THESE ARE THE GLORY DAYS FROM NOW UNTIL FOREVER WE'VE COME ALONG WAY AND THE ROAD IS CLEAR FOR ANOTHER HUNDRED YEARS
 
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 Wiesen und Felder

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AutorNachricht
Finnian McAllen
1. Lehrjahr
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BEITRÄGE : 232
ALTER :
Beruflich habe ich mit 23 noch einiges vor.

HERKUNFT : Mein Ursprung liegt in den unberührten Weiten NEUSEELANDS, dort wo Natur noch Natur ist.
AUSBILDUNG : Wahrscheinlich ist PFERDEPFLEGER nicht mein endgültiger Beruf, aber er ist eine Bereicherung.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Di 24 Okt 2017 - 11:54

Vielleicht hätte jemand, der eine bessere Menschenkenntnis besaß als Finnian, Isabels Schweigen besser deuten können. Aber den jungen Neuseeländer hinterließ die Stille mit einem unangenehmen Gefühl, das ihn beinahe dazu veranlasste, von einem Bein auf das andere zu treten. Verbissen versuchte er diesen Impuls zu unterdrücken und Isabel nicht so nach einer Antwort lechzend anzusehen. Immerhin hatte er doch sonst auch kein Problem damit, wenn sich eine unangenehme Stille ausbreitete und das Gespräch verebbte. Aber genau das wollte er dieses Mal auf Teufel komm raus verhindern und wusste dabei selbst nicht einmal wieso. Dass Isabel anders tickte als die anderen, hatte sie jetzt schon mehrmals gezeigt und obwohl sie nicht mit einem ähnlichen hohen IQ glänzen konnte wie Finnian selbst, war er doch interessiert an ihrer Sichtweise. Sie wirkte nicht so 'normal' und abgeklatscht wie alle anderen Frauen ihres Alters, denen Finnian bisher begegnet war. Nein, er würde fast behaupten, Isabel sei etwas Besonderes, wenn er durch zahlreiche Filme nicht mitbekommen hatte, dass das etwas regelrecht Unerhörtes war, wenn man keine tieferliegenden Ambitionen hegte. Dabei wollte er sie keineswegs von sich überzeugen, ihr etwas aufzwingen oder ihr seine Gesellschaft aufs Auge drücken. Aber er war froh, solange sie blieb und sich mit ihm unterhielt, weil er allmählich nicht nur sein Lampenfieber vollends vergessen hatte, sondern auch das Kreuzworträtsel, an dem er sonst immer herumknobelte.
Natürlich hatte er oft in seiner Schulzeit auf dem Hof seine Mitmenschen studiert, hatte versucht ihre Reaktionen zu analysieren und schlau aus ihrem Verhalten zu werden. Viel hatte es nicht gebracht, aber hatte immerhin einen Uniplatz bekommen und das Aufnahmegespräch für Master und Promotion überstanden. Allzu schlecht konnte es nicht um ihn stehen, und doch hatte er verstanden, dass die Art von Menschen, mit denen er an der Universität zu tun gehabt hatte, eine ganz andere war, als die, die hier auf dem Hof herumlief. Hier waren alle so viel - highschoolhafter. Es ging um banalere Dinge. Bei Isabel war das ein wenig anders. gewissermaßen gehörte sie zwar auch zu der Art Mensch, die man in diesem Jahrhundert an jeder Ecke antraf - sie war normal. Aber da war noch mehr. Sie wirkte fast ein wenig steif, wenn jemand neben Finnian noch steif erscheinen konnte und sie hatte nicht so eine stöbernde, aufdringliche Art wie die anderen, die ihn hatten "kennenlernen" wollen. Finnian begann wirklich die Dunkelhaarige zu mögen und das machte ihm selbst am meisten Angst. So schnell war das noch nie gegangen! Bei keinem Menschen.
"Das mit dem Kommunikationslevel erscheint mir einleuchtend. Ein Akademiker wird sich immer vorrangig nach einer Akademikerin umsehen. Aber auch das ist ein einfacher biologischer Effekt. Der Mensch heiratet ungern nach unten, auch wenn die Liebe anderes behaupten will. Es wird immer versucht, den eigenen Status beizubehalten." Isabel schien ihm in der Hinsicht mit den philosophischen Themen tatsächlich folgen zu können und auch noch gute Antworten zu wissen. Der Blonde wollte sich beinahe beeindruckt zeigen, aber glaubte er nicht, dass Isabel anerkennungsheischend war. Doch ihre Worte besaßen einen wahren Kern, wenngleich Finnian nicht glauben mochte, dass man sich immer über die Biologie hinwegsetzen mochte. Dafür war der Mensch dann doch noch zu unperfekt und primitiv, als dass er sich seiner Instinkte hätte entsagen können. Nur weil er sich anpassen konnte und vorausdachte, bedeutete es noch lange nicht, dass er das beste Leben von allem war, was je leben würde.

Auch in der Frage um die Fortpflanzung ließen die Worte der Azubine den Pferdepfleger aufhorchen. Ein monogamer Man war evolutionsmäßig tatsächlich nicht sonderlich effektiv. Allerdings verhielt es sich bei den Pinguinen ähnlich. "Wo man auch hinsieht - auch hier findet die Natur andere monogame Wesen. Pinguine halten sich ein Leben lang die Treue. Das ist nicht nur süß, sondern für sie auch unglaublich effektiv, weil sie so weniger Kraft mit Brautwerbung verschwenden und sich aufeinander verlassen können, was immer passiert. Für die Anzahl der Gattungsgenossen ist es vielleicht eher nachteilig, aber ich glaube, dass es der Art selber dennoch Vorteile bringt. Hier paart sich zwar nicht ausschließlich der Beste, aber überleben werden dennoch nur die stärksten Jungtiere. Was bringt der beste Kerl, wenn der weibliche Gegenpart ein echter Reinfall ist?" Sein Blick verklärte sich ein wneig, als er an jene Nacht zurückdachte. Philippe hatte ihm einen Gefallen tun wollen. Es war keiner gewesen. Die Frau war dumm und beschränkt gewesen. Aber ihr Körper sah doch so gut aus. Vielleicht mochte sein Bruder damit recht gehabt haben, gerettet hatte es den Abend jedoch nicht. Zumindest nicht für Finnian. Monogamie war nicht das Problem, das Problem war Dummheit und Selbstüberschätzung. Die fand man nicht nur beim Menschen.
Isabel hing offenbar auch ihren eigenen gedanken nach und murmelte schließlich Eine sonderbare Erfindung der Natur. Finnian nickte darauf bestätigend. Der Mensch war komplex, sein Fortpflanzungstrieb offenbar ebenso. Wer sollte da je den Durchblick behalten? Finnian gewiss nicht - er war schon mit einer 'schnellen Nummer' überfordert. "Ich fürchte, die meisten wollen Ersteres. Es bringt doch vermeintlich mehr Spaß..." Der Blonde verzog bei den Worten keine Miene, aber er wirkte nicht wie jemand, der dies ebenso sah. Dafür hatte er sich zuvor zu kritisch geäußert. Aber war er ein Mann für eine Partnerschaft? Finnian war mehr wie jemand, der alleine alt wurde und doch war er davon selbst aktuell gar nicht mal mehr so überzeugt. Was wenn da doch mehr war und die Liebe ihm gar nicht so fern?

{Isabel}
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Nancy McReynolds
1. Lehrjahr
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BEITRÄGE : 75
ALTER : The young Mistress is 19 years old right now, but has yet to live her whole life.
HERKUNFT : Born and raised in the scottish Highlands, the young lady is a nature-loving person.
AUSBILDUNG : She's trained to be a professional dressage rider to fill in her sister's footsteps.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Do 26 Okt 2017 - 18:27

Es gab wirklich wenige, unglaublich wenige Menschen, die Nancy zu ihrer Liste an Freundnen zählen konnte. Sie war nie der sozialste Mensch gewesen - die meisten waren ihr auch ehrlich gesagt viel zu anstrengend, um auf Dauer mit ihnen auszukommen - und sie hatte auch nie wirklich das bedürfnis gehabt, sich Freunde zu suchen. Tatsächlich hatte sie, wenn sie ihre beiden Pferde abzog, genau eine Freundin, die sie auch als solche bezeichnen konnte. Jamie war seit frühester Kindheit ihre Freundin, und daran hatte sich auch die darauffolgenden 16 Jahre nichts geändert. Keiner von beiden war jemals am Feiern interessiert gewesen, oder an Jungs. Nein, sie hatten ihre Freizeit grundsätzlich im Stall verbracht. Das war ihr Zuhause gewesen, zwischen Heu und Pferdemist hatten sie sich am allerwohlsten gefühlt.
Auch daran hat sich in 16 Jahren nichts geändert, abgesehen von der Tatsache, das Nancy nun mehrere tausende Kilometer von ihrer besten und einzigen Freundin entfernt wohnte. Klar, sie schrieben täglich miteinander und schafften es sogar, jede Woche zu skypen. Doch es war nicht dasselbe, und zugegebenermaßen tat es Nancy sehr weh, dass sie ihre Freundin in Schottland zurückgelassen hatte. Doch die Heaven Meadows Stables hatten eine unfassbae Möglichkeit geboten, die Abhängigkeit von ihren Eltern zu verlieren und den Weg zu gehen, den sie für sich selbst entscheiden wollte.
Das Gejubel der Zuschauer am etwas entfernten Fußballplatz holte sie in die Wirklichkeit zurück. Teresa erzählte ihr von ihrer Ranch in Texas und dass ihre Familie eigentlich aus Spanien kam. Nancy verzog die Lippen lediglich zu einem leichten Lächeln, ehe sie das Treiben vor sich beobachtete. Gott, wie schaffte es jeder nur, so zu tun, als würden sie sich mögen, und heile Welt zu spielen? Die Grüppchenbildung auf der Ranch war stark geprägt von Liebeleien und Streitigkeiten. Nancy konnte alle Leute gleichermaßen nicht leiden, da gab es keine Favoriten und Lieblinge. Mit dem ein oder anderen zettelte sie manchmal einen Streit an, jedoch nur selten ohne einen ersichtlichen Grund. Sonst hielt sie die anderen eher auf Abstand, vielleicht sogar etwas unfreiwillig, doch ihre selbst errichtete Mauer aus Arroganz und Selbstbewusstsein tat ihr Übriges in diesem Prozess. Nicht selten senkten die Leute sogar den Kopf, wenn sie Nancy über den Weg liefen.

Teresas Stimme ertönte zu ihrer Linken und riss sie erneut aus ihren Gedanken heraus. Für einen kurzen Moment sah sie die Spanierin, Texanerin, wie auch immer man sie nennen wollte, an, ehe sie ihren Blick nochmals auf das Geschehen am anderen Ende der Wiese richtet. "Um Gottes Willen, nein, ich hatte mich nirgends eingetragen. Ich denke, es ist weit bekannt, dass ich kein sehr sozialer Mensch bin", antwortete die Schottin dann, zunächst mit gespieltem Entsetzen, bevor sie schmunzelte. "Ich möchte eigentlich so wenig wie möglich mit solchen vermeintlich gemeinschaftsstärkenden Veranstaltungen zu tun haben. Aber ich wette, du hast dich für etwas eingetragen, nicht?"
{nachdenklich # beobachtet # TERÉSA}
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Terésa Rodriguez
1. Lehrjahr
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BEITRÄGE : 69
ALTER : Inzwischen ist sie schon 20 JAHRE alt - bald darf sie sogar legal trinken, dann ist sie wahrlich erwachsen.
HERKUNFT : Geboren noch in Spanien, ist Terésa allerdings in TEXAS aufgewachsen, was sie zu einem wahren Cowgirl macht.
AUSBILDUNG : Nach Jahren des Westernreitens hat sie dann doch die DRESSUR für sich entdeckt, und will nun irgendwann Profi werden.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Fr 27 Okt 2017 - 20:08

Manchmal war sich Terésa immer noch nicht so ganz sicher, ob sie hier richtig war. Natürlich liebte sie das Dressurreiten, und sie war unglaublich glücklich, dass sie in diesem dreiviertel Jahr auf dem Hof so unglaublich viel gelernt hatte. Aber was sollte sie sagen? Manche Dinge störten sie einfach. Sie vermisste, zum Einen, die harte Rancharbeit. Sie war es gewohnt, ihre Pferde selbst zu füttern und zu misten, und manchmal wachte sie immer noch morgens um fünf auf und wurde vom Stallteam dumm angeguckt, weil sie bei der Fütterung half, weil sie es nicht ausstehen konnte, behandelt zu werden wie ein verwöhntes Gör, das sich nicht um seine eigenen Pferde kümmern konnte. Sie vermisste auch den Umgangston auf der Ranch; natürlich war es als einziges Mädchen unter Jungs meistens eher schwierig als leicht, aber sie kam damit gut klar. Zuhause wusste sie zumindest, dass die Worte, egal wie nett oder böse sie klangen, ernst gemeint waren. Auf den Heaven Meadows war sie sich da oft nicht so sicher: sie konnte dieses ganze Nettgetue nicht ausstehen. Natürlich war sie grundsätzlich ein freundlicher Mensch. Aber sie war auch ein Mensch, der keinen Hehl aus dem machte, was sie dachte, und viele hier schienen damit nicht klar zu kommen.
Vielleicht hatte sie deswegen nicht so viel gegen Nancy auszusetzen, wie sie zunächst erwartet hatte. Das Mädchen war vielleicht still und zurückgezogen; aber sie war zumindest ehrlich. Sie tat nicht auf nett, nur weil man das so machte, und redete hinter dem Rücken schlecht über einen. Man konnte viele Dinge über Nancy sagen, auch alleine durchs Hörensagen - aber dass sie hinterfotzig war, gehörte nicht dazu. Daran erinnerte sich Terry jetzt, während sie diesen sinnlosen, aber überraschend unaufgesetzten Smalltalk mit der Schottin betrieb, und stellte fest, dass es doch vielleicht gar nicht so schlimm war, jetzt doch ein wenig Gesellschaft gefunden zu haben. Stattdessen rauchte sie entspannt ihre Zigarette, und fand es auch nicht komisch, dass Nancy für einen Moment still war, offensichtlich in ihren eigenen Gedanken vertieft; jeder hatte einen lauten Kopf, es gab schlimmeres als Redepausen im Gespräch. So musste Terry sich zumindest zum ziehen nicht selbst unterbrechen.

Nancys harsche Worte wunderten die Spanierin dann doch ein wenig; sie selbst hielt ja nicht viel von diesen ganzen Vergesellschaftungsmaßnahmen, wie sie das so gern in ihrem Kopf nannte, aber es wunderte sie, dass es auch andere gab, die ihre Gedanken teilten. Auf Nancys letzte Worte konnte Terry dann nicht anders reagieren als mit einem abfälligen Schnauben. "Porque mi madre quiere." "Weil meine Mutter möchte." "Deswegen mach ich bei dem Scheiß mit. Mi mamá würde sich zu Tode sorgen, wenn ich nicht versuche, mich zu integrieren." Sie veränderte ihren Sitz, setzte sich in den Schneidersitz, lehnte ihre Arme auf die Oberschenkel. Nach einem weiteren, tiefen Zug drückte sie die Zigarette auf einem Stückchen Erde aus und steckte den Filter in die Folie um die Zigarettenpackung.
"Trinkst du denn zumindest, Schottin? Oder kann ich dich noch nichtmal auf ein Bier einladen?", fragte Terry schließlich mit einem Grinsen, und ein freches Funkeln tauchte in ihren Augen auf, als sie ihre Gesellschaft für den Moment anschaute. Es war wirklich überraschend - sie hatte tatsächlich nichts dagegen, dass sie den Abend doch nicht allein verbringen musste, und das, obwohl sie noch vor einigen Minuten das Gefühl gehabt hatte, dass sie genug sozialisiert hatte für den Tag und nach der Zigarette und der Cola, die sie zuvor gehabt hatte, relativ schnell in ihrem Zimmer verschwinden würde.


