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 Wiesen und Felder

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AutorNachricht
Finnian McAllen
1. Lehrjahr
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BEITRÄGE : 227
ALTER :
Beruflich habe ich mit 23 noch einiges vor.

HERKUNFT : Mein Ursprung liegt in den unberührten Weiten NEUSEELANDS, dort wo Natur noch Natur ist.
AUSBILDUNG : Wahrscheinlich ist PFERDEPFLEGER nicht mein endgültiger Beruf, aber er ist eine Bereicherung.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Di 24 Okt 2017 - 11:54

Vielleicht hätte jemand, der eine bessere Menschenkenntnis besaß als Finnian, Isabels Schweigen besser deuten können. Aber den jungen Neuseeländer hinterließ die Stille mit einem unangenehmen Gefühl, das ihn beinahe dazu veranlasste, von einem Bein auf das andere zu treten. Verbissen versuchte er diesen Impuls zu unterdrücken und Isabel nicht so nach einer Antwort lechzend anzusehen. Immerhin hatte er doch sonst auch kein Problem damit, wenn sich eine unangenehme Stille ausbreitete und das Gespräch verebbte. Aber genau das wollte er dieses Mal auf Teufel komm raus verhindern und wusste dabei selbst nicht einmal wieso. Dass Isabel anders tickte als die anderen, hatte sie jetzt schon mehrmals gezeigt und obwohl sie nicht mit einem ähnlichen hohen IQ glänzen konnte wie Finnian selbst, war er doch interessiert an ihrer Sichtweise. Sie wirkte nicht so 'normal' und abgeklatscht wie alle anderen Frauen ihres Alters, denen Finnian bisher begegnet war. Nein, er würde fast behaupten, Isabel sei etwas Besonderes, wenn er durch zahlreiche Filme nicht mitbekommen hatte, dass das etwas regelrecht Unerhörtes war, wenn man keine tieferliegenden Ambitionen hegte. Dabei wollte er sie keineswegs von sich überzeugen, ihr etwas aufzwingen oder ihr seine Gesellschaft aufs Auge drücken. Aber er war froh, solange sie blieb und sich mit ihm unterhielt, weil er allmählich nicht nur sein Lampenfieber vollends vergessen hatte, sondern auch das Kreuzworträtsel, an dem er sonst immer herumknobelte.
Natürlich hatte er oft in seiner Schulzeit auf dem Hof seine Mitmenschen studiert, hatte versucht ihre Reaktionen zu analysieren und schlau aus ihrem Verhalten zu werden. Viel hatte es nicht gebracht, aber hatte immerhin einen Uniplatz bekommen und das Aufnahmegespräch für Master und Promotion überstanden. Allzu schlecht konnte es nicht um ihn stehen, und doch hatte er verstanden, dass die Art von Menschen, mit denen er an der Universität zu tun gehabt hatte, eine ganz andere war, als die, die hier auf dem Hof herumlief. Hier waren alle so viel - highschoolhafter. Es ging um banalere Dinge. Bei Isabel war das ein wenig anders. gewissermaßen gehörte sie zwar auch zu der Art Mensch, die man in diesem Jahrhundert an jeder Ecke antraf - sie war normal. Aber da war noch mehr. Sie wirkte fast ein wenig steif, wenn jemand neben Finnian noch steif erscheinen konnte und sie hatte nicht so eine stöbernde, aufdringliche Art wie die anderen, die ihn hatten "kennenlernen" wollen. Finnian begann wirklich die Dunkelhaarige zu mögen und das machte ihm selbst am meisten Angst. So schnell war das noch nie gegangen! Bei keinem Menschen.
"Das mit dem Kommunikationslevel erscheint mir einleuchtend. Ein Akademiker wird sich immer vorrangig nach einer Akademikerin umsehen. Aber auch das ist ein einfacher biologischer Effekt. Der Mensch heiratet ungern nach unten, auch wenn die Liebe anderes behaupten will. Es wird immer versucht, den eigenen Status beizubehalten." Isabel schien ihm in der Hinsicht mit den philosophischen Themen tatsächlich folgen zu können und auch noch gute Antworten zu wissen. Der Blonde wollte sich beinahe beeindruckt zeigen, aber glaubte er nicht, dass Isabel anerkennungsheischend war. Doch ihre Worte besaßen einen wahren Kern, wenngleich Finnian nicht glauben mochte, dass man sich immer über die Biologie hinwegsetzen mochte. Dafür war der Mensch dann doch noch zu unperfekt und primitiv, als dass er sich seiner Instinkte hätte entsagen können. Nur weil er sich anpassen konnte und vorausdachte, bedeutete es noch lange nicht, dass er das beste Leben von allem war, was je leben würde.

