sachen, die sie besaßen, stets von guter Qualität und äußerst robust gewesen. Manche Jacken hatten sie jahrelang getragen, ohne sie auch nur einmal auszuwechseln. Sie wurden jeden Tag getragen, egal ob Regen oder Hagel. Und sie waren nicht kaputt gegangen. Es war ein großes Manko der Konsumgesellschaft, dass sie sich immer mehr der Quantität verschrieben, anstatt auf deren Auswirkungen zu achten. Finnian für seinen Teil hatte noch nie einen H&M von Innen gesehen. Er wollte solche Billigproduktionen auch gar nicht unterstützen. Hatten irgendwo nicht alle Menschen eine Verantwortung für ihr Handeln und Konsumieren?
"Geld ist nichtig, was den Wert anbelangt. Es ist nur ein Mittel zum Zweck, aber - der wahre Wert eines Geschnkes wird nicht durch Geld bestimmt. Ich sehe es nicht so, dass ich ein mehrere zehntausend Dollar teures Pferd bekommen habe, sondern einen besten Freund, der mir durch Höhen und Tiefen hilft. Und du hast vermutlich nicht einfach nur ein Busticket bekommen, sondern ein Erlebnis, eine Erinnerung, die du nie wieder vergessen wirst. Es sind doch genau diese Momente, die wir nicht missen möchten. Der Augenblick, wenn man eine schier unlösbare Gleichung doch löst. Die Millisekunde, die wir über ein noch höheres Hindernis fliegen. Die vermeintliche Unendlichkeit, wenn wir einen Ausritt machen. Nichts davon könnte ich mir für Geld kaufen. Also ist Geld bedeutungslos." Vielleicht wäre aus ihm auch ein guter Philosoph geworden, aber so weit wollte er eigentlich nicht gehen. Stattdessen verstummte er lieber schnell, bevor er sich noch zu sehr in gedanklichen Ausschweifungen verlor. Wer wusste schon, was Isabel dann noch von ihm denken mochte...
Immerhin lenkte sie das Thema rasch wieder auf Fakir. Ihr lächelndes Gesicht verriet, dass der Fuchs ihr aus der Erzählung heraus zu gefallen schien. Wirklich verübeln konnte Finnian ihr das nicht, schließlich war Fakir schon eine kleine Besonderheit. Auch wenn das jeder von dem ihn anvertrauten Pferden behauptete. Als sie schließlich über eines ihrer Pferde erzählte, hörte der Neuseeländer aufmerksam zu. Highness hieß also der andere, während sie den ersten Ruler genannt hatte. Offenbar handelte es sich zumindest bei Highness um einen Rennsportler, so wie sie erläuterte. Ein sanftes Grinsen, das kaum merklich war, schlich sich auf Finnians Züge. Isabel ging förmlich darin aus, als sie von ihrem Pferd erzählte und es gefiel ihm irrtierenderweise, wenn sie so gelöst aussah. Er bekam beinahe das Gefühl, als würde auch sie sich in diesem Gespräch immer wohler fühlen und tatsächlich immer mehr von ihrem Gegenüber erfahren wollen. War das wirklich di Richtung, in die er das Gespräch hatte bringen wollen? Andererseits, sollte er natürlich ein paar Kontakte schließen, allzu verkehrt konnte es also nicht sein. Und Isabel war nun wirklich nett und aufgeschlossen, sodass er sie ungern von sich weisen würde. Sie erschien ihm schon jetzt als jemand, den er vielleicht auch mal auf einen Exkurs mit in die Wissenschaft nehmen konnte. Camille und Patrick waren daran schließlich nicht sonderlich interessiert. Aber Isabel drückte sich schon wohlbedacht aus und wirkte wie jemand, der kein Wissen als ein schlechtes ansah. "Temperament ist nicht zwingend schlecht in der Vielseitigkeit. Wenn Highness seine aktive Rennzeit einmal hinter sich hat, kannst du ihn ja ein wenig umschulen. Viele Pferde finden gefallen an Geländeprüfungen und man muss es ja auch nicht auf Turnierniveau betreiben. Zudem gehört zur Vielseitigkeit ja immer auch noch die Dressur und das Springen - eigentlich ist es die ideale Disziplin, um ein Pferd geistig und körperlich gleichermaßen zu fördern." Auch wenn er seinen Sport liebte, ging er nicht mit allen Regeln und Gepflogenheiten konform. Die Dressur wurde oftmals zu eng und abgehakt geritten, das Springen teilweise zu hoch angelegt und im Gelände pferdeunwürdige Hindernisse eingebaut. Dennoch bewunderte Finnian diejenigen, die das alles mit Bravour meisterten. An einer Reiterin wie Ingrid Klimke kam da kein Vielseieitgkeitsfanatiker vorbei. Doch auch der Rennsport hatte immer sein Interesse geweckt, zumal er auch in Neuseeland relativ gut vertreten war. Die Briten hatten eben doch ihre Einflüsse hinterlassen. "Araber sind zwar mehr Ausdauerläufer als Sprinter, aber ich denke Spaß hätte er auf jeden Fall daran. Soll das also nun eine Herausforderung sein?" Er wusste, dass er gegen ein Englisches Vollblut keine Chance mit dem kleinen Fuchswallach haben würde, aber ging es nicht dennoch um den Spaß an der Sache? Fakir würde es wohl genießen, wenn er einmal richtig Gas geben konnte, ohne auf seinen Untergrund achten zu müssen. Und soweit Finnian wusste, besaßen die HMS doch sogar eine Rennstrecke - auf die hatte er sich bisher nur alleine nicht getraut, aber ganz vielleicht würde Isabel ja tatsächlich ernst aus ihrer Anspielung machen. Abgeneigt wäre er da in keinem Fall.

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Lawrence McKinley
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ALTER : Die Zeit ist das Kostbarste, was wir haben, deswegen achte ich auch nach 52 Jahren noch sehr genau auf sie.
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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Do 27 Jul 2017 - 17:52

Die Situation war eigentlich aussichtslos erschienen. Kein Heim wollte ein Kind auf einen Pferdehof mit zwei voll berufstätigen Hofleitern vermitteln und das, obwohl sie mehrmals versichert hatten, dass sie mit der Arbeit abwechselnd kürzer treten würden. Am Ende hatte es nichts genützt. Es war deprimierend gewesen, der Gang von Heim zu Heim, von Stelle zu Stelle und erst Hoffnung und dann Enttäuschung zu ernten, wenn der Absagebrief kam. Wie viele Kinder hatten sie schon in ihr Herz geschlossen, obwohl sie sie nur wenige Minuten gesehen hatten? Lewis verschenkte sein Herz eigentlich nicht sehr schnell, aber diesen Kindern hätte er so gerne ein neues Zuhause und eine Chance gegeben. Aber es hatte nicht sein sollen.
Dagegen war ein derartiges Unglück, wie es nun Samuel widerfahren war, auch nichts, was man jemandem wünschte. Jedes Kind hatte eine Mutter, insbesondere eine liebevolle Mutter verdient, und ausgerechnet er hatte diese nun entbehren müssen. Obwohl er mitnichten etwas dafür konnte, oder irgendwie dazu beigetragen hatte. Lawrence mochte sich kaum vorstellen, was für eine Zeit der 7-Jährige aktuell durchlebte. Es musste unfassbar schrecklich für ihn sein. Selbst Lewis empfand schon Trauer über den plötzlichen Tod der Mutter, aber er hatte keineswegs die Nähe zu ihr gehabt, wie wohl ihr Sohn. Wie grausam konnte diese Welt nur sein. Solcherlei Vorfälle mussten doch jeden Fanatiker zum Atheisten werden lassen.
Der Dunkelhaarige spürte, wie sich der Griff von Rebecca um seinen Arm verfestigte, doch er noch völlig außer Stande sich auch nur irgendwie zu bewegen. Seine braunen Augen klebten förmlich auf dem Schreiben, sogen jedes Wort mehrmals in sich auf und begriffen meist doch nur die Hälfte. Er hatte keine Ahnung, wie oft er den Text nun schon gelesen hatte, aber inzwischen hatte er begriffen, was man ihn fragen wollte; was Becca ihn fragte. Nur langsam kam er wieder zu sich und wusste noch immer nicht, wo Oben und Unten war. Eine Weile blickte der Hofleiter einfach nur gerade aus. Auf den gegenüberliegenden Grillstand mit den zwei Cowboys, die dort Herumplänkelten. Dieser Hof war ein Ausbildungsstall und kein Kinderspielplatz. Wie oft hatte er sich diesen Satz von den Heimleitern anhören müssen. Und genau deswegen hatte Rebecca recht. Sie konnten Samuel unmöglich einfach so einem Heim überlassen. Sie schienen seine letzte Chance zu sein und ein Heim war wohl das letzte, was eine Mutter ihrem Kind wünschte.
Lawrence atmete hörbar durch. Erst dann fand er die Kraft, sich zu Becca zu drehen; sie anzusehen. "Ja, die Chance müssen wir ihm geben. Ein Heim wäre sicherlich das letzte, was seine Mutter für ihn gewolt hätte. Vielleicht begeistert er sich ja für den Hof..." Natürlich hatte sich Lewis sehnlichst ein Kind mit Becca gewünscht, aber nicht auf diesen Wegen. Samuel gehörte nur zu seiner Mutter und es würde wohl lange dauern, bis er irgendjemand anderen als seine Familie akzeptieren würde. Wie schwierig würde es wohl werden, den traumatisierten Jungen hier aufzunehmen und in die Hofgemeinschaft zu integrieren? Sie kannten ihn ja kaum, wussten nicht, wie er war und welche charakterlichen Entwicklungen er inzwischen durchlaufen hatte. Was waren schon die wenigen Treffen, an denen sie sich gesehen hatten, gegen ein ganz neues Leben? Die Hoffnung blieb jedoch, dass Samuel einwilligen würde und letztendlich auf dem Hof bleiben wollte. Was blieb ihm denn auch groß? Der Junge konnte wohl jedem nur leid tun, der von seinem Schicksal hörte.
"Lass es uns wagen. Es ist vermutlich die einzige und letzte Chance, die wir drei bekommen werden!"