{ Gedanken | Gespräch mit Nancy }
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Nancy McReynolds
1. Lehrjahr
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BEITRÄGE : 75
ALTER : The young Mistress is 19 years old right now, but has yet to live her whole life.
HERKUNFT : Born and raised in the scottish Highlands, the young lady is a nature-loving person.
AUSBILDUNG : She's trained to be a professional dressage rider to fill in her sister's footsteps.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   So 29 Okt 2017 - 21:58

Sich über das einen Kopf zu machen, was ihre Eltern von ihr verlangten, hatte Nancy bereits seit geraumer Zeit aufgegeben. Wenn sie in 19 Jahren eines gelernt hatte dann war es, dass man es ihren Eltern niemals recht machen konnte - egal, wie sehr sie es versucht und sich bemüht hatte, am Ende war es doch nie genug gewesen. Ob das nun die Schule, das Reiten oder etwas Anderes betraf, das war einerlei. Nancy war es so vorgekommen, als wäre sie nie "genug" gewesen. Sie war nicht ihre Schwester Felicity, das Vorzeigekind, und das, obwohl sie sich in so vielen Dingen ähnlich waren. Beide hatten das gleiche Talent im Reitsport, denselben Intellekt - doch irgendwie war es immer die ältere der beiden McReynolds Schwestern gewesen, die ihre Eltern favorisierten.
Das Schlimme daran war, dass man dieses "nicht genug sein" nicht mehr aus dem Kopf bekam, es brannte sich tief in die hintersten Ecken des Bewusstseins ein. Und irgendwann, da glaubte man selbst daran, dass man nicht mehr gut war.
Nancy schwor sich, sollte sie irgendwann einmal Kinder haben, dann würde sie dafür sorgen, dass sie anders aufwachsen als sie selbst. Ohne den überwältigenden Leistungsdruck, den sie erfahren hatte. Sie wünschte jedem Kind liebevolle Eltern, die sich wirklich um das Wohlergehen ihres Kindes sorgten und es so liebten, wie es war. Denn Nancys Eltern, da war sich die Schottin ganz sicher, liebten sie nicht, sie wollten sich hauptsächlich mit dem Talent ihrer beiden Töchter profilieren. Seht her, die McReynolds Schwestern, unser Eigenfleisch und Blut, die Personifikation von "Talent"! Innerlich übergab sich Nancy und schob die dunklen Gedanken beiseite.
Schließlich konnte sie auf Terésas Antwort nur den Kopf schütteln. Selbst wenn ihre Mutter dagewesen wäre, hätte sie um keinen Preis an einer dieser Spaßaktionen teilgenommen. Für einen kurzen Moment rieb sie sich mit beiden Händen übers Gesicht, ehe sie sich wie die Spanierin in den Schneidersitz setzte. Sie lehnte sich nach hinten und stützte sich mit den Händen ab, während sich das warme Licht der Sonne an ihre blasse Haut schmiegte.
"Integration wird sowieso überbewertet", murmelte die Schottin dann, "Die meisten kapseln sich ja ohnehin schon ab."
Für den Bruchteil einer Minute genoss sie die Stille, ehe Terésa erneut das Wort ergriff. Alkohol? Alkohol klang gut, Nancy trank nicht oft, aber wenn sie es tat, dann lautete ihr Motto "Ganz oder gar nicht". Entweder komplett voll oder nüchtern, etwas dazwischen existierte nicht. Die Schottin rappelte sich auf, sah Terry an und grinste schelmisch und gleichzeitig herausfordernd zurück.
"Bier? Eigentlich trinke ich ja nur starke Sachen, du weißt, wir sind eben Schotten, aber wenn es nichts Anderes gibt als das, dann geb ich mich natürlich auch damit zufrieden. Außerdem könnte ich grade ein wenig Alkohol vertragen", gab Nancy zurück, ehe sie aufstand. Dass sie gerade drauf und dran war, eines der striktesten Amerikanischen Gesetze zu brechen, war ihr egal. Ihre gesamte Kindheit hatte aus Regeln und Vorgaben bestanden, nun war es an der Zeit, dass sie aus der Reihe tanzte und ihren eigenen Kopf durchsetzte.
Sie stellte sich vor Terésa und streckte der noch am Boden sitztenden Spanierin die Hand hin, um ihr auf die Beine zu helfen. Vielleicht war so ein "Fest" gar keine so schlechte Idee, wie Nancy zuerst geglaubt hatte. Wäre sie hier erst gar nicht aufgetaucht, hätte sie es vielleicht doch bereut.
{Erinnerungen # TERÉSA}
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Isabel Preston
1. Lehrjahr
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BEITRÄGE : 175
ALTER : SEIT KURZEM ERST 24 JAHRE ALT, ÄNDERTE SICH IHR ALTER AM 02.02.
HERKUNFT : GEBOREN IN KANADA, VERBRACHTE SIE DIE ERSTEN JAHRE IN QUÉBEC UND SPRICHT FLIESSEND FRANZÖSISCH.
AUSBILDUNG : SEIT LANGEM SCHON STREBTE SIE DIE AUSBILDUNG ZUR TIERÄRZTIN AN UND HAT DIES IN DIE TAT UMGESETZT.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Mo 30 Okt 2017 - 9:54

Soweit die dunkelhaarige Kanadierin sich richtig erinnerte, war dies eines der sonderbarsten Gespräche, die sie je zuvor geführt hatte. Es lag keineswegs an der Art und Weise, wie es zustande gekommen war oder welche Thematik behandelt wurde, viel eher machte sie der junge Pferdepfleger in dem Maße nervös, welches sie zuvor nie wirklich kennengelernt hatte. Er selbst war vor solchen Gefühlen gefeit wie sie sich erinnerte und beneidete ihn ein wenig darum, immerhin ließe sich rational und funktional deutlich besser ein vernünftiges Gespräch führen. Dass der blonde Neuseeländer sich bisher noch nicht von ihr losgesagt hatte, um sich wichtigeren Dingen zu widmen - dem gleich anstehenden Konzert beispielsweise - mochte auch nur in seiner guten Erziehung begründet liegen.
Es irritierte Isabel, dass ausgerechnet Finnian sie gedanklich so aus der Bahn werfen konnte, als sei sie ein Erstsemester und er der gediegene Professor. Natürlich ließe sich dieses Bild mit gewissen Parallelen füllen, immerhin wusste die Dunkelhaarige, dass ihr Gegenüber bereits einen Doktor gemacht hatte und das in einem Alter, was beinahe an Humbug grenzte. Doch Isabel glaubte es, hatte sie sich immerhin einen Eindruck von ihm machen können. Umso bodenständiger ließ es ihn beinahe werden, dass er offensichtlich eine Schwäche für Kreuzworträtsel besaß und diese offen und regelmäßig auslebte.

Als er schließlich weiter ausführte, dass ein Mensch sich ungern nach unten orientierte was die Liebe betraf, seufzte Isabel unweigerlich leise auf. Tatsächlich war dies eine Beobachtung, die sie so selbst noch nicht getätigt hatte, allerdings durchaus glaubhaft fand, immerhin sprachen etliche Erlebnisse dafür. Es gab schließlich einen Grund, wieso das Kind einer schlecht situierten Familie zumeist eine ähnliche Laufbahn einschlug wie die Eltern und dies wiederum dem eigenen Kind mitgab. Es bedurfte dem couragierten Eingriff besser gestellter Menschen, um diesen Kreislauf zu durchbrechen - und zumeist lag dort auch ein Kernproblem. Kaum ein Mensch war gewillt seine eigenen Privilegien mit jenen zu teilen, die seiner Meinung nach selbst verantwortlich für ihr Schicksal waren. Durchaus verständlich, aber in einer Zeit, in der die Kinderarmut immer rapider anstieg, eindeutig der falsche Weg.
Isabel seufzte abermals leise. „Leider Gottes, ja.“ Sie musste schmunzeln. „Vermutlich verkaufen sich die Groschenromane daher so gut.“ Ein perfides Spiel der Gesellschaft, musste die Dunkelhaarige sich eingestehen, denn jeder trug gewissermaßen eine Mitschuld an dem gegenwärtigen Ist-Zustand. Allerdings - und das kam einem Hoffnungsstreif am Firmament gleich - gab es auch Ausnahmen, größere wie kleinere, in denen tatsächlich der Prinz zugunsten seiner Liebe auf den Titel verzichtete. Oder aber der Milliardär allen Widrigkeiten zum Trotz eine einfache Frau aus bürgerlichem Hause heiratete.
Ein wenig versöhnt mit der Welt richtete sie sich wieder ein wenig auf, ließ den Blick über die Anwesenden schweifen, die selbst in Gespräche vertieft waren. Hin und wieder erklang ein Lachen oder ein kleinerer Disput, doch alles in allem ließe sich an diesem Abend tatsächlich glauben, dass die Welt kein verdorbener Ort sein musste. Ihre Augen glitten über die Bühne, auf welcher bereits das Nötigste aufgestellt worden war und gelegentlich Leute auf die andere Seite huschten oder etwas an der Technik verstellten. Ein unruhiges Flattern in ihrer Magengegend lenkte ihren Blick wieder zurück zu Finnian und dessen Geigenkoffer, sich fragend, ob er tatsächlich niemals den Anflug von Nervosität verspürte.

Abschließend ließ sich der Neuseeländer vernehmen, dass auch für die Monogamie im Tierreich gesorgt sei. Abermals eine Ausnahme, wie Isabel feststellen musste, allerdings eine durchaus herzerwärmende. Wer kannte die possierlichen Tierchen nicht, die dicht aneinander gedrängt in großen Kolonien dem Schnee und Eisregen trotzten? Es faszinierte die junge Studentin immer wieder, dass so etwas wie Egoismus diesen Tieren vollkommen fremd war: jedes Tier stand einmal in der wärmenden Mitte und musste schließlich nachrücken, um an der kältesten Außenseite die Gruppe vor Wind abzuschützen. Doch auch hier kam ihr der Gedanke auf, dass es insbesondere Tiere an klimatisch herausfordernden Orten waren, die zu Monogamie neigten. Wie Finnian bereits erwähnte, Brautwerbung war anstrengend und kostete Kraft, an solchen Orten Dinge, die das Überleben sicherten. Doch auch hier: Ausnahmen bestätigten die regel.
Als er jedoch über den weiblichen Part sprach, sah sie ihn anfangs sprachlos entgegen, ehe sie erstaunt lachte. „Man möchte beinahe meinen, du sprichst nicht von Pinguinen, sondern dem menschlichen Pendant.“ Sie schmunzelte, beließ es aber dabei und neigte mit gerunzelter Stirn das haupt, als sie seine Worte noch einmal aufgriff. „Das hieße, Monogamie kostet weniger Energie im Endeffekt und der Nutzen sind Nachkommen aus einer bereits etablierten Linie, wenn man so möchte. Wieso also fällt es dem Menschen zumeist derart schwer, monogam zu leben?“ Eine ernst gemeinte Frage, wenngleich Isabel die Antwort womöglich gar nicht hören wollte. Immerhin würde das bedeuten, dass sie sich mit dem Wesen und den Interessen der Menschen näher auseinander setzen müsste, was ihr aus vielerlei Erfahrungen hinsichtlich dieses Themas bereits zuwider war. Sie seufzte düster, als Finnian schließlich noch anfügte, dass eine 'schnelle Nummer' für viele erstrebenswerter wirkte als es eine feste, stabile Beziehung je sein würde. Der Hintergrund dahinter würde sich der Kanadierin vermutlich nie erschließen, hatte sie doch stets für langfristige Entscheidungen plädiert.
„Vermutlich. Ich wüsste allerdings nicht, was an der ständigen Sorge, sich mit irgendwelchen Krankheiten anstecken zu können, so ansehnlich wäre.“ Sie schüttelte düster das Haupt, zuckte mit den Schultern und ließ ihren Blick abermals über den Platz gleiten. Sie entdeckte einige junge Paare, die noch scheu miteinander umgingen, während die älteren Pärchen bedeutend entspannter im Umgang waren. Lag es womöglich daran? dass es nicht einzig mit der 'Brautwerbung' getan war, sondern danach erst die eigentliche Arbeit begann? Immerhin mussten beide Seiten mehr investieren, als sie jemals würden zurück erhalten können und doch funktionierte dieses Prinzip bereits seit Jahrmillionen. Was also hatte sich so geändert?
Aus dem Augenwinkel heraus betrachtete sie die stattliche Erscheinung des Neuseeländers. Dessen Intellekt zugegebenermaßen Isabel mehr anzog als das gute Aussehen, wenngleich dies durchaus nicht zu verachten war. Lag es womöglich daran? Dass die Welt zunehmend mehr verrohte und einzig das Aussehen eine Rolle spielte, nicht aber der Fakt, ob der Partner überlebensfähige Nachkommen hervor brachte und diese auch schützen könnte?




{Finnian}
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Finnian McAllen
1. Lehrjahr
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BEITRÄGE : 232
ALTER :
Beruflich habe ich mit 23 noch einiges vor.

HERKUNFT : Mein Ursprung liegt in den unberührten Weiten NEUSEELANDS, dort wo Natur noch Natur ist.
AUSBILDUNG : Wahrscheinlich ist PFERDEPFLEGER nicht mein endgültiger Beruf, aber er ist eine Bereicherung.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Di 7 Nov 2017 - 15:06