Auch in der Frage um die Fortpflanzung ließen die Worte der Azubine den Pferdepfleger aufhorchen. Ein monogamer Man war evolutionsmäßig tatsächlich nicht sonderlich effektiv. Allerdings verhielt es sich bei den Pinguinen ähnlich. "Wo man auch hinsieht - auch hier findet die Natur andere monogame Wesen. Pinguine halten sich ein Leben lang die Treue. Das ist nicht nur süß, sondern für sie auch unglaublich effektiv, weil sie so weniger Kraft mit Brautwerbung verschwenden und sich aufeinander verlassen können, was immer passiert. Für die Anzahl der Gattungsgenossen ist es vielleicht eher nachteilig, aber ich glaube, dass es der Art selber dennoch Vorteile bringt. Hier paart sich zwar nicht ausschließlich der Beste, aber überleben werden dennoch nur die stärksten Jungtiere. Was bringt der beste Kerl, wenn der weibliche Gegenpart ein echter Reinfall ist?" Sein Blick verklärte sich ein wneig, als er an jene Nacht zurückdachte. Philippe hatte ihm einen Gefallen tun wollen. Es war keiner gewesen. Die Frau war dumm und beschränkt gewesen. Aber ihr Körper sah doch so gut aus. Vielleicht mochte sein Bruder damit recht gehabt haben, gerettet hatte es den Abend jedoch nicht. Zumindest nicht für Finnian. Monogamie war nicht das Problem, das Problem war Dummheit und Selbstüberschätzung. Die fand man nicht nur beim Menschen.
Isabel hing offenbar auch ihren eigenen gedanken nach und murmelte schließlich Eine sonderbare Erfindung der Natur. Finnian nickte darauf bestätigend. Der Mensch war komplex, sein Fortpflanzungstrieb offenbar ebenso. Wer sollte da je den Durchblick behalten? Finnian gewiss nicht - er war schon mit einer 'schnellen Nummer' überfordert. "Ich fürchte, die meisten wollen Ersteres. Es bringt doch vermeintlich mehr Spaß..." Der Blonde verzog bei den Worten keine Miene, aber er wirkte nicht wie jemand, der dies ebenso sah. Dafür hatte er sich zuvor zu kritisch geäußert. Aber war er ein Mann für eine Partnerschaft? Finnian war mehr wie jemand, der alleine alt wurde und doch war er davon selbst aktuell gar nicht mal mehr so überzeugt. Was wenn da doch mehr war und die Liebe ihm gar nicht so fern?

{Isabel}
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Nancy McReynolds
1. Lehrjahr
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BEITRÄGE : 71
ALTER : The young Mistress is 19 years old right now, but has yet to live her whole life.
HERKUNFT : Born and raised in the scottish Highlands, the young lady is a nature-loving person.
AUSBILDUNG : She's trained to be a professional dressage rider to fill in her sister's footsteps.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Do 26 Okt 2017 - 18:27

Es gab wirklich wenige, unglaublich wenige Menschen, die Nancy zu ihrer Liste an Freundnen zählen konnte. Sie war nie der sozialste Mensch gewesen - die meisten waren ihr auch ehrlich gesagt viel zu anstrengend, um auf Dauer mit ihnen auszukommen - und sie hatte auch nie wirklich das bedürfnis gehabt, sich Freunde zu suchen. Tatsächlich hatte sie, wenn sie ihre beiden Pferde abzog, genau eine Freundin, die sie auch als solche bezeichnen konnte. Jamie war seit frühester Kindheit ihre Freundin, und daran hatte sich auch die darauffolgenden 16 Jahre nichts geändert. Keiner von beiden war jemals am Feiern interessiert gewesen, oder an Jungs. Nein, sie hatten ihre Freizeit grundsätzlich im Stall verbracht. Das war ihr Zuhause gewesen, zwischen Heu und Pferdemist hatten sie sich am allerwohlsten gefühlt.
Auch daran hat sich in 16 Jahren nichts geändert, abgesehen von der Tatsache, das Nancy nun mehrere tausende Kilometer von ihrer besten und einzigen Freundin entfernt wohnte. Klar, sie schrieben täglich miteinander und schafften es sogar, jede Woche zu skypen. Doch es war nicht dasselbe, und zugegebenermaßen tat es Nancy sehr weh, dass sie ihre Freundin in Schottland zurückgelassen hatte. Doch die Heaven Meadows Stables hatten eine unfassbae Möglichkeit geboten, die Abhängigkeit von ihren Eltern zu verlieren und den Weg zu gehen, den sie für sich selbst entscheiden wollte.
Das Gejubel der Zuschauer am etwas entfernten Fußballplatz holte sie in die Wirklichkeit zurück. Teresa erzählte ihr von ihrer Ranch in Texas und dass ihre Familie eigentlich aus Spanien kam. Nancy verzog die Lippen lediglich zu einem leichten Lächeln, ehe sie das Treiben vor sich beobachtete. Gott, wie schaffte es jeder nur, so zu tun, als würden sie sich mögen, und heile Welt zu spielen? Die Grüppchenbildung auf der Ranch war stark geprägt von Liebeleien und Streitigkeiten. Nancy konnte alle Leute gleichermaßen nicht leiden, da gab es keine Favoriten und Lieblinge. Mit dem ein oder anderen zettelte sie manchmal einen Streit an, jedoch nur selten ohne einen ersichtlichen Grund. Sonst hielt sie die anderen eher auf Abstand, vielleicht sogar etwas unfreiwillig, doch ihre selbst errichtete Mauer aus Arroganz und Selbstbewusstsein tat ihr Übriges in diesem Prozess. Nicht selten senkten die Leute sogar den Kopf, wenn sie Nancy über den Weg liefen.