{Rebecca}
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Terésa Rodriguez
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ALTER : Inzwischen ist sie schon 20 JAHRE alt - bald darf sie sogar legal trinken, dann ist sie wahrlich erwachsen.
HERKUNFT : Geboren noch in Spanien, ist Terésa allerdings in TEXAS aufgewachsen, was sie zu einem wahren Cowgirl macht.
AUSBILDUNG : Nach Jahren des Westernreitens hat sie dann doch die DRESSUR für sich entdeckt, und will nun irgendwann Profi werden.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Fr 28 Jul 2017 - 11:29

Terésa hatte von Anfang an entschieden, dass sie nicht auf die Heaven Meadows gegangen war, um Freundschaften zu schließen. Sie war hier, weil sie Dressurreiterin werden wollte, und sie keinen anderen Stall gefunden hatte, der sie als Cowgirl akzeptierte und ihr erlaubte, auch Smartie mitzubringen. Klar, es war ärgerlich, dass Pearl so aufgekratzt und schwierig war, dass Terry die Stute nicht mit ins Gelände nehmen konnte, oder dass sie wegen ihres Westernpferds auf ein Pflegepferd verzichten musste. Aber sie würde ihren Wallach bestimmt nicht heim lassen, nur weil er nicht für die höhere Dressur geeignet war. Stattdessen benutzte sie ihn für die Freizeit, und um ein Pferd zu haben, dass Pearl Ruhe beibrachte und ihr als Beispiel für Entspannung diente. Dafür war sie hier – nicht, um mit allen Menschen auf dem Hof gut klar zu kommen. Klar eckte sie an: sie rauchte, sie war frech, sie mistete ihre Pferde selbst, obwohl es dafür Angestellte gab. Aber das war ihr egal; sie war immer schon eine Einzelkämpferin geworden.
Deswegen überraschte es sie auch nicht, dass sie quasi nichts über Nancy wusste, mit der sie sich nun unterhielt. Dass sie ihren Namen wusste, war auch eigentlich schon alles – was sie für eine Ausbildung machte, wusste sie nur, weil sie beide den gleichen Lehrer hatten. Gab auch echt Sachen, die Terésa mehr interessierten als die Berufe der anderen Menschen auf dem Hof. Dennoch hatte sie nichts gegen ein wenig Gesellschaft, und sie war auch nicht so eingebildet und gleichgültig, dass sie keine Rücksicht auf andere nahm. Zum Glück saß sie so, dass der Rauch nicht über Nancy schwebte, sondern in die andere Richtung von den beiden Mädchen weg geweht wurde. So konnte sie zumindest in Frieden ihre Zigarette genießen. Sie saß also da und rauchte und lauschte Nancy, während sie über die Wiese blickte, auf der sich hier und da Paare und Grüppchen unterhielten. Sie empfand es nicht als unhöflich, im Gespräch auch mal nicht den Gesprächspartner anzuschauen, solange man es bei den wichtigen Dingen tat.

Über Nancys Worte musste sie lachen. “Die Schotten sind immer etwas grober als der Rest, was?“ Sie stellte sich das zierliche Mädchen, das ihr gegenübersaß, beim Baumstammwerfen vor, und musste noch etwas mehr kichern – auf Nancy traf das Grobe jedenfalls nicht zu. “Meine Eltern haben eine Farm in Texas.“, beantwortete sie dann schließlich die Frage, die Nancy ihr gestellt hatte. “Aber geboren bin ich in Spanien, da kommt meine gesamte Familie her.“ Manchmal fühlte sie sich in Spanien mehr zu Hause als in Texas, und auch jetzt freute sie sich mehr, im Sommer für zwei Wochen nach Spanien zu kommen, als darüber, auch vier Wochen in Texas zu sein. Nicht, dass sie Texas nicht mehr wunderbar fand. Aber ohne ihre Brüder da, die ja nun schon erwachsen und damit fast alle von Zuhause ausgezogen waren, war die Ranch nicht mehr das Gleiche wie früher.
“Hast du heute bei irgendwas mitgemacht, oder machst du noch bei was mit?“
{ Gedanken # Gespräch }
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Mai-Lin Cheng
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ALTER : 23 Jahre jung
HERKUNFT : Auch wenn man es mir nicht direkt ansieht, so bin ich doch Amerikanerin, geboren in der Stadt der Stars und Sternchen, L.A..
AUSBILDUNG : In eineinhalb Jahren werde ich professionelle Vielseitigkeitsreiterin sein.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   So 30 Jul 2017 - 14:33

Mail-Lin war nie der Typ für wilde, sexuelle Abenteuer gewesen. Sie hatte nichts gegen One-Night-Stands, wenn sie die Lust packte, und auch Affären, um auszutesten, ob ein Partner überhaupt geeignet war, ehe man sich zu einer Beziehung entschloss oder ihn fallen ließ, waren für die Schwarzhaarige kein Neuland. Aber sie mochte es tendenziell lieber klassisch, verführte zwar gern, aber sie hätte niemals damit gerechnet, dass Damian auf ihre Neckerei so eingehen würde.
Mindestens genauso sehr überraschte es sie, wie sie darauf reagierte. Dieses winzige Wort jagte ihr einen Schauer über den ganzen Körper und automatisch legte sich ein Lächeln auf ihre Lippen. Halb erwartungsvoll, halb verschmitzt. Sie war eine Frau – sie genoss es, wenn sie diese Wirkung auf einen Mann hatte. Trotz aller Überraschung und allen Zweifels zuvor. Es war, als habe dieser Kuss und Damians ehrliche Freunde über den Anruf bei ihren Eltern all das beiseite gefegt. Sie spürte, dass endlich wieder Platz für Zweisamkeit war. Für Leidenschaft und Liebe. Dass ihre Beziehung nun wachsen konnte. Und für jemanden wie Maili war das fast so aphrodisierend wie die Berührung einer liebevollen Hand.
„Zu mir“, antwortete sie schließlich und prickelnde Vorfreude ergriff sie. Damians Hand in ihrer erinnerte sie an ihre ersten Dates als Teenagerin. Damals und heute reichte so wenig Körperkontakt schon, um sie aus dem Gleichgewicht zu bringen. Um sie an all die Nächte mit dem Pferdetrainer denken zu lassen. Ihr wurde zu warm in ihrem Pullover und sie hätte Damian nicht so gut kennen müssen, um zu wissen, dass es ihm ähnlich ging. Spätestens beim Stall wusste sie es genau.
Der Putz hinter ihr fühlte sich rau an, Damians Körper an ihrem warm, vertraut und erregend. Maili lehnte sich in den Kuss, schlang ihm die Arme um den Hals, um besser mit den feinen Härchen in seinem Nacken spielen zu können.
„Ich liebe dich auch“, flüsterte sie zurück und ihr Herz stolperte, als sie ihn erneut zu sich zog, ihn Küsste und seinen Körper an ihren zog. Fast augenblicklich wurde ihr Kuss leidenschaftlicher, ihre Hände fanden den Weg unter Damians Oberteil. Sie wollte ihn. Sie wollte nicht warten, bis sie den Schlüssel aus ihrer Handtasche gezogen hatte, um das Cottage und ihr Zimmer aufzusperren. Bis sie überhaupt am Cottage waren. Sie hatte heute so viel getan, was sie sich lange nicht hatte vorstellen können. Warum also nicht noch etwas mehr? „Ich will dich. Jetzt.“


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Isabel Preston
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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   So 30 Jul 2017 - 22:00

Einst hatte es eine Zeit gegeben, in welcher Isabel als eine der Letzten im Stall verblieben war und sich dort um ihre vierbeinigen Kameraden gekümmert hatte. Bald schon hatten etliche Besitzer das Engagement der jungen Schülerin bemerkt und diese für ein wenig Kleingeld kleinere Aufgaben anvertraut. Bald schon war daraus ein kleines, florierendes Geschäft geworden, welches Isabel durchaus ein wenig finanziell entlastete. Das Hobby ihrer ältesten Tochter war für Madame Favriere schon immer ein zweischneidiges Schwert gewesen, sodass Isabels Mutter über diese minimale Entlastung bereits froh gewesen war. Ebenso die Schwarzhaarige, welche die Vorzüge entdeckte, die es haben konnte, auf den eigenen Beinen zu stehen. Unabhängig, wenngleich dies zu dieser Zeit mehr eine Wunschvorstellung gewesen war.
Doch jene Zeit hatte die junge Studentin auch an die Grenzen ihrer sozialen Kompetenzen geführt, was den größten Nachteil dargestellt hatte. Es hatte ohnehin schon wenige Menschen gegeben, die ihre Zeit mit Isabel verbringen wollten und je knapper ihre Zeit geworden war, desto kleiner war jener Kreis geworden. Doch jener Kreislauf mündete letzten Endes in einem Teufelskreis, verbrachte die junge Reiterin vermehrt Zeit im Stall und besaß erneut zunehmend weniger Zeit für andere Aktivitäten.
Irgendwann jedoch hatte Isabel erkannt, worauf es ihr persönlich ankam. Sie wollte Zeit bei den Pferden verbringen, sei es mit oder ohne menschliche Freundschaften. Doch ebenso wollte sie zumindest einige wenige, wertvolle Freunde besitzen. Menschen, mit denen sie zumindest einige wenige Worte wechseln könnte. Zudem die Abende in den Ställen besonders zum Winter recht einsam geworden waren.
Doch nun, fernab der in Québec gewonnenen Freunde und ihrer Familie, spürte sie die Erleichterung deutlicher denn je, umso eindeutiger es ihr schien, zumindest eine nette Bekanntschaft getroffen zu haben. Finnian war ihr sympathisch und schien ähnliche Wertvorstellungen wie sie zu haben. Ein beinahe schon verschmitzt zu nennendes Lächeln zierte seine Züge und sie erwiderte diese Geste. Ihre Familie war gewiss nicht mustergültig gewesen, zudem ihr Hobby bis in finanzieller Hinsicht nie unterstützt wurde. Doch es hatte Isabel die ganze Welt bedeutete, war diese Unterstützung doch so viel mehr gewesen als lediglich der ‚Geldhahn‘. Mochte ihre Mutter auch nur ein einziges Mal mit zu ihren Pferden gekommen sein, sie hatte Isabel nie versucht dieses teure Hobby auszureden. Zumindest nicht ernsthaft, denn die Studentin kannte den Ehrgeiz ihrer Mutter, war er doch ihrem sehr ähnlich. Ein feines, wehmütiges Lächeln verzog ihre Lippen, ehe sie leise seufzte.
Die Worte Finnians jedoch ließen sie aufhorchen. Retten? Anscheinend hatten seine Eltern eine gänzlich andere Sichtweise auf die gegenwärtige Situation gehabt als ihr Sohn. Nachdenklich blickte sie ihm in die hellen Augen, in denen sich das Abendlicht sanft spiegelte.
„Nun, Qualität ist tatsächlich kein schlechter Indikator, wobei natürlich die Intention dahinter auch eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Aber …“, ihre Worte wurden behutsamer, ihre Miene vorsichtig, wusste sie nicht, wie empfindlich der Blonde auf ihre Worte reagieren würde, „wovor wollten sie dich denn genau retten? Du wirkst mir nicht wie derjenige, der ständig in Schwierigkeiten geraten ist.“ Nein, das konnte sich Isabel bei Gott tatsächlich nicht vorstellen.