Der schmale Grat zwischen Naivität und Intellekt, den Isabel an den Tag legte, war erfrischend. Sie war keine dieser beschränkten Seelen, die sich fragten, worüber Finnian gerade sprach, sondern sie konnte ihm wirklich folgen. Oder wollte es. Vermutlich sogar beides, denn anders war ihr Interesse an diesem zugegebenermaßen immer eigentümlicher werdenden Gespräch nicht zu erklären. Finnian selbst hatte keinerlei Probleme mit den etwas unangenehmeren Themen, solange er nicht über sich selbst sprechen musste. Er war niemand, der einen Hehl um die Missstände der Welt machte, oder der entscheidende Aspekte unter den Tisch fallen ließ. Er war gerne informiert, las regelmäßig tagesaktuelle Zeitungen und wann immer es ging, versuchte er sich die Abendnachrichten anzusehen. Er war eifrig, was das Weltgeschehen betraf und generell sehr interessiert daran, was um ihn herum passierte. Sofern es nicht mit Klatsch und Tratsch und belanglosen Sachen zu tun hatte. Wobei es hier auch immer auf die subjektive Definition von diesem ankam. Wie es diesbezüglich um Isabel stand, vermochte er nicht zu sagen, aber sie war immerhin klug genug, um etwas Sinnvolles zu diesem Thema beizutragen. Finnian erwartete ja auch gar keine hochwissenschaftliche Abhandlung über das Sexualverhalten des Menschen. Dafür hätte er mit einem Arzt oder einem Forscher weitaus besser darüber sprechen können. Deswegen ließ ihn auch Isabels Kommentar über Groschenromane schmunzeln. Sie hatte durchaus Witz, das musste man ihr lassen. Und das, obwohl Finnian sonst eher eine regelrechte Humorbehinderung entwickelt hatte, die alles filterte, was nicht sachlich und nüchtern war, aber die Dunkelhaarige gab ihm ein ganz anderes Gefühl, wenn sie mal einen Scherz machte. Es war irgendwie nichts Abwertendes oder gar Beleidigendes, sondern immer eine Pointe mit Charme. Letzteren versprühten auch die angesprochenen Romane auf gewisse Weise, wenn man auf die einfältigen Geschichten, die sie zuhauf enthielten denn mochte. Natürlich war solcherlei Lektüre dem Neuseeländer viel zu einfach, doch er musste wohlig schmunzeln, wenn er an das herzerwärmende Bild einer gealterten Frau dachte, die in ihrem Schaukelstuhl bei einer Tasse Tee einen der Groschenromane in der Hand hielt und in dessen Liebe eintauchte. Waren es nicht die unerfüllten Sehnsüchte und Wünsche, die solchen Geschichten die Macht gaben, ihren Leser zu entführen? Wünschten sich nicht viele im Alter, dass sie in ihrem Leben mehr experimentiert hätten? Eigentlich war es ein trauriges Zeugnis für jene Bücher, die nur von verpassten Chancen sprachen.
Erst Isabels Worte zu den Pinguinen rissen Finnian aus seinen Gedanken, doch er war sich selbst nicht sicher, ob er das angesprochene menschliche Pendant meinte. Eigentlich glaubte er nicht daran, dass es bessere und schlechtere Menschen gab. Wissen war nur eine Frage der Bildung und die stand auch heutzutage leider noch nicht jedem unbegrenzt zur Verfügung. Gerade in Amerika wollten die Colleges bezahlt werden und das nicht zu knapp. Wie sollte sich das ein einfacher Mann leisten können? Dennoch musste ein vermeintlich ‚unschöner‘ Mensch nicht gleich ein dummer sein. Natürlich ‚aß‘ das Auge mit, aber man musste sich nur Uniprofessoren ansehen, um zu bemerken, dass die klügsten Köpfe, selten die schönsten waren. Man konnte eben nicht alles haben und ein wacher Geist war Finnian allemal lieber, als die perfekten Modelmaße.
„Vermutlich, weil sie irgendwann in ihrer Beziehung aufhören, aufeinander zu achten. Anstatt die Langeweile zu beseitigen suchen sie sich Ablenkung bei anderen Partnern, die sie ihrer Monogamie entledigen. Ich glaube nicht, dass es etwas damit zu tun hat, dass es jemandem ‚schwer fällt‘, auch wenn man das gerne von Männern behauptet. Wenn es wirklich eine besondere Verbindung zwischen zwei Menschen gibt, dann wird diese auch halten, sofern beide Seiten bereit sind zu investieren, anstatt wegzuschauen.“ Mitnichten war Finnian ein Romantiker, aber eine glückliche, lange Beziehung erschien ihm nicht als etwas Utopisches. Dafür gab es zu viele Beweise, die das widerlegten. Zudem schien der Mensch auch wissenschaftlich eher ein monogam lebendes Wesen zu sein, denn selbst in den alten Kulturen Südamerikas besaßen die Stämme zwar in Oberhaupt, aber niemals nur einen Mann, dem die Fortpflanzung erlaubt war, wie es etwa bei Wölfen der Fall war. Als selbstbestimmte Art war es den Menschen vergönnt zu wählen und Entscheidungen zu treffen. Nur sie selbst konnten die falsche treffen, aber ihr Wesen würde kaum daran Schuld sein.
Erneut zierte ein Lächeln Finnians Lippen, als Isabel auf Geschlechtskrankheiten zu sprechen kam. „Wahrlich eine unschöne Vorstellung. Vielleicht hat auch das etwas mit Intelligenz zu tun. Manche denken einfach nicht voraus, haben keinen Blick für die Konsequenzen. Oder aber es liegt an der Konsumwut der heutigen Gesellschaft. Von nichts kann man genug haben…“ Eine traurige Entwicklung wie Finnian fand. Diese beständige Gier alles Mögliche haben zu wollen, würde sie früher oder später noch vernichten. Es wurde gejammert über zu wenig Geld, dabei hatten die Leute genug zum Leben, nur eben nicht genug für das neuste Smartphone oder die große Kreuzfahrt. Der Blonde verstand beim besten Willen nicht, warum solch materielle Sachen so erstrebenswert waren, wo sie nicht einmal von langer Dauer waren. Das einzige, wofür es sich lohnte Geld auszugeben (abgesehen von der Deckung der Grundbedürfnisse), waren Erinnerungen. Schöne Urlaube, Konzerte, einzigartige Momente. Dabei tat es aber auch der Roadtrip durch das eigene Land. Es musste nicht immer der Flug ans andere Ende der Welt sein. Doch das ließ sich leicht sagen, wenn man selbst ohne Geldsorgen am anderen Ende der Welt lebte.

{Isabel}
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Dylan McGath

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BEITRÄGE : 67
ALTER : 32 Jahre alt
HERKUNFT : Australier
BERUF : Hufschmied

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Do 14 Dez 2017 - 17:28

Das Fußballspiel war vorbei und beide Teams schienen mit dem Endergebniss recht zufrieden zu sein. Eine knappe halbe Stunde nach Abpfiff hatte Darian alle Hände voll zu tun die hungrige Meute mit ausreichend Steaks zu versorgen und auch die Getränke waren heiß begehrt.
Kurz hatte Dylan sich mit Luke unterhalten. doch der Kapitän der eigenen Fußballmannschaft stand inzwischen wieder bei seinem Team und lauschte genau wie er der Band.
Von Christians Talent hatte man sich ja bereits während des Ritts überzeugen können, wobei er jetzt nochmals zeigte was er konnte und Dylan positiv überrascht war. Ihr Doc schien einiges an Talenten zu besitzen und der eine oder andere Hofbewohner tanzte sogar.
Der Australier ließ seinen Blick schweifen, blieb kurz an den McKinleys hängen und wanderte dann weiter zu Damian, der von Außen an der Tombola lehnte und entspannt seiner Freundin zu sah. Leicht grinste er. Die beiden waren wie Katz und Maus, konnten nicht mit aber erst recht nicht ohne einander und das die Situation das Damian jetzt Mailis Lehrer war vereinfachte das ganze wohl nicht gerade aber sie schienen sich wieder gefangen zu haben.
Leicht wanderte der Blick des Blonden weiter und blieb an einer weiteren Gestalt hängen. Jeremy hatte er den ganzen Tag noch nicht gesehen und kaum hatte er ihn erblickt breitete sich ein merkwürdiges Gefühl in ihm aus, welches er nicht wirklich zuordnen konnte-
Seit dem Ritt hatte sich etwas zwischen ihnen verändert doch Dylan wusste nicht genau was es war.
Sie hatten die ganze Nacht am Lagerfeuer gesessen und geredet über alles mögliche. Über sein Ranchleben und wie er in die Staaten gekommen war, über die Beziehung zwischen Mike und Jem und vieles mehr.
Seit dieser Nacht spuckte Jeremy ihm immer wieder im Kopf rum. Nachdenklich kratzte der Cowboy sich am Kopf und seufzte leise.
Er war immer jemand mit dem man reden konnte egal um was es ging und er versuchte zu helfen so gut es ging, doch bei Jeremy... da wollte er das der jüngere Lachte, glücklich war, ihm die düsteren Gedanken nehmen und er wusste nicht warum.
Eine feuchte Nase holte ihn aus seinen Gedanken und sein Blick fiel auf den schwarzen Rüden der neben ihm saß und ihn aus unglaublich treuen Augen ansah.
"Tja Ace... du kannst mir da wohl nicht weiter helfen!"; murmelte er leise und strich seinem Hund über den Kopf, stieß sich von der Wand an der er gelehnt hatte ab und lief los.
Wie von selbst führten seine Schritte ihn zu Jeremy der im Gras saß und der Musik lauschte. Die Band war fertig und aus den Lautsprechern drang jetzt Musik, die laut genug war um darauf tanzen zu können, aber leise genug um Gespräche nicht zu stören.
Ohne lange darüber nach zu denken ließ Dylan sich neben Jem ins Gras fallen und setzte sogar seinen Hut ab und legte ihn neben sich ins Gras ehe er sich mit einer Hand durch seine Blonde Mähne fuhr un den dunkelhaarigen neben sich ansah.
"Na, wo hast du dich denn den ganzen Tag versteckt?", fragte er Jeremy und ließ seinen Kopf in den Nacken fallen um sich den Sternenhimmel anzusehen.
Seit dem Ritt hatten Jem und er nicht mehr wirklich die Gelegenheit gehabt in Ruhe zu reden ohne das jemand störte, das wollte Dylan jetzt nachholen und wand seinen Blick wieder seinem Gesprächspartner zu.


(Gedanken/ Jem)
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Emma Carter
1. Lehrjahr
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BEITRÄGE : 272
ALTER : Alt ist man mit 19 wohl noch lange nicht.
HERKUNFT : Sonst reist jeder nach Australien, aber eher selten nach Bunbury.
AUSBILDUNG : Viel mehr ist der Beruf der Tierärztin der Wunsch meiner Eltern, als mein eigener.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Do 21 Dez 2017 - 18:25

Das Fußballspiel war vorbei und Emma hatte feststellen müssen, dass sie nicht allzu viel davon wirklich mitbekommen hatte. Zwar waren ihre Augen die meiste Zeit auf das Spielfeld gerichtet gewesen, aber ihre Gedanken waren ganz woanders. So hatte sie sich über den unentschiedenen Spielendstand auch weder gegrämt noch gefreut, denn irgendwie war es ihr ein Stück weit auch schon egal. Lillys Worte waren nur von fern an ihr Ohr gedrungen und sie hatte in Erinnerungen geschwelgt, hatte an die glücklichen Tage mit Noah gedacht und die wundervolen Stunden mit Patrick. Und sie konnte und wollte einfach keinem weh tun und richtete sich damit doch selbst zugrunde. Erst als Noahs Bruder Isaac gestürzt war und kurz darauf nicht wirklich taktrein - sie hatte sich das Vokabular zur medizinischen Diagnose aus ihrem Studium angewöhnt - lief, war sie wieder mehr zu sich gekommen, als sie gesehen hatte, wie besorgt Noah den Bereiter beobachtete. Auch wenn er es nicht gerne zugab, dass er Isaac ein Stück weit mochte, so konnte er seine Sorge doch kaum verbergen und Emma konnte es ihm nicht verübeln, wäre es ihr selbst nicht anders gegangen, wäre etwas mit ihren Brüder geschehen.
Nach dem Abpfiff verstreute sich das Feld und Leon kam nur kurz zu ihnen herübergetrabt, um ein wenig Smalltalk mit Lilly zu halten, ehe er sich mit einem Kuss von ihr und einem Nicken von Emma verabschiedete und in Richtung Duschen lief. Emma sah ihm eine ganze Weile hinterher. Vielleicht zulange. Sie konnte Lilly verstehen, was sie an dem Römer fand, er war zweifelsohne heiß und in jederlei Hinsicht gut gebaut. Aber sein Charakter war wohl nicht viel einfacher als der eines Shoemaker... Erst Lillys forscher Blick ließ Emma beschämt zu Boden schauen und etwas brummeln, das wie eine Entschuldigung klang. Doch würde die Kaliforniern wohl Nachsicht mit ihrem Starren haben, Emma hatte alles andere als Interesse daran, ihrer besten Freundin den Freund streitig zu machen.

Seitdem Emma auf der Nachbarsfarm begonnen hatte sich um die Kleintiere zu kümmern, brachte sie es nicht mehr über das Herz Fleisch zu essen. Allein der Gedanke, ein Lebewesen hätte wegen ihr Qualen und zuletzt den Tod erleiden müssen, ließ sie erschaudern. Dementsprechend mager viel auch ihr Abendessen aus, dass sich auf ein paar Pommes mit Mayo und Ketchup beschränkte, die neben dem Grill gebraten wurden. Kein sonderlich gesundes Essen, aber zusammen mit einem grünen Salat konnte man darüber hinwegsehen.
Eine Weile war sie alleine dagesessen, nachdem sie mit Lilly gegessen hatte und diese dann erst Leon und ein paar andere Freunde getroffen und sich mit ihnen unterhalten hatte. Emma nahm ihr das nicht übel, bedauerte es aber, dass Ava nicht mehr hier war. Sie und Lilly waren die einzigen, denen sie sich hier wirklich anvertrauen mochte. Während die Band spielte, starrte die Australierin ins Leere. Die Musik war schön und trieb sie fort in eine Welt, in der alles in Ordnung war. In der sie nicht diesen Schmerz in sich spürte, obwohl Verliebtsein doch eigentlich das größte Glück der Welt sein sollte. Die Musiker spielten wirklich gut, doch die Rothaarige wollte sich nicht anmaßen tiefgreifender darüber zu urteilen, denn sie war bei Weitem kein Musikfanatiker. Natürlich hörte sie gerne Musik - wer tat das nicht? - aber sie verstand nicht viel von Klangkompositionen, Tonarten und hörte schon gar nicht einzelne Töne heraus, wenn sie nicht vollkomen disharmonisch waren.

Der Himmel hatte aufgeklart und die Sterne kamen zum Vorschein, als Emma aus dem Stall trat. Nur kurz war sie noch bei Willow gewesen, hatte ihm eine Gute Nacht gewünscht, so wie jeden Abend. Der scheue Wallach war irgendwie ein Anker für sie geworden und es ließ sie leicht lächeln, als sie an seine Fischaugen dachte, die sie inzwischen nicht mehr voller Verschlossenheit und Zurückhaltung anstarrten, sondern einen neugierigen Glanz annahmen. Wer hätte gedacht, dass sie dieses Pferd einmal in ihr Herz schließen würde...
Leon stand bei Jonathan. Die beiden hatten ein Bier in der Hand und unterhielten sich angeregt, sodass sich Emma getrost auf die Bank zu Lilly abseits des Lagerfeuers sinken ließ. Eine Weile saßen sie stumm beieinander, ehe Emma das Wort ergriff. "Woher wusstest du, dass Leon der Richtige für dich ist? Ich meine, - sein Ruf ist nicht gerade der - netteste und er wirkt auf mich nicht wie jemand, der immer ein guter Kerl war." Die Geschichte von Lilly und Leon hatte Emma nie ganz gehört. Zwar wusste sie, dass sich die beiden von einem Reitinternat kannten, dass Lilly damals Hals über Kopf in ihn verliebt gewesen und diese Liebe hier neu entfacht worden war, aber die beiden hätten unterschiedlicher kaum sein können. Vielleicht konnte sie aus Lillys Antwort ihre Schlüsse ziehen, auch wenn sie langsam eine Tendenz verspürte, so sehr es ihr auch davor graute, sich dies einzugestehen.

{Lilly}
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Isabel Preston
1. Lehrjahr
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BEITRÄGE : 175
ALTER : SEIT KURZEM ERST 24 JAHRE ALT, ÄNDERTE SICH IHR ALTER AM 02.02.
HERKUNFT : GEBOREN IN KANADA, VERBRACHTE SIE DIE ERSTEN JAHRE IN QUÉBEC UND SPRICHT FLIESSEND FRANZÖSISCH.
AUSBILDUNG : SEIT LANGEM SCHON STREBTE SIE DIE AUSBILDUNG ZUR TIERÄRZTIN AN UND HAT DIES IN DIE TAT UMGESETZT.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Sa 30 Dez 2017 - 18:31

Isabel atmete tief ein. Kühl und verheißungsvoll spürte die junge Studentin die angehende Nachtluft in ihren Lungenflügeln, genoss die Gewissheit, dass die abendliche Frische bald intensiv und belebt wäre. Ihr Blick hing noch immer an Finnian, dessen Ausführungen bezüglich dem Bestehen einer monogamen Beziehung sie selten faszinierten. Seine Worte wirkten gut durchdacht und plausibel, machten die Wahrheit dahinter aber nicht weniger grausam.
Gelinde gesagt waren emotional gebundene Beziehungen zweier Menschen in der heutigen Welt kaum noch von Bedeutung. Ob bewusst oder unbewusst, der Neuseeländer hatte es mit nur einem knappen Satz auf den Punkt gebracht: Irgendwann hören die Menschen auf, aufeinander zu achten. Ein erschreckender Gedanke, der die Schwarzhaarige sachte schaudern ließ und sich unwillkürlich über den Arm streichen. Dennoch, sein Einwand, dass er nicht glauben konnte, es könne 'schwer fallen' auch, wenn dies besonders in Hinblick auf die Männer wiederkehrend behauptet wurde, ließ Isabel leicht lächeln, kurzfristig den Ernst des Gespräches vergessen könnend. Doch auch jenes Lächeln erstarb Stück um Stück, je weiter der Blonde sprach.
Seine Worte waren für sie selbst eindringlicher, als er vermutlich glauben mochte, ließen die junge Frau lautlos schlucken. „Wenn es wirklich eine besondere Verbindung zwischen zwei Menschen gibt, dann wird diese auch halten, sofern beide Seiten bereit sind zu investieren, anstatt wegzuschauen.“ Behutsam nickte sie somit, fuhr sich rasch mit der Zunge über die Lippen, während sie zu verstehen versuchte, was sich zwischen ihnen hier soeben abspielte. Isabel vermochte dem gesamten Konstrukt keinen Namen zu geben, wollte es jedoch ebenso wenig genauer unter die Lupe nehmen, um womöglich zu zerstören, was noch nicht einmal begonnen hatte. Es war abstrus, dass sie sich überhaupt derlei Gedankengänge hatte, sodass sie irritiert ihren Kopf schüttelte und schwermütig seufzte.
„Interessante Gedankengänge, Finnian, das muss ich gestehen.“ Ehrlich schmunzelte sie zu ihm empor, ehe abermals Applaus vom Fußballspiel aufbrandete und Isabel kurzfristig irritierte. Vollkommen vergessen schien sie alles andere um sie herum, lediglich das Gespräch mit Finnian war noch bedeutsam, während sie die restlichen Lose in den Fingern drehte. „Ich frage mich, ob mehr Menschen wie du in den Führungspositionen Besseres verrichten könnten. Oder zumindest Menschen mit ähnlichen Ansätzen wie du.“ Als könne sie diesen Gedanken selbst nicht ganz realisieren, schüttelte die Studentin das Haupt, lachte leise und winkte schließlich ab. Seinen restlichen Ausführungen lauschend, nahm sie aus dem Augenwinkel geschäftigeres Treiben wahr und realisierte, dass das Fußballspiel soeben beendet worden sein musste und nun die Band mit ihrem Auftritt dran war.
„Oh, es sieht so aus, als wäre das euer Stichwort.“ In einer knappen Geste wies sie auf seinen Geigenkoffer und die Bühne, kreuzte die Finger und wünschte ihm mit urplötzlich klopfendem Herzen viel Erfolg. Sobald er die Bühne mitsamt seiner Kollegen betrat, winkte sie ein letztes Mal, reckte den Daumen empor und kehrte an ihren eigenen Stand zurück, um die restlichen Lose unter den Mann zu bringen.
Doch die Begegnung mit Finnian McAllen ging ihr nicht mehr aus dem Kopf und die Gewissheit, ihn an diesem Abend nicht das letzte Mal gesehen zu haben, zeichnete ein zartes Lächeln in ihre Mundwinkel.