Teresas Stimme ertönte zu ihrer Linken und riss sie erneut aus ihren Gedanken heraus. Für einen kurzen Moment sah sie die Spanierin, Texanerin, wie auch immer man sie nennen wollte, an, ehe sie ihren Blick nochmals auf das Geschehen am anderen Ende der Wiese richtet. "Um Gottes Willen, nein, ich hatte mich nirgends eingetragen. Ich denke, es ist weit bekannt, dass ich kein sehr sozialer Mensch bin", antwortete die Schottin dann, zunächst mit gespieltem Entsetzen, bevor sie schmunzelte. "Ich möchte eigentlich so wenig wie möglich mit solchen vermeintlich gemeinschaftsstärkenden Veranstaltungen zu tun haben. Aber ich wette, du hast dich für etwas eingetragen, nicht?"
{nachdenklich # beobachtet # TERÉSA}
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Terésa Rodriguez
1. Lehrjahr
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BEITRÄGE : 64
ALTER : Inzwischen ist sie schon 20 JAHRE alt - bald darf sie sogar legal trinken, dann ist sie wahrlich erwachsen.
HERKUNFT : Geboren noch in Spanien, ist Terésa allerdings in TEXAS aufgewachsen, was sie zu einem wahren Cowgirl macht.
AUSBILDUNG : Nach Jahren des Westernreitens hat sie dann doch die DRESSUR für sich entdeckt, und will nun irgendwann Profi werden.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Fr 27 Okt 2017 - 20:08

Manchmal war sich Terésa immer noch nicht so ganz sicher, ob sie hier richtig war. Natürlich liebte sie das Dressurreiten, und sie war unglaublich glücklich, dass sie in diesem dreiviertel Jahr auf dem Hof so unglaublich viel gelernt hatte. Aber was sollte sie sagen? Manche Dinge störten sie einfach. Sie vermisste, zum Einen, die harte Rancharbeit. Sie war es gewohnt, ihre Pferde selbst zu füttern und zu misten, und manchmal wachte sie immer noch morgens um fünf auf und wurde vom Stallteam dumm angeguckt, weil sie bei der Fütterung half, weil sie es nicht ausstehen konnte, behandelt zu werden wie ein verwöhntes Gör, das sich nicht um seine eigenen Pferde kümmern konnte. Sie vermisste auch den Umgangston auf der Ranch; natürlich war es als einziges Mädchen unter Jungs meistens eher schwierig als leicht, aber sie kam damit gut klar. Zuhause wusste sie zumindest, dass die Worte, egal wie nett oder böse sie klangen, ernst gemeint waren. Auf den Heaven Meadows war sie sich da oft nicht so sicher: sie konnte dieses ganze Nettgetue nicht ausstehen. Natürlich war sie grundsätzlich ein freundlicher Mensch. Aber sie war auch ein Mensch, der keinen Hehl aus dem machte, was sie dachte, und viele hier schienen damit nicht klar zu kommen.
Vielleicht hatte sie deswegen nicht so viel gegen Nancy auszusetzen, wie sie zunächst erwartet hatte. Das Mädchen war vielleicht still und zurückgezogen; aber sie war zumindest ehrlich. Sie tat nicht auf nett, nur weil man das so machte, und redete hinter dem Rücken schlecht über einen. Man konnte viele Dinge über Nancy sagen, auch alleine durchs Hörensagen - aber dass sie hinterfotzig war, gehörte nicht dazu. Daran erinnerte sich Terry jetzt, während sie diesen sinnlosen, aber überraschend unaufgesetzten Smalltalk mit der Schottin betrieb, und stellte fest, dass es doch vielleicht gar nicht so schlimm war, jetzt doch ein wenig Gesellschaft gefunden zu haben. Stattdessen rauchte sie entspannt ihre Zigarette, und fand es auch nicht komisch, dass Nancy für einen Moment still war, offensichtlich in ihren eigenen Gedanken vertieft; jeder hatte einen lauten Kopf, es gab schlimmeres als Redepausen im Gespräch. So musste Terry sich zumindest zum ziehen nicht selbst unterbrechen.