Letztlich sprach er an, dass Geld nicht bedeutsam war und in gewisser Weise mochte er Recht haben. Doch konnte Isabel sich auch nicht dem verschließen, dass es das Geld war, welches viele Türen erst öffnete. Es war bedeutend einfacher für jene Mädchen gewesen, deren Eltern wohlhabend und gut angesehen waren als für Menschen wie Isabel und deren Geschwister. Man hatte sie gelegentlich wie Gossendreck behandelt und das womöglich nicht einmal zu Unrecht. Doch die Dunkelhaarige wusste um den Wert ihrer eigenen Familie – und ihres eigenen Wertes für diese. Sie lächelte, als Finnian ihr Busticket ansprach, ein sehnsuchtsvoller Glanz verdunkelte ihre Augen.
„Das stimmt. Es war wie eine Schnitzeljagd aufgebaut. Erst durch unser Viertel, Nachbarn und Freunde waren eingeweiht. Später verließen wir tatsächlich die Stadt, fuhren weit, weit fort.“ Sie lächelte versonnen, vollkommen in Gedanken versunken. Obgleich sie nicht mit Freunden hatte feiern können – es wären ohnehin nur eine Handvoll gewesen – hatte sie diesen Tag doch mehr genossen als sonst etwas. Am Ende hatte sie mit ihrer Mutter lachend Eis gegessen, sich über die gehetzt wirkenden Touristen amüsiert und allgemein einen absolut entspannten Tag mit ihrer Familie verbracht. Das Highlight jedoch war eine Pferdeshow gewesen, in welcher sie ihre spätere Berufung gefunden hatte. Dieser Geburtstag hatte ihren Wunsch bestärkt eines Tages ihr Hobby zum Beruf machen zu können und somit war Isabel auf die HMS gekommen.
Ähnlich schien es auch dem Neuseeländer zu gehen, der ähnlich in seinen Erinnerungen aufzugehen schien, wenngleich seine Miene ein wenig angespannt wirkte. Wie es schien dachte er auch teilweise an die Schattenseiten jeder Situation und Isabel musste dem schweigend zupflichten. Es gab lediglich Freude, wenn es ebenso Leid auf der anderen Seite gab. Ein ewiger Kreislauf. „Ich verstehe deinen Standpunkt. Finnick ist ein Freund und Partner, ganz gleich, welche Abstammung er hat und wie viel er gekostet hat.“ Sie schnaubte belustigt, wenngleich es sie ebenso verstörte zu hören, dass sein Pferd mehrere zehntausend Dollar gekostet haben mochte. Highness hatte nicht einmal zehntausend Dollar eingelaufen in den wenigen Rennen, die er bestritten hatte, geschweige denn, dass er für so viel verkauft worden wäre. Der Tekkinerhengst – inzwischen Wallach, doch störte ihn das wenig in seinem Verhalten – war weder das ‚handelsübliche Rennpferd‘, noch würden seine Samen sonderlich viel einbringen, waren seine Erfolge ebenso rar gesät wie seine wohlerzogenen Tage. Doch für Isabel bedeutete dieser verrückte Querkopf und dessen absolutes Gegenteil, Ruler, die ganze Welt. In diesem Punkt konnte die Studentin ihr Gegenüber also sehr gut verstehen.
Es tat ihr gut wie aufmerksam Finnian ihren Ausführungen zu ihren Pferden lauschten und auf seinen Vorschlag hin Highness irgendwann einmal umzuschulen lachte sie verblüfft auf. Der Gedanke war ihr nie wirklich gekommen, weil sie nie wirklich glaubte, dass der Braune irgendwann einmal nicht mehr laufen würde. Aber der Gedanke war es wert weiter gesponnen zu werden.
„Wenngleich die Dressur dann nie sein Steckenpferd sein wird.“ Sie grinste, tippte sich nachdenklich gegen die Unterlippe und grinste verwegen, ehe sie betont enttäuscht ergänzte: „Ruler wäre dort brillant – nur leider fällt es wohl auf, wenn ich mitten in der Prüfung auf einem grauen statt auf einem braunen Pferd einreite.“ Allein die Vorstellung wäre es wert gewesen, es einmal auszuprobieren, aber soweit würde es auch nie kommen.

Während sich Isabel bereits wildes Rodeo während der Dressurprüfung reiten sah, erklang abermals die ruhige Stimme Finnians und ein erstaunter Ausdruck trat auf ihre ebenmäßigen Züge. Eine Herausforderung? Im Grunde hatte die junge Studentin dahingehend keinerlei Ambitionen gehabt, doch die Frage des Blonden kitzelte ihren Ehrgeiz wach. Kampfeswille blitzte in ihren hellen Augen auf, als sie einen Schritt an ihn heran trat und breit griente.
„Ich würde es darauf ankommen lassen, ja.“ Sie nickte, noch immer grinsend, während sie sich eine dunkle Haarsträhne hinter das Ohr strich, welche sich aus ihrem Zopf gelöst hatte. Nachdenklich spielte sie nun mit dieser herum, während sie den Blick bereits in die Ferne gerichtet hatte, die Stirn leicht gerunzelt. „Es sollte natürlich ein faires Rennen werden, nicht, dass sich noch jemand benachteiligt fühlt.“ Hin und wieder mimte nämlich auch einmal His Highness die Diva ohne Gnade, weshalb er auf der Sanddistanz irgendwie stets mehr Ehrgeiz an den Tag legte als auf einem Grasgeläuf. Das galt es zu berücksichtigen. Zudem Fakir und Highness beides eher Wüstenpferde waren und somit unschwer zu gleichen Bedingungen laufen könnten, wenngleich jeder sein Handicap mit sich trug. Isabel richtete ihren Blick wieder auf Finnian, ihre Miene klärte auf und sie spürte die Ernüchterung durch ihre Glieder fahren. Das war ein Rennen der Freude wegen, nicht etwa, weil es etwas zu gewinnen gab. Der Ehrgeiz stachelte Isabel stets an, doch er bremste sie andernorts wieder ein wenig aus. Sie räusperte sich leise und winkte schließlich wieder ab.
„Vergiss das. Gib uns Tag und Uhrzeit, wir sind da.“ Sie klang versöhnlich und hoffte, ihr kurzer Ausbruch hätte ihn nun nicht weiter verschreckt. Wenngleich der Gedanke sie reizte Highness einmal wieder ein bisschen Rennluft schnuppern zu lassen. In Finnian und Fakir hatten sie gewiss einen gewitzten Gegner, welcher das Rennen spannend zu machen wusste ohne, dass Isabel ihren Wallach würde großartig zügeln müssen.
Ihre hellen Augen blitzten begeistert. Dies war unvermeidlich einer der Vorteile an der HMS – die Menschen hier teilten dasselbe Hobby, dieselbe Leidenschaft. Pferde.


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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Di 8 Aug 2017 - 11:24