Die Nacht war inzwischen sternenklar und immer wieder ertappte die junge Frau sich dabei hinauf zu den Sternen zu blicken. Schon seit ihrer Kindheit war Isabel fasziniert von den Sternen gewesen, hatte sie stundenlang in absoluter Finsternis beobachten können. Erst, wenn ein Gewitter aufzog oder auch nur drohte, floh die Dunkelhaarige schneller, als notwendig. Blitz und Donner waren ihr ebenso zuwider, wie die Sterne sie anzogen.
Währenddessen war sie nochmals rasch zurück in die Unterkünfte gelaufen, hatte sich eine Jacke organisiert und ebenfalls etwas zu essen, ehe sie sich ein wenig abseits der Bühne platzierte und andächtig lauschte.
Es waren bisweilen einige Melodien dabei, welche sie erkannte und einige wenige, die sie kurzfristig die Augen zusammenkneifen ließen. Wenngleich sie selbst kein Musikstudium absolviert hatte, ahnte sie dennoch, mit welchem Herzblut die einzelnen Künstler auf der Bühne geprobt haben mochten und somit zollte Isabel auch jenen Musikstücken Respekt, welche ihr nicht vollkommen gefallen hatten. Während die Musik den Abend einläutete, füllten die Wiesen sich mit jenen Athleten, die zuvor das Fußballspiel bereichert hatten und nun für ein wenig mehr Unruhe auf dem Platz sorgten.
Hin und wieder glitten die hellgrünen Augen der Studentin über die konzentriert wirkenden Gesichter, lächelte zufrieden, als sie deren angestrengten, aber glücklichen Mienen bemerkte und biss genüsslich in ihre Bratwurst, den eigenen Blick wieder gen Sternenhimmel gerichtet.

Schließlich verebbten auch die letzten Akkorde und Isabel stimmte in den frenetischen Applaus mit ein, jauchzte sogar ausgelassen, als die Künstler sich verneigten und schließlich die Bühne räumten. Ein faszinierendes Spektakel und rasch warf Isabel ihre Serviette fort, ehe sie sich eilig der Bühne näherte. Woher diese aufgekratzte Euphorie herrührte war ihr nicht ganz bewusst - bzw wollte sie vorerst nicht näher darüber nachdenken - ehe sie Finnian in dem Gedränge ausmachte und breit grinsend auf ihn zuhielt.
„Das war unglaublich!“ rief sie ihm entgegen und reckte übermütig eine Hand in die Luft, nach ihm winkend und schloss ihn schließlich in eine überraschende, aber kurze Umarmung. „Ehrlich, das war richtig gut.“ Schlagartig erstarrte das Lächeln auf ihrem Gesicht, ehe sie sich leise räusperte und einen Schritt zurück machte, ihm ein wenig Raum lassend. Beinahe schon verlegen rieb sie sich über das Gesicht, ehe sie etwas leiser und weniger euphorisch vernehmen ließ: „Nun, hast du Hunger? Hinter die Bühne durfte ich leider nichts bringen.“
Entschuldigend zuckte sie mit den Schultern und verzog die Lippen, verschwieg jedoch, dass sie keinen Fauxpas begehen wollte, indem sie ihm fettige Fritten brachte und er die dann doch nicht mochte. Also hob sie lediglich fragend eine Augenbraue und ignorierte ihr wild hämmerndes Herz.




{Finnian | Bühne}
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Isaac Haber

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ALTER :
JUNG GENUG, UM WIE 26 AUSZUSEHEN.

HERKUNFT : DAS, WAS EINER HEIMAT AM NÄHSTEN KÄME, IST UND BLEIBT LONDON IM LAND DER QUEEN.
BERUF : ALS BEREITER NEIGT MAN BEINAHE DAZU, GRAUE HAARE ZU BEKOMMEN.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Di 9 Jan 2018 - 15:09

Grenzen waren da, um überschritten zu werden. So hatte es Isaac Haber immer gehalten. In jeglicher Hinsicht. Vor allem, wenn es um körperliche Leistung ging, ließ er sich nicht gerne vorschreiben, was im Bereich des Möglichen war und was nicht. Er testete das lieber selbst aus, das war schon immer so gewesen. Möglicherweise war es also nur die Naivität des Kampfgeistes, die ihn so unverfroren zu dem Fußballspiel hatte zusagen lassen. Wer konnte schon ahnen, dass er dort gleich umgemäht wurde? Dabei war der Brite – entgegen vieler böser Zungen – nicht aus Zucker und vertrug eigentlich so einiges. Doch, dass sein Bein nach dem Zusammenprall schmerzte, konnte er nicht leugnen. Hieß es nicht, es war eine Gradwanderung zwischen Wunsch und Wahn? Dabei hatte er keine großen Erwartungen an dieses Lehrer-Schüler-Geplänkel gehabt, wenngleich es doch seinen Ehrgeiz geweckt hatte. Er verlor einfach nicht gerne und wenn doch, dann war er wohl das, was man gemeinhin als schlechten Verlierer bezeichnete. Isaac war gewohnt, dass er bekam, was er wollte. Und wenn dies nicht der Fall war, dann arbeitete er so lange dafür, bis er es bekam. Manchmal vielleicht auch etwas zu verbissen.
Wenn es in der wirklichen Welt eine Zeitlupe gegeben hätte, wie sie in Filmen so gerne als stilistisches Mittel verwendet wurde, dann hätte Isaac Luke vermutlich auf sich zufliegen sehen. Aber die Zeitlupe gab es nun einmal nicht und somit war der Zusammenstoß kurz und heftig gewesen. Das dumpfe Geräusch, das die beiden voneinander abprallenden Körper von sich gaben, hatte ihm kurzzeitig die Luft aus den Lungen gedrückt. Wieso waren diese Azubis eigentlich so breit?
Den Rest des Spiels hatte er mehr schlecht als recht überstanden. Zu mehr als ein paar Pässen konnte er seine Kräfte nicht mehr mobilisieren – nicht, weil sie nicht da waren, sondern weil ihm noch immer der Schmerz durchs rechte Knie zuckte, wenn er zu heftig auftrat. Er bemühte sich um ein entspanntes Gesicht, das letzte was er wollte war Aufsehen zu erregen. Dabei tat er es sonst so gerne. Jedoch nicht, wenn dies zur Folge hatte, dass jemand ihm herumdoktern wollte, der nicht weiblich war und spärlich bekleidet in seinem Schlafzimmer wartete. Sein selbstdiagnostizierte Lahmheit konnte er aber nur schwer verbergen und hatte es somit recht eilig nach Abpfiff in die Umkleidekabine zu kommen. Aus der er dann auch schon verschwand, sobald die Kollegen auftauchten. Unangenehme Fragen waren das Letzte, was er brauchte, zumal dieses Spiel schon unentschieden und damit unbefriedigend ausgegangen war.

Isaac zog es vor, sich in seinem eigenen Bad zu duschen, wo er nicht befürchten musste, dass dort zuvor zahlreiche Azubis ihren Schweiß von ihren Körper gewaschen oder sich sonst irgendwie vergnügt hatten. Außerdem sah niemand, wie er vor Schmerz das Gesicht verzog, als er die Stutzen abstreifen musste. Immerhin hatte er nur eine leichte Schürfwunde am Oberschenkel abbekommen. Er musste wohl doch ordentlich am Rasen entlanggeschrabbt sein. Diese schaffte er aber auch selbst zu säubern und deckte sie nach dem Duschen mit einem Pflaster ab. Fussel brauchte er darin definitiv nicht. Sein Knie schien so weit in Ordnung. Es war noch nichts dick, blau oder verhärtet. Vielleicht blieb der Schmerz nur vorübergehend, aber Isaac wusste aus Erfahrung, dass das hier sich mehr nach einer Sehnenverletzung – welcher Form auch immer – anfühlte. Aber solange es niemand aussprach, war es auch nicht wahr. So einfach war das.
Er schlüpfte – diesmal wirklich in Zeitlupentempo – in seine graue Jeans und blieb sicherheitshalber ersteinmal kurz auf der Bettkante sitzen, ehe er aufstand und sich ein dunkelblaues Hemd aus dem Schrank zog und überwarf. Soweit hielt sein Knie immerhin den Beanspruchungen stand. Mit einer leichten Strickjacke in der Hand gesellte sich schließlich auch der Bereiter zu den Wiesen, wo am Grill schon gebrutzelt wurde und einige fließig die Lostrommel rührten. Für Tombola hatte er nie viel übrig gehabt – man gewann ja doch nur Müll, auch wenn einem jedes Mal der Verkäufer vom Gegenteil überzeugen wollte. Also aß er gemeinsam mit Shana nur etwas, ehe die Band auf die Bühne trat und einige Songs zum besten gab.

Noahs Anwesenheit hätte er förmlich spüren können. Sein Bruder hatte sich zu ihm, der mit einem Bier in der Hand auf einer der Holzbänke saß und vor sich hin sinnierte, gesellt. Isaac hob den Blick und verzog die Lippen zu einem spöttischen Grinsen. „Na, heute niemand da, der dir das Bett wärmt?“ Noah machte kein Geheimnis um seine Liebschaften und Isaac hatte kein Problem damit. Vor Shana war er selbst nicht viel anders gewesen und Noah war alt genug, um für sich selbst zu entscheiden. Dennoch konnte es sich der Ältere nicht nehmen lassen, den Jüngeren gelegentlich damit aufzuziehen. Immerhin wurde er noch lange nicht schlau daraus, was da eigentlich mit Emma war, deren Nähe Noah regelmäßig suchte und die erstaunlich oft mit diesem Westernazubi rumhing. Hatten sie eine Art Dreiecksbeziehung? Manchmal fürchtete Isaac, dass seine Neugier ihn irgendwann dazu veranlassen würde, eine dumme Frage zu stellen. Aber nicht hier. Nicht jetzt. Noch nicht.

{Rückblick | Noah}
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Leonardo Fabbri
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ALTER : IN DER BLÜTE DES LEBENS IST MAN DOCH MIT 24
HERKUNFT : DIE MENSCHHEIT HAT NUR EINEN URSPRUNG, DAS IST KLAR. DER LIEGT IN ROM AUCH DAS IST WAHR.
BERUF : VON UNTEN NACH GANZ OBEN: ALS PROFIFUSSBALLER LÄSST ES SICH DURCHAUS LEBEN.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Di 9 Jan 2018 - 15:27

Fußball – wie er diesen Sport doch liebte. Es hatte sich fast befreiend angefühlt, mal wieder auf dem Feld zu stehen und ein Spiel zu bestreiten, das nicht zum Training gehörte. Wenn es sich auch irgendwie so angefühlt hatte, denn von wirklicher Konkurrenz konnte man bei diesen Teams nicht wirklich sprechen. Leonardo Fabbri, der sonst den Sturm der italienischen Nationalmannschaft anführte und die gegnerischen Reihen durchwirbelte, war andere Kaliber gewohnt. Und er sehnte sich immer mehr danach, endlich wieder zurückzukehren. Je weiter seine Genesung voranschritt, je mehr er trainieren durfte, desto weniger konnte er es erwarten, endlich nach San Francisco zurückzukehren. Doch das würde auch bedeuten, dass er dann Lilly – zumindest räumlich – verlassen musste. So gesehen hatte es doch etwas Gutes, dass er noch ein Weilchen auf den Heaven Meadows festsaß.
Es hätte so einfach sein können. Mit einem Team, das auch ein Team war und nicht zu 80% aus Laien bestand. Charlie machte seine Sache im Tor zwar gut, aber eben auch nur so gut, wie sie ein in die Jahre gekommener Trainer machen konnte. Josy, Isaac und Ackles waren irgendwie keine große Hilfe und so sah sich Leon gezwungen, die meisten Angriffe selbst zu starten. Nur fehlte ihm dafür dann meist eine Anspielbasis, die sich nicht hatte umstellen lassen. Was sehr selten der Fall war. Dennoch konnte er sich wohl glücklich schätzen, dass mit solch untalentierten Gelegenheitsjoggern ihm zwei Tore gelungen waren. Und immerhin hatte sich kein Azubi auf ihm abgewälzt wie auf Isaac. Insgeheim gönnte er es de hochnäsigen Bereiter fast, dass dieser einmal Kontakt mit dem wirklichen Leben machen musste. Aber was wusste Leon schon vom wirklichen Leben, wo er doch selbst in Luxus schwebte, wenn man von dieser vorübergehenden Bleibe hier absah.
Die Stimmung in der Kabine war verhalten gewesen. Offenbar wusste keiner so recht, ob er sich nun freuen durfte oder Trauer heucheln sollte. Im Endeffekt war es ein unbedeutendes Spiel gewesen, das halt irgendwie über die Bühne gebracht worden war und damit setzte Leon auch einen Haken hinter die Sache, ehe er nach dem Duschen in schwarze Jeans schlüpfte und ein weinrotes Hemd zuknöpfte. Draußen wartete bereits Lilly, dicht gefolgt von Emma. Der Römer legte den Arm um seine Freundin und küsste sie, als Lilly ihm zum Unentschieden „gratulierte“. Wenn auch mit einem Augenzwinkern. Sie wusste, wie gerne Leon gewann und wie gut er Niederlagen verdrängen, sie nahezu aus seinem Gedächtnis ausradieren konnte. Scherzend gingen sie mit Emma zu den Wiesen, wo sie dann aber doch eine bisschen Zweisamkeit von der Australierin bekamen und gemeinsam Essen konnten. Erst nach dem Konzert der Band rappelte sich Lilly wieder auf und wollte noch einmal nach ihrer besten Freundin sehen, die irgendwelcher Liebeskummer bedrückte. Leon hatte wenig Interesse für den Klatsch des Hofes und hatte nur durch Lilly mitbekommen, dass Emma wohl in einem Entscheidungsdilemma zwischen Patrick und Noah steckte. Doch er würde der letzte sein, der sich da einmischte. Also ließ er Lilly gehen, nachdem er ein paar Küsse eingefordert hatte, und sah ihr nur leicht versonnen nach, ehe er sich bei Darian und Alex am Grill ein Bier abholte. Sie unterhielten sich kurz, als Leon etwas abseits des Geschehens eine große, dunkle Silhouette ausmachte. Er schlenderte langsam auf seinen besten Freund zu, der in seinen Gedanken festzuhängen schien und klopfte ihm dann zur Begrüßung auf die Schultern. „Na, altes Haus! Ich habe dich vorhin schon vermisst, ich hatte keinen halbwegs annehmbaren Gegner auf dem Platz. Selbst du, so untrainiert wie du bist, hättest eine spannendere Konkurrenz abgegeben.“ Höhnisch grinste er Johnny an, ehe er ihm zuprostete und einen Schluck von dem kühlen Bier nahm. Früher hatten sie oft zusammen auf dem Platz gekickt. Mit Chris und Zayn und den anderen. Doch diese Zeiten waren wohl endgültig vorbei, wo sie alle sich doch in so unterschiedliche Richtungen entwickelt hatten.