Nancys harsche Worte wunderten die Spanierin dann doch ein wenig; sie selbst hielt ja nicht viel von diesen ganzen Vergesellschaftungsmaßnahmen, wie sie das so gern in ihrem Kopf nannte, aber es wunderte sie, dass es auch andere gab, die ihre Gedanken teilten. Auf Nancys letzte Worte konnte Terry dann nicht anders reagieren als mit einem abfälligen Schnauben. "Porque mi madre quiere." "Weil meine Mutter möchte." "Deswegen mach ich bei dem Scheiß mit. Mi mamá würde sich zu Tode sorgen, wenn ich nicht versuche, mich zu integrieren." Sie veränderte ihren Sitz, setzte sich in den Schneidersitz, lehnte ihre Arme auf die Oberschenkel. Nach einem weiteren, tiefen Zug drückte sie die Zigarette auf einem Stückchen Erde aus und steckte den Filter in die Folie um die Zigarettenpackung.
"Trinkst du denn zumindest, Schottin? Oder kann ich dich noch nichtmal auf ein Bier einladen?", fragte Terry schließlich mit einem Grinsen, und ein freches Funkeln tauchte in ihren Augen auf, als sie ihre Gesellschaft für den Moment anschaute. Es war wirklich überraschend - sie hatte tatsächlich nichts dagegen, dass sie den Abend doch nicht allein verbringen musste, und das, obwohl sie noch vor einigen Minuten das Gefühl gehabt hatte, dass sie genug sozialisiert hatte für den Tag und nach der Zigarette und der Cola, die sie zuvor gehabt hatte, relativ schnell in ihrem Zimmer verschwinden würde.


{ Gedanken | Gespräch mit Nancy }
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Nancy McReynolds
1. Lehrjahr
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BEITRÄGE : 71
ALTER : The young Mistress is 19 years old right now, but has yet to live her whole life.
HERKUNFT : Born and raised in the scottish Highlands, the young lady is a nature-loving person.
AUSBILDUNG : She's trained to be a professional dressage rider to fill in her sister's footsteps.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   So 29 Okt 2017 - 21:58