Wenn man nur vor die Tür trat, um sich kurz ein belegtes Brötchen vom Bäcker zu holen, dann war es nicht verwunderlich, dass man mehr und mehr vereinsamte. Dabei war Finnian doch eigentlich nie einsam gewesen, immerhin hatte er seine Bücher gehabt. Die er über alles liebte. Er hatte nicht viel gebraucht – er brauchte heute noch nicht viel. Er machte sich nichts aus Markenkleidung oder einem besonderen äußeren Erscheinungsbild. Er fuhr nicht auf schnelle, schicke Autos ab und hatte kein Händchen für hübsche Frauen. Man konnte nicht behaupten, dass er arrogant war, wenngleich er sich einige besserwisserische Kommentare zeitweise nicht verkneifen konnte. Manche Menschen schienen einfach zu beschränkt in ihrer Auffassung, als dass er sie noch länger im Dunkeln tappen lassen konnte. So gesehen, war Finnian genau das, was sich vermutlich jede Mutter für ihre Tochter wünschte. Aber nur augenscheinlich. Denn es gab Gründe, warum er als ‚Freak‘ bezeichnet wurde. Er liebte eben seine Bücher und keine Menschen. Abgesehen von seiner Familie, aber trotzdem war die Liebe ihm ein ungeheuerliches Mysterium, das er lieber mied, anstatt es darauf anzulegen.
Der helle Blick Isabels schwiff ein wenig ab und ließ dadurch erkennen, dass sie wohl selbst gerade eine kurze Reise in die Vergangenheit antrat. Der Neuseeländer wollte sie nicht aus dieser Illusion herausreißen und wartete deswegen ab, bis sie selbst noch einmal das Wort ergriff. Wie sie so versonnen vor sich hinblickte, fiel ihm ihr unglaublich heller Hautton erst wirklich auf. Da er selbst seine Zeit oft am Schreibtisch verbrachte, besaß er keine Surferbräune wie viele seiner Landsmänner, aber dennoch nahm seine Haut schnell die kalifornische Sonne auf und war jetzt – am Sommeranfang – schon angenehm hellbraun gefärbt. Seine blonden Haare hatten bereits einige hellere Strähnen bekommen und an seinem Handgelenk zeichnete sich ein heller Streifen ab, über dem sonst immer ein Armband aus kleinen, mattschwarzen Perlen lag. Doch an Isabel war so rein gar nichts vom nahenden Sommer zu erkennen, was Finnian nun doch ein wenig wunderte. Sie war keine Britin, soweit er das aus ihrer Stimme heraushören konnte. Die waren ja bekanntlich entweder weiß oder rot. Und eine Französin schien sie auch nicht unbedingt zu sein, sprach sie doch ein relativ einwandfreies Englisch, was man den Franzosen nicht unbedingt nachsagen konnte.
Erst als die Dunkelhaarige wieder zu sprechen begann, realisierte Finnian, wie er er sie angestarrt haben musste, und richtete den Blick peinlich berührt auf den Boden. Doch Isabel schien Gefallen daran zu finden, mehr über ihn zu erfahren, denn sie sprang augenblicklich auf das zuvor von ihm verwendete Wort ‚retten‘ an. Finnians Blick schnellte hoch und sah ihr unvermittelt in die Augen. So direkt musste er sie die ganze Zeit noch nicht angesehen haben. Ihre Augen waren ja ebenso blass wie ihre Haut! Nur ein seichter Grünton schimmerte darin. Erneut hielt er irritiert inne, ehe er seine Sprache wiederfand. „Keine Schwierigkeiten, nein. Aber – ihnen wäre es lieber gewesen, wenn ich mehr so wie andere gewesen wäre. Draußen, unterwegs, mit Freunden. Sie waren der Meinung, ein Pferd würde mich davon abbringen, die hohe Mathematik zu studieren und die Quantenphysik auseinanderzunehmen. Vielleicht hofften sie auch, dass das Pferd das Interesse einiger Mädchen an mir wecken würde. Von Mädchen haben sie desöfteren gesprochen.“ Seine Stimme war eher tonlos als er Isabel dies erzählte. Er brauchte sich nicht scheuen, ihr die Geschichte zu erzählen, aber es war ihm dennoch unangenehm. So wie dieses ganze Gespräch noch nicht in seine Komfortzone vorgedrungen war. Aber das hatte ein Gespräch noch nie geschafft. Er spürten den neugierig-musternden Blick auf seiner Haut. Die blassgrünen Augen, die jede seiner Bewegungen verfolgten. Isabel war eine aufmerksame Person, das hätte ihr in der Wissenschaft viele Vorteile eingebracht. Finnian kam nicht umhin zu bemerken, dass er die Dunkelhaarige begann zu mögen. Sie war so unvoreigenommen, erfrischend unkompliziert. Sie stellte nicht dauernd Fragen danach, warum er was, wie machte. Sie schien ihn wirklich kennenlernen zu wollen und erzählte zugleich etwas von sich. Es war beinahe so normal, dass es Finnian Angst machte, aber er würde jetzt keinen Rückzieher mehr wagen. Sie hatten sogar dieselben Ansichten, was die Partnerschaft mit dem Pferd anbelangte, was Finnian wieder ein kaum merkliches Lächeln zurückbrachte. Er hatte schon ganz andere Menschen hier kennengelernt, die sehr sportambitioniert waren und allen voran gewinnen wollten. Etwas, das er nicht so ganz nachvollziehen konnte. Ein Sieg war immer nur ein Erfolg, wenn man ihn auch gemeinschaftlich und in Einvernehmen errung.
Der Vorschlag, ihre Pferde in die Vielseitigkeit einzuführen, schien die Studentin zu überraschen, aber auch zu begeistern. „Kommt darauf an, wie ambitioniert du bist. Man muss ja nicht zwingend Turniere bestreiten. Andernfalls könntest du Silver aber auch einfach braun anstreichen.“ Die Indianer malten ihre Pferde von Zeit zu Zeit auch an, um sie von den Göttern weihen zu lassen, oder ein Fest zu feiern. Zumindest hatte er das einmal gehört. „Wenn du willst, kann ich dir dabei auch helfen.“ Aus welchem Grund auch immer, verspürte Finnian das Bedürfnis, Isabel zu Hilfe zu kommen, wenn sie welche benötigte. Sie war nett und vorurteilsfrei zu ihm gekommen, jetzt sollte er sich dafür vielleicht ein wenig revanchieren. Und Zeit mit ihr zu verbringen, erschien ihm aktuell nicht mehr, wie etwas Schlimmes.
„Wir können das Rennen ja auf der Hindernisbahn austragen, dann sollte es fair für uns beide sein.“ Der Blonde schien inzwischen richtig aufzuleben, so locker wie er sich mit Isabel unterhielt. Seine Hemmungen waren ein wenig abgelegt – auch wenn sie jederzeit wiederkehren konnten. Er wusste nicht, ob ihr Highness Springerfahrungen hatte, aber bei Fakir war er sich ziemlich sicher, dass dieser gefallen an einem solchen Parcour finden würde, der in der Innenbahn der Rennstrecke angelegt war. Bei den großen Hindernisrennen Englands sah man zwar nicht selten üble Stürze und Knochenbrüche, aber hier ging es schließlich um den Spaß, da musste niemand auf Zeit reiten und sie würden den Parcour vorab wohl schon das ein oder andere Mal springen. „Wie wäre es nächste Woche Donnerstag gegen 16 Uhr?“ Die kommenden zwei Wochen hatten die Azubis der HMS frei. Das bedeutete, keine Theorie und kein Unterricht. Nur die Pferden wollten versorgt werden, aber es würden einem keine Trainer im Nacken sitzen, die dies und jenes von einem verlangten. Bei dem Gedanken an die viele freie Zeit, war Finnian schon jetzt gelangweilt, aber vielleicht – so keimte ein Funken Hoffnung in ihm auf – würde er die ein oder andere Zeit mit Isabel verbringen können. Es gab sicherlich noch einiges, was er über sie erfahren konnte.
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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Sa 23 Sep 2017 - 12:14

Während Isabel versonnen vor sich hin gestarrt hatte und vollkommen in Gedanken versunken an jenen Tag zurück dachte, kehrte die altbekannte Wehmut in ihr Herz zurück. Zu dieser Zeit hatte sie stets gedacht, nichts würde sich jemals ändern und alles würde in geregelten Bahnen laufen, unbeirrbar und festgelegt. Dann jedoch hatten sich die Umstände drastisch geändert und die Familie hatte Quebec den Rücken kehren müssen. Isabel hatte sich entwurzelt gefühlt, einsam und allein gelassen, hatte ihre Mutter selbst stark zu kämpfen mit den Widrigkeiten.
Isabel tat einen langen, ruhigen Atemzug und als sie die Augen wieder öffnete, bemerkte sie den versonnene Blick des Neuseeländers, der auf ihr ruhte. Irritiert hob sie eine dunkle Augenbraue empor, als er jedoch keinerlei Anstalten machte, sich zu erklären, lächelte sie lediglich schlicht und beließ es dabei. Finnian war ein außergewöhnlicher Mensch, mit einem Verständnis für Mathematik und Wissenschaften, um welches die junge Studentin ihn durchaus beneidete. Doch ebenso machte diese hohe Intelligenz ihn einsam und bisweilen sogar kompliziert für seine Umwelt, sodass Isabel sich intuitiv fragte ob er mit weniger IQ Punkten auch prozentual mehr Freunde gehabt hätte. Schließlich hatte sie abermals das Wort ergriffen und mit einem leichten Schmunzeln beobachtet, wie Finnian betreten den Blick zu Boden senkte. Offenbar war ihm ebenfalls aufgefallen, dass er sie regelrecht gemustert hatte, doch sein blauer Blick schoss augenblicklich wieder empor, als sie nach dem Grund seiner Rettung fragte.

Das Blau seiner Augen war eine klare, helle Farbe, einzigartig und faszinierend. Die Iriden schienen zu pulsieren, doch womöglich bildete Isabel sich dies auch schlichtweg ein. Seit ihrem Gespräch war dies das erste Mal, dass er ihr so direkt in die Augen sah und wäre der Grund dafür nicht der gegebene, hätte die junge Reiterin diesen Moment womöglich sogar mehr genießen können. Die hellen Haare des Neuseeländers hoben sich nämlich hervorragend zu seinen hellen Augen ab, die schalkhaft aufblitzend vermutlich dem ein oder anderen Mädchen flugs den Kopf verdrehen konnten.
Aufmerksam lauschte sie seinen Worten und runzelte ein wenig missbilligend die Stirn, als ihr bewusst wurde, wie wenig seine Eltern seinen angeborenen Wissensdrang zu unterstützen schienen. Gewiss, sie wollten lediglich das Beste für ihn, doch aus Finnian war doch trotz allem - oder eben gerade deshalb - ein gebildeter, guter Mann geworden. Isabel schüttelte sachte den Kopf, als er geendet hatte und lachte schließlich leise auf, als er die Mädchen erwähnte. „Dieses Thema ist irgendwann immer sehr populär bei den Eltern.“ Leider. Aber ändern würde es sich nie. Dennoch, ein wenig Neugier kam in der Dunkelhaarigen auf und mit leicht schief gelegtem Kopf sah sie Finnian in die faszinierenden Augen.
„Nehme ich richtig an, dass du Mathematik und Quantenphysik nicht den Rücken gekehrt hast?“ Es wäre jedenfalls verwunderlich nach allem, was sie bereits über ihn wusste. Es erstaunte sie ein wenig, wie offen er tatsächlich darüber sprach ohne sich dessen vielleicht sogar bewusst zu sein. Isabel hatte zahlreiche Menschen kennengelernt, die erst nach vielen Monaten das erste Mal überhaupt mit ihr über die eigene Familie sprachen. Umso erfreulicher war es nun, dass Finnian dem so ehrlich gegenüber trat. dennoch, auch ihn schien das Thema mitzunehmen, der Tonfall seiner ruhigen Stimme hatte sich verändert und sein Blick wirkte beinahe in sich gekehrt, als überdenke er das Vergangene abermals.
Für einen kurzen Augenblick spürte die Studentin das schlechte Gewissen in sich aufsteigen, dass sie den jungen Neuseeländer mit derart schwerwiegenden Fragen löcherte und war versucht, dem Thema eine humorvolle Wendung zu geben. Doch Isabel entschied sich dagegen, empfand sie es als pietätlos, seinen Sorgen auf solch eine Art entgegen zu treten. Also beschloss sie, dass sie ihm zuhören und helfen würde, wenn er es denn zuließ. Sie legte ihm behutsam eine Hand auf den Arm, federleicht und doch bedeutsam, suchte seinen Blick und lächelte aufmunternd, ehe sie mit sanfter Stimme sagte: „Weißt du, so gesehen hast du Finnick als Freund dazu gewonnen und dich selbst weiter gebildet. Ohne deine Eltern wäre das vermutlich nicht möglich gewesen. ... und mit den Mädels hast du auch nicht wirklich etwas verpasst, in diesem Alter sind sie meist etwas ... nervenaufreibend.“ Einige noch heute, aber das musste Finnian vorerst nicht wissen. Sie knuffte ihn liebevoll, ehe sie ihn das Geschehene erst einmal verdauen ließ. Isabel vermochte es sich vorzustellen, dass sie gesamte Situation für ihn neu und anstrengend war, ähnlich einer neuen Lektion für ein junges Pferd. Die Kanadierin ließ ihm die Zeit, die er brauchen würde.