{Rückblick | Johnny}
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Finnian McAllen
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ALTER :
Beruflich habe ich mit 23 noch einiges vor.

HERKUNFT : Mein Ursprung liegt in den unberührten Weiten NEUSEELANDS, dort wo Natur noch Natur ist.
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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Di 9 Jan 2018 - 15:54

Langsam, sehr langsam bekam Finnian eine Ahnung davon, was manche Menschen an Gesprächen zu finden glaubten. Ab und an flog ein zierlicher Strang in seinen Gedanken umher, den er aber nicht zu fassen bekam, weil er so rasch wieder fort wie er gekommen war. Dieser Strang säuselte ihm etwas von erheiternden Gesprächen und einem näheren Kennenlernen von Menschen via Kommunikation vor, doch er konnte seine vollkommene Bedeutung noch nicht verstehen. Und da Isabel mit ihrer leidenschaftlichen Neugier noch immer vor ihm stand und seine Argumente nicht im Sand verlaufen lassen wollte, hatte er keine Gelegenheit, ausgiebig darüber nachzudenken. Stattdessen schaffte es aber die Dunkelhaarige, dass sich ein Lächeln auf seine Lippen abstahl, das kaum mekrlich breiter wurde, als sie sagte, Menschen wie er könnte in Führungspositionen Gutes bewirken. Der Gedanke, dass sie glaubte, er könne etwas in der Welt verändern, ließ ihm unwillkürlich warm ums Herz werden. So deutlich hatte das bisher keiner zu ihm gesagt. Bevor er dies jedoch abstreiten konnte – nur um ihr zu sagen, dass Menschen wie er nicht in die Führungspositionen kamen, sondern in die Forschung gingen, ertönte schon das Signal, dass sich die Musiker auf der Bühne einfinden sollten. Isabel verabschiedete sich rasch von ihm und entschwand in Richtung Tombolastand. Finnian stand noch eine Weile wie angewurzelt da und sah ihr nach. Wie konnte es sein, dass sie so anders war? Dass es ihr offenbar gelang, tiefer zu blicken? War es das, was Freundschaft ausmachte? Oder gar Liebe? Finnian hatte keine Ahnung, wie sich das anfühlen mochte, er hatte nie etwas Vergleichbares erlebt und doch glaubte er allmählich daran, dass Isabel so schnell nicht wieder aus seinem Leben treten würde. Und merkwürdigerweise war er froh über diesen Gedanken, der ihn bis auf die Bühne hinauf begleitete.

Finnian spielte Geige seitdem er fünf Jahre alt war. In dieser Hinsicht also vielleicht doch ein kleiner Mozart. Dabei glaubte er nicht, dass seine Kompositionen oder seine Fertigkeiten in irgendeiner Weise an den großen, österreichischen Komponisten herankamen. Dennoch schaffte die Musik mit ihm, was sie mit so vielen großen Musikern geschafft hatte. Sie zog ihn fort in seine andere Welt und er schloss schließlich die Augen, um das Publikum zu seinen Füßen nicht mehr ansehen zu müssen. Die erwartungsvollen Blicke, die in dem Moment auf ihm ruhten, als die ersten Töne erklangen, konnte er richtig spüren. Doch bald waren sie fort, wie alles um ihn herum. Die Band existierte nur noch in Form der Instrumente, die ihn begleiteten, die Reiter und Sportler auf den Wiesen verschwammen vor seinem Auge und er war weit fort, als sein zweiter Einsatz kam. Wie von selbst glitten seine Finger über das Griffbrett, der Bogen strich über die Saiten, mal sanft, mal fordernd, mal harsch, sodass Finnian in seiner Trance fast ein wenig an die Teufelsgeiger der Klassik erinnern mochte. Er brauchte die Augen nicht zu öffnen, um zu wissen, wann er einen Einsatz zu spielen hatte oder wann ein Stück zu Ende war. Die Musik sagte es ihm, die anderen Instrumente sprachen mit ihm und vor seinem inneren Auge zeichneten sich deutlich die Noten ab, die er spielte.
Sie hatten sich vorab für ein buntes Gemisch an Stücken entschieden. Ein paar leisere Balladen waren dabei, aber auch etwas Rockiges. ‚He’s a Pirat‘ ein Klassiker, durfte natürlich nicht fehlen, doch sogar ein Enaudi hatte es geschafft, sich in die Setlist einzuschleichen. Natürlich auf Finnians Drängen hin. Ansonsten war da noch ein Song von Metallica, den seine Kollegen aufgenommen hatten, sogar etwas Punkiges hatten sie einstudiert. Im Großen und Ganzen war es ein Schlagabtausch der zahlreichen Musikgenres, die so unterschiedlich waren, wie die Musiker und Hofbewohner selbst.
Erst gegen Ende öffnete Finnian wieder die Augen und sah, wie die Zuhörer teilweise tanzten, teilweise einfach mitklatschten oder –sangen. Jedem stand ein Lächeln ins Gesicht geschrieben und so ließ sich auch der Neuseeländer zu einem hinreißen. Genau das war es, was Musik bewirken sollte: Sie sollte glücklich machen. Elegant verbeugte er sich, nachdem sie eine kleine Zugabe gespielt hatten und verließ dann die Bühne, hinter der ihm schon Isabel entgegenkam. Die anderen packten bereits ihre Instrumente wieder in die Koffer, doch Finnian kam gar nicht dazu, es ihnen gleichzutun, weil Isabel ihm plötzlich um den Hals fiel. Verblüfft und überrumpelt spannte sich alles in ihm an und er brauchte einige Zeit, um zu realisieren, was hier geschah. Noch mit der Geige in der Hand, legte er schließlich doch zögernd die Arme um sie und erwiderte ihren Druck, jedoch nur ganz leicht. Offenbar bemerkte Isabel ihre überraschende Reaktion und wich ebenso schnell von ihm zurück wie sie zu ihm gekommen war. Noch überraschter sah Finnian sie nun an und schien offensichtlich nicht mehr zu wissen, wo oben und wo unten war. Wie es Isabel zu eigen war, redete sie aber gleich weiter, ohne sein Verhalten groß mit Worten zu tadeln. Vermutlich, dachte Finnian, war so eine Umarmung sogar ganz normal unter Menschen – war das nicht sogar freundschaftlich? Oder hatte es doch mehr zu bedeuten? Verdammt, er wurde einfach nicht schlau aus diesen Umgangsformen. Deswegen wurde er nur noch unsicherer. Schließlich wand er sich aus seiner Erstarrung, schnappte sich den Geigenkoffer und packte sein Instrument ein. „Danke – ehm – freut mich, wenn es dir gefallen hat, wir haben versucht, die Stücke so auszuwählen, dass für jeden etwas dabei ist.“
Erst als die Scharniere zuschnappten, er die Hände auf den Koffer legte und einmal tief durchatmete, verspürte er Hunger und wie zur Bestätigung knurrte sein Magen. Mit einem Lächeln, das dann aber irgendwie doch nur aufgesetzt war, um die zuvorige Umarmung zu überspielen, sagte er: „Ja, ich würde behaupten, ich habe Hunger. Hast du schon etwas Empfehlenswertes hier entdecken können?“ Bisher hatte er nur den Grill mit ein paar unterschiedlichen Fleischsorten und etwas gegrillten Gemüse entdeckt, aber vielleicht hatte Isabel schon mehr ausfindig gemacht.

{Rückblick | Auftritt | Isabel}
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Alex Salas

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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Di 9 Jan 2018 - 16:09

Nachdem die Reiterspiele für Alex schon aufreibend genug gewesen waren, war er froh gewesen, dass er sich nicht dazu hatte hinreißen lassen, beim Fußballspiel mitzumachen. Das überließ er dann doch lieber seinen Freunden und Kollegen, die ohnehin mehr von diesem Sport verstanden als er, der sein Leben auf der Rennbahn verbracht hatte. Fußball war nicht so seines, dafür war er wohl zu sehr Amerikaner und widmete sich lieber dem Basketball oder Football, was er beides aber auch mehr schlecht als recht verfolgte. Dabei sollte man doch meinen, dass Alex ein Typ war, der solcherlei Sport mit Leidenschaft verfolgte. Stattdessen hatte es neben dem Reitsport aber nur das Eishockey geschafft, ihn in seinen Bann zu ziehen. Hier war er jedoch der Meinung, dass man sich das besser in Finnland ansah, wo dieser Sport mit so viel mehr Leidenschaft gepflegt wurde als etwa in Amerika.
Ciara hatte sich zum Fußballplatz verdrückt und auch Alex hatte einige Minuten lang mit ihr dem Treiben auf dem Platz zugesehen, aber abgesehen von Isaacs genervten Blicken, wenn ihm jemand zu nahe kam, hatte Alex nichts Unterhaltsames daran gefunden. Isaac war definitiv kein Typ für Mannschaftssport. Mit einem Grinsen hatte er sich dennoch von Ciara verabschiedet und schließlich gemeinsam mit Darian auf den Wiesen den Grill vorbereitet. Sie waren nahezu alleine dort gewesen, abgesehen von den beiden McKinleys am Tombolastand und einigen vereinzelten Azubis. Ciara ehemaliger Mentor und Alex waren bisher keine engen Freunde geworden, aber immerhin gute Kollegen. Darian war nunmal ein Cowboy: wortkarg, rational, auf das Wesentliche fokussiert. Eigentlich genau Alex‘ Sorte von Mensch. Aber wer einen Großteil seines Lebens mit Jeremy Henderson verbracht hatte, der konnte wohl nicht mehr ohne Personen in seinem Leben, die unaufhörlich quasselten. Ciara war zwar nicht so jemand, aber sie war eine Frau, was ihr schon genug recht gab, um viel zu reden.
Als die Kohlen zu glühen begannen, schien das Spiel aus zu sein und dem Fußballplatz strömten die Massen auf die Wiesen, wo kurz darauf die Band die kleine Holzbühne betrat und einige Stücke zum besten gab. Bei gelegentlichem Fleisch und Gemüse wenden, lauschte Alex den Klängen der verschiedenen Instrumente und ertappte sich manchmal selbst dabei, wie er in die Welt der Musik abtauchte. Erst als die letzten Akkorde verstummt waren, wagte er es, wieder zu sprechen. „Klang doch gut oder?“, er stieß seine Bierflasche an die von Darian. Die wievielte es war, hatte er inzwischen nicht mehr mitgezählt, dafür standen sie schon zu lange hier.

{Rückblick | Darian?!}
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Dean Morris

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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Fr 12 Jan 2018 - 14:39

Bis Dean und James die Wiesen erreichten, hatte die Band schon angefangen zu spielen, und überall über das Festgelände waren kleine Grüppchen von Menschen verstreut - überraschend viele, wenn man davon ausging, dass das Fußballspiel noch lief und es bestimmt einige Leute gab, die dort zusehen wollten. Obwohl Dean eigentlich sonst eingefleischter Brite war und den Sport mit Leidenschaft verfolgte, interessierte es ihn heute weniger. Aber das lag vermutlich weniger daran, dass ein paar Amateure spielten, als daran, dass er einfach viel zu abgelenkt war. James hatte mittlerweile wieder etwas Farbe im Gesicht, und dennoch ertappte Dean sich immer wieder dabei, wie er den Älteren beobachtete, um zu sehen, wie es ihm ging.
Ein warmes Gefühl hatte sich bei ihm eingeschlichen - und das war ganz allein und ohne Zweifel James zu schulden. Ein bisschen fühlte sich Dean wie ein Teenager: ein bisschen nervös, ein bisschen aufgeregt, mit einer Menge Schmetterlinge im Bauch, wie ein Junge, der gerade zum ersten Mal auf ein Date ging. Das hier war zwar kein offizielles Date, aber leugnen konnte er nicht, dass es für ihn schon etwas besonderes war: immerhin hatte er noch nie einen Mann gedatet, hatte sich noch nie auf so etwas eingelassen. Noch immer kreisten Deans Gedanken um eine ganz bestimmte Frage: wieso er? James war selbstbewusst, gutaussehend, Britisch und genau mysteriös genug, dass ihm bestimmt eine Menge Männer und Frauen zu Füßen lagen. Er hätte die gesamte Singlebelegschaft der Heaven Meadows haben können; und trotzdem hatte er sich für Dean entschieden. Wieso?
Doch mittlerweile löste das Gefühl nicht mehr so sehr Unbehagen und Nervosität aus wie Stolz - offensichtlich sah James Dean als etwas besonderes an, jemanden, der es wert war, ihm einen Teil seiner kostbaren Zeit zu schenken. Dean würde das nicht vergeuden, ganz bestimmt nicht; eine solche Möglichkeit würde sich ihm wahrscheinlich niemals wieder eröffnen. Dean würde es versuchen, dieses Beziehungsdings, oder was das zwischen James und ihm war; und er würde gegen seine Angst kämpfen, um James zu geben, was er wollte - dieses Lächeln war ihm das alles wert.

Diese Entscheidung traf Dean, während er selbst sich am Grillstand satt aß und währenddessen angenehm mit James redete. Die beiden verband mittlerweile eine Freundschaft, die es ihnen ermöglichte, einfach so zu plaudern, währenddessen der Band auf der Bühne zu lauschen und immer wieder die Musik zu kommentieren. Hin und wieder ließ James wieder etwas neues von sich blicken - einen anderen Gesichtsausdruck als die, die Dean bereits kannte, oder eine neue Information. All dies sog Dean regelrecht in sich auf: er wollte alles wissen, was es über diesen faszinierenden Mann, mit dem er diesen Abend teilen durfte, zu wissen gab. Und dann noch ein bisschen mehr.
Als Dean schließlich seine zweite Wurst im Brötchen verschlungen hatte, machte er sich auf, um den Müll wegzuwerfen; die Band hatte ihr Set mittlerweile beendet, und so fand er auch die Motivation dazu. Als er wieder zurück zu dem Stehtisch kam, den James und er beschlagnahmt hatten, legte er seine Hand wie beiläufig auf James' Rücken, um auf seine Rückkehr aufmerksam zu machen - eine Geste, die er gar nicht bemerkte, bis James ihn ansah, scheinbar verwundert über den so offensichtlichen Körperkontakt. Dean errötete leicht, und ließ seine Hand fallen.
"Möchtest du was trinken? Also, ein Wasser oder so? Oder ist dir immer noch nicht besser?"