Sich über das einen Kopf zu machen, was ihre Eltern von ihr verlangten, hatte Nancy bereits seit geraumer Zeit aufgegeben. Wenn sie in 19 Jahren eines gelernt hatte dann war es, dass man es ihren Eltern niemals recht machen konnte - egal, wie sehr sie es versucht und sich bemüht hatte, am Ende war es doch nie genug gewesen. Ob das nun die Schule, das Reiten oder etwas Anderes betraf, das war einerlei. Nancy war es so vorgekommen, als wäre sie nie "genug" gewesen. Sie war nicht ihre Schwester Felicity, das Vorzeigekind, und das, obwohl sie sich in so vielen Dingen ähnlich waren. Beide hatten das gleiche Talent im Reitsport, denselben Intellekt - doch irgendwie war es immer die ältere der beiden McReynolds Schwestern gewesen, die ihre Eltern favorisierten.
Das Schlimme daran war, dass man dieses "nicht genug sein" nicht mehr aus dem Kopf bekam, es brannte sich tief in die hintersten Ecken des Bewusstseins ein. Und irgendwann, da glaubte man selbst daran, dass man nicht mehr gut war.
Nancy schwor sich, sollte sie irgendwann einmal Kinder haben, dann würde sie dafür sorgen, dass sie anders aufwachsen als sie selbst. Ohne den überwältigenden Leistungsdruck, den sie erfahren hatte. Sie wünschte jedem Kind liebevolle Eltern, die sich wirklich um das Wohlergehen ihres Kindes sorgten und es so liebten, wie es war. Denn Nancys Eltern, da war sich die Schottin ganz sicher, liebten sie nicht, sie wollten sich hauptsächlich mit dem Talent ihrer beiden Töchter profilieren. Seht her, die McReynolds Schwestern, unser Eigenfleisch und Blut, die Personifikation von "Talent"! Innerlich übergab sich Nancy und schob die dunklen Gedanken beiseite.
Schließlich konnte sie auf Terésas Antwort nur den Kopf schütteln. Selbst wenn ihre Mutter dagewesen wäre, hätte sie um keinen Preis an einer dieser Spaßaktionen teilgenommen. Für einen kurzen Moment rieb sie sich mit beiden Händen übers Gesicht, ehe sie sich wie die Spanierin in den Schneidersitz setzte. Sie lehnte sich nach hinten und stützte sich mit den Händen ab, während sich das warme Licht der Sonne an ihre blasse Haut schmiegte.
"Integration wird sowieso überbewertet", murmelte die Schottin dann, "Die meisten kapseln sich ja ohnehin schon ab."
Für den Bruchteil einer Minute genoss sie die Stille, ehe Terésa erneut das Wort ergriff. Alkohol? Alkohol klang gut, Nancy trank nicht oft, aber wenn sie es tat, dann lautete ihr Motto "Ganz oder gar nicht". Entweder komplett voll oder nüchtern, etwas dazwischen existierte nicht. Die Schottin rappelte sich auf, sah Terry an und grinste schelmisch und gleichzeitig herausfordernd zurück.
"Bier? Eigentlich trinke ich ja nur starke Sachen, du weißt, wir sind eben Schotten, aber wenn es nichts Anderes gibt als das, dann geb ich mich natürlich auch damit zufrieden. Außerdem könnte ich grade ein wenig Alkohol vertragen", gab Nancy zurück, ehe sie aufstand. Dass sie gerade drauf und dran war, eines der striktesten Amerikanischen Gesetze zu brechen, war ihr egal. Ihre gesamte Kindheit hatte aus Regeln und Vorgaben bestanden, nun war es an der Zeit, dass sie aus der Reihe tanzte und ihren eigenen Kopf durchsetzte.
Sie stellte sich vor Terésa und streckte der noch am Boden sitztenden Spanierin die Hand hin, um ihr auf die Beine zu helfen. Vielleicht war so ein "Fest" gar keine so schlechte Idee, wie Nancy zuerst geglaubt hatte. Wäre sie hier erst gar nicht aufgetaucht, hätte sie es vielleicht doch bereut.
{Erinnerungen # TERÉSA}
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Isabel Preston
1. Lehrjahr
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BEITRÄGE : 165
ALTER : SEIT KURZEM ERST 24 JAHRE ALT, ÄNDERTE SICH IHR ALTER AM 02.02.
HERKUNFT : GEBOREN IN KANADA, VERBRACHTE SIE DIE ERSTEN JAHRE IN QUÉBEC UND SPRICHT FLIESSEND FRANZÖSISCH.
AUSBILDUNG : SEIT LANGEM SCHON STREBTE SIE DIE AUSBILDUNG ZUR TIERÄRZTIN AN UND HAT DIES IN DIE TAT UMGESETZT.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Mo 30 Okt 2017 - 9:54

Soweit die dunkelhaarige Kanadierin sich richtig erinnerte, war dies eines der sonderbarsten Gespräche, die sie je zuvor geführt hatte. Es lag keineswegs an der Art und Weise, wie es zustande gekommen war oder welche Thematik behandelt wurde, viel eher machte sie der junge Pferdepfleger in dem Maße nervös, welches sie zuvor nie wirklich kennengelernt hatte. Er selbst war vor solchen Gefühlen gefeit wie sie sich erinnerte und beneidete ihn ein wenig darum, immerhin ließe sich rational und funktional deutlich besser ein vernünftiges Gespräch führen. Dass der blonde Neuseeländer sich bisher noch nicht von ihr losgesagt hatte, um sich wichtigeren Dingen zu widmen - dem gleich anstehenden Konzert beispielsweise - mochte auch nur in seiner guten Erziehung begründet liegen.
Es irritierte Isabel, dass ausgerechnet Finnian sie gedanklich so aus der Bahn werfen konnte, als sei sie ein Erstsemester und er der gediegene Professor. Natürlich ließe sich dieses Bild mit gewissen Parallelen füllen, immerhin wusste die Dunkelhaarige, dass ihr Gegenüber bereits einen Doktor gemacht hatte und das in einem Alter, was beinahe an Humbug grenzte. Doch Isabel glaubte es, hatte sie sich immerhin einen Eindruck von ihm machen können. Umso bodenständiger ließ es ihn beinahe werden, dass er offensichtlich eine Schwäche für Kreuzworträtsel besaß und diese offen und regelmäßig auslebte.