Schließlich kehrte das Gespräch zu Highness und Silver zurück und angesichts seines Vorschlages, ihr Pferd in den Prüfungen anzumalen, lachte sie laut auf. „Da brauche ich aber eine Menge an Farbe!“, sagte sie kichernd und rieb sich über die Augen, schüttelte belustigt den Kopf. Sein Angebot ihr zu helfen nahm sie dankend an, wissend, dass sich ihr Wallach ohnehin dagegen sträuben würde, etwas wie einen Pinsel in seine Nähe zu lassen. Womöglich wurde er ja noch kreativ und zum nächsten Picasso ...?
„An Ehrgeiz mangelt es uns nicht, eher das Gegenteil ...“ murmelte sie belustigt, hob den Blick und fragte sich unwillkürlich, ob der Blonde die Hindernisbahn bereits kannte. Vorsichtig nickte sie, noch ein wenig unschlüssig inwiefern diese Idee tatsächlich eine gute war oder im Endeffekt nach hinten los ging. Aber die Aussicht darauf, gemeinsam mit ihrem Pferd über die Bahn zu fliegen und Finnian dabei zu haben, hob ihre Laune deutlich an und ihr Nicken wurde etwas energischer.
Nachdenklich legte sie einen Zeigefinger gegen die Lippen, sah kurz gedankenverloren in die Luft, um ihre eigenen Termine durchzugehen. Die Auszubildenden und Studenten der HMS hatten frei für die nächsten zwei Wochen, ein deutlicher Vorteil, allerdings hatte Isabel sich wie so oft einen recht strengen Trainingsplan aufgestellt. Hinsichtlich dessen, was sie planten, sollte die Zeit jedoch ausreichend sein, um Highness wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. „Einverstanden. Donnerstag, 16 Uhr. Wir werden da sein.“
Sie hob den Daumen und grinste ihm entgegen, begeistert, wieder einmal die Rennbahn zu besuchen. Obgleich ihr Studium sie vollständig erfüllte und vereinnahmte genoss sie doch die Zeiten auf der Rennbahn mit am meisten. Das Gefühl der endlosen Freiheit und der Rausch der Geschwindigkeit waren ... einzigartig. Ihr versonnener Blick traf Finnian.


{Finnian}
 

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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Di 10 Okt 2017 - 9:15

Die Zeit, die Lawrence brauchte, um auf ihre Frage zu antworten, erschien ihr wie eine Ewigkeit. Ihr eigenes Herz schlug viel zu schnell, ihre Finger waren kalt geworden. Sie erinnerte sich nur noch vage daran, wann sie sich zuletzt so vollkommen hilflos gefühlt hatte. Vielleicht war es damals im Krankenhaus so gewesen, als man ihr mitgeteilt hatte, dass sich ihr Körper gegen sie gewandt hatte. Dass ihr Leben nun in weiten Teilen von einer Krankheit beherrscht wurde, die sie bisher nur entfernt gekannt hatte. Von der man eben hörte und dann all die dummen Fragen stellte, auf die sie inzwischen so allergisch reagierte. Vielleicht hatte sie sich auch so hilflos betäubt gefühlt, als sie ihren ersten Ehemann in den Armen einer anderen gesehen hatte. Aber das alles hatte nicht diese Tragweite gehabt. Damals war es um sie persönlich gegangen. Nicht um ein Kind.
Obwohl sie Samuel nicht kannte, spürte sie den Wunsch, ihm zu helfen. War das der erste Schritt zu jenem mysteriösen Mutterinstinkt? Oder hatte sie den schon bei jedem Kind, das sie in den Heimen auf den Arm genommen hatte, dessen Babyduft sie gerochen hatte, entwickelt? Oder war es Egoismus, der sie nun dazu verleiten wollte, Lewis zu schütteln und ihn anzuflehen, endlich etwas zu sagen? Und dann bitte ein Zustimmung. Wenn es das wäre, sollte sie dann nicht einen Schritt zurücktreten? Überlegen, abwägen? Sie selbst sein?
Sie beide hatten so viel erlebt in ihrem Leben, Leid, Freude, Liebe, Trauer. Sie hatten so viel erreicht, das sie Tag für Tag mit Stolz erfüllte. Aber manchen Dingen war man trotzdem nicht gewachsen, wie es schien.
„Keine Mutter kann so etwas für ihr Kind wollen“, flüsterte Becca schließlich, als sie Lawrences Blick wieder auffing. Sie biss sich ein wenig auf die Lippen, versuchte ihre Schultern zu entspannen, weil sie merkte, wie sehr sie sich verspannt hatte. Ihre grauen Augen wandten sich hoffnungsvoll, fast sehnsüchtig an ihren Mann. Und ein Seufzen entwich ihren Lippen, als er schließlich erneut Worte äußerte, die ihr Leben vollkommen verändern würden. Rebecca spürte, wie Schauer über ihren Rücken liefen und Tränen drohten, über ihre Wangen zu laufen. Sie blinzelte sie weg, schlang Lawrence die Arme um den Hals, genoss das gewohnte Gefühl seines Sicherheit versprechenden Körpers an ihrem. Ihr Fels in der Brandung. Und doch war er gerade ebenso sturmumtost wie ihr eigenes Inneres. Wie verrückt. Wie vollkommen absurd das alles war.
„Ich... sollte dort anrufen“, murmelte sie, sich wieder von Lawrence lösend. „Oder eine E-Mail schreiben, falls ich niemanden erreiche." Es gab so viel zu organisieren, so viel zu bedenken. Aber da war der erste Schritt. Morgen konnten sie mit planen anfangen.


(Lawrence)
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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Do 12 Okt 2017 - 20:09

Leben war wohl das, was geschah, wenn man gerade dabei war, sich einen Masterplan zurechtzulegen. Es passierte einfach, stürzte herein ohne anzuklopfen und fuhr einem in alle Glieder und Knochen. Vielleicht war das ganz gut so, anders würde die Welt vom ewigen Stillstand beherrscht werden. Aber aus Finnians Sicht betrachtet, wäre es zeitweise doch ganz schön gewesen, etwas mehr Zeit für die Planung zu haben, wobei sich auch das regelmäßig eher als eine Frage der Organisation entpuppte. Für Gespräche hätte er dennoch gerne einen Masterplan gehabt, an dem er sich jederzeit entlanghangeln konnte, wenn es mal wieder schwierig wurde. So wie jetzt. Er spürte, wie Isabel ihm zunehmend unter die Haut ging und das brachte ihn noch mehr aus dem Konzept. Sofern das überhaupt möglich war. Er hatte eigentlich nicht daran geglaubt, noch einmal auf jemanden zu treffen, der auch nur annäherungsweise so viel Verständnis für seine Leidenschaft, die Mathematik, aufbringen kann wie er selbst für dessen Hobbys. Isabel warf irgendwie alles, was er bisher zu lernen versucht hatte, über den Haufen und stellte ihn vor vollkommen neue Herausforderungen. Schon allein, dass ihm ein Scherz gelungen war grenzte an ein Wunder. Eines, das ihm selbst noch vollkommen unerklärlich war.
Ähnlich unerklärlich erschien ihm anfangs Isabels erstaunlich aufrichtiges Verständnis für seine missliche Lage in seiner Jugend. (Wenn er ehrlich war, hatte er die bis heute noch nicht abgelegt, aber er war immerhin auch nie unzufrieden damit gewesen.) Das Thema mit dem anderen Geschlecht und der Liebe schien sie ebenfalls von den Eltern zu kennen - oder hatte zumindest Erfahrung damit. In welcher Hinsicht auch immer. Dahingehend war es schön, sich nicht erklären zu müssen, warum das so störte, wo doch viele die Liebe als das einzig Erstrebenswerte im Leben ansahen. Finnian glaubte nicht daran. Es gab wichtigere Dinge. Dinge, die eine größere Tragkraft entwickeln konnten, als die unbedeutende Vereinigung zweier Geschlechtsteile.
"In der Tat. Sonst stünde ich heute kaum hier." Er war niemand der gerne prahlte und trotz seiner Erfolge hielt sich Finnian oft bedeckt damit, über sie zu sprechen. Er würde Isabel nicht unter die Nase reiben, dass er bereits einen Doktor hatte und diese Ausbildung hier beinahe zum Spaß machte. Wobei es ganz so natürlich auch nicht war. Dahingehend mochten seine Worte vielleicht ein wenig kryptisch sein, doch er wollte ohne ihr offenes Interesse keinen großen Hehl daraus machen. Möglicherweise wusste sie ohnehin, was er meinte, schließlich war es kein Geheimnis wie seine Vita bisher verlaufen war. Und gerade auf einem Hof wie diesem, sprach sich vieles schnell herum. Selbst wenn man keine Klatschgöre war, würde man so früher oder später das Ein oder Andere zu hören bekommen. "Und später also nicht mehr?" Dass er Finnick zum Freund gewonnen hatte, konnte er nur nickend bestätigen. Niemand war ihm je ein so guter Freund gewesen wie der kluge Wallach. Und auch wenn er das ihm anvertraute Reitschulpferd hier mochte, so war es doch nicht dasselbe wie mit dem Braunen, den er beinahe in- und auswendig kannte. Seine Frage konnte also durchaus etwas herausfordernd klingen, als er sich erkundigte, ob Frauen zu einem späteren Zeitpunkt weniger nervenaufreibend wären. Zwar hatte er nicht allzu viele Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht, gerade was die Sache mit der Liebe betraf, aber dennoch war es ihm nicht vollkommend fremd, dass das andere Geschlecht zeitweise - nunja - etwas anstrengend für das männliche wurde.
Inzwischen kreisten seine Gedanken weiter und er fragte sich, wie Isabel darüber denken mochte. Sie hatte bereits bewiesen, dass sie in vielerlei Hinsicht nicht so reagierte und dachte wie die meisten anderen auf dem Hof und in der großen, weiten Welt. Aber sie konnte wohl kaum so verkorkst sein wie er selbst, wenngleich er sich nie als solches bezeichnen würde. Hatte sie schon Freunde gehabt? Und wie waren die so gewesen? Warum interessierte ihn das überhaupt? Im Endeffekt war Isabel doch eine Wildfremde und es konnte ihm egal sein, mit wem sie sich wann schon einmal getroffen oder vergnügt hatte. Aber er konnte das Bedürfnis, mehr über sie erfahren zu wollen, einfach nur schwer unterdrücken und wollte es zugleich auch nicht. Unterdrückte Gefühle waren immer die am schwierigsten zu händelnden. "Du scheinst vertraut mit dem Thema des anderen Geschlechts..." Wow. Super. Es war defintiv nicht seine beste Wortwahl, um etwas in Erfahrung zu bringen. Keine Glanzleistung, McAllen. Aber er hatte immerhin auch nicht durchweg geschwiegen. Man musste auch mal das Positive sehen. Nur fiel ihm das in Sachen Kommunikation mehr als schwer, so sehr wie er an sich selbst zweifelte.
Umso besser, dass Isabel einwilligte, sich mit ihm auf der Bahn zu einem kleinen Hindernisrennen zu treffen. Er glaubte ihr sofort, dass ihr Ehrgeiz groß war, immerhin unterhielt sie sich seit fast einer Stunde mit ihm, was deutlich war mehr als der Durchschnitt, den er sonst mit jemandem schaffte. "Dann ist es abgemacht. Auf dass der Bessere siegen möge." Ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen und merkwürdigerweise beflügelte ihn das Gefühl einer echten Verabredung. Zumal sie mit der jungen Frau war, die nicht wie jemand wirkte, der ihn sitzen ließ oder zu seinem Sozialprojekt machen wollte. Isabel war in jeglicher Hinsicht - anders. Und das irritierte ihn. Mehr als ihm lieb war.