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Jeremy Henderson

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ALTER : Mit 26 JAHREN gehört er zur jüngeren Fraktion der Lehrenden.
HERKUNFT : Ursprünglich ist Jem aus SÜDKALIFORNIEN, Amerika.
BERUF : Hier ist er angestellt als PFERDEPFLEGER - auch die braucht man.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Fr 12 Jan 2018 - 17:41

In den letzten paar Wochen hatte sich für Jem einiges verändert. Verloren waren die tristen, grauen Gedanken an den verflossenen Geliebten, der ihm vor wenigen Monaten erst das Herz aus der Brust gerissen und zertreten hatten. Seit dem Wanderritt Anfang des Monats hatte sich dafür ein anderer, blonder Mann in seine Gedanken geschlichen, der ihm auch einfach partout nicht mehr aus dem Kopf gehen wollte. Man könnte jetzt behaupten, dass Jem einen Typ hatte, doch er hatte da bereits zwei Argumente gegen gefunden: A) Alex; B) wenn man Mike und Dylan verglich, konnte man keinerlei Gemeinsamkeiten außer Haar- und Augenfarbe finden. Wo Mike schlaksig, dünn und jungenhaft gewesen war, war Dylan groß, muskulös und schlicht und ergreifend massiger gebaut. Auch vom Charakter her waren sie sehr unterschiedlich: Mike war witzig, laut und aufgedreht gewesen, und hatte Jem in jedem Punkt gleichziehen können; Dylan war ruhiger, natürlich auch humorvoll, aber erwachsener, unauffälliger. Das gefiel Jem, anders konnte er es nicht ausdrücken. Er hatte eine "kleine" Schwärmerei für den Älteren entwickelt, und auch wenn er noch nicht einmal mit Alex darüber geredet hatte, konnte er das nicht mehr abstreiten. Vor niemandem, eigentlich.
Ob das gut ausgehen würde?
Doch Jem verschwendete momentan keine Zeit an negative Gedanken. Die Arbeit im Stall hielt ihn beschäftigt, Duskie war endlich wieder fit wie ein Turnschuh und hatte auch das meiste des kleinen Grasbäuchleins verloren, das er über die Winterpause hin gewonnen hatte; und ihm selbst ging es auch einfach wieder viel besser, anders konnte er das nicht sagen. Die Stunden am heutigen Tag, die er nicht mit arbeiten verbracht hatte, hatte er mit Alex die Köpfe zusammengesteckt. Der war immerhin immer noch sein bester Freund, und manchmal brauchte Jem einfach diese Zeit zu Zweit, ganz egal, wie sehr er nun auch Ciara als Freundin schätzte. Vermutlich würde niemand Alex jemals ersetzen können - das musste aber auch nicht sein.

Am Ende fand Jem sich wieder auf den Wiesen wieder. Phantom war mittlerweile an seiner Seite - es war zwar voll, aber der hünnenhafte, zottelige Rüde brauchte die frische Luft und war mittlerweile an dei Bewohner der Ranch so gut gewöhnt, dass Jem ihn ohne Bedenken hatte mitnehmen können. Seite an Seite saßen die Beiden im Gras, Jem mit einem Bierchen in der Hand, und lauschten der Musik, während die letzten Sonnenstrahlen verflossen waren. Auch diese Ruhe genoss Jem, obwohl er den Ruf als laute, aus sich herausgehende Person hatte, hegte und pflegte. Außerdem hatte er auf etwas gepocht, still und heimlich, das sich jetzt bewahrheiten sollte.
Die Tatsache, dass Dylan sich neben ihn ins Gras fallen ließ, unterstützte nur den Eindruck, den er rückblickend auf das Rittwochenende gewonnen hatte: Jem konnte nicht der einzige sein, der in dieser Beziehung Interesse zeigte. Dylan zeigte sich ihm gegenüber offen, und während sie vor dem Ritt nur hin und wieder mal abgehangen hatten, schien es jetzt, als suchten sie immer öfter den Kontakt - und wie sich jetzt auch wieder mal zeigte, lag das nicht nur an Jem, der es irgendwie nicht verhindern konnte, immer wieder dorthin zu driften, wo Dylan auch war. Es war nicht einmal ein direktes Nähe suchen; mehr ein Kontakt aufnehmen, ein beisammen sein. Jem mochte Dylan's Gesellschaft, anders konnte er das nicht ausdrücken.
Dylans Begrüßung brachte ihn zum Lachen - das war nur ein Grund mehr, warum er sich freute, den Australier zu sehen. Phantom hob den Kopf aus seiner liegenden Position, um den Shepherd des Hufschmieds zu begutachten, zeigte aber sonst keine Reaktion, weder positiv noch negativ - die Hunde kannten sich, und Phantom akzeptierte, dass Ace da war. Das Kopfheben würde dennoch die einzige Begrüßung bleiben, die der andere Rüde bekam.
"Versteckt hab ich mich nicht!", behauptete Jem, "Ich war im Stall zugange, hab mir die Reiterspiele angeschaut .. ich kann ja nichts dafür, dass du nicht da bist, wo ich bin!" Er sagte das Ganze in einem gut gelaunten Ton, sodass keinerlei Missverständnisse aufkommen könnten, ob da nicht vielleicht doch irgendwo ein Vorwurf drin stecken könnte - tat es nicht. "Gegenfrage: wo warst du? Eigentlich laufen wir uns doch immer irgendwo über den Weg. Haben die dich hier so eingespannt?"


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Jonathan McGillis
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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Fr 12 Jan 2018 - 18:06

Johnny kam immer noch nicht so ganz darauf klar, dass Sophie so mir nichts, dir nichts den Hof verlassen hatte. Ein familiärer Notfall - er hatte ja ihre Nummer - sie würde sich melden. Sie waren Freunde geworden, in diesem einen Jahr, das sie zusammen auf dem Hof verbracht hatten; und er konnte nicht leugnen, dass er auch mit dem Arrangement gut hatte leben können, mit einem gleichbleibenden Partner ungleichmäßig Sex zu haben. Die Affäre war nie zwischen ihre Freundschaft getreten, und auch jetzt konnte er nicht sagen, dass er Liebeskummer hatte, weil sie ihn so stehen gelassen hatte. Nein, verliebt hatte er sich nicht. Aber er wusste jetzt schon: sie hinterließ schon eine komische, leere Stelle in seinem Leben, die eigentlich von dieser kleinen, frechen Blondine gefüllt worden war die letzten Monate.
Kein Wunder, dass er sich am frühen Abend nochmal zurückgezogen hatte - tatsächlich, um sich von ihr zu verabschieden. Direkt nach dem Spiel hatte sie die Neuigkeiten bekommen, und Johnny hatte sie nur noch Rennen sehen und war ihr hinterher. Er hatte ihr Packen geholfen, ihr versprochen, den Rest der Klamotten hinterherzuschicken, und sich um Falina zu kümmern, bis sie zurück kam, um ihr Stütchen zu holen. Er konnte es verstehen, die Gründe, warum sie so überstürzt davon eilte, und einen Vorwurf machte er ihr nicht; trotzdem war sein erster Weg, als er auf die Wiesen zurückkehrte, zum Bierstand.

Besagtes Bier, was er sich dann geholt hatte, war schon fast leer, als Leon zu ihm stieß. Sein bester Freund war frisch geduscht nach dem Fußballspiel, und wie immer fehlerlos elegant gekleidet - manchmal fragte Johnny sich, wie er bei so viel Sexappeal, mit dem er seit Jahrzehnten alles teilte, nicht schwul geworden war. Aber vermutlich lag das dann doch an Leons Charakter. Oder daran, dass Johnny ihn als einen Bruder sah, nicht als einen Freund. Dennoch brachte der Gedanke den Brasilianer zum Schmunzeln.
"Dafür hast du aber eine ganz schöne Klatsche eingefahren, Mann!", denn Johnny konnte das Sticheln ja doch nicht lassen. Grinsend stieß er dem Italiener einen Ellenbogen in die Seite, um zu zeigen, dass er das nicht böse meinte - obwohl es ihm immer wieder Spaß machte, Leon zu triezen. Das war ja auch einer der Gründe, warum er und Lilly sich schon von Anfang an so gut verstanden. "Nicht mal gewonnen hast du - das hätte doch so einfach sein müssen, bei einem Team voller Luschen?" Mit diesen Worten zog er seine Zigaretten aus der Hosentasche, und zündete sich eine an; Leon bot er keine an, mittlerweile wusste er es besser.


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Lillian Adams
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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Fr 12 Jan 2018 - 18:58

Lilly hatte einige gute Freundinnen in ihrem Leben gehabt: in der Schule, bevor sie auf die Horizon Ranch gekommen war; dann war Penny gekommen - Penny, die laut war und Italienerin und die sie immer noch mitten in der Nacht mit einem Notfall anrufen konnte und sie würde kommen; und schließlich Emma. Mit den Mädels aus der Schule hatte Lilly nur noch wenig zu tun, doch Penny war immernoch eine der Wichtigsten Menschen in ihrem Leben; Chris war vielleicht nicht mehr so in der Clique, aber die anderen von damals schon - auch, wenn Lilly sich fragte, wie es werden würde, wenn Penny und Johnny nochmal aufeinandertreffen würden. Bisher war es nicht schwer gewesen, in diesem Rosenkrieg neutral zu bleiben; aber was, wenn beide an einem Ort waren? Lilly wusste es nicht, und sie wollte da auch ehrlich gesagt nicht drüber nachdenken. Emma war wohl die einzige gute Freundin von Lilly, die niemals in irgendeine von Lillys Cliquen gepasst hatte; Emma und sie hatten eine private Freundschaft, aber vielleicht war auch das das, was ihre Bindung so besonders machte. Lilly wusste nur, dass sie die junge Rothaarige schätzte, und sie in ihrem Leben nicht mehr missen wollte.
Umso schwerer fiel es ihr, sie so leiden zu sehen. Emma hatte alles Glück der Welt verdient, und jetzt kamen diese Vollidioten an und meinten, sich um ihr Herz zu prügeln. Noch immer würde Lilly sich sowohl Noah als auch Patrick am Liebsten schnappen und sie beide windelweich prügeln. Das Problem war, dass Lilly sich eigentlich keine Seite aussuchen durfte; sie mochte Noah zwar nicht, das arrogante Arschloch, und sie versand auch nicht, was Emma an ihm fand, aber wenn sie ihre Freundin zu Paddy riet und die Beziehung ging am Ende den Bach runter, würde es darauf hinauslaufen, dass Emma Lilly einen Teil der Schuld zuwies. Und da hatte sie keine Lust drauf, ganz egal, wie sehr sie der Meinung war, dass Patrick, der freundlich und warmherzig war, eine bessere Partie war, gerade für Emma, die so oft noch so unschuldig war.
Jedoch machte es eine neutrale Position nicht einfacher, Emma zu helfen - oft wusste Lilly nicht, wie sie ihrer Freundin etwas Gutes tun konnte, was das Richtige war, das sie in dieser Position sagen musste. Penny, die war da immer gut drin gewesen; die hatte immer die richtigen Worte gehabt. Lilly da dann wohl nicht so sehr. Aber bisher hatte sich Emma noch nicht beschwert oder abgewendet, also konnte sie so viel nicht falsch machen.

Das Schöne an ihrer Freundschaft war, in Lillys Meinung, dass sie nicht immer nur reden mussten. Wie jetzt, in diesem Moment - Emma fand sie, als Lilly sich von Leon verabschiedet hatte, um den auf seinen eigenen besten Freund loszulassen, und sie saßen einfach einige Momente in Stille nebeneinander, ließen einfach die Gesellschaft des Anderen wirken. Lilly verstand das ganze Konzept mit Auras nicht so und fand es auch etwas absurd, aber es stimmte schon, dass sie nicht neben jedem dahergelaufenen Menschen Ruhe finden konnte. Momentan waren das eigentlich nur Leon, aber auch nur in den richtigen Augenblicken, und Emma.
Und dann fragte die Rothaarige nach Leon. Ihre Frage war berechtigt, doch sie brachte Lilly zum Nachdenken. Warum hatte sie damals gewusst, dass Leon derjenige war, den sie haben wollte? "Puh", machte sie, und musste da erstmal drüber nachdenken. Sie rief sich alles wieder ins Gedächtnis, was vor all den Jahren passiert war, und ordnete all die Gedanken, um Emma dann die ganze Geschichte zu erzählen. Sie wusste zwar nicht so ganz, wie ihr das helfen sollte, und war sich ziemlich sicher, dass die Antwort ziemlich enttäuschend sein würde; aber Emma hatte trotzdem die ganze Geschichte verdient.

"Eigentlich, wenn ich ehrlich bin, wusste ich es nicht von Anfang an. Als wir uns kennengelernt haben, ist meine Mutter gerade gestorben, und mein Pferd kurz danach auch. Ich hatte also einen Vater, der versuchte, mir irgendwelche dummen Regeln und ein neues Pferd aufzudrängen, mit dem ich partout nicht klar kam - damals war meine Chocolate eine kleine Ziege, und ich wollte sie nicht. Also hab ich rebelliert. Und Leon war älter, und er hat geraucht, und er hat mir mit seinem ewigen Hin und Her einfach den Kopf verdreht, auch wenn er mir am Ende mit seinem plötzlichen Verlassen das Herz gebrochen hat."
Schmunzeln musste sie trotzdem, obwohl die Worte eigentlich eine harte Geschichte erzählten. Doch sie erinnerte sich mittlerweile positiver an diese Zeiten, ganz einfach, weil alles am Ende doch noch gut geworden waren. "Hier haben wir uns eigentlich durch Zufall gefunden, als ich gerade frisch angekommen waren. Er hatte ein anderes Pferd, ich auch, und unsere Jungs haben sich direkt angefreundet - du kennst Gun und Firesky ja. Aber Leon und ich, wir haben uns anfangs viel gestritten; es standen verdammt viele Sachen zwischen uns, über die wir reden mussten. Als wir das gemacht haben, haben wir beide gemerkt, wie sehr wir uns in diesen kurzen fünf, sechs Jahren verändert haben, und was soll ich sagen? Er hat mir immer noch den Atem geraubt. Ich habe mich neu verliebt, aber in dem Moment, als ich erfahren hab, dass er auch auf den Heaven Meadows leben würde, war mir bewusst, dass es irgendwas zu bedeuten hatte."
Sie trank von ihrem Bier, einen tiefen Schluck, und räusperte sich schließlich in die Stille. "Ich habe nie einen anderen geliebt. Es gab andere, in der Collegezeit. Aber eine Beziehung wie diese hatte ich noch nie. Was soll ich sagen? Es hat sich einfach richtig angefühlt, dass wir die Probleme beiseite räumen und es nochmal versuchen. Immerhin hatte ich ihn nie vergessen, und er mich ja offensichtlich auch nicht." Schließlich blickte Lilly ihre Freundin an. "Ich wünschte, ich könnte dir irgendeine kluge Antwort geben, auf die Frage, woran man merkt, wer der Richtige für einen ist - aber das kann ich leider nicht."


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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Fr 12 Jan 2018 - 19:33

Eigentlich interessierte Noah es reichlich wenig, wie das Fußballspiel ausgegangen war. Dann war es halt ein Unentschieden - na und? Es war nur ein blödes Spiel zwischen Amateuren gewesen, die vorher kaum zusammen auf dem Platz gestanden hatten. Dennoch war Noah zufrieden mit dem Ausgang des Abends. Zwar hörten auf dem Weg in sein Zimmer, zu seiner Dusche, seine Lungen auf zu brennen, doch er wusste, wie viel er geschwitzt hatte - endlich wieder Kalorien, die er verbrannt hatte - und er spürte, wie seine Muskeln brannten, von all der ungewohnten Bewegung und all der Anstrengung, die er auf dem Platz gezeigt hatte. Sein Fußballspiel war vielleicht nicht besonders überragend gewesen, aber er hatte gut mitgespielt und war womöglich die weitesten Strecken auf diesem Platz gelaufen.
Als er unter der Dusche stand, fand Noah einige neue blauen Flecken unter seiner Haut - seit einer Weile entstanden diese schon bei dem leichtesten Stoß. Ein Teil von Noah, der rationale Teil, der noch übrig war, erinnerte sich dran, woran das lag: daran, dass er zu dünn war, dass seine natürliche Schutzschicht sich begann, abzubauen, und dass er deswegen viel leichter zum Bluten kam. Doch der Teil, der momentan die Zügel in der Hand hielt, dachte sich nichts weiter dabei: sie waren nur ein Zeichen dafür, dass er hart gekämpft und seinen Mann gestanden hatte auf dem Feld. Mehr nicht. Niemals mehr. Es fiel ihm trotzdem überraschend schwer, sich das einzureden, als er in den Spiegel starrte, und nur noch einen Schatten seiner Selbst erblickte. Dennoch, er hatte keine andere Wahl als sich zu glauben. Er verdrängte die Gedanken, während er sich anzog, eine eng anliegende schwarze Jeans mit modischen Rissen an den Knien, die er bis über den Knöchel hochkrempelte, dazu ein einfaches, hellblaues Hemd, das ebenfalls hochgekrempelt war, und ein paar gemütliche Vans. Seine Haare stylte er sich mal wieder als Pony ins Gesicht statt aus der Stirn - manchmal war das eine gute Möglichkeit, sich ein wenig zu verstecken.