Als er schließlich weiter ausführte, dass ein Mensch sich ungern nach unten orientierte was die Liebe betraf, seufzte Isabel unweigerlich leise auf. Tatsächlich war dies eine Beobachtung, die sie so selbst noch nicht getätigt hatte, allerdings durchaus glaubhaft fand, immerhin sprachen etliche Erlebnisse dafür. Es gab schließlich einen Grund, wieso das Kind einer schlecht situierten Familie zumeist eine ähnliche Laufbahn einschlug wie die Eltern und dies wiederum dem eigenen Kind mitgab. Es bedurfte dem couragierten Eingriff besser gestellter Menschen, um diesen Kreislauf zu durchbrechen - und zumeist lag dort auch ein Kernproblem. Kaum ein Mensch war gewillt seine eigenen Privilegien mit jenen zu teilen, die seiner Meinung nach selbst verantwortlich für ihr Schicksal waren. Durchaus verständlich, aber in einer Zeit, in der die Kinderarmut immer rapider anstieg, eindeutig der falsche Weg.
Isabel seufzte abermals leise. „Leider Gottes, ja.“ Sie musste schmunzeln. „Vermutlich verkaufen sich die Groschenromane daher so gut.“ Ein perfides Spiel der Gesellschaft, musste die Dunkelhaarige sich eingestehen, denn jeder trug gewissermaßen eine Mitschuld an dem gegenwärtigen Ist-Zustand. Allerdings - und das kam einem Hoffnungsstreif am Firmament gleich - gab es auch Ausnahmen, größere wie kleinere, in denen tatsächlich der Prinz zugunsten seiner Liebe auf den Titel verzichtete. Oder aber der Milliardär allen Widrigkeiten zum Trotz eine einfache Frau aus bürgerlichem Hause heiratete.
Ein wenig versöhnt mit der Welt richtete sie sich wieder ein wenig auf, ließ den Blick über die Anwesenden schweifen, die selbst in Gespräche vertieft waren. Hin und wieder erklang ein Lachen oder ein kleinerer Disput, doch alles in allem ließe sich an diesem Abend tatsächlich glauben, dass die Welt kein verdorbener Ort sein musste. Ihre Augen glitten über die Bühne, auf welcher bereits das Nötigste aufgestellt worden war und gelegentlich Leute auf die andere Seite huschten oder etwas an der Technik verstellten. Ein unruhiges Flattern in ihrer Magengegend lenkte ihren Blick wieder zurück zu Finnian und dessen Geigenkoffer, sich fragend, ob er tatsächlich niemals den Anflug von Nervosität verspürte.