{Isabel}
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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Sa 14 Okt 2017 - 20:57

So hatten sie sich das ganze gewiss nicht vorgestellt. Es hätte alles anders verlaufen sollen. Besser. Für alle Beteiligten. Wohl niemand wünschte sich, ein Kind durch den Verlust dessen Mutter zu bekommen. Wirklich niemand. Jedenfalls konnte sich Lawrence in dem Moment nicht vorstellen. Er konnte sich überhaupt nahezu gar nichts mehr vorstellen, eigentlich hätte er sich einmal setzen müssen, aber die nächste Bank stand einige Meter entfernt und nachdem Damian sich schon vom Stand verabschiedet hatte, konnte er nun unmöglich ebenfalls verschwinden. Zumal Becca noch hierstand und ihn mit großen Augen ansah. Gott, wie er diese Augen liebte. Aber in dem jetzigen Augenblick musste er aufpassen, dass er darin nicht vollends den Halt verlor und vorn über kippte. Sie stand genauso unter Anspannung wie er und erst als sie seine Worte vernahm, fiel ein winziger Teil der Spannung von ihr ab. Lewis hätte schwören können, dass sie beide gerade exakt dasselbe fühlten. Bestürzung, Verwirrung, Trauer, Vorfreude. Doch die Anspannung überwog und er musste sich zusammenreißen, dass er nicht bald platzte. Langsam und bedächtig legte er den Brief zur Seite und wandte sich Rebecca zu, hielt sich dabei aber am Tisch fest. Er hätte schwören können, dass jederzeit die Beine unter ihm wegsackten und das, obwohl er eigentlich so nervenstark war. Er war immerhin einmal Turnierreiter gewesen. Es mochte jedoch seine Gründe haben, warum diese Zeit längst hinter ihm lag.
Seine Frau fiel ihm um die Arme und hätte er nicht am Tisch gelehnt, wäre er spätestens jetzt umgefallen. Rebecca schaffte es, dass sich ein kleines Lächeln auf seinen Lippen abstahl, als er die Arme um ihre Hüften legte. Sein Wunsch war also auch ihr Wunsch gewesen. Er hätte ohnehin nicht geglaubt, dass Becca Samuel nicht hätte helfen wollen. Sie versuchte immer nahezu jedem zu helfen. Dafür liebte er sie. Für ihre Art. Zärtlich küsste er ihre Stirn. Sie würden bald nicht mehr alleine sein in ihrer Wohnung, aber den Hofleiter beschlich dennoch das ungute Gefühl, dass es noch eine sehr lange Zeit dauern würde, bis diese mit einem Kinderlachen erfüllt wurde. Er kannte Samuel kaum. Und dieser ihn. Es waren jahre vergangen, seitdem sie sich das letzte Mal gesehen hatten. Würde er sie überhaupt um sich haben wollen? Vermutlich musste er das, denn wo sollte er sonst hin? Gedanklich schon die Schreckensszenarien kindlicher Abneigung durchgehend, redete Lewis sich selbst ein, dass sie keine Wahl hatten. Ein Heim kam definitiv nicht in Frage. Rebecca hatte es ausgesprochen: Keine Mutter wollte soetwas für ihr Kind - sofern es noch andere Möglichkeiten gab. Und die gab es. Wenn auch nur eine einzige. "Versuch anzurufen. Wenn du niemanden erreichst, wird es auch noch genügen, wenn du die Mail morgen abschickst. Heute wird das wohl keiner mehr lesen." Er hatte seine Fassung zurückgewonnen, wenn er auch noch etwas bleich um die Nase war. Aber die Worte kamen wieder flüssig aus seinem Mund und er hatte seine analytische Art zurück. "Ich denke, unseren Kollegen und Youngstern geben wir erst Bescheid, wenn alles in trockenen Tüchern ist?" Lewis kam nicht umhin, dass er leicht lächeln musste. Nach Monaten der Enttäuschung, schienen sie nun endlich am Ziel und kurz davor, ihren sehnlichsten Wunsch zu erfüllen. Konnte es denn wirklich so einfach sein? Der Ü50er ahnte bereits, dass es das nicht sein würde. Samuel hatte den Verlust sicher noch nicht verarbeitet und wer wusste, ob er überhaupt Pferde mochte? Aber sie würden das schaffen. Gemeinsam. So wie schon seit Jahren. Sie waren ein Team. Seit der Hochzeit auch auf dem Papier.
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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   So 15 Okt 2017 - 12:29

Gelinde gesprochen faszinierte der Neuseeländer die Kanadierin mehr als sie zuzugeben bereit war. Ihr Blick legte sich auf die Loskarten in ihrer Hand, die sie im Grunde genommen eigentlich noch verkaufen müsste, doch ausgerechnet jener Mensch, der als kompliziert und schwer verständlich galt, bannte ihre Neugierde. Isabel knabberte nachdenklich an ihrer Unterlippe, ehe ihr bewusst wurde was sie da tat und es rasch unterließ. Die Gedanken jedoch blieben und manifestierten sich mit jedem weiteren Wort, welches zwischen den beiden so unterschiedlichen gestalten fiel.
Unweigerlich musste die Schwarzhaarige an ihre eigene Mutter denken, die ihrem eigenen Glück zuliebe zu jenem Mann zurück ist, welcher ihr Herz verlässlich beim ersten Mal gestohlen hatte. Beide hatten eine turbulente, wenn auch im Endeffekt glückliche Ehe - eine, die Isabels Mutter in den Augen der Tochter nie mit dem leiblichen Vater Isabels gehabt hätte. Stirnrunzelnd schüttelte sie sachte das Haupt, seufzte lautlos und ersuchte die Erinnerungen an jenen Mann zu verdrängen, der auf dem Papier ihr Vater war - und ihr doch nie mehr als ein Fremder gewesen ist. Ob er eine ähnlich erfüllende Lebensgemeinschaft gefunden hatte wie ihre Mutter oder aber fuhr er noch immer Tag um Tag, Meile um Meile durch das Land? Isabel beschloss, dass es ihr egal sein sollte und lächelte erstaunt, als Finnian schließlich reagierte.
„In der Tat. Sonst stünde ich heute kaum hier.“ Ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein nickte sie und erwiderte schließlich ehrlich: „Das stimmt wohl - und es wäre ein wahrer Verlust.“ Erst nachdem Isabel ihre eigenen Worte selbst vernommen hatte, wurde ihr bewusst, wie es klingen mochte und errötete dezent, wenngleich es ihrer Ansicht nach der Wahrheit entsprach. Das Genie des McAllen war hinreichend bekannt und bislang gemieden, ein Zustand, den Isabel nicht ganz nachvollziehen konnte, immerhin bestand dahingehend eine ungeahnte Möglichkeit: Man konnte lernen. Sich weiterbilden. Doch, so wusste die Kanadierin, dazu musste Finnians Gegenüber sich damit abfinden, dass eben der Neuseeländer das größere Wissen besaß und nicht anders herum. Etwas, was vielen schwer fiel, doch Isabel wusste, sie würde früher oder später versuchen, Finnians Ausführungen besser folgen zu können, daraus etwas für sich selbst zu lernen. Zudem die Lehrerschaft in ihm gewiss einen Musterschüler hatte, wenngleich vermutlich einen durchaus anstrengenden, besaß er immerhin schon einen Doktor. Weit mehr, als sie überhaupt in Zukunft sah, wenn sie ehrlich mit sich selbst war.

Derart in Gedanken versunken ob der Möglichkeiten, die sich soeben vor ihr auftaten und das Herz ein wenig schneller schlagen ließen, blinzelte sie dem jungen Mann irritiert entgegen, als dieser den Faden wieder aufnahm. Erst da bemerkte sie, worauf er sich bezog und die junge Studentin verzog ihre Lippen zu einem tadelnden Schmollmund. Gelegentlich musste auch sie die Ehre der Damenwelt verteidigen, wenngleich sie auch nicht deren glühendster Vertreter sein mochte.
„Nun, ich denke, da nehmen sich Männer und Frauen nichts. Früher oder später werden sie alle etwas ruhiger, aber bisweilen nicht unbedingt umgänglicher.“ Unweigerlich musste sie an ihre eigene kleine Schwester denken, was sie missmutig das Gesicht verziehen ließ. Die Prinzessin des Hauses hatte ihren Beinamen nicht von irgendwoher durch Isabel erhalten, genoss Chloe als Küken der Familie zahlreiche Privilegien, die ihr als ältester Schwester nie vergönnt waren. Unglücklicherweise war es auch ausgerechnet Isabel gewesen, welche Chloe bei zahlreichen ersten Malen erwischt hatte: Drogen, Alkohol, Männer. Zudem die Kanadiern sich nicht auszumalen vermochte, was ihre jüngste Schwester derzeit wieder anstellte, tausende Meilen allein in einem fremden Land ohne die strenge Hand ihrer Mutter oder Schwester. Sie seufzte abermals, als ihr bewusst wurde, dass Chloe eben jenes Charaktermuster aufwies, auf welches Finnian hingearbeitet hatte. Allerdings wollte die Studentin dies auch nicht einfach so stehen lassen und setzte noch hinzu: „Frauen sind mitunter anstrengend, ja. Männer aber ebenso.“
Eine Feststellung, mehr nicht. Sie hatte sich frei von emotionaler Wertung gemacht, denn in ihren Augen entsprach das tatsächlich der Wahrheit, in welcher kein Mensch - egal, welchen Geschlechts - perfekt war. Dazu zählten auch Stimmungsschwankungen.