Auf dem Platz angekommen, erlaubte sich Noah ein Schälchen Pommes, ohne Saucen drauf - das würde reichen, um das weiche Gefühl in seinen Knien wieder auszugleichen, bevor er sich gleich noch ein Bierchen oder drei genehmigen würde. Langsam aß er jede Pommes einzeln, kaute sie ausgiebig, schluckte langsam; er wusste, wie man aus einer kleinen Portion viel zu kauen machte, um dem Magen Fülle vorzugaukeln. Er war ein Profi im Fasten, immerhin war er ein Jockey, der immer ein niedriges Kampfgewicht halten musste; er wollte nicht mehr sein als eine Fliege auf dem Rücken seines Vollbluts, wenn es mit voller Kraft dahindonnerte. Über das Essen fanden seine Blicke immer wieder Emma; Emma, die aus einem ganz anderen Grund nur Pommes aß. Emma, mit der er seit diesem gottvermalledeiten Ritt nicht mehr geredet hatte. Er schämte sich nicht für sein Verhalten; aber er wusste nicht mehr, ob es sich lohnen würde, noch weiterzukämpfen. Lohnte es sich? Er hatte gesehen, wie sie ihn angesehen hatte - sie würde ihn doch sicher für ein Monster halten. Einen Freak. Und so war er davongerannt, hatte sich eingeigelt in seinen Schutzanzug aus Arroganz und fiesen Sprüchen, und hatte mit mehr Frauen geschlafen als im kompletten Rest des Schuljahres.
Helfen tat es trotzdem nichts.
Er schmiss die letzten fünf Pommes weg, denn der Apetit war ihm nun endgültig vergangen, und holte sich schließlich das, worauf er schon seit seiner Dusche wartete: ein Bier. Er trank ein paar Schlucke, und entdeckte Isaac allein auf einer Bank sitzen - über den hatte Noah nicht mehr nachgedacht! Noah entschied, dass Isaac wohl möglich die beste Ablenkung von all dem Scheiß war, die er an diesem Abend bekommen würde, und gesellte sich zu seinem Bruder, der ihn ansprach, bevor Noah auch nur irgendwas sagen konnte. Die Worte waren vielleicht als Spaß gemeint, doch Noah war heute nicht in der Laune, sein Fell war mal wieder nicht dick genug. Und so funkelte er den Älteren - sein Vorbild - böse an.
"Halt den Rand, das geht dich gar nichts an", murrte er, stoppte sich aber selbst, bevor er noch gemeiner werden konnte. "Wie geht's deinem Knie?"
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Rebecca McKinley

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ALTER : Ich kann auf 45 Jahre Lebenserfahrung zurückblicken und eben die weitergeben.
HERKUNFT : Die Stadt, die niemals schläft hat mich geprägt, aber nicht zu einer typischen New Yorkerin gemacht.
BERUF : Zusammen mit Lawrence leite ich den Hof als Stellvertretende Hofleiterin, davon abgesehen lehre ich Springreiten.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Di 16 Jan 2018 - 22:21

Hätte man Rebecca gefragt, wie sie diesen Abend verbracht hatte, hätte sie keine klare Antwort geben können. Irgendwie hatten sie bei der Tombola gestanden und auch ein paar Lose verkauft und dann Preise ausgehändigt, aber sie hatte das Gefühl, komplett neben sich zu stehen. Zwischendurch hatte sie ein Lächeln mit Lawrence getauscht, immer jedoch mit etwas zu weit aufgerissenen Augen, weil sie einfach nicht verarbeiten konnte, wie grausam und zugleich beschenkend sich das Universum wieder präsentierte. Wäre ihr Glaube stärker (oder überhaupt?) ausgeprägt, hätte sie sich vielleicht zum Beten zurückgezogen, um eine Erklärung für diesen Brief und Kraft für die Zukunft zu finden. So jedoch war ihr die Ablenkung durch die Arbeit und die Band gewesen. Sie hatte Lawrence einen Arm um die Taille gelegt und leicht im Takt der Musik gewippt, um wieder etwas Ruhe zu finden – es war ihr auch gelungen. Sie würden diese Herausforderung gemeinsam angehen, so wie sie bisher alles gemeinsam angegangen waren.
Und so fühlte sich Becca zwar immer noch etwas abgehoben und surreal, aber zugleich erdete sie die alte Zuversicht, als sie über den Hof ging, ein Würstchen im Brötchen in der Hand, und sich vorstellte, wie es wäre, das alles mit einem Kind zu erleben. Eigentlich hatte sie gedacht, dass sie ein kleines Kind Stück für Stück darauf gewöhnen würde, dass sie ein Pony kaufen würde, um dem oder der kleinen quasi parallel zum Laufen und Fahrradfahren Reiten beizubringen, dass sie einen Sekretärin einstellen würden, damit sie mehr Zeit für das Kind haben würde. Das sollten sie auf jeden Fall in Angriff nehmen, falls sich Samuel für sie entscheiden würde.
„Wir brauchen eine Bürokraft und ein Anfängerpferd“, teilte sie ihre Gedanken Lewis mit, vielleicht etwas kontextlos, aber sicherlich würde er wissen, wo ihre Gedanken waren.

[Gedanken | Rückblick | Essen | LAWRENCE]
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James Barnes

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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Di 16 Jan 2018 - 22:42

Dean blieb ihm ein kleines Rätsel. Sie waren gemeinsam zum Fest zurückgekehrt und der jüngere Brite hatte sich ein bisschen benommen, wie ein Teenager. James hatte die Nervosität und Aufregung gespürt und Stück für Stück hatte sie das flaue Gefühl vertrieben, das immer noch in seinem Magen lauerte. Die Düfte vom Kuchen und bald vom Grill hatten ihm bewusst gemacht, dass sein Magen zum einen leer und zum anderen noch sehr gereizt war. Die Mischung aus diesen Empfindungen erinnerte ihn an seine Kindheit, wo niemand darauf Rücksicht genommen hatte, ob ihm die Gerüche aus der Küche bei einem Magendarminfekt Würgereiz verursacht hatten. Doch die Erinnerung brachte auch die Gewissheit mit sich, nicht wieder zurück ins Cottage – oder schlimmer noch hinter den nächsten Busch – rennen zu müssen. Er würde damit klarkommen und er wusste, dass er Unterstützung haben würde, die es ihm nicht übel nahm, wenn er sich zurückziehen würde. Dean blieb an seiner Seite. Ein seltsames Gefühl.
James hätte sich nicht so sehr darüber freuen sollen. Der Blonde würde sich in der Hinsicht wohl noch als schwierig entpuppen, wie dieses Hin und Her aus Annäherung und Zurückweisung gezeigt hatte. Bis sie an irgendeinem definierbaren Punkt angekommen sein würden, würde Zeit vergehen und er kannte sich eigentlich gut genug, um zu wissen, dass er mit Herausforderungen außerhalb des Reitplatzes nicht gut klar kam. Im Augenblick jedoch hatte er das Gefühl, dass Dean diese Mühe lohnen würde und das brachte ihn über den Abend, ließ ihn Gefallen an der Musik finden und offenbaren, dass er gern Swing und Jazz mochte, aber auch nichts gegen Pop-Musik hatte – zumindest nicht viel. Er hatte im Gegensatz Deans Reaktionen erlebt, hatte sich fallen lassen können, weil der andere so viel Aufmerksamkeit und Interesse gezeigt hatte. Diese Gefühle waren so echt, dass sie James immer wieder den Atem verschlugen. Das war neu. Diese wie auch immer geartete Beziehung war berauschend.

Ebenso wie die Hand in seinem Rücken, die ihn überraschte und sich zu Dean umdrehen ließ. Ganz unbewusst war ein breites Lächeln über sein Gesicht geglitten. Selbst wenn er gewollt hätte, hätte er sich nicht dagegen wehren können. Dafür war das Gefühl der Hand und die Wärme, die sie so selbstverständlich ausstrahlte, zu schön. Gott, er benahm sich, als sei er vielleicht vierzehn und nicht über dreißig. Aber er konnte es nicht verleugnen – eine Freundschaft wie die mit Dean war für ihn auch nichts Gewöhnliches. Absolut nicht.
„Wasser wäre gut… ich bedauere es allerdings schon, dass ich das Grillen verpasse, so wie du zugeschlagen hast“, erwiderte er, immer noch leicht lächelnd. Am liebsten hätte er den Körperkontakt zu Dean gehalten, aber die Erlebnisse im Cottage hatten ihm gezeigt, dass es dazu noch zu früh war. „Soll ich dich begleiten? Wir können ein wenig über den Platz gehen.“

[Zeitsprung & Rückblick | DEAN]
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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Di 16 Jan 2018 - 22:58

Hatte er schon mal erwähnt, dass er ein kleiner Feigling war? Wenn nicht, sollte er sich jetzt vielleicht ein T-Shirt damit bedrucken lassen. Die Band hatte ihren Auftritt beendet und Patrick hatte die ultimative Chance verpasst, Emma zu einem langsamen Tanz aufzufordern, mit ihr über den Rasen zu gleiten, wie Ed Sheeran in seinem Lied besang, und ihr dann all die Dinge sagen sollen, die ihm in dem Moment eh nicht eingefallen wären. Drei klischeehafte Worte hätten ja auch gereicht, denn eigentlich brauchte es doch nicht mehr. Vielleicht noch, dass er sich selbst nicht mehr ertragen konnte, seit er ihr nicht alles über sich erzählt hatte und dass er dieser verdammte, perfekte Mensch sein wollte, den sie in ihm sah, weil sie vielleicht ja doch recht haben könnte. Vielleicht war er mehr, als er sich eingestehen wollte. Mehr und ein Feigling.
Auch jetzt drückte er sich beim Grillen herum und beobachtete Emma, um den passenden Moment zu erhaschen. Sprich, weil er sich nicht traute, aus dem aktuellen Moment den passenden zu machen. Nervös rang er die Hände, stocherte in dem Salat auf seinem Teller herum, weil er die McKinleys nicht um vegetarisches Essen gebeten und sich selbst auch keines besorgt hatte, und blickte dann schon wieder zu Emma wie ein kranker Stalker. Letztlich ließ er seinen Teller stehen und ging mit zitternden Beinen auf die beiden jungen Frauen zu. Sein Herz raste. Es war so dämlich. Er konnte das. Er war erwachsen und sollte sich endlich auch einmal so benehmen. Und doch war es schwer und er zögerte, schaffte es erst, näher zu treten, als Emma ihn bemerkte.

[Gedanken | geht auf Emma zu (ohne Moon und Katha drängen zu wollen - lass Emma ihn bemerken, wann immer ihr wollt!)]
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Emma Carter
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BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Mi 17 Jan 2018 - 20:08

Emma wusste selbst nicht so recht, was sie sich von ihrer Frage beziehungsweise Lillys Antwort erhoffte. Ihr war eigentlich klar, dass die Dunkelhaarige ihr kein Patentrezept für die LIebe vorlegen konnte und dennoch wünschte ein Teil von ihr es sich. Warum musste es mit Kerlen nur auch immer so schwierig sein? Lillys Geschichte, der Emma gebannt lauschte, konnte sie entnehmen, dass es auch mit dem Römer nicht immer einfach war. Aber die beiden hatten sich wieder- und schließlich sogar zusammengefunden. Gab es nicht ein Sprichwort das besagte, am Ende finde zusammen, was zusammengehört? Emma fragte sich, wie dies wohl bei ihr aussehen würde. Das Ende. War damit überhaupt das Leben gemeint oder nur ein Abschnitt? Was brachte es schon, endlich die große Liebe gefunden zu haben, wenn man danach in den Tod ging? Immerhin hatte man dann die Bestätitgung, dass es dort draußen eine Person gab, die fühlte wie man selbst.
Sie konnte sich Lillys und Leons Geschichte beinahe bildlich vorstellen, wie die beiden rebellierenden teenager das erste Mal aufeinandertrafen, wie Leon Lilly in ihren Bann zog und wie sie sich dann auf den HMS wiedertrafen. Wie sie miteinander stritten, wie sie es heute manchmal noch taten, und sich letztendlich liebten, wie es sie auch heute taten. Lilly hatte recht: Es gab kein einschlägiges Kriterium, das sagte, wer der Richtige war. Lilly hatte es für sich einfach gespürt, als der Zeitpunkt dafür gekommen war. Und Leon offenbar auch. Patrick und Noah hatten ihr nie gesagt, dass sie sie liebten.
War es an ihr, diesen Schritt zu gehen, während sich die beiden seit dem Wanderritt wie Idioten benahmen? Patrick vertraute ihr immer noch nicht genug, um über sich selbst zu sprechen und Noah wirkte, als wolle er jeglichen Kontakt mit ihr vermeiden. Wie zur Hölle sollte sie da eine Entscheidung fällen? Vielleicht sollte sie einfach Johnny nehmen und mit ihm durchbrennen, dann konnten sie auf Doppeldates mit Lilly und Leon gehen. Beste Freunde vereint - oder so. Kurzzeitig schwiff ihr Blick tatsächlich zu Lillys Freund und dessen besten Kumpel, die etwas abseits standen und Bier tranken. Nein, auch wenn Johnny eine Augenweide war, sie konnte das nicht. Dafür fühlte sie dann doch zu viel für...
Patrick?
Die Rotblonde nahm die Bewegung aus dem Augenwinkel war. Eine Silhouette, die sich ihnen näherte und dann stehen blieb, ohne einen laut von sich zu geben. Irritiert sah Emma zur Seite und erkannte den Westernazubi, der etwas unschlüssig dreinblickte. Sie warf ihm einen fragenden Blick zu, doch er schien, als wolle er sie alleine sprechen.
"Das klingt fast ein wenig nach romantischem Klischee. Ihr beide gehört auch einfach zusammen." Sie brachte sogar ein ehrliches Lächeln zustande, denn auch wenn es ihr nicht weitergeholfen hatte, so hatte sie die Geschichte von Leon und Lilly doch ein wenig abgelenkt. "Danke. Ich - ehm - ich würde mal kurz zu Patrick gehen, ich glaube, er will mir etwas sagen. Vielleicht diesmal, was wirklich mit ihm los ist und nicht wieder irgendwelche Geschichten." Entschuldigend sah sie Lilly an, doch die Kalifornierin würde das sicher verstehen. Lilly verstand immer. Teilweise so viel mehr als Emma selbst. Zumindest kam es ihr so vor. Vielleicht machten drei Jahre doch etwas aus.