Abschließend ließ sich der Neuseeländer vernehmen, dass auch für die Monogamie im Tierreich gesorgt sei. Abermals eine Ausnahme, wie Isabel feststellen musste, allerdings eine durchaus herzerwärmende. Wer kannte die possierlichen Tierchen nicht, die dicht aneinander gedrängt in großen Kolonien dem Schnee und Eisregen trotzten? Es faszinierte die junge Studentin immer wieder, dass so etwas wie Egoismus diesen Tieren vollkommen fremd war: jedes Tier stand einmal in der wärmenden Mitte und musste schließlich nachrücken, um an der kältesten Außenseite die Gruppe vor Wind abzuschützen. Doch auch hier kam ihr der Gedanke auf, dass es insbesondere Tiere an klimatisch herausfordernden Orten waren, die zu Monogamie neigten. Wie Finnian bereits erwähnte, Brautwerbung war anstrengend und kostete Kraft, an solchen Orten Dinge, die das Überleben sicherten. Doch auch hier: Ausnahmen bestätigten die regel.
Als er jedoch über den weiblichen Part sprach, sah sie ihn anfangs sprachlos entgegen, ehe sie erstaunt lachte. „Man möchte beinahe meinen, du sprichst nicht von Pinguinen, sondern dem menschlichen Pendant.“ Sie schmunzelte, beließ es aber dabei und neigte mit gerunzelter Stirn das haupt, als sie seine Worte noch einmal aufgriff. „Das hieße, Monogamie kostet weniger Energie im Endeffekt und der Nutzen sind Nachkommen aus einer bereits etablierten Linie, wenn man so möchte. Wieso also fällt es dem Menschen zumeist derart schwer, monogam zu leben?“ Eine ernst gemeinte Frage, wenngleich Isabel die Antwort womöglich gar nicht hören wollte. Immerhin würde das bedeuten, dass sie sich mit dem Wesen und den Interessen der Menschen näher auseinander setzen müsste, was ihr aus vielerlei Erfahrungen hinsichtlich dieses Themas bereits zuwider war. Sie seufzte düster, als Finnian schließlich noch anfügte, dass eine 'schnelle Nummer' für viele erstrebenswerter wirkte als es eine feste, stabile Beziehung je sein würde. Der Hintergrund dahinter würde sich der Kanadierin vermutlich nie erschließen, hatte sie doch stets für langfristige Entscheidungen plädiert.
„Vermutlich. Ich wüsste allerdings nicht, was an der ständigen Sorge, sich mit irgendwelchen Krankheiten anstecken zu können, so ansehnlich wäre.“ Sie schüttelte düster das Haupt, zuckte mit den Schultern und ließ ihren Blick abermals über den Platz gleiten. Sie entdeckte einige junge Paare, die noch scheu miteinander umgingen, während die älteren Pärchen bedeutend entspannter im Umgang waren. Lag es womöglich daran? dass es nicht einzig mit der 'Brautwerbung' getan war, sondern danach erst die eigentliche Arbeit begann? Immerhin mussten beide Seiten mehr investieren, als sie jemals würden zurück erhalten können und doch funktionierte dieses Prinzip bereits seit Jahrmillionen. Was also hatte sich so geändert?
Aus dem Augenwinkel heraus betrachtete sie die stattliche Erscheinung des Neuseeländers. Dessen Intellekt zugegebenermaßen Isabel mehr anzog als das gute Aussehen, wenngleich dies durchaus nicht zu verachten war. Lag es womöglich daran? Dass die Welt zunehmend mehr verrohte und einzig das Aussehen eine Rolle spielte, nicht aber der Fakt, ob der Partner überlebensfähige Nachkommen hervor brachte und diese auch schützen könnte?




{Finnian}
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Finnian McAllen
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BEITRÄGE : 227
ALTER :
Beruflich habe ich mit 23 noch einiges vor.

HERKUNFT : Mein Ursprung liegt in den unberührten Weiten NEUSEELANDS, dort wo Natur noch Natur ist.
AUSBILDUNG : Wahrscheinlich ist PFERDEPFLEGER nicht mein endgültiger Beruf, aber er ist eine Bereicherung.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Di 7 Nov 2017 - 15:06