... und urplötzlich riss Finnian ihr abermals den Boden unter den Füßen weg. Es war ein irrationales Gefühl, als er sie hinsichtlich des anderen Geschlechts und ihrer Erfahrungen erkundigte, ehe er sich selbst das Wort abschnitt. Verlegen wusste die junge Frau anfangs nicht so recht wohin sie sehen sollte und versuchte sich eine plausible Erklärung dafür zurecht zu legen. Zu prüde. Zu Privat. Zu ... ihr fehlten die Ideen. Es ließ sich schlicht und einfach auf zwei Schlüsselpunkte in ihrem Leben hinab brechen: Jenen Tag, als sie ihre Eltern versehentlich gestört hatte und jenen Tag, an dem ihre Mutter sie gestört hatte.
Was davon einen größeren Schaden hinterlassen hatte, wusste die Schwarzhaarige nicht wirklich, Fakt war jedoch, dass keine Erfahrung davon ... berauschend gewesen war. So gesehen war sie ihrer Mutter gelegentlich fast dankbar dafür, dass sie in das Zimmer herein platzte ohne zu Klopfen.
„Nun, es gehört auch irgendwie dazu, nicht wahr?“ Sie zuckte die Schultern, bemühte sich um ein möglichst gelassenes Lächeln, welches ein wenig verrutschte und schluckte schwer. Der Blonde brachte sie gehörig aus dem Konzept und das beunruhigte die Kanadiern enorm. Wieso? Eine Frage, die Isabel mit jeder Sekunde mehr beschäftigte und zudem weitere Fragen aufwarf. Ihr Blick glitt kurz und hastig über die attraktive Erscheinung des McAllen und dessen eigene Aktivität stand mit einem Mal groß in ihren Gedanken. Es war lächerlich, dass sie sich derartig aus dem Konzept bringen ließ, aber irgendetwas an Finnian ließ sie schlicht und ergreifend nicht los.
Dementsprechend sah sie ihm noch immer irritiert entgegen, unschlüssig, wie sie mit dieser auf einmal so plötzlich umgeschlagenen Situation umgehen sollte, als das Gespräch wieder in etwas ruhigere Gewässer einkehrte. Ihr Herz schlug noch immer unregelmäßig in ihrer Brust, als sie schließlich nickte und ihm die Hand hinhielt. „Sehr schön. Auf einen fairen und spannenden Wettkampf.“ Es war ein wenig seltsam, doch inzwischen fühlte sie sich in der Nähe des Jüngeren deutlich wohler, als kannten sie einander bereits seit Monaten und nicht erst seit einer Stunde genauer. Isabel räusperte sich leise und ertappte sich dabei, durchzurechnen, wann sie auf der Rennbahn aufeinander trafen. Es war abstrus und allmählich entglitt ihr die Kontrolle aus dieser Situation. Etwas, was ihr nicht behagte.





{Finnian}

 

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Finnian McAllen
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Beruflich habe ich mit 23 noch einiges vor.

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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Di 17 Okt 2017 - 10:32

Es war nicht so, dass es den meisten Menschen an Ehrgeiz mangelte, weshalb sie keine großen Forschungsergebnisse erzielten. Aber ihnen fehlte die Disziplin und die Leidenschaft. Wenn man Finnian ansah, mochte man kaum glauben, dass er ein sonderlich leidenschaftlicher Mensch war, sprach doch alles an ihm dafür, dass er eher verkorkst, wenn nicht gar prüde, schüchtern und zurückhaltend war. Ihm fehlte die direkte Art, die es brauchte, wenn man etwas erreichen wollte. Zumindest glaubten das viele, aber dass Mathematiker, Informatiker und Physiker eine ganz eigene Gruppe von Menschen waren, war nichts Neues. Sie waren in sich gekehrter, spezieller und zeitweise in ihrer Welt gefangen, wie man es sonst nur den Schriftstellern und Freigeistern der Zeit nachsagte. Ihre hohe Auffassungsgabe erschreckte viele mehr, als dass sie begeisterte und damit war wieder einmal bewiesen, was für ein primitives Wesen der Mensch, trotz aller Weiterentwicklungen, doch war. Er hatte Angst vor dem Neuen und Andersartigen. Das zeigte sich nicht zuletzt in den zahlreichen rassistischen Bewegungen, die es noch immer gab. Trotz zweier Weltkriege und der Entsagung vom Sklavenhandel.
Leicht lächelte der blonde Neuseeländer, als die Azubine es als Verlust bezeichnete, hätte er damals auf sein Umfeld gehört und sich der Wissenschaft entsagt. Isabel war wahrlich anders und ihm noch immer ein Rätsel. Nicht, dass alle anderen Menschen ihm irgendwie verständlicher gewesen wären, aber sie war noch eine Stufe spezieller. Keineswegs auf die negative Art und Weise. Eventuell lag es auch daran, dass er sich mit ihr bereits intensiver befasst hatte, als mit den meisten anderen Hofbewohnern, sodass er mehr über sie wusste und mit ihr besprechen konnte. Nur zu gut erinnerte er sich an das Gespräch mit Olivia am Abend des Wanderrittes. Selten hatte eine Person ihn so befremdet wie die Blondine. Er hatte sich nicht nur unwohl in ihrer Gegenwart gefühlt, sondern nahezu bedroht. Und während die anderen Hofbewohner ihn oft übersahen, als wäre er Luft, so schien Isabel ihn tatsächlich wahrzunehmen. So wie er war. Sie versuchte nicht, ihm Ratschläge zu erteilen, wie er agieren und sprechen sollte, sondern nahm seine etwas andere Art regelrecht gelassen hin. Wenngleich er nicht umhin kam zu bemerken, dass sie zeitweise über seine Reaktion schon geschmunzelt hatte. Aber damit konnte er leben, wusste er doch, dass er nicht der Norm entsprach, die alle erwarteten.

Er lauschte ihren weiteren Worten und musste dabei unvermittelt an seinen großen Bruder denken. Phillipe hatte es oft genug übertrieben. Seine Eltern hatten sich oft über ihn beklagt und wenn sie alles wüssten, was vorgefallen war, dann hätten sie ihn wohl kaum so lange unter ihrem Dach wohnen lassen. Phillipe war der Rebell gewesen, der sich irgendwann der Wissenschaft entsagt hatte, während Finnian brav weiter seine Bücher studierte und abends lieber zu Hause blieb. Beides war den Eltern nicht recht, sodass Finnian bis heute nicht wirklich wusste, was genau man damals eigentlich von ihm erwartet hatte. War sein Bruder nicht genau der Normalfall gewesen, den sie sich von ihm erhofft hatten? „Da magst du in der Tat recht haben. Das Zusammenleben zweier Geschlechter stellt jede Gemeinschaft vor Herausforderungen.“
Es gab viele Theorien, die besagten, dass Männer und Frauen eigentlich gar nicht zusammen leben konnten, weil sie vollkommen anders kommunizierten. Finnian konnte dies nicht bestätigen. Es kam auf den Menschen an. Er konnte oft mit Frauen wie Männern gleich wenig anfangen. Aber es stimmte wohl, dass Frauen diversen Themen mehr Wert beimaßen als Männer. So entstanden immerhin all die klischeehaften Missverständnisse. Irgendwie mussten die Stand-up Comedians doch auch ihr Programm füllen können. Doch war zu bezweifeln, dass deswegen Beziehungen in Krisen gerieten. Es lag wohl eher daran, dass ein permanentes „Aufeinanderhocken“ für niemanden gut sein konnte, ganz gleich, welcher Art er angehörte. Selbst liebende Pinguine gingen sich zeitweise aus dem Weg.

Als Isabel plötzlich den Blick abwandte und an ihren Losen herumspielte, ahnte Finnian, dass seine Frage ihr Unbehagen bereitete. Er war selbst nicht die offenste Person, doch waren Liebeleien in der Gesellschaft, doch nahezu ein ebenso gewöhnliches Thema, wie das bevorstehende Mittagessen. Wirklich behagen tat diese Entwicklung dem Neuseeländer nicht, war er der Meinung, dass es Praktiken gab, die besser im Schlafzimmer blieben. An Isabels Reaktion konnte er erkennen, dass es ihr möglicherweise ähnlich ging und doch wurde er aus ihren Worten kaum schlau. Warum musste sie in Rätseln sprechen? Prompt griff er nach dem Kreuzworträtsel, das noch in seiner hinteren Hosentasche steckte und legte es auf den Geigenkoffer, weil es ihn nun doch zunehmend mit seinen Papierkanten in der Hose störte. Beschämt wandte auch er den Blick ab, konnte aber seine unverhohlene Neugierde dennoch nicht zurückhalten. „Zu was gehört es dazu?“
Hauptsache er ritt sich hier in nichts hinein. Seine eigene Erfahrung war immerhin quasi non-existent. Wenn man von zwei bis drei Zwischenfällen absah, die so definitiv nicht geplant waren. Aber vielleicht konnte Isabel ein wenig Licht ins Dunkel bringen, warum die menschliche Vereinigung, solcherlei Bedeutung hatte, obwohl sie in den meisten praktizierten Fällen nicht zur Fortpflanzung genutzt wurde. Er wurde nicht wirklich schlau daraus, warum sich alle so von ihren Trieben leiten ließen, wo sie doch sonst so gefasste Persönlichkeiten waren. Er konnte sie einfach nicht vorstellen, dass es so toll war, wie immer behauptet. Da musste es doch einen Haken geben. Er verstand immerhin weder etwas von sexueller Leidenschaft noch von Romantik. Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für ein tieferes Verständnis der Magie der Liebe.