Und was machten sechs Jahre aus? Die Australerin war aufgestanden und auf Patrick zugegangen, ehe sie sich etwas vom Geschehen abwandten. Er wirkte bedrückt, das sah sie sofort und am liebsten hätte sie ihn tröstend in den Arm genommen und gefragt, was los war. Aber auch das war seit dem Ritt nicht mehr so einfach. Seit sie wusste, dass er auch ihr nicht vollkommen vertraute. Doch was erwartete sie auch? Sie war doch so viel jünger als er und so unentschlossen. Womöglich war Freundschaft doch die bessere Variante? Bei dem Gedanken zog sich ihr Herz zusammen. "Hey, was gibt's?" Sie bemühte sich um einen ruhigen Tonfall, während ihr Herz wie die Base Drum eines Schlagzeugs gegen ihren Brustkorb schlug.
{Gespräch mit Lilly | Paddy}
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Penelopé Russo
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BEITRÄGE : 10
ALTER : Wenn ich darüber nachdenke, muss ich immer wieder feststellen, dass ich mich noch lange nicht wie 23 Jahre fühle
HERKUNFT : Wem das noch nicht aufgefallen ist, dem sei gesagt, dass ich eine waschechte Italienerin bin. Mein Heimatort ist Livorno in der Toskana.
AUSBILDUNG : Obwohl ich früher auch leidenschaftlich Western geritten bin, wenn auch mehr schlecht als recht, so hat die Dressur schon immer eine große Faszination auf mich ausgeübt.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Mi 17 Jan 2018 - 20:33

Die Heaven Meadows Stables waren wundervoll.
Anders ließ es sich einfach nicht beschreiben. Dabei hatte Penelopé Russo immer gedacht, dass die Horizon Ranch das Pferde- und Reiterparadies auf Erden waren. Aber dieser Hof hier setzte noch einmal einen oben drauf, nicht nur, weil er nicht diesen Schulflair versprühte. Es wirkte fast ein wenig, als würde sie ihr Urlaubsdomizil beziehen, dabei war das nun ihre Bleibe für die nächsten drei Jahre. Eine lange Zeit. Eine Zeit, in der sie viele neue Erfahrungen machen und viele neue Menschen kennenlernen würde. Und einige bekannte.
Glücklicherweise waren Mr und Ms McKinley so großzügig gewesen und hatten sie jetzt zum Halbjahr aufgenommen. Die Einreiseerlaubnis für ihren Wallach hatte dann doch so ihre Zeit in Anspruch genommen und in den letzten Monaten war ohnehin alles drunter und drüber gegangen. Umso mehr freute sich Penelopé nun darauf, endlich wieder soetwas wie Altag zu spüren.
Nachdem Nabaleejh in seine Box eingezogen war und Penny ihm noch eine ganze Weile Gesellschaft geleistet hatte, um sicherzugehen, dass er auch ruhig blieb, hatte sie ihre Sachen verräumt und war dann mit Sherlock im Schlepptau in richtung Cottage gegangen, um ihr neues Zuhause zu beziehen.
Als sie die Holztür zum Cottage öffnete war es fast ein wenig, als würde sie nach Hause kommen. Dort lagen wild durcheinander eine Ansammlung an Sneakern neben der Garderobe, dazwischen einige Fußballschuhe und Stutzen (natürlich nicht das hochheilige beste Paar), auf dem Couchtisch stapelten sich Fachbücher über Reiterei und an einer zweiten Garderobe tummelten sich sämtliche Stalljacken und darunter Reitstiefel und Stallschuhe. Penny konnte ein schmunzeln nicht unterdrücken, als sie die Tür hinter sich schloss und Sherlocks Leine vom Halsband löste. "Das ist dann wohl unser neues Zuhause, Sherli. Was sagst du, kann man es hier aushalten?" Der Irish Setter sah sie hechelnd an und inspizierte dann auch schon schnüffelnd das Haus. Eine Couchdecke hatte es ihm besonders angetan, mit Blick auf die schokoladenfarbenen, kurzen haare, die an dieser hafteten, ahnte Penny, dass es wohl Bellas Decke sein musste. Sie war gespannt, wie die Hündin wohl auf Sherlock reagieren würde. Sie hatte Zimmer Nummer 3, das hatte McKinley ihr vorhin noch gesagt, als er ihr die Schlüssel übergeben hatte. Das Zimmer war geräumig, es beherbergte ein großes Bett, einen Kleiderschrank (der niemals für alle von Pennys Klamotten reichen würde), einen Schreibtisch und ein Regal. Eigentlich alles, was man brauchte. Sie ließ ihre Tasche fallen und stellte den Koffer ab. Mit dem genauen Einräumen würde sie sich wohl morgen beschäftigen, jetzt kramte sie nur das Wichtigste heraus, machte sich im Bad ein wenig frisch und wollte dann auf das Sommerfest, von dem ihr die McKinleys (und auch Lilly via Whatsapp) bereits erzählt hatten. Sie freute sich insgeheim wahnsinnig darauf, Lilly wiederzusehen und sie zu überraschen. Genauso freute sie sich auf Leon, ihn hatte sie eine halbe Ewigkeit nicht gesehen, was für sie beide mehr als untypisch war. Und dann war da auch noch Johnny. Sie wusste, dass er hier war. Lilly hatte es ihr natürlich erzählt. Es war okay, aber sie wusste nicht, wie sie ihm begegnen sollte. Sie waren jetzt fast zwei Jahre getrennt, hatten sich auch mindestens 1 1/2 Jahre nicht gesehen. Wie sollte da ein Wiedersehen aussehen? Mit einem Seufzen beschloss sie, sich nicht weiter darüber den Kopf zu zerbrechen, sondern Lilly zu suchen. Wenn sie Glück hatte, dann musste sie Johnny heute noch gar nicht begegnen. Also für die Italienerin den dunkelroten Lippenstift noch einmal nach, strich sich die kurzen Haare zurück und schlüpfte dann in ihre hellbraunen Ankle Boots. Dazu trug sie eine enge dunkelblaue Röhrenjeans, ein dunkelrotes V-Neck-Shirt und eine hellbraune Wildlederjacke. Wie immer ein stimmiges Outfit, das von etwas goldenem Schmuck abgerundet wurde. Sherlocks rotbraunes Fell passte perfekt zu dem Outfit und mit einem Schmunzeln, legte sie ihm die Leine wieder an und verließ das Cottage in Richtung Wiesen.

Natürlich hatte es Penny sich nicht nehmen lassen, Naba noch einen Besuch abzustatten, auch wenn offiziell ab 21 Uhr niemand mehr im Stall sein sollte, damit die Pferde Ruhe hatten. Am ersten Abend schon ein Regelbruch? Aber sie musste sicher sein, dass es ihrem Marwari gutging. Tatsächlich hatte er dann auch seelenruhig in seiner Box gestanden, mit Blick hinaus auf seinen Paddock und zufrieden sein Heu gekaut. Das neue Heim schien für gut befunden. Mit einer Möhre und einem Gute-Nacht-Kuss verabschiedete sich Penny von ihm und machte sich auf die Suche nach Lilly.
Leider hatte Penny alles vom Fest verpasst, was es so an Attraktionen gab. Auch die Band, die sie gehofft hatte noch zu sehen und die die ersten Töne gespielt hatten, als sie gerade ihren Sattelschrank eingeräumt hatte.
Mit einem Grinsen auf den Lippen joggte sie jetzt schon fast auf die Wiesen zu. Sherlock dicht an ihrer Seite. Der Rüde musterte seine Umgebung aufmerksam und spähte wahrscheinlich schon nach ein paar Dingen, die man hier anstellen konnte. Der Geruch von Grill und Brötchen stieg Penny in die Nase und da merkte sie erst, wie viel Hunger sie eigentlich hatte. Seit ihrem Frühstück heute morgen hatte sie nichts mehr gegessen, im Flugeug hatte sie vor Aufregung keinen Bissen herunterbekommen und auch jetzt schlug ihr das Herz wieder bis zum Hals. Aber das lag vor allem daran, dass sie eine ihr wohl bekannte, dunkle, wellige Mähne ausgemacht hatte, deren Besitzerin mit dem Rücke zu ihr saß. Deneben ein rotblondes Mädchen, das nun aufstand und mit einem jungen Mann fortging. Schmunzelnd bedeutete Penny Sherlock jetzt bloß keinen Mucks zu machen und ging dann zu Lilly.
"Ciao Bella, come stai?"* Sie legte ihrer besten Freundin von hinten beide Arme um dem Hals und drückte sie an sich, ehe sie Lilly wieder zu Luft kommen ließ und sich vor sie stellte. Ihre braunen Augen strahlten ihre beste Freundin an, die sichtlich perplex war. Das nannte man wohl eine gelungene Überraschung. Sherlock inspizierte derweil neugierig Lillys Handflächen, die auf ihrem Schoß lagen und betrachtete sie dann mit treudoofem Blick. "Was ist, hat dir mein Anblick die Sprache verschlagen? Ich bin's nur, deine neue Mitbewohnerin. Du kennst das doch, so schlimm bin ich nicht." Sie drehte sich wie zur Bestätigung ihres atemberaubenden Anblicks einmal lachend um sich selbst. Was konnte es wundervolleres geben, als diesen neuen Lebensabschnitt mit der besten Freundin zu beginnen?

{Rückblick | Cottage | Nabaleejh | Lillian}
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Lawrence McKinley
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HERKUNFT : Als Heimatliebhaber habe ich Kalifornien immer die Treue gehalten.
BERUF : Der Verantwortung als Hofleiter und Dressurlehrer kann und sollte man sich nicht entziehen.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Mi 17 Jan 2018 - 20:51

Die Todesnachricht war überraschend gekommen und mit ihr die darin enthaltene Möglichkeit. Immer waren Rebecca und Lawrence davon ausgegangen, dass sie ein kleine Kind adoptieren würden. Vielleicht kein Neugeborenes, aber zumindest ein Kleinkind. Keines, das bereits die ersten Schuljahre hinter sich hatte und dessen Entwicklungsschritte sie nur noch wenig würden begleiten können. Aber es war auch eine Chance. Für sie alle. Schon am nächsten Morgen würde Becca ihre Antwort dem Amt überbringen und dann würden sie auf Samuels Reaktion warten müssen. Darauf, dass er sie akzeptierte. Fast wurde Lewis ein wenig leicht ums Herz bei dem Gedanken, bald ein Kind um sich zu haben, das sie lieben konnten und das hier bei ihnen aufwuchs. Er wollte dem Jungen noch eine Kindheit ermöglichen, die schon jetzt viel zu sehr erschüttert worden war. Lewis wusste genau, wie es sich anfühlte eine geliebte Person zu verlieren. Katjas Autounfall hatte ihn noch viele Jahre danach in seinen Träumen verfolgt und ihn auch tagsüber von der Arbeit abgehalten. Aber dann war Becca gekommen und es war wie ein Neuanfang gewesen. Es hatte sich richtig angefühlt und das tat es jetzt auch.
Nach einer Stärkung mit Brötchen und Bratwurst hatten sie den Klängen der Band gelauscht, hatten mitgeschunkelt, fast etwas mitgetanzt. Für eine Weile hatte sich ihre Welt unbeschwert angefühlt, ehe die letzten Akkorde verklangen und all ihre Sorgen wieder auf sie einstürzten. Auch wenn sich Lewis darauf freute, für ein Kind zu sorgen, so mischte sich auch ein mulmiges Gefühl mit hinein. Was, wenn Samuel Pferde nicht mochte? Was, wenn er den Hof nicht mochte? In Crescent Bay und der örtlichen Schule würde er sicher Freunde finden und doch rissen sie ihn aus seinem gewohnten Umfeld, wenn er zu ihnen kam. Sicherlich keine leichte Aufgabe, wenn man gerade die Mutter verloren hatte.
Erst Beccas Worte holten ihn aus seinen Gedanken zurück, doch auch sie schien zu sinnieren. Eine Bürokraft würde vermutlich nicht schlecht sein, da mochte sie recht haben. Er selbst hatte drei Azubis zu unterrichten, ein eigenes Pferd zu reiten und einen Hof zu führen. Und schließlich ein Kind zu erziehen. Es würde noch weniger Zeit für den Bürokram bleiben. Und Becca hatte ebenfalls eine Azubine zu trainieren, ein Pferd zu versorgen und wollte sich gewiss bestmöglich um Samuel kümmern. Jemand, der ihnen mit dem Papierkram half war unumgänglich. "Sobald wir die Bestätigung haben, dass er wirklich zu uns kommt, können wir uns nach jemandem umsehen und die Stelle ausschreiben." Und schließlich noch ein weiteres Pferd. Es war nicht so, dass sie die Kapazitäten nicht hatten, der Hof war für weitaus mehr Azubis und Pferde ausgelegt, als er sie aktuell beherbergte, auch wenn Lewis mit Stolz immer wieder feststellte, wie voll die Stallungen inzwischen geworden waren. "Und - was, wenn er gar nicht reiten will? Oder keine Pferde mag?", sprach er schließlich seine Bedenken aus. Er war kein Freund davon, Pferde anzuschaffen und sie dann wieder abzuschieben, wenn keine Verwendung für sie bestand. Und ein Kinderreitpferd würde er kau den Azubis unterjubeln können.
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Patrick Murray
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AUSBILDUNG : Westernreitlehrer werde ich in rund einem Jahr sein. Falls mich O'Donneil nicht vorher doch erschlagen hat.

BeitragThema: Re: Wiesen und Felder   Sa 20 Jan 2018 - 14:59

Patrick war nie um Worte verlegen gewesen. In schätzungsweise 99% aller Situationen, in denen er sich befunden hatte, hatte er auch gewusst, was er sagen konnte, um sich herauszureden. Eigentlich konnte er mit jedem plaudern – von McKinley zu Shana, auch wenn es mit manchen schwieriger war als mit anderen und ihm ziemlich oft sogar komische Blicke entgegen gebracht wurden oder der Gesprächspartner irgendwann das Handtuch warf und ihn stehen ließ. Worauf er hinaus wollte – er war eloquent. Eigentlich.
Aber jetzt, da Emma vor ihm stand, ihn fragend und mitleidig ansah, aber keinerlei Körperkontakt suchte, schien es ihm, als sei seine Zunge auf das doppelte Maß angeschwollen. Schlimmer als bei jedem Kater. Hätte er den Moment besser planen sollen? Hätte er Rosenblätter ins Cottage streuen sollen und Kerzen aufstellen, um sich darauf vorzubereiten, was er vor hatte? Vielleicht wäre das eine Alternative gewesen, aber wahrscheinlich hätte er alles in Windeseile auch wieder zusammengeräumt, weil er kalte Füße bekommen hätte. Konnte er noch einen Rückzieher machen oder würde er sich dann endgültig nicht mehr ins Gesicht sehen können. Oder schlimmer noch – würde Noah ihm am Ende zuvorkommen und ihm die Entscheidung abnehmen? Würde dieses Gerippe am Ende mutiger sein als er? Nein. Das konnte und durfte er nicht riskieren. Wenn Emma ihm gleich sagen würde, dass sie sich gegen ihn entschieden hätte, dann wäre das katastrophal und ein Weltuntergang und vielleicht ein Grund, wieder auf Fastfoodverkaufen umzusteigen, was die berufliche Zukunft betraf, aber er würde immerhin einmal, nur ein einziges verdammtes Mal Rückrad bewiesen haben. Danach konnte er den Schwanz wieder einziehen. Das wäre okay. Und was hatte er schon… okay, er hatte verdammt viel zu verlieren, nämlich Emma. Aber manchmal musste man eben auch etwas riskieren, oder?
„Ich… würde gern mit dir reden...“, brachte er heraus und hatte das Gefühl, seit drei bis vier Wochen in einer Wüste herumgelaufen zu sein, so trocken war sein Hals auf einmal. Er würde das schaffen. Er würde es schaffen. Er würde klingen wie ein Reibeisen, schlimmer als Bonny Tyler, aber er würde es schaffen. „Etwas außerhalb des Trubels.“
Langsam gingen sie auf den Rand des Feldes zu, immer noch ohne Berührungen. Erst, als die Lichter schwächer geworden waren und sich in die Nervosität auch die Bestärkung eingemischt hatte, dass Emma wenigstens da war, traute er sich, ihre Hand zu ergreifen. Im Gegensatz zu seiner war ihre angenehm warm.
Es war nicht der perfekte Ort. Die Geräusche des Festes klangen noch zu ihnen herüber, es roch nach Grillkohle und romantische Blüten oder Blumen gab es auch keine. Nicht einmal Pferde grasten heute Nacht auf der Weide. Aber vielleicht würde es das ja auch einfacher machen.
„Emma...“, begann er, räusperte sich und setzte erneut an, um den Mund wieder zu schließen. Gott, wenn das schon so schwer war… Worte! Er brauchte verdammte Worte! Ehrliche Worte, keine Floskeln, keine, die ihn tiefer in dieses leichte Misstrauen hineinverstrickten, in dem er schon festhing. Patrick räusperte sich erneut, schloss kurz die Augen. Er konnte sich an keinen Moment erinnern, an dem er so nervös gewesen war. Ihm war regelrecht schlecht. „Ich weiß, dass ich nicht Prince Charming bin, ich weiß, dass ich einen ziemlichen Sack an Altlasten mit mir herumschleppe und nicht gerade der vertrauensvollste Mensch bin, wenn es um meine Vergangenheit bin. Und das alles tut mir leid, weil du… du die Einzige bist, der ich vertrauen möchte, der ich mich öffnen möchte, weil du… die Einzige für mich bist. Du bedeutest mir mehr als alles andere und ich kann mir nicht vorstellen, wie es ohne dich wäre, weil… weil ich mich in dich verliebt habe.“ Er suchte ihren Blick, betete im Stillen, dass sie ihn nicht zurückweisen würde.
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