Der schmale Grat zwischen Naivität und Intellekt, den Isabel an den Tag legte, war erfrischend. Sie war keine dieser beschränkten Seelen, die sich fragten, worüber Finnian gerade sprach, sondern sie konnte ihm wirklich folgen. Oder wollte es. Vermutlich sogar beides, denn anders war ihr Interesse an diesem zugegebenermaßen immer eigentümlicher werdenden Gespräch nicht zu erklären. Finnian selbst hatte keinerlei Probleme mit den etwas unangenehmeren Themen, solange er nicht über sich selbst sprechen musste. Er war niemand, der einen Hehl um die Missstände der Welt machte, oder der entscheidende Aspekte unter den Tisch fallen ließ. Er war gerne informiert, las regelmäßig tagesaktuelle Zeitungen und wann immer es ging, versuchte er sich die Abendnachrichten anzusehen. Er war eifrig, was das Weltgeschehen betraf und generell sehr interessiert daran, was um ihn herum passierte. Sofern es nicht mit Klatsch und Tratsch und belanglosen Sachen zu tun hatte. Wobei es hier auch immer auf die subjektive Definition von diesem ankam. Wie es diesbezüglich um Isabel stand, vermochte er nicht zu sagen, aber sie war immerhin klug genug, um etwas Sinnvolles zu diesem Thema beizutragen. Finnian erwartete ja auch gar keine hochwissenschaftliche Abhandlung über das Sexualverhalten des Menschen. Dafür hätte er mit einem Arzt oder einem Forscher weitaus besser darüber sprechen können. Deswegen ließ ihn auch Isabels Kommentar über Groschenromane schmunzeln. Sie hatte durchaus Witz, das musste man ihr lassen. Und das, obwohl Finnian sonst eher eine regelrechte Humorbehinderung entwickelt hatte, die alles filterte, was nicht sachlich und nüchtern war, aber die Dunkelhaarige gab ihm ein ganz anderes Gefühl, wenn sie mal einen Scherz machte. Es war irgendwie nichts Abwertendes oder gar Beleidigendes, sondern immer eine Pointe mit Charme. Letzteren versprühten auch die angesprochenen Romane auf gewisse Weise, wenn man auf die einfältigen Geschichten, die sie zuhauf enthielten denn mochte. Natürlich war solcherlei Lektüre dem Neuseeländer viel zu einfach, doch er musste wohlig schmunzeln, wenn er an das herzerwärmende Bild einer gealterten Frau dachte, die in ihrem Schaukelstuhl bei einer Tasse Tee einen der Groschenromane in der Hand hielt und in dessen Liebe eintauchte. Waren es nicht die unerfüllten Sehnsüchte und Wünsche, die solchen Geschichten die Macht gaben, ihren Leser zu entführen? Wünschten sich nicht viele im Alter, dass sie in ihrem Leben mehr experimentiert hätten? Eigentlich war es ein trauriges Zeugnis für jene Bücher, die nur von verpassten Chancen sprachen.
Erst Isabels Worte zu den Pinguinen rissen Finnian aus seinen Gedanken, doch er war sich selbst nicht sicher, ob er das angesprochene menschliche Pendant meinte. Eigentlich glaubte er nicht daran, dass es bessere und schlechtere Menschen gab. Wissen war nur eine Frage der Bildung und die stand auch heutzutage leider noch nicht jedem unbegrenzt zur Verfügung. Gerade in Amerika wollten die Colleges bezahlt werden und das nicht zu knapp. Wie sollte sich das ein einfacher Mann leisten können? Dennoch musste ein vermeintlich ‚unschöner‘ Mensch nicht gleich ein dummer sein. Natürlich ‚aß‘ das Auge mit, aber man musste sich nur Uniprofessoren ansehen, um zu bemerken, dass die klügsten Köpfe, selten die schönsten waren. Man konnte eben nicht alles haben und ein wacher Geist war Finnian allemal lieber, als die perfekten Modelmaße.
„Vermutlich, weil sie irgendwann in ihrer Beziehung aufhören, aufeinander zu achten. Anstatt die Langeweile zu beseitigen suchen sie sich Ablenkung bei anderen Partnern, die sie ihrer Monogamie entledigen. Ich glaube nicht, dass es etwas damit zu tun hat, dass es jemandem ‚schwer fällt‘, auch wenn man das gerne von Männern behauptet. Wenn es wirklich eine besondere Verbindung zwischen zwei Menschen gibt, dann wird diese auch halten, sofern beide Seiten bereit sind zu investieren, anstatt wegzuschauen.“ Mitnichten war Finnian ein Romantiker, aber eine glückliche, lange Beziehung erschien ihm nicht als etwas Utopisches. Dafür gab es zu viele Beweise, die das widerlegten. Zudem schien der Mensch auch wissenschaftlich eher ein monogam lebendes Wesen zu sein, denn selbst in den alten Kulturen Südamerikas besaßen die Stämme zwar in Oberhaupt, aber niemals nur einen Mann, dem die Fortpflanzung erlaubt war, wie es etwa bei Wölfen der Fall war. Als selbstbestimmte Art war es den Menschen vergönnt zu wählen und Entscheidungen zu treffen. Nur sie selbst konnten die falsche treffen, aber ihr Wesen würde kaum daran Schuld sein.
Erneut zierte ein Lächeln Finnians Lippen, als Isabel auf Geschlechtskrankheiten zu sprechen kam. „Wahrlich eine unschöne Vorstellung. Vielleicht hat auch das etwas mit Intelligenz zu tun. Manche denken einfach nicht voraus, haben keinen Blick für die Konsequenzen. Oder aber es liegt an der Konsumwut der heutigen Gesellschaft. Von nichts kann man genug haben…“ Eine traurige Entwicklung wie Finnian fand. Diese beständige Gier alles Mögliche haben zu wollen, würde sie früher oder später noch vernichten. Es wurde gejammert über zu wenig Geld, dabei hatten die Leute genug zum Leben, nur eben nicht genug für das neuste Smartphone oder die große Kreuzfahrt. Der Blonde verstand beim besten Willen nicht, warum solch materielle Sachen so erstrebenswert waren, wo sie nicht einmal von langer Dauer waren. Das einzige, wofür es sich lohnte Geld auszugeben (abgesehen von der Deckung der Grundbedürfnisse), waren Erinnerungen. Schöne Urlaube, Konzerte, einzigartige Momente. Dabei tat es aber auch der Roadtrip durch das eigene Land. Es musste nicht immer der Flug ans andere Ende der Welt sein. Doch das ließ sich leicht sagen, wenn man selbst ohne Geldsorgen am anderen Ende der Welt lebte.

{Isabel}
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