{Isabel}
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Isabel Preston
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ALTER : SEIT KURZEM ERST 24 JAHRE ALT, ÄNDERTE SICH IHR ALTER AM 02.02.
HERKUNFT : GEBOREN IN KANADA, VERBRACHTE SIE DIE ERSTEN JAHRE IN QUÉBEC UND SPRICHT FLIESSEND FRANZÖSISCH.
AUSBILDUNG : SEIT LANGEM SCHON STREBTE SIE DIE AUSBILDUNG ZUR TIERÄRZTIN AN UND HAT DIES IN DIE TAT UMGESETZT.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Di 17 Okt 2017 - 17:44

Als Reiter war der Mensch dahinter bereits etliches gewohnt, sei es der raue Umgangston untereinander, der herrschte und die fortwährende Konkurrenz, oder aber eine eiternde Wunde an einem Tier, welches gut und gerne auch einmal 800 kg auf die Waage brachte. Sofern jene lebenden Kilogramm sich dazu entschlossen hatten einen gänzlich anderen Weg als den des Besitzers zu wählen - sei es nun beim Spaziergang oder dem Versorgen der genannten Wunde - bedeutete dies meist ein verlorenes Spiel. Doch der gemeine Reiter ließ sich von derlei nicht abschrecken und nahm behände die Verfolgung eines unwilligen Patienten auf, während wiederum Außenstehende unverständlich den Kopf schüttelten.
Ähnlich erging es Isabel als Studentin der Tiermedizin, in welcher ein seziertes Pferdebein ebenso dazu gehörte wie eine genauere Analyse der gelieferten Kotprobe. Reiter waren ein eigentümliches Völkchen für sich, dessen war sich die Kanadierin sehr bewusst, dennoch schien auch innerhalb der Reiter ein ähnlicher Ethos vertreten zu sein. Finnian war das beste Beispiel dafür. Obgleich zu jenen Reitersleuten gehörend, die ein besseres Sportpferd im Stall stehen hatten und darüber hinaus noch durch Wissen zu glänzen vermochten, waren es eben Menschen wie der Blonde, die Außenstehende waren.
Es hatte sich für die Dunkelhaarige nie schlüssig ergeben aus welchen Gründen man sich dahingehend so verhalten sollte, wenngleich die Art und Weise, mit der der junge Azubi sich den Dingen näherte, gewiss eine ungewöhnliche war. Auf das feine Lächeln seinerseits reagierte die junge Frau ungewohnt erleichtert, als habe sie tatsächlich die Angst geplagt, er könne ihr diesen recht privaten Vorstoß übel nehmen. Doch Finnian McAllen war in vielerlei Hinsicht anders als die meisten Menschen - und bedeutend größer fiel der Unterschied zu anderen Männern seines Alters aus. Hinsichtlich seines Blickwinkels, dass das Zusammenleben beider Geschlechter schwierig sein konnte, wog Isabel ihren Kopf bedächtig umher, schnalzte unbewusst leise mit der Zunge.
„Ich wage sogar zu behaupten, dass das Zusammenleben stets mit Konflikten einhergeht, ganz gleich, ob es sich um gleichgeschlechtliche Konstellationen handelt oder nicht.“ Dabei kam es ihren mageren Beobachtungen entsprechend stets darauf an, welche Charaktere aufeinander trafen. Sie neigte das Haupt, ehe sie den direkten Blick Finnians suchte. „Oder wie ließen sich sonst Freundschaften und Abneigungen erklären?“ Sie schien ehrlich interessiert an der Antwort und umso erpichter auf den Blickwinkel des Neuseeländers, der eine recht unorthodoxe und rationale Betrachtungsweise besaß.

Eben jene war es gewesen, die ihr den Boden unter den Füßen hinfort gezogen hatte und ihre Brust eng werden ließ, denn ein solches Thema war heikel und mitunter unangenehm. Hinzu kam, dass sie Finnian und dessen eigene Erfahrungen nicht wirklich einschätzen konnte, sich auf seine doch recht nüchtern gestellte Frage keinen Reim zu machen wusste.
Wozu gehörte der Liebesakt dazu? Ihn als solchen zu bezeichnen war im Grunde betrachtet schon vermessen, denn unlängst war es zu etwas weitaus bedeutungsloserem verkommen, welches die halbe Welt miteinander zu teilen pflegte. Eine Entwicklung, die ihr nur bedingt behagte, wenngleich sie daraus auch einige wenige Lehren gezogen hatte. Somit brachte seine nüchterne Betrachtungsweise Isabel erstaunlicherweise ein wenig ihrer inneren Ausgeglichenheit wieder, sodass sie ihn ein wenig erstaunt anblicken konnte.
„Nun, zu einer Beziehung, denke ich ... in das Leben zwischen Mann und Frau. Hat es einst nur der Fortpflanzung und dem Rassenerhalt gedient, ist es bei den Menschen zu einem Vergnügen geworden. Ähnlich wie ... Pokern, Reiten oder ein anderes Hobby.“ Ihr war nicht ganz wohl dabei, ihm dies zu erläutern und dabei nicht einmal zu wissen inwieweit der blonde Azubi eigene Erfahrungen dazu besaß. Kurz schien sie zu überlegen dem noch etwas hinzuzufügen, doch Isabel beließ es vorerst dabei und wartete ab, was Finnians faszinierender Verstand aus dieser Aussage schaffen würde. Gewissermaßen spürte die junge Studentin die Neugier in ihrem Herzen klopfen.
Seltsam. So intensiv hatte sie sich lange nicht mehr mit einem derart heiklen Thema auseinander gesetzt.


{Finnian}


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Finnian McAllen
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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Mi 18 Okt 2017 - 22:23

Obwohl Finnian ein sehr verschlossener Mensch war, war er nicht zwingend ein verklemmter. Es gab weniges, was ihm wirklich zu privat war, als dass man nicht danach hätte fragen können, aber er wusste aus Erfahrung, dass allzu großes Interesse die meisten Menschen eher verschreckte, als dass es ihnen schmeichelte. Letztendlich ging es ihm da oft nicht anders. Auch er verspürte schnell ein Unwohlsein, wenn sein Gegenüber zu penetrant wurde, aber kam es dabei insbesondere auf die Beweggründe an. Die meisten fragten immerhin nicht aus Interesse, sondern weil sie etwas brauchten, worüber sie sich wortwörtlich das Maul zerreißen konnten. Eine traurige Entwicklung, wenn man nur den Schaden seiner Mitmenschen im Sinn hatte, anstatt den Willen interessante Persönlichkeiten kennenzulernen. Doch Finnian würde kaum Gesellschaftswissenschaftler werden und diesen Missstand öffentlich anprangern. Dafür war er dann eben - zu verschlossen.
Außerdem liebte er die Fakten und sie liebten ihn, warum sonst hatte er regelmäßig solcherlei Geiestesblitze, die ihn regelmäßig auf die Meetingliste von renommierten Professoren setzten?
Er konnte sich nicht beklagen und obwohl er eigentlich etwas in seinem Leben missen sollte, so füllte die Wissenschaft doch jedes Fleckchen Einsamkeit vollends aus. Er sehnte sich schon lange nicht mehr nach der Nähe anderer Menschen, die ihm letzten Endes oft nur schaden wollten. Er wollte in ruhe arbeiten können. Ohne Ablenkung. Etwas, wozu andere Menschen verführten. Es war ihm also ganz recht gewesen, dass die Frauen an ihm das Interesse verloren sobald er den Mund aufmachte und sich von ihm abwandten sobald sie Näheres über ihn herausfanden. Es war ok. Das musste es sein.
"Da magst du durchaus recht haben. Zwischenmenschliche Kommunikation ist keine meiner Steckenpferde. Das ist schon die normale Kommunikation nicht." Leicht errötend blickte er zu Boden, bevor er sich wieder fasste. "Es ist schwierig das zu beurteilen, dazu gibt es viele Studien und Theorien und letztendlich liegt die Wahrheit immer noch im Dunkeln. Die menschlichen Gefühle und Neigungen lassen sich nicht berechnen und folgen keinen logischen Regeln. Immer wenn man glaubt, eine Spur gefunden zu haben, wird sie widerlegt. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel oder nicht? Ich glaube, dass zumindest an den biologischen Grundsätzen nicht viel auszusetzen ist. Man sucht sich immer einen Partner, der einen möglichst anderen Körpergeruch besitzt, als man selbst. Das geschieht oft ganz unbewusst und ist wie ein Instinkt der Natur, um Inzucht zu vermeiden. Unseren Partner nehmen wir geruchsmäßig immer stärker wahr als unsere Eltern oder Geschwister. Inwiefern das jedoch auf Freundschaften anwendbar ist ... Hier geht vermutlich wirklich alles über Kommunikation und das ist - wie gesagt - nicht mein Steckenpferd. Die Theorie ist viel zu simpel, als dass man die Praxis durchschauen könnte. Es gibt zu viele Abweichungen." Er verstummte in der Hoffnung, sein Monolag habe Isabel nicht verschreckt. Aber sie wirkte aufgeschlossen gegenüber seiner Erläuterung und musterte ihn nur interessiert. Erst als er zu ihrer zuvorigen Äußerung nachhakte, senkte sie den Blick und schwieg eine Weile. War ihr das Thema möglicherweise unangenehm? Er hoffte nicht, zumal sie selbst ihn darauf gestoßen hatte. Es war nicht seine Absicht gewesen, das andere Geschlecht ausführlich in seinem Lebenslauf zu skizzieren. Doch es dauerte bis wieder eine Regung durch die Dunkelhaarige mit der bleichen Haut ging und sie zögernd das Wort ergriff.
"Ja ... eine etwas schockierende Entwicklung. Viele vergessen, wozu dieses Verhalten eigentlich da ist. Als ob es nichts Schöneres auf der Welt gäbe!" Sprach da ehrliche Empörung aus seiner Stimme? Auch wenn Finnian speziell, anders und dergleichen war, so war er doch immer noch ein Mann und man mochte nicht glauben, dass ein solcher Satz ernsthaft aus dem Mund eines Angehörigen des 'starken' Geschlechts kam. "Ich verstehe nicht viel von Liebe - eigentlich gar nichts, abgesehen von der, die man zu seinen Eltern empfindet - aber ich glaube nicht, dass der Liebesakt zu etwas so - Allgegenwärtigen werden sollte." Sein Blick verklärte sich etwas und er sinnierte über seine Worte nach, die er so im Raum stehen ließ. Ja, diese Entwicklung gefiel ihm nicht, er hatte immerhin schon selbst Erfahrung damit machen müssen. Das Aussehen täuschte die Leute über den Charakter hinweg und ließ sie unvorsichtig werden, wenn sie sich so von ihren Trieben leiten ließen. "Es ist schade, dass so viele Menschen, die doch eigentlich einer herausragenden Gattung angehören, sich von solch einfachen Trieben leiten und führen lassen. Beinahe Ironie der Evolution."

{Isabel}
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